Die Kosten für Pflegeheime steigen weiter. Im Schnitt müssen Pflegebedürftige inzwischen mehr als 3.200 Euro im Monat selbst zahlen. Viele Familien fragen sich deshalb: Was passiert, wenn Rente und Erspartes nicht mehr ausreichen?
Pflegeheim wird für viele unbezahlbar: Wann das Sozialamt einspringt
Auf einen Blick
- Pflegeheime kosten Betroffene inzwischen oft mehr als 3.200 Euro im Monat.
- Reichen Rente und Vermögen nicht aus, kann das Sozialamt einspringen.
- Kinder müssen erst ab mehr als 100.000 Euro Jahresbrutto Elternunterhalt zahlen.
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Pflegeheimkosten steigen 2026 erneut deutlich
Die Pflegeversicherung deckt längst nicht mehr alle Kosten ab. Besonders Unterkunft, Verpflegung und Investitionen treiben die Eigenanteile nach oben.
Wird man pflegebedürftig, kommt die Pflegekasse dafür auf – diese Formel stimmt schon lange nicht mehr. „Heute ist die Leistung der Pflegeversicherung nur noch ein Teilzuschuss“, sagt Ulrike Kempchen, Juristin bei der Bundesinteressenvertretung für alte und pflegebetroffene Menschen e.V. (BIVA). Dieser fließt vor allem in die pflegerischen Leistungen; für Unterkunft und Verpflegung müssen Pflegebedürftige selbst aufkommen und sie müssen sich an den Ausbildungskosten des Personals sowie an baulichen Investitionen des Heims mit jeweils einer Pauschale beteiligen.
So hoch ist der Eigenanteil aktuell
Neue Zahlen des vdek zeigen, wie stark die Belastung für Pflegebedürftige inzwischen geworden ist.
3.245 Euro fallen im Bundesdurchschnitt im ersten Aufenthaltsjahr in einem Heim an Eigenanteil an, zeigt eine Auswertung des Verbandes der Ersatzkassen e. V. (vdek) für Januar 2026. Das entspreche einer Steigerung von 261 Euro im Vergleich zum Vorjahr. In einigen Bundesländern sind die Durchschnittskosten höher, Bayern und Baden-Württemberg führen das Feld an mit über 3.500 Euro im Monat. „Mit längerer Verweildauer in einer Pflegeeinrichtung sinkt der Eigenanteil, denn der Gesetzgeber gewährt einen prozentualen Leistungszuschlag auf die pflegerischen Kosten“, erklärt Kempchen gegenüber biallo.de. So fallen zum Beispiel für einen Heimplatz in einem Münchner Vorort, der im ersten Jahr rund 3.650 Euro im Monat kostet, aktuell ab dem zweiten Jahr rund 3.220 Euro an, im dritten Jahr noch 2.650 Euro und im vierten Jahr rund 1.930 Euro. Wird die kommende Pflegereform so umgesetzt, wie derzeit geplant, sinken die Heimkosten künftig über einen längeren Zeitraum – nicht mehr nach zwölf, sondern erst nach 18 Monaten.
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Wer ein Pflegeheim bezahlen muss
Bevor das Sozialamt einspringt, müssen Betroffene zunächst eigenes Einkommen und Vermögen einsetzen.
Jeder muss seine Pflege zunächst selbst finanzieren. Dafür muss man sämtliche finanziellen Mittel, die einem zur Verfügung stehen, einbringen: Eine Rente, eine private Altersvorsorge, weitere Einkünfte, etwa aus Vermietung und Verpachtung, sowie vorhandenes Vermögen. „Auch eine eigene Immobilie muss verkauft werden, wenn die eigenen Einkünfte nicht ausreichen“, betont die Juristin. Ein Schonvermögen von 10.000 Euro dürfen Pflegebedürftige behalten.
Diese Regeln gelten für Ehepaare
Anders sieht die Rechnung aus, wenn ein Ehepartner noch in der Wohnung oder einem Haus zurückbleibt. „Wie viel der Ehepartner zur Finanzierung des Pflegeheims aufbringen muss, richtet sich nach der Düsseldorfer Tabelle, der Richtlinie zur Unterhaltsberechnung“, sagt Ulrike Kempchen. Darin sei ein Eigenbedarf von rund 1.500 Euro im Monat vorgesehen, den ein Ehepartner für sich behalten darf. Es käme aber auf den Einzelfall an, betont die Juristin. Diese Summe könne höher ausfallen, wenn zum Beispiel Wohnkosten teurer sind oder hohe Ausgaben für Krankheit zu leisten seien. Laut Kempchen sei eine Immobilie dann in der Regel nicht zu veräußern, wenn sie angemessen sei. Ein Ehepaar darf ein gemeinsames Schonvermögen von 20.000 Euro behalten.
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Wann das Sozialamt die Pflegekosten übernimmt
Erst wenn alle privaten Mittel zur Finanzierung der Pflege ausgeschöpft sind, springt das Sozialamt ein. Es kann dann „Hilfe zur Pflege“ gewähren. Lediglich in Nordrhein-Westfalen ist noch ein Pflegewohngeld vorgeschaltet. Wer Hilfe zur Pflege beantragt, sollte zuerst seine Bedürftigkeit möglichst umgehend beim örtlichen Sozialamt anzeigen, auch wenn der förmliche Antrag noch nicht fertig ist. „Auch wenn das Sozialamt den Heimplatz bezahlt, bleibt der Umfang und die Qualität der Pflege gleich“, betont die Juristin. Mit Antragstellung werden auch die Einkommensverhältnisse der Kinder überprüft. „Kinder werden nur noch zu Unterhaltungszahlungen herangezogen, wenn ihr Jahresbruttoeinkommen mehr als 100.000 Euro im Jahr beträgt“, so Kempchen.
Müssen Kinder für Pflegeheimkosten zahlen?
Viele Angehörige sorgen sich davor, für die Pflegekosten ihrer Eltern aufkommen zu müssen. In der Praxis betrifft das heute aber nur noch wenige Familien. Seit 2020 gilt: Kinder müssen erst dann Elternunterhalt zahlen, wenn ihr Jahresbruttoeinkommen über 100.000 Euro liegt.
Biallo-Lesetipp: Wann Kinder für Pflegekosten zahlen müssen
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Wie Sie bei Pflegeheimen Kosten sparen können
Die Preisunterschiede zwischen einzelnen Einrichtungen sind teils enorm. Ein Vergleich kann mehrere Hundert Euro im Monat sparen.
Es lohnt sich, die Kosten von Pflegeeinrichtungen zu vergleichen. Es kann durchaus sein, dass Heimkosten von zwei benachbarten Pflegeheimen unterschiedlich hoch sind. Kempchen zufolge sollte man vor allem die Investitionskosten im Blick haben. „Bei sehr alten Heimen mit einem offensichtlichen Sanierungsstau kann die Investitionskostenpauschale durchaus plötzlich höher ausfallen.“
Viele Menschen möchten trotz Pflegebedürftigkeit möglichst lange zuhause bleiben. Welche Zuschüsse und Möglichkeiten es dafür gibt, lesen Sie in unserem Ratgeber zur Pflege zuhause. Welche Regeln für ausländische Betreuungskräfte gelten und welche Kosten entstehen können, erfahren Sie in unserem Überblick zu Betreuungskräften aus dem Ausland.
Warum Verbraucherschützer Pflegezusatzversicherungen kritisch sehen
Viele Jahre lang galten private Pflegezusatzversicherungen als gute Option, um den Pflegefall zu finanzieren. Inzwischen raten Verbraucherschützer von den Policen eher ab. „Die Beiträge für die Policen sind bei gleicher Leistung nahezu explodiert“, hat Philipp Opfermann, Versicherungsexperte bei der Verbraucherzentrale, erfahren. Zudem decken sie den ebenso enorm gestiegenen Eigenanteil an den Heimkosten nicht mehr ab. „Am Ende muss dann trotz eines teuren Vorsorgeprodukts das Sozialamt einspringen.“
Was Betroffene jetzt wissen sollten
Viele Familien stellen sich dieselben Fragen, wenn die Pflegeheimkosten plötzlich stark steigen. Die wichtigsten Antworten im Überblick.
Wann zahlt das Sozialamt das Pflegeheim?
Wenn Einkommen und Vermögen nicht mehr ausreichen, kann „Hilfe zur Pflege“ beantragt werden.
Müssen Kinder für Pflegekosten der Eltern zahlen?
Nur wenn ihr Jahresbruttoeinkommen über 100.000 Euro liegt.
Wie lassen sich Pflegeheimkosten senken?
Ein Vergleich verschiedener Einrichtungen kann mehrere Hundert Euro Unterschied im Monat ausmachen.
Checkliste: Das sollten Sie frühzeitig prüfen
Wer einen Pflegeheimaufenthalt vorbereitet, sollte wichtige finanzielle Fragen möglichst früh klären.
- Eigenanteil des Pflegeheims prüfen
- Mehrere Einrichtungen vergleichen
- Pflegegrad kontrollieren
- Vermögen und Einkommen zusammentragen
- Beratung beim Pflegestützpunkt nutzen
- Antrag auf Hilfe zur Pflege frühzeitig vorbereiten
- Unterlagen für das Sozialamt sammeln
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