So klappt es ganz legal

Haushaltshilfen aus Osteuropa So klappt es ganz legal

Annette Jäger
von Annette Jäger
16.03.2018
Auf einen Blick
  • Die Haushaltshilfen aus Osteuropa ziehen in den Haushalt des Pflegebedürftigen ein und unterstützen ihn im Alltag.

  • Die Kosten können schnell mehr als 2.000 Euro im Monat betragen.

  • Die meisten Haushaltshilfen werden über Vermittlungsagenturen in Form einer Entsendung beschäftigt.

 

 

 

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Haushaltshilfen aus Osteuropa sind inzwischen fest etabliert in deutschen Haushalten und ein nicht mehr wegzudenkender Standpfeiler in der Versorgung pflegebedürftiger Menschen. Da die Helferinnen mit im Haushalt des Hilfebedürftigen leben, lässt sich so ein Umzug in ein Pflegeheim oft vermeiden. Für die alten Menschen ist das von großem Vorteil: Sie können in ihrem gewohnten Umfeld bleiben, was gerade für Menschen mit einer Demenzerkrankung von Bedeutung ist.

Sie haben oft einen hohen Betreuungsbedarf, sind aber noch körperlich fit, so dass eine Versorgung im Heim eigentlich nicht nötig wäre. Die Versorgung durch eine ausländische Haushaltshilfe ist nicht die günstigste, doch die Nachfrage ist ungebremst hoch. Das zeigt die erste Resonanz eines Beratungstelefons, das die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen im Februar 2018 startete. Schon im ersten Monat wendeten sich über 30 Bürger an die Expertin am Telefon mit Fragen rund um die Organisation einer solchen Hilfe.

Mitverantwortlich für die große Nachfrage ist wohl auch die Tatsache, dass es seit einigen Jahren völlig legal ist, eine solche Haushaltshilfe bei sich zu beschäftigen. Wie das funktioniert, was es kostet und worauf es ankommt, erfahren Sie auf den folgenden Seiten.

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Haushaltshilfen aus Osteuropa: So arbeiten sie

Wer darf als Haushaltshilfe arbeiten?

Bürger aus allen EU-Ländern dürfen in Deutschland als Haushaltshilfen arbeiten. Theoretisch könnten die Helfer auch aus Spanien und England kommen. De facto kommen sie aber aus Osteuropa. Für viele Menschen dort, die in ihrem Heimatland nur eingeschränkte Verdienstmöglichkeiten haben, ist die Arbeit in Deutschland als Haushaltshilfe eine gute Möglichkeit, Geld zu verdienen. Seit Juli 2015 gilt für alle osteuropäischen Staaten, die der EU beigetreten sind, die Arbeitnehmerfreizügigkeit.

Menschen aus diesen Ländern dürfen bei uns in allen Berufszweigen arbeiten, ohne eine Erlaubnis der Arbeitsagentur einholen zu müssen. Zu diesen Ländern gehören Bulgarien, Estland, Kroatien, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, Slowakische Republik, Slowenien, Tschechische Republik oder Ungarn. Die meisten Haushaltshilfen, die in Deutschland Pflegebedürftige unterstützen, stammen aus Polen und Bulgarien.

Welche Tätigkeiten sind erlaubt?

Viele meinen, eine Hilfskraft aus Osteuropa ersetze eine Pflegekraft. Das ist ein Irrtum. Die ausländischen Helfer dürfen zwar pflegerische Alltagstätigkeiten ausüben. Einen ambulanten Pflegedienst dürfen sie aber nicht ersetzen.

Im Zentrum der Tätigkeit stehen Hausarbeiten wie Einkaufen, Kochen, Aufräumen, Putzen. Darüber hinaus sind zusätzlich pflegerische Alltagshilfen erlaubt. Also alles, wofür keine pflegerische Ausbildung nötig ist. Dazu gehören Hilfeleistungen in den drei Bereichen Körperpflege, Ernährung, Mobilität. Das beinhaltet Hilfe beim An- und Auskleiden, Aufstehen und Zu-Bett-Gehen, Baden, Duschen, Pflegen von Haar, Haut, Zähnen und Nägeln, Essen und Trinken, Fortbewegen innerhalb und außerhalb der Wohnung, um nur einige Beispiele zu nennen.

Alle Tätigkeiten, die eine spezielle Ausbildung erfordern, also medizinische Handgriffe wie Verbände wechseln oder Spritzen geben, sind nicht erlaubt. Auch wenn die Haushaltshilfe in ihrem Heimatland als Fachkraft eine solche Tätigkeit ausgeübt hat, ist dies hierzulande verboten. Dafür müsste sie zunächst ihre ausländische Qualifikation in Deutschland anerkennen lassen.

Wichtig: Die Haushaltshilfen ersetzen keinen ambulanten Pflegedienst, können ihn aber durchaus ergänzen. Sie stellen eher eine Entlastung für die Angehörigen dar. Ist eine 24-Stunden-Betreuung notwendig, dann kann dies nur in Schichtarbeit mit mehreren Helfern umgesetzt werden. Denn gesetzlich festgeschriebene maximale Arbeitszeiten (48 Stunden pro Woche bei sechs Arbeitstagen pro Woche) sind einzuhalten.

Gute Arbeitsbedingungen gewünscht

Der Bedarf an Haushaltshilfen ist größer, als der Markt decken kann. Gut also, wenn sich der Haushalt als attraktiver Arbeitsort präsentiert. Die Haushaltshilfe sollte ein eigenes Zimmer zur Verfügung haben. Fernsehen, Internet- und Telefonanschluss zur freien Benutzung sind wünschenswert. Anreize können auch zusätzliche Urlaubstage sein wie Heimatbesuche, die den Haushaltshilfen sehr wichtig sind. Oder die Übernahme von Anreisekosten. Zu guten Arbeitsbedingungen gehört außerdem mindestens ein freier Tag pro Woche, ein Gehalt nach Tarif und die Einhaltung der Wochenarbeitszeit.

Wichtig ist auch eine gute Kommunikation. Vor allem in der Anfangszeit sollte es ein offenes Ohr für Fragen und Probleme geben. Haushalthilfe und Auftraggeber wohnen eng zusammen. Beide kennen sich nicht und müssen sich erst aneinander gewöhnen. Das bedarf Einfühlungsvermögen von beiden Seiten.

Haushaltshilfe beschäftigen: Modell Arbeitgeber

     

Selbst Arbeitgeber werden

Es gibt zwei gängige Modelle, eine Haushaltshilfe zu beschäftigen. Eine davon ist, dass der Pflegebedürftige oder ein Angehöriger selbst zum Arbeitgeber wird. Das ist die Variante, die in allen Aspekten rundum legal ist. Wer selbst Arbeitgeber wird, hat großen Spielraum, was die individuelle Gestaltung des Beschäftigungsverhältnisses angeht: Es gibt kurze Wege der Absprachen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, also der Haushaltshilfe. Bei dieser Variante ist der Arbeitgeber selbst für die organisatorische Abwicklung verantwortlich.

Er muss unter anderem die Lohnabrechnung vornehmen, Sozialversicherungsbeiträge abführen, Lohnsteuer bezahlen. Allerdings gibt es Unterstützung: Ein Steuerberater kann zur Seite stehen. Gleichzeitig vermittelt die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit (ZAV) Haushaltshilfen und auch die Wohlfahrtsverbände wie die Caritas und die Diakonie bauen ihre Vermittlungsangebote stetig aus.

ZAV: Die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit (ZAV) hilft dabei, eine passende Haushaltshilfe zu finden und sie legal anzumelden. Dieser Dienst ist kostenlos, eine regelmäßige monatliche Begleitung findet allerdings nichts statt. Die ZAV überprüft die Personen, so weit möglich. Sie lässt sich Arbeitszeugnisse, einen Lebenslauf und eine Kopie des Ausweises vorlegen.

Caritas: Die Caritas vermittelt über das Portal www.carifair.de Haushaltshilfen vor allem in Regionen in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern. Die Caritas arbeitet mit einem Partnerverband in Polen zusammen. Der Wohlfahrtsverband hilft bei der gesamten bürokratischen Abwicklung und hilft zum Beispiel bei der Organisation des Arbeitsverhältnisses, der Anmeldung bei der Unfallkasse und bei der monatlichen Lohnabrechnung. Für ihre Unterstützungsleistung verlangt die Caritas je nach Region rund 100 Euro im Monat, plus eine Gebühr für die Gehaltsabrechnung (ca. 30 Euro).

Diakonie: Ein ähnliches Angebot macht die Diakonie über das Portal www.vij-faircare.de. Auch hier werden ausländische Haushaltshilfen vermittelt. Allerdings auch nur lokal, derzeit vor allem in Baden-Württemberg. Hier kostet die Begleitung zwischen 125 und 150 Euro im Monat. Beide Anbieter erweitern ihr lokales Angebot ständig.

Arbeitsvertrag

Wer selbst Arbeitgeber wird und eine Haushaltshilfe bei sich beschäftigen möchte, muss einen Arbeitsvertrag abschließen, in dem tarifliche Vorgaben bei Arbeitszeit, Urlaubszeit und Lohn erfüllt sein müssen und der Arbeitsschutz gewährleistet sein muss. Einen solchen Vertrag kann der Pflegebedürftige selbst oder ein Angehöriger mit der Haushaltshilfe schließen.

Das ist zu beachten:

Arbeitszeit: Erlaubt ist eine Arbeitszeit von acht Stunden täglich, verteilt auf sechs Arbeitstage in der Woche. Das sind maximal 48 Stunden pro Woche. Wird die Haushaltshilfe über die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit (ZAV) vermittelt, über die Caritas oder die Diakonie, werden Tarifvereinbarungen zugrunde gelegt, die von einer 38,5 Stunden-Woche ausgehen, verteilt auf sechs Arbeitstage.

Urlaubszeit: Ein Urlaubsanspruch von mindestens 24 Werktagen gilt im Jahr.

Lohn: Es ist als Minimum der Mindestlohn von 8,84 Euro pro Stunde zu bezahlen.

Tätigkeit: Im Vertrag sollte genau beschrieben sein, welche Tätigkeiten die Haushaltshilfe leisten soll.

Probezeit und Kündigung: Eine Probezeit von maximal vier Wochen ist sinnvoll, die Kündigungsfrist sollte einen Monat zum Monatsende betragen.

Sonstiges: Im Vertrag kann auch festgehalten sein, für welche Dauer er gilt. Möglich wäre eine Regelung, dass der Vertrag automatisch endet, wenn die pflegebedürftige Person verstirbt. Ebenso sind Regelungen zu Unterkunft und Verpflegung zu treffen und wie die Telefon- und Internetnutzung erfolgen darf.

Biallo-Tipp: Wird der Pflegebedürftige oder ein Angehöriger selbst zum Arbeitgeber, muss er die Arbeitszeiten dokumentieren. Dazu ist er verpflichtet, wenn er den Mindestlohn bezahlt. Ein einfacher Stundenzettel ist ausreichend. So kann er nachweisen, dass er den Mindestlohn bezahlt.

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Berechnungsgrundlage / Modellfall: 

Haushaltshilfe beschäftigen: Modell Entsendung

     

Haushalt wird Dienstleistungsnehmer

Es gibt auch die Möglichkeit, die Haushaltshilfe als sogenannte entsandte Arbeitnehmerin zu beschäftigen. Das ist das am häufigsten gewählte Modell, enthält aber eine Grauzone. Bei diesem Modell ist die Haushaltshilfe bei einem ausländischen Unternehmen angestellt, zum Beispiel in Polen. Dieses entsendet sie nach Deutschland, zahlt den Lohn, Steuern und Sozialabgaben. Der deutsche Haushalt schließt einen Arbeitsvertrag mit dem ausländischen Unternehmen. Der Pflegebedürftige – oder ein Angehöriger – tritt also nicht selbst als Arbeitsgeber auf, sondern als Dienstleistungsnehmer.

Eine Haushaltshilfe, die länger als zwei Monate bleibt, ist beim Einwohnermeldeamt zu melden. Bei Krankheit oder Urlaub der Haushaltshilfe kann der ausländische Arbeitsgeber eine Ersatzkraft schicken. Auch bei solchen Beschäftigungsverhältnissen sind die Regelungen zu Arbeitszeiten, Mindestlohn und Urlaub einzuhalten. Bei einer Entsendung teilen sich häufig mindestens zwei Haushaltshilfen die Stelle und wechseln sich in einem festen Turnus ab.

Problem: Weisungsbefugnis

Bei dem Modell gibt es allerdings ein großes Problem: Weisungsbefugt ist der ausländische Arbeitgeber. Das heißt, nur er darf Arbeitszeit und -bedingungen festlegen. Im Klartext bedeutet das, dass nur er der Haushaltshilfe sagen darf, was sie tun darf. Über Arbeitszeiten und die regelmäßig zu erledigenden Tätigkeiten kann sich der hiesige Haushalt zwar mit dem ausländischen Arbeitgeber im Vorfeld absprechen.

Aber genau genommen müssen auch Arbeitsanweisungen, die sich aus dem täglichen Leben spontan ergeben, mit dem ausländischen Arbeitgeber abgesprochen werden. Das ist in der Praxis jedoch kaum möglich. Tatsächlich wird auch der Angehörige oder der Pflegebedürftige selbst, soweit er dazu in der Lage ist, das Weisungsrecht ausüben. Das ist nicht erlaubt. Insofern bleibt dieses Modell rechtlich in der Grauzone.

Sozialversicherung und Kosten

Bei einer Entsendung sollte sich der Dienstleitungsnehmer unbedingt die Entsendebescheinigung A1 vom ausländischen Unternehmen oder der Haushaltshilfe vorlegen lassen und bestenfalls auch noch eine Kopie anfertigen und diese aufbewahren, sollte es eines Tages zu einer Kontrolle durch die Finanzkontrolle Schwarzarbeit kommen. Die A1-Bescheinigung ist ein Beleg dafür, dass Sozialversicherungsbeiträge im Heimatland abgeführt werden und es sich nicht um Schwarzarbeit handelt.

Bei einer Entsendung ist ebenfalls ein Mindestlohn von 8,84 Euro pro Stunde zu bezahlen. Zusätzliche Lohnkosten und andere anfallende Aufwendungen, etwa für Serviceleistungen, wird das ausländische Unternehmen in Rechnung stellen. Zusätzlich muss der deutsche Haushalt für Unterkunft und Verpflegung der Haushaltshilfe aufkommen, ebenso für die An- und Abreise etc. Im Monat kommen so kaum unter 2.000 Euro zusammen.

Vermittlungsagenturen

Oft sind es deutsche Agenturen, die Kontakte zu ausländischen Unternehmen vermitteln, die wiederum eine Haushaltshilfe im Rahmen einer Entsendung nach Deutschland schicken. Im Internet finden sich unzählige solche Agenturen. Sie arbeiten unterschiedlich: Die einen unterstützen bei der Suche nach einer geeigneten Bewerberin und helfen bei der Vertragsvermittlung. Darüber hinaus gibt es Agenturen, die den gesamten organisatorischen Ablauf regeln und über die gesamte Dauer des Beschäftigungsverhältnisses Ansprechpartner bleiben. Das kostet seinen Preis, je nach Leistungsumfang zwischen 400 und 1.000 Euro im Jahr oder sogar mehr.

Leider gibt es in der Branche auch Anbieter, die gerne die finanziellen Vorteile nutzen, aber wenig bieten, die Haushaltshilfen nicht vorschriftsgemäß einsetzen oder nur mangelhafte Verträge anbieten. Diese Hinweise sprechen für eine professionelle Agentur:

Info: Die Agentur fragt genau die Pflegesituation und den Bedarf im betroffenen Haushalt ab.

Sprache: Die Agentur vermittelt eine Haushaltshilfe mit guten Sprachkenntnissen.

Vertrag: Die Agentur und der deutsche Haushalt schließen einen Dienstleistungsvertrag ab. Darin sind transparent alle Leistungen aufgeschlüsselt, auch Vermittlungs- und Servicegebühren. Ebenso sind Haftungsfragen bei Unfällen und Fehlern der Haushaltshilfe geklärt.

Zeit: Es gilt die maximale Arbeitszeit von 48 Stunden bei sechs Arbeitstagen pro Woche.

Lohn: Der Mindestlohn ist garantiert.

Biallo-Tipp: Manche Agenturen vermitteln Haushaltshilfen, die auf selbstständiger Basis arbeiten. Das klingt oft attraktiv, weil sich hier auch Hilfen finden lassen, die für weniger als den Mindeststundenlohn arbeiten. Hier ist jedoch Vorsicht geboten, denn meist handelt es sich um eine Scheinselbstständigkeit.

Allein schon dadurch, dass die Haushaltshilfe mit im Haushalt lebt, kann sie gar keine anderen Auftraggeber haben, die aber eine Notwendigkeit dafür sind, dass sie nicht als scheinselbstständig gilt. Von diesem Modell sollte man Abstand nehmen. Bei Scheinselbstständigkeit drohen Bußgelder und der Auftraggeber muss möglichweise die Sozialversicherungsbeiträge nachzahlen

So viel kostet eine ausländische Haushaltshilfe

Mindestlohn und Sozialabgaben

Die folgende Kostenaufstellung zeigt, wie viel eine Haushaltshilfe kostet, wenn der Pflegebedürftige oder ein Angehöriger selbst als Arbeitgeber auftreten. Als Richtlinie gelten die Tariflöhne für deutsche Haushaltshilfen

Tabelle: Tarifhöhe Haushaltshilfen

BundeslandMindest-Brutto-Entgelt in Euro*BundeslandMindest-Brutto-Entgelt in Euro*
Baden-Württemberg1.811Niedersachsen1.748
Bayern1.693Nordrhein-Westfalen1.701
Berlin und Brandenburg1.815Rheinland-Pfalz1.775,41
Bremen1.669*Saarland1.775,41
Hamburg1.933Sachsen1.663
Hessen1.775,41Sachsen-Anhalt1.663
Mecklenburg-Vorpommern1.669Schleswig-Holstein1.669
Thüringen1.669

*zugrunde liegt eine 38,5 Stunden Woche auf sechs Arbeitstage.Quelle: ZAV, Stand: 2018

Sozialabgaben
Zusätzlich zum Lohn sind Sozialabgaben zu entrichten

Krankenkasse (allgemeiner Beitragsatz)14,6 % plus eventueller Zusatzbeitrag (vom Versicherten allein zu tragen)
Pflegeversicherung2,55 %
Rentenversicherung18,6 %
Arbeitslosenversicherung3,0 %
Gesetzliche UnfallversicherungWird vom kommunalen Unfallversicherungsträger erhoben

Hinzukommen noch Umlagen der gesetzlichen Krankenversicherung (U1 und U2, Entgeltfortzahlung und Mutterschaftsgeld) und außerdem Beiträge zu gesetzlichen Unfallversicherung. Die Beiträge sind je zur Hälfte von Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu bezahlen. Den Arbeitnehmeranteil darf der Arbeitgeber vom Lohn einbehalten. Die Beiträge muss der Arbeitsgeber eigenverantwortlich an die jeweilige Krankenkasse entrichten, der Beitrag für die Unfallversicherung an den jeweiligen Träger der Unfallversicherung (www.dguv.de/de/index.jsp). Die Hilfskraft ist innerhalb von zwei Wochen bei den Sozialversicherungsträgern anzumelden, beim kommunalen Unfallversicherungsträger innerhalb einer Woche nach Beschäftigungsaufnahme.

Um die Haushaltshilfe bei den Sozialversicherungsträgern anzumelden, benötigt der Arbeitgeber eine eigene Betriebsnummer. Diese erhält er bei der Agentur für Arbeit (Telefonnummer: 0800-4 5555 20, kostenfreier Anruf). Auch die Lohnsteuer muss der Arbeitgeber an das Finanzamt abführen. Die Haushaltshilfe ist beim Einwohnermeldeamt zu melden und sie muss beim Finanzamt eine Steuernummer beantragen.

Unterkunft und Verpflegung

Wer eine Haushaltshilfe beschäftigt, muss ihr eine geeignete Unterkunft bieten. Praktischerweise ist das im Haushalt des Pflegebedürftigen. Es steht ihr ein eigenes Zimmer zu. Ist dies nicht vorhanden, muss der Arbeitgeber eines anmieten. Der Arbeitgeber trägt die Kosten für die Unterkunft und die Verpflegung, darf dies aber als sogenannten geldwerten Vorteil auf den Lohn anrechnen. Als Pauschalwerte gelten hier 192,10 Euro im Monat für die Unterkunft im Haushalt des Pflegebedürftigen und 246 Euro für die Verpflegung, insgesamt 438,10 Euro pro Monat (Stand: 2018).

Biallo-Tipp: Wer noch nie selbst Arbeitsgeber war, fühlt sich möglicherweise mit all diesen Berechnungen überfordert. Ein Steuerberater kann beispielsweise die Lohnabrechnung vornehmen. Das kostet nicht viel Geld und Sie sind auf der sicheren Seite.

1. So viel bekommt die Haushaltshilfe        2. So viel bezahlt der Arbeitgeber

     

Posten

Beträge in Euro

Posten

Beiträge in Euro

Bruttolohn gemäß Tarifvertrag Baden-Württemberg

1.811,00

Bruttolohn gemäß Tarifvertrag Baden-Württemberg

1.811,00

Freie Unterkunft und Verpflegung

438,10

+ Krankenversicherung (ohne Zusatzbeitrag)

164,18

gesamt

2.249,10

+ Pflegeversicherung

28,68

- Lohnsteuer

240,91

+ Rentenversicherung

209,17

- Solidaritätszuschlag

13,25

+ Arbeitslosenversicherung

33,74

- Krankenversicherung inkl. Zusatzbeitrag

186,68

Gesamt

+ sachbezugswerte freie Unterkunft und Verpflegung

2.246,77*

438,10

- Pflegeversicherung

34,30

   

- Rentenversicherung

209,17

   

- Arbeitslosenversicherung

33,74

   

Netto

1.531,05

   

- Geldwerter Vorteil Unterkunft und Verpflegung

438,10

   

Lohn gesamt

1.092,95

   

*hinzukommen die Umlagen U1 und U2 (Entgeltfortzahlung, Mutterschaftsgeld), abhängig von der gewählten Krankenkasse, sowie die Beiträge zur Unfallversicherung.

Quelle: Beispielrechnung der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV), Stand 2018

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Berechnungsgrundlage / Modellfall: 

Haushaltshilfe – so lässt sie sich finanzieren

Pflegeversicherung

Eine Haushaltshilfe zu beschäftigen, ist sicherlich nicht zwingend günstiger, als einen Aufenthalt im Pflegeheim zu finanzieren. Im Gegenteil: Neben den Ausgaben für Lohn und Sozialabgaben von rund 2.500 Euro im Monat, sind zusätzlich weiter die Wohn- und Lebenshaltungskosten für den Pflegebedürftigen selbst zu tragen.

Wer im Eigenheim wohnt, kann diese Kosten natürlich geringer halten. Für die Finanzierung der Haushaltshilfe muss der Pflegebedürftige selbst aufkommen. Aus der Pflegekasse kann er lediglich das Pflegegeld in Anspruch nehmen, das die Pflegeversicherung bei der Pflege durch Angehörige gewährt. Dies kann er zur Finanzierung der Haushaltshilfe verwenden.

Biallo-Tipp: Zu berücksichtigen ist, dass neben der Haushaltshilfe in der Regel ein ambulanter Pflegedienst beschäftigt werden muss. Dafür gibt es höhere Zuschüsse aus der Pflegeversicherung, die Pflegesachleistungen. Sie reichen jedoch in der Regel nicht aus, um die gesamten Kosten zu decken.

Pflegegeld: Für das Jahr 2018 gelten folgende Beitrage:

Pflegegrad 1Pflegegrad 2Pflegegrad 3Pflegegrad 4Pflegegrad 5
Pflegegeld im Monat316 Euro545 Euro725 Euro901 Euro

Steuern

Wer eine Haushaltshilfe als Arbeitgeber beschäftigt, kann die Ausgaben dafür steuerlich geltend machen, maximal 4.000 Euro im Jahr. Die Ausgaben lassen sich aber nur dann als sogenannte haushaltsnahe Dienstleistungen steuerlich berücksichtigen, wenn die Haushaltshilfe im Haushalt des Steuerpflichtigen beschäftigt ist. Sollte die Haushaltshilfe von einem Angehörigen bezahlt werden, kann dieser Kosten nur als außergewöhnliche Belastungen geltend machen. Als außergewöhnliche Belastung gilt eine Ausgabe, wenn sie die zumutbare Belastung überschritten hat – diese Grenze richtet sich nach dem jeweiligen Einkommen.

Wichtig ist, dass der Steuerpflichtige eine gültige Rechnung über seine Ausgaben vorlegen kann und der Lohn von seinem Bankkonto abgebucht wird. Der Bankbeleg gilt als Zahlungsnachweis. Barzahlungen erkennt das Finanzamt nicht an, auch keine Quittungen über den Empfang von Bargeld.

Versicherung

Gesetzliche Unfallversicherung

Wer als Arbeitgeber auftritt, muss die Haushaltshilfe bei der gesetzlichen Unfallversicherung anmelden. Zuständig ist der kommunale Unfallversicherungsträger. Die gesetzliche Unfallversicherung sichert die Haushaltshilfe ab, wenn diese während ihrer Tätigkeit selbst zu Schaden kommt.

Haftpflichtversicherung

Wichtig ist, dass Arbeitgeber auch klären, ob die bestehende private Haftpflichtversicherung auch die Haushaltshilfe einschließt. Nur so lässt sich vermeiden, dass der Arbeitgeber selbst haftet, wenn die Haushaltshilfe versehentlich Dritte schädigt. In neueren Policen ist eine Haftung auch für Haushaltshilfen enthalten, in älteren hingegen nicht. Falls nicht, lohnt es sich, den Tarif aufzustocken oder zu wechseln.

Alternativ können Arbeitgeber auch eine Betriebshaftpflichtversicherung abschließen. Wenn die Hilfe im Haushalt des Pflegebedürftigen einen Schaden anrichtet, ist das Pech. Für solche Schäden haftet keine Versicherung.

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während meines Studiums der Neueren Geschichte in München begann ich als freie Journalistin zu arbeiten, unter anderem für die Süddeutsche Zeitung. Im Jahr 2000 kam ich zu biallo.de, damals waren Versicherungsthemen für mich Neuland, über Gesundheitspolitik las ich in der Zeitung oder bekam die Auswirkungen als Patientin zu spüren.

Schnell stellte ich fest, dass der unverstellte Blick von außen durchaus von Vorteil ist bei der kritischen Aufbereitung dieser Themen. Bei Biallo schreibe ich noch immer über Versicherungen, Gesundheit und Soziales. Neuland sind diese Themen heute nicht mehr.

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Schnell stellte ich fest, dass der unverstellte Blick von außen durchaus von Vorteil ist bei der kritischen Aufbereitung dieser Themen. Bei Biallo schreibe ich noch immer über Versicherungen, Gesundheit und Soziales. Neuland sind diese Themen heute nicht mehr.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de