So lässt sich Demenz finanziell absichern

Ratgeber der Woche So lässt sich Demenz finanziell absichern

Annette Jäger
von Annette Jäger
09.07.2019
Auf einen Blick
  • Demenz ist eine große Bürde für Betroffene und auch ein Kostenrisiko, denn Erkrankte haben oft langjährigen Hilfe- und Betreuungsbedarf.

  • Aus vielen Leistungsbausteinen lässt sich eine Pflege finanzieren. Auch private Vorsorge spielt dabei eine Rolle.
  • In der Pflegeversicherung gibt es keine Zuschüsse ausschließlich für Demenzerkrankte. Doch mit der Pflegereform 2017 wurden die Kriterien der Pflegebedürftigkeit neu definiert, wodurch die Situation von Demenzpatienten mehr Berücksichtigung findet.

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Demenz ist zur Volkskrankheit geworden. Die Alzheimer Gesellschaft schätzt die Zahl der Erkrankten auf rund 1,7 Millionen – jedes Jahr treten 300.000 Neuerkrankungen auf. Experten gehen davon aus, dass die Zahl der Erkrankten bis zum Jahr 2050 auf drei Millionen steigen wird.

Die Krankheit ist eine Bürde für die Betroffenen, aber auch für die Angehörigen, die häufig intensiv in Pflege und Betreuung involviert sind. Nicht zuletzt ist Demenz ein Kostenrisiko: Erkrankte benötigen bereits in einem frühen Stadium der Erkrankung Rundumbetreuung, obwohl sie oft noch viele Jahren körperlich fit sind.

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Seit 2017 hat sich mit der Pflegereform die Situation Demenzkranker verbessert – sie können in einem frühen Krankheitsstadium Zugang zu Leistungen aus der gesetzlichen Pflegekasse erhalten. Dazu gehören umfangreiche Zuschüsse zur Gründung von ambulant betreuten Wohngruppen. Dennoch bleibt eine Finanzierungslücke, die sich nur über private Vorsorge schließen lässt.

Erfahren Sie auf den folgenden Seiten, welche finanziellen Hilfen Sie bei einer Demenzerkrankung ausschöpfen und wie sie finanziell vorsorgen können.

Pflegeversicherung: Diese Zuschüsse gibt es bei Demenz

Pflegebedürftigkeit Definition

Eines vorweg: Es gibt keine speziellen Zuschüsse in der Pflegeversicherung, die ausschließlich Demenzerkrankten vorbehalten sind. Sie erhalten dieselben Leistungen wie alle anderen, die die Kriterien einer Pflegebedürftigkeit erfüllen. Diese Kriterien wurden jedoch mit der Pflegereform 2017 neu definiert – mit der Folge, dass die Situation von Demenzpatienten jetzt mehr Berücksichtigung findet.

Tatsächlich muss eine Pflegebedürftigkeit vorliegen, um Leistungen aus der Pflegekasse zu erhalten. Zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit werden nahezu alle Lebensbereiche des Patienten in die Bewertung miteinbezogen. Neben der eingeschränkten Mobilität spielen auch geistige und psychische Einschränkungen eine Rolle. Es ist ausschlaggebend, wie selbstständig ein Patient seinen Alltag verrichten kann und wo er Hilfe benötigt. Dabei werden sechs Lebensbereiche berücksichtigt:

  • körperliche Mobilität
  • geistige und sprachliche Fähigkeiten
  • psychische Probleme und auffälliges Verhalten
  • Fähigkeit, sich selbst zu versorgen
  • Umgang mit Gesundheitsproblemen
  • Fähigkeit, den Tagesablauf zu gestalten, zum Beispiel soziale Kontakt aufzunehmen.

Fazit: Nicht nur die körperliche Beweglichkeit spielt eine Rolle, sondern auch wie oft jemand – aufgrund von geistigen Problemen und psychischen Verhaltensauffälligkeiten – auf Hilfe angewiesen ist.

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Leistungen in Pflegegrad 1

Je nach Pflegebedürftigkeit wird dem Betroffenen einer von fünf Pflegegraden zugeordnet. Menschen mit geringen Beeinträchtigungen der Selbständigkeit und der Fähigkeiten – so wie es bei Demenzerkrankten im Anfangsstadium häufig der Fall ist – erfüllen bereits die Kriterien für Pflegegrad 1. Im Mittelpunkt stehen Unterstützungsleistungen, damit sie möglichst lange zuhause wohnen bleiben können.

Zuschuss zu Betreuung und Pflege

Betroffene in Pflegegrad 1 erhalten nur den sogenannten Entlastungsbetrag von 125 Euro im Monat. Damit lassen sich keine umfangreichen Hilfsmaßnahmen finanzieren. Jedoch kann der Betrag bei der Finanzierung einer hauswirtschaftlichen Hilfe eingebracht werden. Betroffene können damit zumindest teilweise Betreuungsleistungen bezahlen– auch für eine Kurzzeitpflege im Heim, wenn die pflegebedürftige Person nur kurzzeitig eine vollstationäre Pflege benötigt, zum Beispiel übergangsweise nach einem Krankenhausaufenthalt. Auch zur Finanzierung einer Tagespflege oder eines ambulanten Pflegedienstes lässt sich der Entlastungsbetrag nutzen.

Der Zuschuss ist zweckgebunden, es müssen Rechnungen vorgelegt werden, die erstattet werden. Nicht ausgeschöpfte Leistungen lassen sich ansparen und ins nächste Kalenderjahr übertragen.

  • Biallo-Tipp: Wichtig zu wissen ist, dass es je nach Bundesland unterschiedliche Auflagen gibt, wie der Entlastungsbetrag eingesetzt werden darf. In der Regel muss die beauftragte Einrichtung beziehungsweise der Dienstleister anerkannt sein. Akzeptiert werden zum Beispiel Unterstützungsleistungen eines Pflegedienstes oder von Wohlfahrtsverbänden. Die Hilfeleistung von privaten Personen kann damit in der Regel nicht entlohnt werden. Eine Ausnahme gibt es im Bundesland Nordrhein-Westfalen. Dort kann auch nachbarschaftliche Unterstützung in Form einer Aufwandsentschädigung mit der Pflegekasse abgerechnet werden. Voraussetzung ist, dass die helfende Person einen kleinen Pflegekurs absolviert hat. Wo solche Kurse angeboten werden, erfährt man beim Servicezentrum Alter und Pflege Region Aachen / Eifel – Tel. 02404 90327-80. Als Nachbarn zählen alle Personen, die einen persönlichen Bezug zum Pflegebedürftigen haben, aber nicht verwandt sind.

Pflegeversicherte, die sich zu diesem frühen Zeitpunkt entschließen, im Heim zu leben, erhalten einen Zuschuss in Höhe von 125 Euro zu den Heimkosten, anstatt des Entlastungsbetrags.

Personen in Pflegegrad 1 erhalten außerdem bis zu 40 Euro im Monat für die Versorgung mit Pflegehilfsmitteln, die zum Verbrauch bestimmt sind. Dazu gehören Pflegehandschuhe, Bettschutzeinlagen und Desinfektionsmittel.

Zuschuss zu Wohngruppen

Für Demenzkranke bewähren sich zunehmend ambulant betreute Wohngruppen. Bereits ab Pflegegrad 1 stehen Betroffenen unter bestimmten Voraussetzungen Zuschüsse zu:

  • bis zu 2.500 Euro pro Person als Starthilfe zur Gründung einer Wohngruppe, maximal 10.000 Euro pro Wohngruppe.

  • 214 Euro Wohngruppenzuschlag im Monat, um eine organisatorische, betreuende oder hauswirtschaftliche Unterstützung zu finanzieren.

  • 4.000 Euro pro Person, um eine Wohnung pflegegerecht umzubauen, maximal 16.000 Euro pro Wohngruppe.
  • Biallo-Tipp: Einen Zuschuss zum pflegegerechten Umbau der Wohnung gibt es auch, wenn der Demenzerkrankte in seiner eigenen Wohnung bleibt und nicht in eine Wohngruppe zieht. Den Zuschuss gibt es für sogenannte wohnumfeldverbessernde Maßnahmen in Höhe von maximal 4.000 Euro pro Maßnahme. Damit können Umbaumaßnahmen in der Wohnung finanziert werden, wenn dadurch die Pflege erst ermöglicht, die Pflege erleichtert oder die Selbstständigkeit des Betroffenen gefördert wird.

Leistungen in höheren Pflegegraden

Ab Pflegegrad 2 erhalten Betroffene – zusätzlich zu den bereits genannten Beträgen – Zuschüsse für die Pflege.

Pflege zuhause

Die Höhe der Zuschüsse richtet sich danach, ob der Betroffene zuhause, zum Beispiel von Angehörigen, gepflegt wird – dann erhält er Pflegegeld. Oder ob er von einem ambulanten Pflegedienst versorgt wird– dann stehen ihm sogenannte Pflegesachleistungen zu. Auch eine Kombination aus beiden Zuschüssen ist möglich. Die Summe für Pflegesachleistungen erhält der Betroffene allerdings nicht ausbezahlt, sondern der Pflegedienst rechnet direkt mit der Kasse ab. Das Pflegegeld dagegen erhält der Pflegebedürftige selbst ausbezahlt und er kann frei darüber verfügen.

  • Biallo-Tipp: Pflegebedürftige, die ihren Lebensmittelpunkt zuhause behalten, jedoch tageweise eine teilstationäre Tagespflege in einem Pflegeheim in Anspruch nehmen, erhalten zusätzlich zum Pflegegeld und/oder den Pflegesachleistungen Zuschüsse (siehe Tabelle).

Kurzzeit- und Verhinderungspflege

Pflegebedürftige, die zuhause versorgt werden, haben außerdem ab Pflegegrad 2 Anspruch auf einen Zuschuss zu einem Kurzzeitpflegeaufenthalt, meist in einem Pflegeheim. Dies kann zum Beispiel nach einem Krankenhausaufenthalt in Frage kommen. Hierfür erhalten sie bis zu 1.612 Euro im Jahr, unabhängig vom Pflegegrad, für maximal acht Wochen im Jahr. Ist die übliche Pflegeperson verhindert, kommt Verhinderungspflege für einen Zeitraum von maximal sechs Wochen im Jahr in Frage, dafür steht derselbe Zuschussbetrag zur Verfügung.

  • Biallo-Tipp: Wer zuhause gepflegt wird und zusätzlich eine Tagespflege in einem Pflegeheim beansprucht, erhält umfangreiche Zuschüsse. Beispiel: In Pflegegrad 2 gibt es Pflegesachleistungen in Höhe von 689 Euro. Zusätzlich gibt es denselben Betrag für die Tagespflege. Hinzukommt der Entlastungsbetrag von 125 Euro. So kommt ein Pflegebedürftiger im Monat auf 1.503 Euro, die er in die Pflegeversorgung investieren kann. Zum Vergleich: Würde er in ein Heim umziehen, würde er nur 770 Euro im Monat bekommen.

Pflege im Heim

Schließlich gibt es auch Leistungen für die Pflege im Heim. Betroffene sollten wissen: Jeder Heimbewohner muss sich mit einem pauschalen Eigenanteil an den reinen Pflegekosten beteiligen – unabhängig vom Pflegegrad. Wie hoch dieser Eigenanteil ist, ist von Heim zu Heim verschieden und hängt auch vom Bundesland ab. Kosten zwischen 200 und über 800 Euro im Monat sind denkbar. Der Höhe des Eigenanteils liegt eine komplexe Rechnung zugrunde. Wichtig ist, dass der Eigenanteil immer einheitlich pro Einrichtung gilt. Eine Einrichtung im Nachbarort kann durchaus einen anderen Eigenanteil erheben.

Zusätzlich fallen Kosten für Unterkunft, Verpflegung und Investitionen an. Denn auch an den Instandhaltungskosten oder an Kosten, die durch Umbauten oder Renovierungen entstehen, muss sich der Heimbewohner beteiligen. Diese Kosten muss der Versicherte komplett alleine bezahlen.

Leistungen aus der Pflegekasse

Pflegegrad

Pflegegeld

Pflegesachleistung

Stationäre Pflege

Tages- oder Nachtpflege

1

-

-

125

2

316

689

770

689

3

545

1.298

1.262

1.298

4

728

1.612

1.775

1.612

5

901

1.995

2.005

1.995

Quelle: Biallo.de/Bundesgesundheitsministerium

Zusätzlich steht Pflegebedürftigen, die ambulant versorgt werden, in allen Pflegegraden der Entlastungsbetrag von 125 Euro im Monat zu.

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Wohngruppen für Demenzpatienten

Definition

Demenzerkrankte können oft nicht mehr lange alleine in ihrer Wohnung leben, sie benötigen intensive Betreuung, obwohl sie körperlich noch fit sind. Sogenannte ambulant betreute Wohngruppen werden ein zunehmend wichtiger Baustein in der Versorgungslandschaft für Pflegebedürftige.

Gemeint sind damit kleinteilig organisierte, gemeinschaftliche Wohnangebote, die ein weitgehend selbstbestimmtes Leben in nahezu familiärem Umfeld ermöglichen. Die Pflegebedürftigen bestimmen selbst die Regeln des Zusammenlebens, ambulante Pflegedienste oder Betreuer kommen als Dienstleister in die Gemeinschaft.

Solche Wohnalternativen sind auch unter dem Begriff Pflege-Wohngemeinschaft zu finden oder Demenz-WGs. Aktuell gibt es ein paar Tausend solcher WGs bundesweit. Berlin zählt nach wie vor als WG-Hochburg, während es in anderen Bundesländern wie im Saarland noch großen Nachholbedarf gibt.

Struktur

Die Struktur und Organisation einer Wohngemeinschaft kann trotz gleicher Bezeichnung stark voneinander abweichen. In der Regel verfügt jeder Bewohner über ein eigenes Zimmer, zusätzlich gibt es Gemeinschaftsräume. Zwischen mindestens drei und maximal zwölf Bewohner sind nötig, um Zuschüsse aus der gesetzlichen Pflegekasse zu erhalten. Nur drei der Bewohner müssen einen Pflegegrad haben (SGB XI Paragraf 38a, Absatz 1).

Der Umfang von Betreuung, Pflege und anderen Hilfeleistungen hängt vom Pflegegrad der Bewohner ab. Denkbar ist, dass es einen ständigen Ansprechpartner gibt– etwa einen Sozialarbeiter, der täglich vorbeikommt. Die Pflege wird von einem ambulanten Pflegedienst übernommen. Betreuungskräfte und Haushaltshilfen kommen in die Gemeinschaft und unterstützen die Bewohner. Diese wirken, soweit sie dazu in der Lage sind, selbst bei der Haushaltsführung mit.

  • Biallo-Tipp: Ambulant betreute Wohngruppen fallen derzeit überwiegend nicht unter das Heimgesetz. Somit unterliegen sie auch keiner besonderen öffentlichen oder staatlichen Kontrolle. Sie können damit individuell gestaltet werden, andererseits unterliegen sie keinerlei Qualitätskontrolle.

Finanzierung

Seit der Pflegereform 2017 gibt es umfangreiche Zuschüsse zur Gründung einer ambulant betreuten Wohngruppe. Wissen muss man, dass diese Wohnform durchaus so teuer sein kann wie eine Pflege im Heim. Für das Leben in einer Wohngemeinschaft fallen Wohnkosten an, die sich an der ortsüblichen Miete orientieren sowie an der Größe der Wohnung und der Anzahl der Mitbewohner. Zusätzlich fallen Kosten für Haushalt und Betreuung an. Interessierte sollten sich unbedingt vorher exakt ausrechnen, ob sie sich die Kosten auch langfristig leisten können.

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Beratung und Hilfe

Es gibt die Möglichkeit, sich bestehenden Wohngemeinschaft anzuschließen, beziehungsweise nachzurücken oder selbst eine zu gründen. Beratungsstellen helfen dabei, Akteure mit Erfahrung als Partner zu finden. Oftmals gibt es Vereine oder private Organisationen, die solche Gründungen vorantreiben.

In vielen Bundesländern gibt es inzwischen Koordinierungs- und Fachberatungsstellen für ambulant betreutes Wohnen, zum Beispiel:

Private Vorsorge: Pflegetagegeldversicherung

Wer sollte vorsorgen?

Die finanziellen Zuschüsse, die Demenzpatienten aus der gesetzlichen Pflegeversicherung zustehen, offenbaren, dass es sich nur um eine Teilabsicherung handelt. Eine Rundumpflege setzt immer auch eine finanzielle Eigenbeteiligung voraus. Wer dieses Kostenrisiko minimieren möchte, muss schon in jungen Jahren vorsorgen. Als Vorsorgeprodukt bietet der Versicherungsmarkt vor allem Pflegetagegeldversicherungen an.

  • Biallo-Tipp: Eine Pflegezusatzversicherung bietet sich dann an, wenn das eigene Ersparte nicht ausreichen wird, um eine Pflege nach den eigenen Vorstellungen zu finanzieren. Wer vermögend ist beziehungsweise genug Geld hat, kann eine Pflege auch ohne Versicherungsschutz bestreiten: Vielleicht können Einnahmen über eine vermietete Immobilie generiert werden? Oder ein Umbau der Immobilie ist möglich und eine Pflegekraft zieht ein?

So funktioniert eine Pflegetagegeldversicherung

Die Pflegetagegeldangebote der Versicherer leisten in der Regel analog zur gesetzlichen Pflegeversicherung und gewähren je nach Pflegegrad einen bei Vertragsabschluss festgelegten Tagessatz. Das Geld lässt sich flexibel einsetzen: Der Pflegebedürftige kann das Geld für die Heimkosten einsetzen, aber auch für die häusliche Pflege in Anspruch nehmen. Er erhält das Geld auch dann in voller Höhe, wenn die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung ausreichen sollten und daher keine Restkosten verbleiben. In diesem Fall können Betroffene das Geld für andere Dinge, wie zum Beispiel Betreuungsleistungen, verwenden.

Viele Policen gewähren auch Extras, zum Beispiel Einmalzahlungen bei Eintritt der Pflegebedürftigkeit oder umfangreiche Assistance-Leistungen im Pflegefall, wie zum Beispiel Vermittlung eines Pflegeplatzes, Vermittlung von Pflegediensten oder Organisation und Vermittlung – im besten Fall mit Kostenübernahme– von Begleit- oder Menüservice, Haushaltshilfe und Wäscheservice (zum Beispiel Signal Iduna).

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Tarifvarianten

Es gibt verschiedene Tarifvarianten. So wird bei Abschluss der Police ein maximaler Tagessatz vereinbart, der in der Regel erst in Pflegegrad 5 ausbezahlt wird. In den niedrigeren Pflegegraden ist die Leistung geringer und berechnet sich prozentual aus dem Maximalbetrag. Hier variieren die Angebote sehr (siehe Tabelle). Manche Versicherer leisten auch denselben Betrag in nahezu allen Pflegestufen. Nicht zwingend variieren die Leistungen zwischen ambulanter und stationärer Pflege.

Daneben gibt es Tarife, die es erlauben, in allen Pflegegraden einen Tagessatz individuell zu wählen. Ebenso gibt es Tarife, bei denen man mit geringem Beitrag und geringer Leistung einsteigt, beides sich aber im Laufe der Versicherungsjahre steigert.

  • Biallo-Tipp: Grundsätzlich sollte man auch niedrige Pflegegrade finanziell umfangreich absichern. Denn beispielsweise Demenzpatienten haben oft bereits in niedrigen Pflegegraden einen hohen Betreuungs- und Versorgungsbedarf. Gerade wenn der Umzug in eine ambulant betreute Wohngruppe erwogen wird, benötigt man ausreichend Finanzierungsmittel.

Wichtige Leistungen

Ein guter Vertrag sollte eine Nachversicherungsoption ohne erneute Gesundheitsprüfung gewähren, so dass das Tagegeld während der Laufzeit angepasst, also zum Beispiel erhöht werden kann. Natürlich muss die Pflegetagegeldversicherung einen lebenslangen Schutz gewähren. Zudem empfiehlt es sich, eine Dynamik zu vereinbaren – so steigen Beiträge und Leistungen Jahr für Jahr an. Damit kann man die Inflation über die Laufzeit ausgleichen.

Beiträge

Die Beiträge der Pflegetagegeldversicherung können im Laufe der Versicherungsjahre ansteigen. Interessant ist es also, bei Neuabschluss auf ein Unternehmen zu setzen, das möglichst stabile Beiträge über die Laufzeit garantiert. Die Beiträge richten sind unter anderem nach dem Alter bei Abschluss – je jünger man ist, desto günstiger sind die Beiträge. Wer eine Pflegetagegeldversicherung im Alter von 45 Jahren abschließt, zahlt rund 30 Euro weniger im Monat als ein Versicherungsnehmer, der bereits 55 Jahre alt ist.

  • Biallo-Tipp: Viele Unternehmen gewähren eine Beitragsbefreiung im Pflegefall. Aufgepasst: Eine Beitragsbefreiung in niedrigen Pflegegraden kann dazu führen, dass die Beiträge in dem Tarif insgesamt ansteigen. Denn je mehr Menschen in dem Tarif pflegebedürftig werden und keine Beiträge mehr bezahlen, desto höher werden die Kosten, die der Versicherer in dem Tarif zu leisten hat – und damit steigen die Beiträge an.

Tarifbeispiele Pflegetagegeldversicherungen

Versicherungsnehmer 50 Jahre, 50 Euro Tagegeld in Pflegegrad (PG) 5.
Versicherungsbeginn: 01.September 2019

Anbieter

Tarif

Leistung ambulantin Pflegegrad1/2/3/4/5 in Euro

Leistung stationär inPflegegrad1/2/3/4/5 in Euro

Beitragsfrei ab

Beitragpro Monat in Euro

Allianz

PZTB03

300/450/750/1.200/1.500

PG1: 300
PG2 bis 5: 1.500

PG5

60,10

Concordia

PG/50,
Pflege PLUS

-/300/600/1.200/1.500

PG1: -
PG2 bis 5: 1.500

PG2

71,84

DFV*

Flex

200/550/900/1.200/1.500

PG1: 500
PG2 bis 5: 1.500

PG1

68,56

DKV**

PTG

30/40/70/100/150 %

PG1 bis 4: 100 %
PG5: 150%

-

69,25

Hanse Merkur

PGA/1500,
PGS/1500, PZG

150/450/750/1.200/1.500

PG1: 150
PG2 bis 5: 1.500

PG3

61,72

Signal Iduna

PflegeTOP 50

150/525/825/1.125/1.500

wie ambulant

PG5

54,96

R+V

PflegeVorsorge comfort (PM2)

10/30/70/100/100 %

PG1: 10 %
PG 2 bis 5: 100 %

PG4

67,20

Württembergische

PTPU

5/40/65/85/100 %

PG1: 5%
PG2 bis 5: 1000%

PG2

81,50

Quelle: biallo.de, Daten wurden von den Anbietern zur Verfügung gestellt, Stand Juni 2019.

*Leistungshöhe kann flexibel pro Pflegegrad gewählt, einzelne Pflegegrade können auch gar nicht abgesichert werden.

**Die Leistungen werden jeweils in Prozent des vereinbarten Pflegemonatsgeldes erbracht.

Hinweis: Die Tarife variieren in den Bedingungen und im Umfang der Leistung. Die Anbieter haben auch Tarife mit umfangreicheren Leistungen im Angebot. Das schlägt sich in höheren Beiträgen nieder.

Allianz, DKV, Concordia, Signal Iduna und Württembergische zahlen ein Tagegeld aus, so dass es bei Monaten mit 31 Tagen zu einer höheren monatlichen Leistung kommen kann. DFV, Hanse Merkur und R+V zahlen ein Monatsgeld.

Besondere Leistungen

Anbieter



Nachversicherungs-option ohne Gesundheitsprüfung

Besondere Leistungen bei Demenz



Allianz

ja

Demenzberatung, Psychosoziale Beratung und Begleitung

Concordia

ja

-

DFV

ja

-

DKV

ja

Pflegetelefon, Serviceleistungen

Hanse Merkur

ja

nach erstmaliger Feststellung der Pflegebedürftigkeit ab Pflegegrad 2 Assistance-Leistungen bis zu 2.500 Euro

Signal Iduna

nein

ab einem versicherten Tagessatz von 35 Euro Assistance-Leistungen im Pflegefall

R+V

ja

telefonische Spezialberatung

Württembergische

ja

-

Quelle: biallo.de, Daten wurden von den Anbietern zur Verfügung gestellt, Stand Juni 2019.

Private Haftpflichtversicherung und Demenz

Das steht im Gesetz

Ein Baustein in der finanziellen Absicherung einer Demenzerkrankung ist die private Haftpflichtversicherung – dieser Aspekt ist vielen Betroffenen beziehungsweise deren Angehörigen nicht bewusst.

Wer an Demenz leidet, handelt oft unerwartet und verursacht dadurch Schäden: Betroffene vergessen das Wasser abzustellen, lassen den Herd an, laufen einfach auf die Fahrbahn und verursachen womöglich einen Unfall.

"Je nach Krankheitsstadium gelten Demenzkranke als deliktunfähig. Und wer deliktunfähig ist, ist laut Gesetz nicht haftbar zu machen", sagt Peter Grieble, Versicherungsexperte bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Bei Kindern kennt man das: Sie können nicht haftbar gemacht werden, wenn sie unter sieben Jahre alt sind– im Straßenverkehr gilt sogar die Altersgrenze von zehn Jahren. Der Geschädigte hat dann Pech gehabt.

Das leistet die Haftpflichtversicherung

Dennoch kann der Betroffene– beziehungsweise können die Angehörigen– sich moralisch verpflichtet fühlen, für den Schaden aufzukommen. Dann ist es gut, wenn man eine private Haftpflichtversicherung hat, die den Schaden deckt.

"Doch nicht jede Haftpflichtversicherung leistet. Sie übernimmt den Schaden nur, wenn der Tarif ausdrücklich Schäden durch deliktunfähige Personen deckt", betont Grieble. Diesen Zusatz enthalten in der Regel eher neuere Policen, bei älteren ist dies hingegen nicht der Fall.

Neuere Policen enthalten den Zusatz oft nur im Komfort- oder Premiumtarif. Meist sind die Schäden dann trotzdem durch eine Maximalsumme gedeckelt – oft gelten 5.000 Euro, inzwischen sind auch 10.000 oder sogar 20.000 Euro üblich. Solche Zusätze kosten etwas mehr an Beitrag als der Basisschutz, allerdings nicht wesentlich. Eine Familienpolice gibt es für rund 80 bis 90 Euro im Jahr. Tarifangebote für Haftpflichtversicherungen finden Sie zum Beispiel unter vorsorge.biallo.de.

Lesen Sie auch: Steuererklärung für Rentner– Anleitung und Steuertipps für Anlage R

  • Biallo-Tipp: Man kann durchaus auf den Zusatzschutz verzichten, denn rechtlich ist man auf der sicheren Seite. Trotzdem ist die Haftpflichtversicherung ein guter Helfer, denn sie fungiert wie eine Art Rechtsschutzpolice: Stellen andere Ansprüche wegen eines Schadens, wehrt die Haftpflichtversicherung sie ab, notfalls vor Gericht.

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Annette Jäger
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Annette Jäger
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während meines Studiums der Neueren Geschichte in München begann ich als freie Journalistin zu arbeiten, unter anderem für die Süddeutsche Zeitung. Im Jahr 2000 kam ich zu biallo.de, damals waren Versicherungsthemen für mich Neuland, über Gesundheitspolitik las ich in der Zeitung oder bekam die Auswirkungen als Patientin zu spüren.

Schnell stellte ich fest, dass der unverstellte Blick von außen durchaus von Vorteil ist bei der kritischen Aufbereitung dieser Themen. Bei Biallo schreibe ich noch immer über Versicherungen, Gesundheit und Soziales. Neuland sind diese Themen heute nicht mehr.

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während meines Studiums der Neueren Geschichte in München begann ich als freie Journalistin zu arbeiten, unter anderem für die Süddeutsche Zeitung. Im Jahr 2000 kam ich zu biallo.de, damals waren Versicherungsthemen für mich Neuland, über Gesundheitspolitik las ich in der Zeitung oder bekam die Auswirkungen als Patientin zu spüren.

Schnell stellte ich fest, dass der unverstellte Blick von außen durchaus von Vorteil ist bei der kritischen Aufbereitung dieser Themen. Bei Biallo schreibe ich noch immer über Versicherungen, Gesundheit und Soziales. Neuland sind diese Themen heute nicht mehr.

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