So beugen Sie Stress mit Handwerkern vor

Ratgeber der Woche So beugen Sie Stress mit Handwerkern vor

Annette Jäger
von Annette Jäger
04.11.2019
Auf einen Blick
  • Die Baubranche boomt, Fachleute sind knapp. Deshalb gibt es immer wieder Ärger zwischen Bauherr und Handwerkern.

  • Am besten lässt sich Stress durch genaue Absprachen vermeiden. Entscheidend dabei ist bereits die Auftragsvergabe.

  • Wer auf der sicheren Seite sein möchte, schließt mit dem Handwerker einen Vertrag über Kosten und Leistungen ab.
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Ob es um Neubau, Sanierung oder Reparaturen geht – fast jeder hat schon Erfahrungen mit überteuerten Kundendiensten, Terminverzögerungen oder Pfusch gemacht. Der Bauboom in Deutschland verschärft das Problem: überlastete Unternehmen, zunehmender Fachkräftemangel, immer mehr Vorschriften hinsichtlich Brandschutz und Energieeinsparungen sowie Termindruck machen die Handwerkerbranche fehleranfällig. Zudem verzichten viele Bauherren aus Kostengründen auf der Baustelle auf eine professionelle Bauablaufplanung, was Fehler noch mehr begünstigt. So nehmen Bauschäden seit Jahren eklatant zu, wie das Institut für Bauforschung in einer gemeinsam angelegten Studie, unter anderem mit dem Bauherren-Schutzbund belegt.

Natürlich muss ein Handwerker als Grundvoraussetzung in erster Linie sein Handwerk beherrschen für einwandfrei ausgeführte Aufträge. Doch das alleine genügt nicht. In der Praxis zeigt sich immer wieder: Die meisten Probleme resultieren aus mangelhafter Kommunikation zwischen Auftraggeber und Kunde, hat Julia Zeller, Rechtsreferentin für Verbraucherfragen der Verbraucherzentrale Bayern, festgestellt. Die meisten Auftraggeber versäumen es, im Vorfeld genaue Absprachen zu treffen. Nicht zuletzt kennen die meisten Verbraucher im Umgang mit Handwerkern ihre Rechte kaum.

Wir zeigen Ihnen, wie Sie einen Auftrag erteilen und dabei teure Fehler vermeiden können. Aber auch, was Sie tun können, wenn Sie Mängel entdecken.

So finden Sie den richtigen Handwerker

Die beste Methode, Streitigkeiten mit Handwerkern zu vermeiden, ist die Wahl des richtigen Unternehmens. Immer wieder bewährt es sich, auf ortsansässige Betriebe zurückzugreifen. Denn sie leben von der Mundpropaganda zufriedener Kunden und können sich einen schlechten Ruf kaum leisten. Einem nahe gelegenen Betrieb kann der Kunde auch einen Besuch abstatten und so einen ersten Eindruck gewinnen, wie dort gearbeitet wird. Zudem reduzieren sich Anfahrtskosten, wenn der Handwerker aus der Umgebung kommt.

Auf Empfehlungen bauen

Auf der Suche nach einem seriösen Betrieb sollte man ruhig Freunde, Bekannte oder Nachbarn nach ihren Erfahrungen befragen. Interessant zu erfahren ist etwa, ob der Handwerker die eigenen Vorstellungen gut umsetzen konnte, ob er pünktlich war und ob er im Kostenrahmen gearbeitet hat. "Steht eine Bad-Sanierung an oder soll eine Außenwand gestrichen werden, lohnt es sich, die ausgeführten Arbeiten bei den Nachbarn in Augenschein zu nehmen, so sich die Gelegenheit bietet", rät Zeller.

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Handwerkerportale im Internet

Manchmal hat man keine Möglichkeit auf Erfahrungen anderer zurückzugreifen. Dann kann man im Internet fündig werden. Etliche Handwerkerportale versprechen Hilfe dabei. Laut Verbraucherzentrale sind sogenannte Vermittlungsportale am häufigsten zu finden. Hier stellt der Kunde seine zu erledigenden Arbeiten ein und erhält konkrete Angebote von Handwerkern, unter denen er sich eines aussuchen kann. Es sollte aber kein Annahmezwang gelten. Wichtig ist, darauf zu achten, ob irgendwo im Kleingedruckten Kosten auf den Kunden für die Nutzung des Portals zukommen. Kunden sollten auch im Blick haben, welche Qualifikationen der Handwerker vorweisen kann, – ein Meisterbrief wäre natürlich am besten. Bekannte Portale sind my-hammer.de oder blauarbeit.de.

Suche über Handwerkskammer

Auch die Handwerkskammern helfen oft bei der Suche nach einem Betrieb. So bietet zum Beispiel die Handwerkskammer München und Oberbayern auf ihrer Homepage unter der Rubrik Service-Center eine Handwerkersuche an. Dabei kann man zumindest erfahren, welche Betriebe es in der Nähe gibt. Die verschiedenen regionalen Handwerkskammern findet man auf der gemeinsamen Internetseite der Handwerkskammern in Deutschland.

Es gibt ein paar Kriterien, die Hinweise dafür sein können, dass man es mit einem seriösen Fachbetrieb zu tun hat.

Homepage: Der Internetauftritt eines Unternehmens kann ein Hinweis auf Seriosität sein. Ist er professionell gestaltet? Ist dort zum Beispiel zu lesen, dass der Betrieb Mitglied der Handwerksinnung ist? Ist ein vollständiges Impressum vorhanden?

Erreichbarkeit: Schon der erste Kontakt mit dem Handwerker zählt. Ist der Betrieb gut telefonisch zu erreichen? Meldet sich der Handwerker oder ein Mitarbeiter zuverlässig zurück? Gibt es eine Festnetznummer? Ist der Handwerker nur auf dem Handy erreichbar, kann das ein Hinweis dafür sein, dass dahinter gar keine Firma steht.

Treffen: Sollte es zu einem Treffen kommen, zählt der erste Eindruck - wie tritt der Handwerker auf? Kommt er pünktlich? Kann er die auszuführenden Arbeiten auch dem Kunden, der Laie ist, gut erläutern?

Qualifikationen: Welche Qualifikation kann der Handwerker vorweisen? Hat er einen Meisterbrief? Kann er Zertifikate oder ähnliches vorweisen?

Biallo-Tipp: Bei größeren Aufträgen ist das erste Treffen mit dem Handwerker, bei dem er die auszuführenden Arbeiten abschätzt, in der Regel kostenlos.

Vorsicht bei Notdiensten

Großes Potential für Ärger bieten Notdienste. Die Rechnungen von Schlüssel- oder Rohrreinigungsdiensten haben oft astronomische Höhen. Doch auch wenn man unter Stress steht, weil die Heizung im Winter ausgefallen oder der Haustürschlüssel im Schloss abgebrochen ist, gilt es, besonnen zu handeln. Einfach den erstbesten Betrieb anzurufen, den die Internetsuche ergibt, ist meist keine gute Entscheidung. Am besten ruft man mehrere Betriebe an - vorzugsweise ortsansässige, da sie in der Regel geringere Fahrtkosten berechnen - und lässt sich schon am Telefon vorab einen Preis nennen.

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Bevor der Notdienst konkret vor Ort zu arbeiten beginnt, sollte man nach Möglichkeit einen Festpreis in Anwesenheit eines Zeugen vereinbaren und auch nur diesen vereinbarten Preis bezahlen. Auf eine Rechnung darf der Kunde immer bestehen und diese gilt es auch genau zu überprüfen. Ist darauf etwa teures Spezialwerkzeug in Rechnung gestellt, sollte es auch tatsächlich zum Einsatz gekommen sein. Es empfiehlt sich immer, vom Notdienst nur den gröbsten Schaden beheben zu lassen, perfekt kann man die Reparatur dann später zum günstigeren Tarif in Auftrag geben. Bleibt der Einsatz des Notdienstes erfolglos, muss der Kunde übrigens auch nichts bezahlen.

Biallo-Tipp: Wer überhöhte Rechnungen bei Handwerkernotdiensten vermeiden möchte, sollte vorsorgen und vorab überlegen, wen er in einem Notfall anruft. Man kann bei Handwerkerunternehmen nachfragen wie Ablauf und Kostengestaltung bei Notfällen sind. Es lohnt sich, auch die Nachbarn nach ihren Erfahrungen zu befragen.

Korrekte Auftragsvergabe vermeidet Ärger

Wer seinen Wunsch-Handwerker gefunden hat, muss ihm einen Auftrag erteilen, damit er mit den Arbeiten loslegen kann. Der Auftragsvergabe kommt eine zentrale Bedeutung zu. Denn hier werden die meisten Fehler gemacht. Jetzt heißt es. Sowohl die auszuführenden Arbeiten als auch die Kosten genau abzusprechen und schriftlich festzuhalten. Am besten geschieht dies über ein Angebot oder einen Kostenvoranschlag, den man einholt. Je nachdem ob es sich bei dem Auftrag um eine Neuanfertigung oder eine Reparatur handelt, gilt eine etwas abweichende Vorgehensweise.

Neuanfertigung

Der Vorteil bei einer Neuanfertigung ist, dass die Kosten ziemlich genau kalkuliert werden können. Sinnvoll ist es, mindestens drei Angebote oder Kostenvoranschläge verschiedener Unternehmen einzuholen und die Preise zu vergleichen. Ein Kostenvoranschlag kostet nichts, außer, es wurde im Vorfeld etwas anderes vereinbart.

Festpreis

Auf der sicheren Seite ist der Kunde, wenn er mit dem Handwerker einen Festpreis vereinbaren kann und dieser ihm ein Angebot unterbreitet. Der Preis bei einem Angebot kann nach getaner Arbeit nicht mehr erhöht werden, der genannte Festpreis ist verbindlich. Allerdings muss der Kunde davon ausgehen, dass der Handwerker hier im Vorfeld großzügiger kalkuliert, um auf der sicheren Seite zu sein. Möglicherweise kann der Endpreis also auch höher ausfallen als bei einem Kostenvoranschlag. Bei einem Festpreis darf der Kunde davon ausgehen, dass der Handwerker im Vertrag den Bruttopreis nennt und nicht noch nachträglich die Mehrwertsteuer berechnet.

Im Angebot sollten detailliert verwendete Materialen, Stückzahlen, Maße und die konkreten Handwerkerleistungen aufgeführt sein. Auch Nebenposten, wie zum Beispiel ein erforderlicher Gerüstbau, sind zu nennen. Nur so ist die Kalkulation mit der anderer Firmen vergleichbar.

Biallo-Tipp: Da sich wenige Unternehmen auf eine Festpreisvereinbarung einlassen, kann man versuchen, zumindest eine Preisobergrenze festzulegen, die der Handwerker nicht überschreiten darf.

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Kostenvoranschlag

Üblicher ist es, dass der Auftrag auf Basis eines Kostenvoranschlags vergeben wird. Da es sich hierbei nur um eine grobe Kostenkalkulation - eine sogenannte kaufmännische Vorkalkulation - handelt, kann es durchaus sein, dass sich der Preis noch erhöht. Bei einem Kostenvoranschlag gilt eine Erhöhung von 15 bis 20 Prozent als vertretbar, mehr sollte es nicht sein. Kommt es zu einer solchen Preissteigerung, muss der Handwerker den Kunden darüber aber im Vorfeld informieren - nicht erst nach getaner Arbeit - und die höheren Kosten begründen. Dem Auftraggeber steht es dann frei, den Auftrag zu kündigen - die bereits geleistete Arbeit muss er natürlich bezahlen.

Wie beim Angebot auch, sollten im Kostenvoranschlag alle verwendeten Materialen, Stückzahlen, Maße und die konkreten Handwerkerleistungen detailliert aufgeführt sein.

Abrechnung nach Aufwand

Statt Festpreis und Kostenvoranschlag wollen einige Betriebe auch nach Aufwand, also nach Stundenlohn plus Materialkosten abrechnen. Bei dieser Variante ist es sehr wichtig, sich vor der Auftragsvergabe über sämtliche anfallende Kosten aufklären zu lassen: Stundenverrechnungssätze, Fahrtkosten, Erschwerniszuschläge und so weiter.

Verbindliche Richtlinien für die Höhe der Stundenlöhne gibt es nicht. Sie variieren von Branche zu Branche und von Region zu Region ganz erheblich. Zwischen 40 und 60 Euro sind üblich, die Umsatzsteuer kommt noch obendrauf. Welche Preise in welcher Branche üblich sind, kann man bei der Handwerksinnung erfragen.

Der Kunde sollte auch darauf achten, dass der Betrieb die Kosten nicht unnötig in die Höhe treibt, indem er mehr Personal schickt, als wirklich notwendig ist und hinterher den doppelten Stundensatz in Rechnung stellt. Der Auftraggeber sollte sich auch erkundigen, wer die Arbeiten durchführt: Für Meister, Geselle und Azubi gelten unterschiedlich hohe Stundenlohnsätze.

Die Handwerker müssen grundsätzlich alle Ersatzteile und Werkzeuge mitbringen, die sie für den Job benötigen. Verlässt der Handwerker zwischendurch seinen Arbeitsplatz, um weiteres Material zu besorgen, darf er die dafür benötigte Zeit nicht in Rechnung stellen. Ebenso muss es der Kunde nicht akzeptieren und kann demnach die Bezahlung verweigern, wenn ein Betrieb einen offensichtlich unerfahrenen Mitarbeiter schickt, der wesentlich länger für die Arbeit benötigt, als ein routinierter Kollege.

Biallo-Tipp: Ist ein Stundenlohnsatz vereinbart, legt der Handwerker seinem Auftraggeber am Ende des Tages in der Regel einen sogenannten Regie- oder Stundenlohnzettel zur Unterzeichnung vor. Der Kunde sollte den Regiezettel nur dann unterzeichnen, wenn er mit den ausgeführten Arbeiten auch zufrieden ist und wenn die angegebene Stundenzahl stimmt. Angefangene Stunden dürfen nicht einfach zur vollen Stunde aufgerundet werden. Vielmehr müssen die Betriebe minutengenau abrechnen und dürfen nur geringfügig aufrunden, zum Beispiel auf fünf Minuten. Eine Aufrundung der Arbeitszeit von maximal einer Viertelstunde gilt noch als akzeptabel.

Reparatur

Grundsätzlich gilt bei einer Reparatur dieselbe Vorgehensweise wie bei einer Neuanfertigung. Allerdings ist die Kostenkalkulation wesentlich schwieriger. Denn der Umfang des Auftrags ist in der Regel zunächst unklar, da der Handwerker einen Defekt zunächst in Augenschein nehmen muss, bevor er sagen kann, was repariert werden muss.

Um die Kosten unter Kontrolle zu halten, sollte der Kunde bereits am Telefon den Handwerker informieren, dass er zunächst nur eine Diagnose wünscht. Es lohnt sich, gleich zu fragen, was der Handwerker für eine Anfahrt berechnet und wie er seine Arbeitszeit abrechnet. Fair ist es, wenn ein Betrieb die gefahrenen Kilometer in Rechnung stellt oder die Dauer der Fahrt berechnet, anstatt eine Entfernungspauschale zu kassieren. Ist Letzteres der Fall, sollte diese wenigstens nach Kilometern gestaffelt sein. Lässt sich der Betrieb nicht die Entfernung, sondern die Dauer der Fahrt bezahlen, darf er nicht den gleichen Satz wie für die Arbeitszeit berechnen. Üblich sind etwa zehn Prozent weniger.

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Hat der Handwerker den Defekt begutachtet und es hat sich herausgestellt, dass sich eine Reparatur nicht lohnt, muss der Kunde nur die Anfahrt und die Arbeitszeit bezahlen. Ist eine Reparatur möglich, ist jetzt eine Vorgehensweise wie zuvor beschrieben möglich: Entweder der Auftrag wird auf Basis eines Angebots (Festpreis) oder eines Kostenvoranschlags (Kostenschätzung) erteilt.

Biallo-Tipp: Sind Waschmaschine oder Spülmaschine kaputt, kann man den Kundendienst des Herstellers beauftragen. Bevor man ihn bestellt, sollte man aber auch einen ortsansässigen Handwerker fragen, ob er sich mit dem entsprechenden Gerät auskennt. Oft kommen die Kundendienste von außerhalb und berechnen hohe Anfahrtskosten.

Mit einem Vertrag auf der sicheren Seite

Hat man sich für einen Handwerksbetrieb entschieden, sollte man einen schriftlichen Vertrag schließen. Oft wird nur per Handschlag und auf Basis mündlicher Absprache gearbeitet - auch das gilt als Vertrag. Hält man jedoch nichts schriftlich fest, hat man hinterher auch nichts in der Hand, auf das man sich berufen kann.

Grundlage eines solchen Werkvertrags - den beide Seiten unterschreiben - kann der Kostenvoranschlag oder die Festpreisvereinbarung sein. Das sollte ein Vertrag beinhalten:

  • Detaillierte Auflistung der zu auszuführenden Arbeiten (zum Beispiel Maße, Materialwahl)
  • Anfahrtskosten
  • Materialkosten
  • Mehrwertsteuer
  • Beginn und voraussichtliches Ende der Arbeiten

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Abnahme der Arbeiten nicht vergessen

Dieser Teil der Auftragsabwicklung wird meist vernachlässigt, obwohl er von zentraler Bedeutung ist: Die Abnahme durch den Kunden. Nach Beendigung der Arbeit nimmt der Kunde diese in Augenschein und stimmt ihr entweder zu oder nicht. Für die Abnahme sollte man sich Zeit nehmen und in aller Ruhe Funktionen und Details der ausgeführten Arbeiten überprüfen. Wurde beispielsweise ein Bad saniert beziehungsweise neu eingebaut, sollte man ruhig mal die Wasserhähne auf- und zudrehen und prüfen, ob sie tropfen, die Fliesen und Fugen an der Wand begutachten auch, ob sie fest an der Wand sitzen, die Duschtüre auf- und zuschieben.

Ist man zufrieden, gilt die Arbeit als abgenommen und der Lohn wird fällig. Bis dahin ist der Handwerker zur Vorleistung verpflichtet. Erst mit der Abnahme hat der Handwerker auch Anspruch auf Bezahlung. Das Datum der Abnahme ist maßgeblich für den Beginn der Verjährungsfrist, die bei etwaigen Reklamationen eine Rolle spielt.

Ist der Kunde hingegen unzufrieden, sollte er sofort reagieren. Wer den Handwerker jetzt einfach ziehen lässt, akzeptiert damit die schlampige Arbeit. Begleicht er auch noch die Rechnung, hat er schlechte Karten, im Nachhinein eine Reklamation geltend zu machen. So lange die Abnahme nicht vollzogen ist, ist es nämlich am Handwerker, zu beweisen, dass er korrekt gearbeitet hat. Ist die Handwerkerleistung erst mal abgenommen, liegt die Beweispflicht für Mängel dagegen beim Kunden.

Biallo-Tipp: Oft ist man als Laie gar nicht in der Lage zu beurteilen, ob eine Arbeit korrekt ausgeführt wurde. Dann sollte man sich nicht scheuen, einen Ingenieur oder Sachverständigen zu Rate zu ziehen.

Richtig reagieren bei Mängeln

Hat der Handwerker schlampig gearbeitet, steht ihm eine zweite Chance zu, den Mangel zu beheben. Der Kunde sollte die fehlerhaft ausgeführte Arbeit dokumentieren - möglicherweise lässt sich ein Foto machen - und den Handwerker schriftlich dazu auffordern, nachzubessern. In dem Schreiben kann der Kunde auch gleich eine angemessene Frist setzen, bis wann die Arbeiten fertig sein müssen, in der Regel genügen 14 Tage. Für die Nachbesserung darf der Handwerker kein Geld verlangen.

Wenn die Nachbesserung nicht gelingt

Erst wenn der Handwerker den Mangel nicht zur Zufriedenheit behebt oder die Frist verstreichen lässt, darf der Kunde einen anderen Handwerksbetrieb beauftragen. Die Kosten dafür trägt natürlich der Verursacher, also der ursprüngliche Vertragspartner. Doch Vorsicht, es gibt keine festgeschriebene Anzahl an Versuchen, die einem Handwerker zustehen, einen Mangel zu beseitigen. Je nach Einzelfall kann es auch angemessen sein, dass er wiederholt nachbessern darf. Zeichnet sich zum Beispiel schon nach dem ersten Nachbesserungsversuch ab, dass sich kein besseres Ergebnis erzielen lässt, kann schon ein Versuch als genügend gelten. Erscheint es aber wahrscheinlich, dass ein zweiter Versuch zum gewünschten Ergebnis führt, steht dem Handwerker dieser zu.

Biallo-Tipp: Was geschieht, wenn der Handwerker gar nicht auf die erste Aufforderung zur Nachbesserung reagiert? Dann sollte der Kunde ihn ein weiteres Mal auffordern und eine Frist setzen, bis wann er tätig werden muss. Reagiert er dann wieder nicht, muss der Kunde ihn nicht ein weiteres Mal auffordern.

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Solange der Kunde nicht zufrieden mit der geleisteten Arbeit ist, muss er auch nicht den vollen Lohn begleichen. Den Teil der Arbeit, der zur Zufriedenheit ausgeführt wurde, sollte man aber bezahlen. Für die Mängel darf man mindestens das Doppelte der voraussichtlichen Kosten der Mängelbeseitigung zurückbehalten.

Beispiel: Jemand gibt einen Carport mit Glasdach in Auftrag. Bei Abnahme bemerkt der Kunde, dass eine Platte einen Riss hat. Der Wert der Platte inklusive der Arbeitszeit für den Austausch beträgt 220 Euro. Der Kunde darf damit mindestens das Doppelte, also 440 Euro, von der Gesamtrechnung zurückbehalten, bis der Schaden beseitigt ist.

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Schadenersatz

Es kann durchaus sein, dass dem Kunden durch eine mangelhafte Handwerkerarbeit erheblicher Schaden entsteht: Eine zusätzliche Reparatur durch einen Spezialbetrieb ist nötig, die neue Kosten verursacht oder eine unsachgemäße Reparatur führt zu einem Brand oder Rohrbruch. In diesem Fall hat der Kunde neben seinem Recht auf Nachbesserung oder Minderung zusätzlich einen Anspruch auf Schadenersatz. Hier gilt es, rechtzeitig Beweise zu sichern. Der Kunde sollte in solchen Fällen aber einen Sachverständigen zu Rate ziehen.

Reklamation

Oft bemerkt man schlampige Arbeit eines Handwerkers nicht bei der Abnahme, sondern erst im Nachhinein. Jetzt kann sich der Kunde auf die Gewährleistungspflicht berufen. Sie gilt auch bei Handwerksarbeiten und beträgt zwei Jahren ab dem Tag nach der Abnahme. Bei Arbeiten an einem Bauwerk (Neuherstellung oder auch Erweiterung der Gebäudesubstanz) gelten sogar fünf Jahre Gewährleistungspflicht.

Leider ist der Laie oft nicht in der Lage, selbst zu beurteilen, ob der Mangel eingetreten ist, weil der Handwerker unsachgemäß gearbeitet hat. Dann ist ein Sachverständigenurteil nötig. Liegt es allerdings auf der Hand, dass der Handwerker für den Mangel verantwortlich ist, muss der Kunde ihm auch in diesem Fall die Chance zur Nachbesserung geben.

Verspätung

Von Erfahrungen mit Handwerkern, die später kommen als vereinbart oder die Arbeit nicht in der vereinbarten Zeit erledigen, kann fast jeder berichten. Das muss man sich aber nicht gefallen lassen. Vage Terminabsprachen - beispielsweise zwischen 14 und 18 Uhr - oder erhebliche Verspätungen muss man nicht akzeptieren.

Bevor ein Kunde aber so verärgert ist, dass er den Handwerker vor die Tür setzt, muss er ihm noch eine Chance geben, die Arbeit zu vollenden. Der Kunde sollte ihm dann eine Frist setzen, am besten schriftlich. Als Faustregel gelten ein bis zwei Wochen. Zu diesem Termin müssen die Arbeiten fertig sein. Ist die Arbeit dann immer noch nicht beendet, kann der Kunde den Vertrag mit dem Handwerker kündigen. Der Kunde darf unter Umständen sogar Schadenersatz verlangen. Ersatzfähig sind sämtliche Schäden, die im Zusammenhang mit dem Mangel beziehungsweise mit der verspäteten Fertigstellung stehen. In solchen Fällen empfiehlt es sich jedoch, juristischen Rat einzuholen.

Biallo-Tipp

Wer sich mit dem Handwerker nicht einig wird, findet Hilfe bei den Verbraucherzentralen. Auch die Handwerkskammern haben Schlichtungsstellen.

Die Rechnung bezahlen

Viele Handwerker kassieren gerne bar vor Ort, vor allem Notdienste. Das sollte der Kunde nicht akzeptieren, er darf immer eine Rechnung verlangen und sollte sich die Zeit nehmen, diese ausführlich zu überprüfen. Nicht zuletzt ist eine Rechnung samt Bankauszug, der die Überweisung belegt, eine Voraussetzung, um die Kosten von der Steuer abzusetzen.

Biallo-Tipp: Gelingt es einem Handwerker nicht, eine Reparatur durchzuführen, darf er auch nichts in Rechnung stellen.

Bezahlung nach Kostenvoranschlag

Wird auf Basis des Kostenvoranschlags abgerechnet, darf der Endpreis um etwa 15 bis 20 Prozent höher sein als ursprünglich vereinbart, wenn dafür ein sachlicher Grund vorliegt. Der Handwerker muss den Kunden darüber aber schon während der Arbeiten informiert haben.

Bezahlung nach Festpreis

Haben Auftraggeber und Handwerker im Vorfeld der Arbeiten einen Festpreis vereinbart, ist dieser verbindlich. Der Handwerker darf ihn nachträglich nicht erhöhen, auch wenn er mehr Aufwand hatte, als er zuvor kalkuliert hat.

Bezahlung nach Stundenlohn

Wird nach Stundenlohn bezahlt, sollte der Kunde die Rechnung besonders genau prüfen. Eine detaillierte Kostenaufstellung ist wünschenswert, auf der auch alle Einzelteile aufgeführt sind. Pauschalbeträge - etwa für "Kleinteile" - sollte er nicht akzeptieren. Hier einige Punkte, auf die es zu achten gilt:

Pausen: Pausen darf der Handwerker nicht berechnen. Der Kunde muss nur erbrachte Arbeitszeit bezahlen.

Spezialgeräte: Sie dürfen nur in Rechnung gestellt werden, wenn sie auch zum Einsatz kamen und sie den Namen auch verdienen.

Beschädigte Werkzeuge: Dafür muss der Kunde nicht aufkommen.

Fahrzeiten: Die Fahrzeit darf der Handwerker in Rechnung stellen. Ein um etwa zehn Prozent niedriger Preis als für Arbeitsstunden gilt als angemessen.

Nacht-, Sonn- und Feiertagszuschläge: Ein Zuschlag von 50 bis 70 Prozent auf Lohn- und Fahrtkosten gilt als angemessen. Allerdings darf das Material wegen Sonntags- oder Feiertagsarbeit nicht teurer werden.

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während meines Studiums der Neueren Geschichte in München begann ich als freie Journalistin zu arbeiten, unter anderem für die Süddeutsche Zeitung. Im Jahr 2000 kam ich zu biallo.de, damals waren Versicherungsthemen für mich Neuland, über Gesundheitspolitik las ich in der Zeitung oder bekam die Auswirkungen als Patientin zu spüren.

Schnell stellte ich fest, dass der unverstellte Blick von außen durchaus von Vorteil ist bei der kritischen Aufbereitung dieser Themen. Bei Biallo schreibe ich noch immer über Versicherungen, Gesundheit und Soziales. Neuland sind diese Themen heute nicht mehr.

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während meines Studiums der Neueren Geschichte in München begann ich als freie Journalistin zu arbeiten, unter anderem für die Süddeutsche Zeitung. Im Jahr 2000 kam ich zu biallo.de, damals waren Versicherungsthemen für mich Neuland, über Gesundheitspolitik las ich in der Zeitung oder bekam die Auswirkungen als Patientin zu spüren.

Schnell stellte ich fest, dass der unverstellte Blick von außen durchaus von Vorteil ist bei der kritischen Aufbereitung dieser Themen. Bei Biallo schreibe ich noch immer über Versicherungen, Gesundheit und Soziales. Neuland sind diese Themen heute nicht mehr.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de