Familie & Vorsorge

Altersvorsorgedepot: Verbraucherschützer raten zu Geduld und Vorsicht

Matthias Autenrieth
Redakteur
Veröffentlicht am: 30.04.2026

Ab kommendem Jahr löst das Altersvorsorgedepot die Riester-Rente als staatlich geförderte private Vorsorgeform ab. Etliche Anbieter positionieren sich bereits. Verbraucherschützer raten allerdings abzuwarten. 

Als der Bundestag Ende März das Altersvorsorgereformgesetz verabschiedete, gab es viele positive Reaktionen. Das Altersvorsorgedepot soll die in Verruf geratene Riester-Rente als günstigere, renditestärkere Form der privaten Altersvorsorge ablösen. Die Hauptpunkte dabei sind der Wegfall der zwingenden Kapitalgarantie, die geförderte Vorsorge mittels Wertpapieren sowie die niedrigeren Kosten. Letztere sind bei effektiv einem Prozent der Sparbeiträge pro Jahr gedeckelt, was von Verbraucherschützern aber als immer noch zu hoch angesehen wird. 

Kosten dürften unterhalb des Deckels variieren 

Allerdings haben Sparerinnen und Sparer die Wahl: Sie können mit einem innerhalb einer gesetzlich definierten Positivliste selbst zusammengestellten Depot, einem noch kommenden staatlichen Fonds oder Angeboten einzelner Anbieter vorsorgen. Die Kosten dürften sich dabei unterhalb der gegebenen Obergrenze unterscheiden, Konkretes ist hier allerdings noch nicht bekannt.

Dennoch bringen sich diverse Anbieter bereits in Stellung. So können sich Sparer auf etlichen Webseiten von Banken oder Brokern registrieren und erhalten dann entsprechende Informationen, wenn es Neues zum Altersvorsorgedepot gibt – und natürlich irgendwann ein konkretes Angebot. Anderenorts wird empfohlen, möglichst früh ein Depot abzuschließen, um zum Start Anfang 2027 nicht warten zu müssen. 

Verbraucherschutz warnt: Kein Grund zur Eile beim Altersvorsorgedepot 

Verbraucherschützer sehen dies als unnötig an. „Das Ziel ist es, Verbraucher frühzeitig zu binden. Solange konkrete Konditionen, Kosten und Vertragsbedingungen nicht transparent vorliegen, gibt es keinen rationalen Grund, persönliche Daten zu Marketingzwecken zur Verfügung zu stellen“, sagt Niels Nauhauser, Abteilungsleiter Altersvorsorge, Banken, Kredite der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Sinnvoll sei es, abzuwarten, bis unabhängige Vergleiche verschiedener Anbieter vorliegen – insbesondere auch im Vergleich zum staatlich organisierten Standardprodukt.  

Nauhauser rät insofern von vorschnellen Abschlüssen in Verkaufsgesprächen ab, insbesondere von Versicherungsprodukten mit hohen Kosten.

„Kosten sind der zentrale Renditefaktor, weil sie langfristig einen erheblichen Teil der Kapitalmarkterträge auffressen können.“
Niels Nauhauser, Verbraucherzentrale Baden-Württemberg

Generell wird es nötig sein, die Altersvorsorgeprodukte genau zu prüfen, vor allem, ob sie zur individuellen Situation passen. „Die staatliche Förderung wirkt oft attraktiver, als sie tatsächlich ist“, sagt Nauhauser. In vielen Fällen handele es sich im Kern um eine Verschiebung der Steuerlast ins Rentenalter. Ob sich ein geförderter Vorsorgemantel gegenüber einem einfachen ETF‑Sparplan rechne, hänge vom individuellen Steuersatz, den Kosten und der konkreten Vertragsausgestaltung ab. 

Fixe Eckpunkte 

Das staatlich Fondsangebot zum Altersvorsorgedepot fehlt bislang ebenso wie konkrete Produkte anderer Anbieter, klar sind aber die Rahmenbedingungen des Riester-Nachfolgers. Die Zulage ist abhängig von der Höhe des Sparbeitrags: Für Beiträge bis zu 360 Euro im Jahr gibt der Staat 50 Cent je gespartem Euro dazu, für Beträge darüber bis 1.800 Euro jährlich noch einmal 25 Cent je Euro. Insgesamt ist so eine Förderung von 540 Euro pro Jahr möglich. Die Förderquote liegt damit bei 50 Prozent bis jährlich 360 Euro beziehungsweise bei 30 Prozent für die maximal geförderte Summe (siehe Tabelle).  

So fördert der Staat künftig die private Vorsorge  

Einzahlung

p. a.  

Zulage je €  Zulagesumme p. a. Förderquote  
120 €  0,50 €  60 €  50 %  
360 €  0,50 €  180 €  50 %  
1.800 €  0,50 € bis 360 €, darüber 0,25 €  180 € + 360 € = 540 €  30 %  
Quelle: Bundesministerium der Finanzen, eigene Berechnung  

Wie Sparer am besten privat vorsorgen, wird von der konkreten Ausgestaltung der Angebote abhängen, die es dann zu prüfen gilt: In Bezug auf Kosten und die eigene Situation. Nauhausers Rat: „Man kann in aller Ruhe und Gelassenheit abwarten, es gibt keinerlei Grund zur Eile.“

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Sämtliche Angaben ohne Gewähr. Datenstand 30.04.2026

Über den Redakteur Matthias Autenrieth

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Nach Abschluss der Deutschen Journalistenschule und Studium an der Ludwig-Maximilians-Universität in München Zwischenstation beim Fernsehen, seitdem im Bereich Finanz- und Wirtschaftsjournalismus tätig. Dabei reichte das Spektrum von Ratgebertexten für unterschiedliche Publikumsmedien über Artikel für Fachzeitschriften bis zu Börsenberichten. Zudem unterstützte er diverse Unternehmen bei ihrer internen und externen Kommunikation. Seit 2026 in der Redaktion von biallo.de, wo sein Fokus vor allem auf dem Nutzwert für die Leserinnen und Leser.

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