Zwei Billionen Dollar wert – und trotzdem rät Börsenexperte Florian Söllner von SpaceX ab. Der Investor und Börsenexperte des Anlegermagazins "Der Aktionär" verweist auf Elon Musks Erfolgsbilanz bei Tesla: Dort verfehlte der US-Milliardär seine Ziele oft deutlich. Söllner zieht sogar eine kritische Parallele zur einst gehypten Aktie der Deutschen Telekom. Statt SpaceX direkt zu kaufen, empfiehlt er zwei Zulieferer der Raumfahrt-Industrie.
Aktienexperte verrät: Warum ich SpaceX jetzt nicht kaufen würde
Seit dem 12. Juni 2026 ist Elon Musks Raumfahrt-Konzern SpaceX an der US-Börse Nasdaq notiert. Schon jetzt zählt das Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von rund zwei Billionen US-Dollar (1,75 Billionen Euro) zu den wertvollsten Firmen der Welt. Dennoch rät Florian Söllner, Börsenexperte beim Anlegermagazin "Der Aktionär", im Interview mit biallo.de von einem Einstieg bei SpaceX ab.
Das Hauptargument des Technologie- und Wachstumsexperten: Wenn es um die Erreichung eigener Ziele geht, ist Elon Musks Erfolgsbilanz alles andere als gut. Ähnliches befürchtet Söllner auch für SpaceX. Statt die Raumfahrtfirma direkt zu kaufen, setzt er daher lieber auf Zulieferer aus dem Raumfahrt- und Verteidigungs-Sektor.
Bewertung von SpaceX: Kein Spielraum für Fehler
"Bei so einer Bewertung muss halt alles klappen", sagt Söllner mit Blick auf SpaceX. Soll heißen: Bei einer Marktkapitalisierung von fast zwei Billionen US-Dollar müsse praktisch jeder Wachstumsplan aufgehen, damit sich ein Einstieg für Anleger lohnt. Schon kleinere Rückschläge bei Umsatz oder Zeitplan könnten bei solchen Vorschusslorbeeren schnell zu Enttäuschungen führen, meint Söllner. Der SpaceX-Aktienkurs hat seit dem Börsengang nach anfänglich steilem Anstieg deutlich nachgelassen (siehe Chart).
Die erste Euphorie ist verflogen
Skepsis bei Umsatzzielen: Die Tesla-Parallele
Als zentrales Argument gegen SpaceX zieht Söllner die Vergangenheit von Tesla heran. Elon Musk habe einst das Ziel ausgegeben, 20 Millionen Autos pro Jahr zu verkaufen. Tatsächlich liege man aktuell bei etwa 1,6 Millionen Fahrzeugen, also weniger als zehn Prozent der ursprünglichen Vorgabe. "Elon Musk kommt immer irgendwo an", sagt Söllner: "Aber meist nicht so schnell und so hoch, wie er es in Aussicht stellt."
Biallo-Tipp: Das ganze Interview auf Youtube
Robotik, Raumfahrt, Künstliche Intelligenz: In unserem Interview auf Youtube erklärt Aktienexperte Florian Söllner ausführlich, wie er die Zukunftstrends einschätzt – und warum er die KI-Euphorie skeptisch sieht.
Musks Tesla-Prognose überträgt der Aktienexperte auch auf SpaceX: Der Milliardär hatte kurz nach dem Börsengang auf der Plattform X erklärt, er rechne bis 2030 mit rund einer Billion Dollar Jahresumsatz für SpaceX – ein Ziel, das weit über den Prognosen der Banken liegt, die den Börsengang begleitet haben. Sie erwarten für 2030 lediglich zwischen 330 und 470 Milliarden US-Dollar. Diese Diskrepanz zwischen Musks öffentlichen Ankündigungen und den tatsächlichen Gegebenheiten macht Söllner skeptisch.
Historischer Vergleich: Ist SpaceX die neue T-Aktie?
Auch beim Vergleich mit anderen großen Börsengängen fällt Söllners Urteil zu SpaceX kritisch aus. Während Meta, Alphabet und selbst Tesla bei ihrem jeweiligen Börsengang aus seiner Sicht "fair" bewertet gewesen seien, sei SpaceX mit zwei Billionen US-Dollar eine völlig andere Größenordnung.
Sein Fazit: SpaceX sei zwar alles in allem "eine definitiv starke Firma". Die Aktie sei jedoch extrem hoch bewertet. Söllner zieht eine Parallele, die vor allem ältere Anleger kennen dürften: "Wir hoffen mal, es ist nicht die Deutsche-Telekom-Aktie der Neuzeit." Der Börsengang der Telekom hatte Mitte der 90er Jahre bei Anlegern eine Börsen-Euphorie ausgelöst. Die "T-Aktie" stürzte später allerdings ab. Viele Privatanleger verloren mit der Volksaktie Geld.
Söllners Rat: Zulieferer statt Direktinvestment
Statt auf SpaceX selbst zu setzen, blickt Söllner daher lieber auf Unternehmen, die vom Raumfahrt-Trend profitieren, ohne dessen Bewertungsrisiken zu tragen. Einer seiner Favoriten ist Graham Corporation, ein US-amerikanischer Entwickler von Spezialanlagen für die Raumfahrtindustrie.
Als zweite Option nennt er den deutschen Sensorik- und Defense-Spezialisten Hensoldt. Der deutsche Konzern aus Taufkirchen bei München ist mittlerweile auch im Raumfahrt- und Drohnenbereich aktiv.
Hinweis: Dieser Text ist keine Anlageberatung, Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Kapitalanlagen sind mit Risiken verbunden, ihr Wert kann steigen oder fallen, und Verluste sind möglich. Jede Analyse kann Fehler enthalten.


