Auf den richtigen Moment warten – und dabei Cash halten. Ein JP-Morgan-Experte nennt das die teuersten Fehler überhaupt. Seine Analyse zeigt: Wer seit 1990 selbst unmittelbar vor Marktschocks investierte, erzielte in drei Viertel aller Fälle bessere Renditen als mit Cash. Auf drei Jahre schlug ein 60/40-Portfolio die Barmittel immer. Der Rat: Investiert bleiben und Cash auf fünf bis zehn Prozent begrenzen.
Studie: Warten kostet mehr als jeder Börsencrash
Er hat den nächsten Tausender geknackt und hält sich seitdem tapfer darüber: Mit knapp 26.500 Punkten hat der Deutsche Aktienindex (Dax) Anfang der Woche ein neues Rekordhoch erreicht. Jetzt fragen sich Anlegerinnen und Anleger: Ist das ein Signal zum Einstieg in den Aktienmarkt? Oder ist es besser, zu warten, bis die Kurse wieder gefallen sind – und solange das Geld auf dem Girokonto oder einem Sparkonto zu parken?
Eine Auswertung des Vermögensverwalters J.P. Morgan Asset Management zeigt jetzt: Sowohl das Warten auf einen günstigeren Einstiegszeitpunkt als auch das Parken des Vermögens als „Cash“ sind keine guten Ideen. Im Gegenteil: JP-Morgan-Experte John Bilton hält sie sogar "für die zwei wichtigsten und teuersten Fehler von Anlegerinnen und Anlegern". Statt zu warten, sollten sie investieren und anschließend dabeibleiben – auch wenn es an der Börse bergab geht.
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Investieren ist besser als warten
So zeigt Biltons Auswertung: Selbst beim denkbar ungünstigsten Einstieg zahlte es sich aus, „die Zähne zusammenzubeißen und investiert zu bleiben“. Denn wer seit 1990 jeweils unmittelbar vor einem Marktschock in ein Portfolio investierte, das zu 60 Prozent aus Aktien und zu 40 Prozent aus Anleihen bestand, erzielte in der Regel damit bessere Renditen als mit Barvermögen. Das macht die folgende folgende Grafik deutlich:
Aktien und Anleihen schlagen Cash
Um so viel Prozent übertraf ein 60/40-Portfolio bei der Rendite das Halten von Barmitteln – bei Anlage im Monat vor einem Schock.Demnach lag die Rendite des 60/40-Portfolios nach einem Jahr in drei Viertel aller Fälle höher als bei Barmitteln. Im Durchschnitt betrug das Plus sieben Prozent. Lediglich nach dem Angriff auf das World Trade Center („9-11“, 2001), der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers (2008) und dem Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine (2022) war Cash kurzfristig die bessere Lösung.
Bei einem längeren Betrachtungszeitraum ist das Ergebnis noch klarer: Auf Sicht von drei Jahren schlug das 60/40-Portfolio die Barmittel in allen Fällen – im Schnitt mit einem Renditevorsprung von 22 Prozent.
Timing lohnt sich nicht
Biltons Ergebnisse decken sich mit anderen Analysen. So zeigt eine Auswertung der Stiftung Warentest: Wer in der Vergangenheit stets auf dem Rekordhoch in den Aktienindex MSCI World investierte, lag nach drei Jahren in 80 Prozent der Fälle im Plus. Und eine Studie des ETF-Anbieters Vanguard macht deutlich: Selbst wer in den vergangenen 30 Jahren sein Geld mit einem Welt-ETF immer genau vor einem Börsencrash in Aktien steckte, fuhr langfristig gute Gewinne ein. Auf den „richtigen“ Zeitpunkt für die Investition zu warten und bis dahin das Geld in Cash zu halten, ist demnach wenig sinnvoll.
Zu viel Cash kostet Rendite
Trotz dieser Erkenntnis halten Privatanleger laut J.P.-Morgan-Experte Bilton auf lange Sicht rund ein Viertel ihrer investierbaren Vermögenswerte auf Girokonten, Sparkonten oder als Tagesgeld. "Dabei zeigen langjährige Analysen, dass aus Renditeperspektive fünf bis zehn Prozent sinnvoll" seien, sagt Bilton.
Wie viel Rendite überschüssige Barmittel kosten, verdeutlicht er mit einer Beispielrechnung: Wer in den fünf Jahren nach der Corona-Pandemie eine Barquote von 25 Prozent hielt, verzichtete gegenüber einem voll investierten Portfolio auf mehr als fünf Prozent Rendite. Statt hohe, vermeintlich sichere Cash-Anteile zu horten, zahlt es sich daher für Anleger fast immer aus, zu investieren und danach "investiert und diversifiziert zu bleiben" – also Aktien und Anleihen je nach Risikoneigung zu mischen. Bilton: "Über nahezu jeden Zeithorizont und über nahezu jede Region übertreffen ausgewogene Portfolios Cash."

