Aktie der Woche

Johnson & Johnson-Aktie: Alter Rechtsstreit, neues Rekordhoch

Luis Ropero
Social Media & Videocreator
Andreas Jalsovec
Redakteur
Veröffentlicht am: 31.08.2026
Das erwartet Sie in diesem Artikel

Johnson & Johnson zahlt 5,5 Milliarden Dollar, um einen jahrzehntealten Rechtsstreit um angeblich krebserregendes Babypuder zu beenden – und weist die Vorwürfe dabei weiterhin zurück. Während im Hintergrund verhandelt wurde, kletterte die Aktie auf Rekordniveau.

1886 gründeten drei Brüder namens Johnson im US-Bundesstaat New Jersey eine kleine Firma für sterile Verbandsmaterialien – zu einer Zeit, in der schon eine simple Wundinfektion tödlich enden konnte. Heute ist daraus einer der größten Gesundheitskonzerne der Welt geworden, mit Medikamenten gegen Krebs und Multiple Sklerose sowie Hightech-Implantaten für Knie- und Hüftoperationen. Wer schon einmal eine Not-OP hatte oder Chemotherapie bekam, kam womöglich mit Johnson & Johnson in Berührung, ohne es zu wissen.

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Viele kennen den Konzern vor allem noch vom Babypuder aus dem heimischen Badezimmerschrank. Doch genau dieses Traditionsprodukt ist es, das J&J gerade Milliarden kostet: Der Konzern zahlt 5,5 Milliarden US-Dollar, um einen jahrzehntealten Rechtsstreit um angeblich krebserregendes Talkum zu beenden – und weist die Vorwürfe dabei bis heute zurück.

In unserer Reihe "Aktie der Woche" nehmen wir Johnson & Johnson unter die Lupe: einen Gesundheitsriesen, der gerade zwischen Milliarden-Vergleich und Rekordkurs steht.

Bei der "Aktie der Woche" bewertet Börsenexperte Luis Ropero wöchentlich die Aktien von Unternehmen, die die Märkte bewegen. Aktuell: die Pharma-Branche. Das Ergebnis fasst er in einem Kurzvideo auf Instagram zusammen.

Johnson & Johnson: Medikamente und Medizintechnik unter einem Dach

Johnson & Johnson ist heute in zwei große Bereiche aufgeteilt: Medikamente und Medizintechnik. Im Medikamenten-Geschäft ist vor allem die Krebsmedizin der Wachstumsmotor – etwa mit dem Mittel Darzalex gegen eine bestimmte Form von Blutkrebs. Gebremst wird das Geschäft dagegen von einem einstigen Kassenschlager gegen Schuppenflechte und Rheuma: Seit günstigere Nachahmerpräparate auf den Markt kamen, brechen dessen Umsätze deutlich ein.

Die zweite Sparte, Medizintechnik, liefert Implantate, OP-Geräte und Werkzeuge für Herzkatheter-Eingriffe. Produkte von Johnson & Johnson könnte genutzt haben, wer schon einmal ein künstliches Kniegelenk bekommen hat oder Kontaktlinsen trägt. Dieser Bereich wächst zuletzt vor allem im Herz-Kreislauf-Geschäft kräftig – nur in China läuft es noch schleppend.

Johnson & Johnson im Vergleich: Platz drei im Pharma-Feld

Im zweiten Quartal 2026 lieferte Johnson & Johnson ein starkes Ergebnis: Der Umsatz stieg um 6,6 Prozent auf gut 25 Milliarden Dollar – erstmals in einem Quartal. Der Gewinn wuchs ähnlich kräftig mit. J&J hob daraufhin die Jahresprognose an und peilt für 2026 erstmals in der Firmengeschichte einen Jahresumsatz von über 100 Milliarden Dollar an.

Dennoch landet Johnson & Johnson in unserer Pharma-Vergleichsgruppe nur im Mittelfeld – hinter Eli Lilly und Novo Nordisk, aber vor Merck KGaA und Bayer. Für den Vergleich ziehen wir gut ein Dutzend wichtige Unternehmenskennzahlen heran und erstellen auf deren Grundlage ein Ranking der Vergleichsgruppe (siehe auch Fragen und Antworten am Ende des Artikels).

Der Pharma-Vergleich: Johnson & Johnson auf dem Treppchen

Die Analyse: Solide Mitte mit zwei Lichtblicken

Johnson & Johnsons größte Stärke ist der Blick nach vorn: Beim erwarteten Umsatzwachstum von 7,38 Prozent pro Jahr bis 2029 liegt der Konzern auf Platz zwei der Gruppe – nur Eli Lilly wächst hier schneller. Auch bei der Krisenfestigkeit punktet J&J: Der EBIT-Drawdown von nur minus 3,6 Prozent zeigt, dass der Betriebsgewinn selbst in schwachen Jahren kaum einbricht – der zweitbeste Wert im Vergleich, deutlich stabiler als etwa bei Eli Lilly oder Bayer.

Bei den übrigen Kennzahlen bewegt sich Johnson & Johnson dagegen meist im Mittelfeld: Eigenkapitalrendite, Kapitalrendite und Eigenkapitalquote liegen jeweils auf Platz drei – solide, aber ohne die Ausreißer nach oben, die Eli Lilly und Novo Nordisk zeigen. Auch bei der Aktienbewertung (Forward-KGV) reicht es nur für Platz vier. Beim reinen Umsatzwachstum der vergangenen fünf Jahre landet J&J sogar nur auf dem letzten Platz der Gruppe (siehe Grafik).

J&J in Zahlen: Stabil, aber nicht die schnellste Wachstumsstory

Johnson & Johnson-Aktie: Kurs nahe Allzeithoch

Die Johnson & Johnson-Aktie notiert aktuell bei 265,70 US‑Dollar (Stand: 28. August 2026). Das durchschnittliche Kursziel von 23 Analysten liegt bei 272,50 US‑Dollar. Das ist ein Aufwärtspotenzial von rund drei Prozent. Im laufenden Jahr hat die Aktie deutlich zugelegt und notiert nur wenige Prozent unter ihrem Allzeithoch – getragen von starken Quartalszahlen, einer angehobenen Jahresprognose und der jüngsten FDA-Zulassung für das Medikament IMAAVY (siehe Chart).

Kurs in Euro. Quelle: onvista.de, finanzen.net, Grafik biallo.de (KI-generiert), Stand Aktienkurs 20.08.2026

Johnson & Johnson-Aktionäre konnten sich in diesem Jahr außerdem über eine Dividende von 5,36 US-Dollar pro Aktie freuen. Gemessen am aktuellen Kurs liegt die Dividendenrendite damit bei rund zwei Prozent. Besonders bemerkenswert: J&J zählt zu den sogenannten Dividendenaristokraten – Unternehmen, die ihre Dividende seit mindestens 25 Jahren in Folge erhöhen. Im April 2026 stockte der Konzern seine Quartalsdividende bereits zum 64. Mal in Folge auf.

Das Fazit: Solider Riese mit Altlasten

Johnson & Johnson ist kein glamouröser Wachstumskonzern wie Eli Lilly, aber auch kein Sanierungsfall wie Bayer. Der Gesundheitsriese aus New Jersey punktet vor allem mit finanzieller Substanz und einer der längsten Dividendenhistorien im gesamten Aktienmarkt. Der milliardenschwere Talkum-Vergleich bleibt ein Belastungsfaktor – zeigt aber auch, dass der Konzern bereit ist, alte Rechtsrisiken endgültig abzuräumen. Neue Zulassungen wie die für IMAAVY, ein Mittel gegen die seltene Blutkrankheit wAIHA, könnten künftig zusätzliches Wachstum liefern.

Die Johnson & Johnson-Aktie eignet sich für: Anlegerinnen und Anleger, die auf einen finanziell soliden Gesundheitskonzern mit verlässlicher, seit 64 Jahren steigender Dividende setzen wollen.

Die Johnson & Johnson-Aktie ist weniger geeignet für: Anleger, die auf hohe Wachstumsraten oder kurzfristige Kursrallys wie bei Eli Lilly oder Novo Nordisk setzen. Das bietet J&J derzeit nicht.

Nächste Woche analysieren wir die Bayer AG – den deutschen Chemie- und Pharmakonzern mit Sanierungsfall-Image.

Johnson & Johnson: Fragen und Antworten

Womit punktet Johnson & Johnson? 

Die größten Stärken von Johnson & Johnson sind der Ausblick und die Resilienz. Beim erwarteten Umsatzwachstum von 7,38 Prozent pro Jahr bis 2029 liegt der Konzern auf Platz zwei der Gruppe – nur Eli Lilly wächst hier schneller. Die Krisenfestigkeit spricht für J&J: Der EBIT-Drawdown von nur minus 3,6 Prozent zeigt, dass der Betriebsgewinn selbst in schwachen Jahren kaum einbricht – der zweitbeste Wert im Vergleich

Wie sehen die Kennzahlen für Johnson & Johnson im Detail aus?

Für die Aktie der Woche analysieren wir jedes Unternehmen anhand einer Reihe wichtiger Unternehmenskennzahlen (siehe auch die folgende Frage). Die Daten-Übersicht für Johnson & Johnson:

KennzahlWertPlatz im Vergleich
Umsatzwachstum¹2,67%4
Erwartetes Umsatzwachstum²7,38%2
Gewinnwachstum¹12,75%3
Erwartetes Gewinnwachstum²9,19%4
EBIT-Marge³32,00%3
EBIT-Margenwachstum³8,86%3
EBIT-Drawdown³−3,6 %2
Eigenkapitalquote28,00%3
Eigenkapitalrendite48,18%3
Kapitalrendite31,94%3
Kurs-Gewinn-Verhältnis (erwartet)⁴284
¹ Durchschnitt 2021–2025; ² Prognose 2026–2029; ³ EBIT-Marge = Verhältnis des Betriebsgewinns zum Umsatz; EBIT-Drawdown = größter Rückgang des Betriebsgewinns 2021–2025 in Prozent; ⁴ Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der erwarteten Gewinne; Quelle: Eigene Berechnungen mit Daten von Yahoo Finance, Finanzen.net; Stand: 28.08.2026.

Wie bewerten wir die Aktie der Woche?

Bei der "Aktie der Woche" vergleicht biallo regelmäßig große Unternehmen aus verschiedenen Branchen. Wir ziehen dafür rund ein Dutzend Kennzahlen heran. Dazu zählen Umsatz- und Gewinnwachstum, Rentabilität, Kapitalstruktur oder die Analystenbewertung. Für jede Kategorie gibt es einen Punkt, wenn das Unternehmen in der Kategorie unter den Top 3 in der Vergleichsgruppe liegt. Bei Wachstumswerten berechnen wir zusätzlich die Stabilität des Wachstums: Liegt sie über einem definierten Schwellenwert, gibt es einen halben Zusatzpunkt. Insgesamt werden in elf Kategorien je ein Punkt und zusätzlich je ein halber Punkt für vier Stabilitätskriterien vergeben – maximal also 13 Punkte.

Hinweis: Die "Aktie der Woche" ist keine Anlageberatung, Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Kapitalanlagen sind mit Risiken verbunden. Der Wert kann steigen oder fallen, und Verluste sind möglich. Die Analyse kann Fehler enthalten.

Über den Social Media & Videocreator Luis Ropero

Luis Ropero ist das Gesicht unserer Social-Media-Kanäle. Er ist verantwortlich für unseren Video-Content. Als erfahrener Videoproduzent steht er nicht nur vor der Kamera, sondern übernimmt auch die Recherche, den Schnitt und die Nachbearbeitung, damit unsere Videos ansprechend und professionell präsentiert werden. Seit vielen Jahren beschäftigt sich Luis intensiv mit der Börse und dem Aktienmarkt – eine Leidenschaft, die er in jede Analyse und jedes Video einfließen lässt. Mit seiner kreativen Herangehensweise und seinem Blick für Details bringt er komplexe Finanzthemen auf den Punkt und macht sie leicht zugänglich. 

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