Aktie der Woche 

Puma in der Krise: Warum ein britischer Milliardär trotzdem einsteigt

Andreas Jalsovec
Redakteur
Luis Ropero
Social Media & Videocreator
Veröffentlicht am: 13.07.2026

Puma hat 2025 den größten Verlust seiner Geschichte eingefahren – und trotzdem steigen gleich zwei gewichtige Investoren ein. Der chinesische Sportartikelhersteller Anta Sports etwa zahlt 1,5 Milliarden Euro für einen 29-Prozent-Anteil. Das klingt paradox. Worauf die Investoren setzen – und was das für Anleger heißt.

Es war Ende Januar 2026, als Chinas größter Sportartikelkonzern Anta Sports eine weitreichende Entscheidung traf: Mitten in der schwersten Krise von Puma kaufte das Unternehmen für 1,5 Milliarden Euro einen 29-Prozent-Anteil an dem Unternehmen. Anta zahlte rund 35 Euro je Aktie – deutlich mehr als der damalige Börsenkurs. Kurz darauf folgte der britische Handelskonzern Frasers Group von Milliardär Mike Ashley mit fast sechs Prozent der Anteile. Beide wissen, dass Puma gerade blutet. Und kaufen trotzdem.

Der Grund: Puma ist trotz der Krise eine der bekanntesten Sportmarken der Welt. Und für einen Konzern dieser Größe ist die Aktie derzeit historisch günstig bewertet – das zumindest ist die Wette der neuen Großaktionäre. In unserer Reihe "Aktie der Woche" fragen wir: Was hat Puma in diese Krise geführt – und kann der Turnaround gelingen?

Mit der "Aktie der Woche" geben wir Ihnen Hilfestellung: Unser Börsenexperte Luis Ropero bewertet wöchentlich die Aktien von Unternehmen, die die Börse bewegen. Das Ergebnis fasst er in einem Kurzvideo auf Instagram zusammen.

Puma: Starke Marke in der Krise

Puma ist neben Adidas und Nike einer der drei großen globalen Sportartikelkonzerne – mit Wurzeln im Fußball. Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 rüstet Puma mehrere Nationalmannschaften aus, darunter Marokko und den Senegal.

Doch die vergangenen Jahre waren hart. 2025 brach der Umsatz um 13 Prozent ein. Die Folge: ein Nettoverlust von 644 Millionen Euro – der größte in der Firmengeschichte. Das Problem: Zu viele Produkte stapelten sich in den Lagern der Händler, Puma musste teure Rabatte gewähren. Die Dividende wurde gestrichen.

Jetzt hat der neue Unternehmens-Chef Arthur Hoeld einen klaren Plan: Weg vom Großhandel, hin zum Direktverkauf, Rückbesinnung auf Fußball und Laufen. Die Rückkehr zum Wachstum ist für 2027 geplant. 2026 gilt bei Puma als Übergangsjahr.

Puma im Vergleich: Hinter Adidas und Nike

In unserem Vergleich der fünf großen Sportartikelhersteller erreicht Puma 6 von 13 möglichen Punkten und landet damit auf dem vierten Platz (siehe Tabelle). In den Vergleich fließen gut ein Dutzend Kennzahlen zu Gewinn, Umsatz und Aktienbewertung ein (siehe Fragen und Antworten am Ende des Artikels).

Gesamtergebnis der Vergleichsgruppe

Unternehmen
Gesamtpunktzahl
Asics11,0
Adidas9,5
Nike8,5
Puma6,0
Under Armour3,0
Quelle: biallo.de, eigene Berechnungen mit Daten von Yahoo Finance, Finanzen.net, Stand: 10.07.2026

Die Analyse: Schwache Zahlen, aber viel Fantasie

Puma macht derzeit Verluste – das Unternehmen verbrennt Geld, statt welches zu verdienen. Das ist die Schattenseite der Krise. Gleichzeitig steckt darin Fantasie: Weil die Gewinne so tief gefallen sind, rechnen Analysten für die kommenden vier Jahre mit einem Wachstum von über 160 Prozent. Das klingt enorm – das Wachstum startet aber von einem sehr tiefen Niveau (siehe Grafik).

Gewinn bei Puma: Erholung nach dem Tief?

Zahlen gerundet; Quellen: Yahoo Finance, Finanzen.net, Grafik biallo.de, Stand: 10.07.2026

Was die Puma-Aktie interessant macht, ist das Verhältnis von Aktienkurs zu erwartetem Jahresgewinn – also wie viel Anleger für jeden künftigen Euro Gewinn zahlen müssen, wenn sie die Aktie kaufen. Da liegt Puma im mittleren Bereich der Vergleichsgruppe. Der Markt preist also bereits eine Erholung ein. Die folgende Grafik zeigt wichtige Kennzahlen von Puma im Vergleich zur Konkurrenz.

 Quelle: Yahoo Finance, Finanzen.net; Grafik biallo.de; Stand: 10.07.2026.

Puma-Aktie: Rückenwind nach dem Absturz

Die Puma-Aktie notiert aktuell bei 28,00 Euro (Stand: 9. Juli 2026). Das durchschnittliche Kursziel von 19 Analysten liegt bei 29,44 Euro – ein Aufwärtspotenzial von gut 5 Prozent. Seit Jahresbeginn hat die Aktie Rückenwind bekommen, nachdem die neuen Großaktionäre eingestiegen sind (siehe Chart).

Puma-Aktie: Erste Erholung nach dem Tief

Ende Juli steht ein wichtiger Termin bevor: Puma präsentiert seinen Halbjahresbericht. Er wird zeigen, ob der Umbau unter Hoeld erste messbare Spuren hinterlässt – oder ob die Verluste größer ausfallen als erwartet.

Das Fazit: Turnaround-Wette für Risikofreudige

Puma ist eine der bekanntesten Sportmarken der Welt – und steckt in der schwersten Krise seiner Geschichte. Der Einstieg von Anta Sports zu 35 Euro je Aktie – also deutlich über dem heutigen Kurs – zeigt, dass Investoren an die Marke glauben. Doch das tatsächliche Geschäft hinkt der Kursfantasie noch hinterher. Bis der Turnaround greift, dürfte es noch dauern.

Die Puma-Aktie eignet sich für: Risikofreudige Anlegerinnen und Anleger mit langem Zeithorizont, die auf eine erfolgreiche Wiederbelebung der Marke setzen – und dabei von einer Übernahmefantasie durch Anta Sports profitieren wollen.

Die Puma-Aktie ist weniger geeignet für: Anleger, die Stabilität, positive Renditekennzahlen oder eine laufende Dividende erwarten – das alles bietet Puma derzeit nicht.

Puma: Fragen und Antworten

Wie ist Puma entstanden?

Puma wurde 1948 von Rudolf Dassler in Herzogenaurach gegründet – nach dem legendären Bruderstreit mit Adolf „Adi" Dassler, der Adidas gründete. Die beiden Brüder teilten die Stadt buchstäblich auf: Puma auf der einen, Adidas auf der anderen Seite des Flusses. Rudolf Dassler setzte früh auf Fußball – und schrieb Geschichte, als Helmut Rahn 1954 im WM-Finale mit Puma-Schuhen das entscheidende Tor für Deutschland erzielte.

Welche Sportler und Teams stattet Puma aus? 

Puma ist vor allem im Fußball stark vertreten – mit Nationalmannschaften wie Marokko, Senegal und der Schweiz sowie Clubs wie Manchester City und dem AC Milan. Im Laufsport setzt Puma auf seine NITRO-Technologie. Zu den bekanntesten Markenbotschaftern zählen Fußballstars wie Neymar und Antoine Griezmann.

Warum ist die Puma-Aktie trotz Rekordverlust interessant? 

Der Einstieg von Anta Sports – Chinas größtem Sportartikelkonzern – zu einem Preis von rund 35 Euro je Aktie signalisiert, dass strategische Investoren die aktuelle Bewertung für günstig halten. Anta bringt zudem Fertigungskapazitäten und Zugang zum chinesischen Markt mit – einem Bereich, in dem Puma bislang schwach war. Das macht die Aktie zur Turnaround-Wette mit Übernahmefantasie.

Wie sehen die Kennzahlen für Puma im Detail aus?

Für die Aktie der Woche analysieren wir jedes Unternehmen anhand einer Reihe wichtiger Unternehmenskennzahlen (siehe auch die folgende Frage). Die Daten-Übersicht für Puma:

KennzahlWertPlatz im Vergleich
Umsatzwachstum¹10,82 %2
Erwartetes Umsatzwachstum²6,89 %3
Gewinnwachstum¹n.a.n.a.
Erwartetes Gewinnwachstum²161,80 %1
EBIT-Marge³−4,00 %5
EBIT-Margenwachstum³n.a.n.a.
EBIT-Drawdown³−100 %5
Eigenkapitalquote27,00 %4
Eigenkapitalrendite−34,66 %4
Kapitalrendite−16,06 %5
Forward-KGV⁴21,52
¹ Durchschnitt 2021–2025, in diesem Fall negativ; ² Prognose 2026–2029; ³ EBIT-Marge = Verhältnis des Betriebsgewinns zum Umsatz; EBIT-Drawdown = größter Rückgang des Betriebsgewinns 2021–2025 in Prozent; ⁴ Forward-KGV = Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der erwarteten Gewinne; Quelle: Eigene Berechnungen mit Daten von Yahoo Finance, Finanzen.net; Stand: 10.07.2026. 

Wie bewerten wir die Aktie der Woche?

Bei der "Aktie der Woche" vergleicht Biallo regelmäßig große Unternehmen aus verschiedenen Branchen. Wir ziehen dafür rund ein Dutzend Kennzahlen heran. Dazu zählen Umsatz- und Gewinnwachstum, Rentabilität, Kapitalstruktur oder die Analystenbewertung. Für jede Kategorie gibt es einen Punkt, wenn das Unternehmen in der Kategorie unter den Top 3 in der Vergleichsgruppe liegt. Bei Wachstumswerten berechnen wir zusätzlich die Stabilität des Wachstums: Liegt sie über einem definierten Schwellenwert, gibt es einen halben Zusatzpunkt. Insgesamt werden in elf Kategorien je ein Punkt und zusätzlich je ein halber Punkt für vier Stabilitätskriterien vergeben – maximal also 13 Punkte.

Hinweis: Die "Aktie der Woche" ist keine Anlageberatung, Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Kapitalanlagen sind mit Risiken verbunden. Der Wert kann steigen oder fallen, und Verluste sind möglich. Die Analyse kann Fehler enthalten.

Über den Redakteur Andreas Jalsovec

Alle Artikel des Redakteurs Andreas Jalsovec ansehen

Hat als Redakteur in mehreren (Wirtschafts-) Redaktionen gearbeitet – unter anderem beim Anlegermagazin Börse Online, bei der Münchner Abendzeitung, der Schwäbischen Zeitung und der Nachrichtenagentur epd. Der promovierte Ökonom schreibt vor allem über Anleger- und Verbraucherthemen. Vor seinem Wechsel zu Biallo.de war er für die Wirtschaftsredaktion der Süddeutschen Zeitung tätig.

Co-Autoren

Luis Ropero
Social Media & Videocreator

So verdient Ihr Geld mehr

Der Newsletter von biallo.de ist eine exzellente Entscheidung, wenn es um Ihre Finanzen geht.

Wir freuen uns darauf, Ihnen mit Ihrer Zustimmung interessante Inhalte, Empfehlungen und Werbung von uns und unseren Partnern zu schicken, die genau auf Ihre Interessen zugeschnitten sind. Um dies zu ermöglichen, analysieren wir, wie Sie unsere Website nutzen (z.B. Seitenaufrufe, Verweildauer) und wie Sie mit unseren E-Mails interagieren (z. B. Öffnungs- und Klickraten). So erstellen wir ein Nutzungsprofil, das Ihnen die relevantesten Inhalte liefert, und ordnen Sie in passende Werbezielgruppen ein. Ihre Zustimmung können Sie jederzeit widerrufen, z. B. über den Abmeldelink im Newsletter. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.