Kapitalmarktstratege Stefan Riße warnt im Internview mit biallo.de: Alphabet, Amazon, Meta und Microsoft haben sich durch KI-Investitionen zu kapitalintensiven Unternehmen gewandelt – ihre Aktien sind teurer, als sie scheinen. Als langfristigen Favoriten empfiehlt er einen niederländischen Chipspezialisten – und zwei klassische europäische Qualitätstitel.
Tech-Aktien: Sind Amazon & Co. noch ihr Geld wert?
Sie haben über Jahre die Aktienmärkte angetrieben – und noch immer gelten die Aktien von Alphabet (Google), Amazon, Microsoft oder Meta (Facebook) bei vielen Anlegern als gute Basis-Investments. Doch Experten sehen die weitere Kursentwicklung der einstigen Überflieger aus dem Hightech-Bereich skeptisch.
Das gilt auch für Stefan Riße, Kapitalmarktstratege bei Acatis. Die Investmentgesellschaft verfolgt einen sogenannten "Value-Ansatz", sie setzt also bei ihren Anlagestrategien auf unterbewertete Qualitätstitel. Im Interview mit biallo.de vertritt Riße die Auffassung, dass sich die vier Tech-Giganten durch ihre massiven KI-Investitionen grundlegend verändert haben. Ihre Aktien seien deshalb auch teurer, als es scheint. Wir sagen Ihnen, was die Gründe für Rißes Einschätzung sind, welche Technologieaktie er bevorzugt – und auf welche Werte er noch setzt.
Amazon und Co. sind teurer als sie scheinen
Alphabet, Amazon, Meta und Microsoft seien heute "andere Aktien, als sie es früher waren", sagt Experte Riße. Was früher ihr größter Vorteil war – der geringe Kapitalbedarf fürs laufende Geschäft – habe sich ins Gegenteil verkehrt. Es habe ein Wechsel von "Capital Light" zu "Capital Heavy" stattgefunden: Die Tech-Firmen seien kapitalintensive Unternehmen geworden.
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Welche Chancen für Anleger stecken derzeit im Thema Künstliche Intelligenz, welche Branchen sind noch interessant – und wie geht es bei Gold und Bitcoin weiter? Im Interview auf unserem Youtube-Kanal gibt der Kapitalmarktstrategie Stefan Riße Antwort auf diese Fragen.
Soll heißen: Früher mussten die großen Tech-Konzerne kaum eigenes Kapital einsetzen, um zu wachsen. Heute gelte dagegen wegen der massiven Investitionen in KI-Rechenzentren für die Bewertungen der Aktien eine neue Realität: Die Anforderungen an den Kapitalbedarf habe sich "komplett gedreht", sagt Riße: "Die Unternehmen müssen extrem viel Geld aufwenden, um die Rechenzentren zu finanzieren." Die Konzerne nehmen dafür Milliarden an Fremdkapital auf. Das belaste langfristig den Gewinn – und kurzfristig die liquiden Mittel ("Cashflow") der Unternehmen. Ihre Aktien seien deshalb teurer, als sie auf den ersten Blick scheinen.
So schneiden Alphabet, Amazon und Meta ab
Ein Blick auf die Aktienkurse zeigt dabei: In den vergangenen zwölf Monaten haben Amazon, Meta und Microsoft eher unterdurchschnittlich abgeschnitten. Anders sieht es bei Alphabet aus: Der Google-Mutterkonzern liegt unter den "Magnificent 7" – den sieben großen US-Technologiekonzernen – bei der Jahresperformance ganz vorne (siehe Grafik).
Dieser Chip-Spezialist schlägt die Tech-Giganten
Auf die Frage allerdings, für welche Technologieaktie er sich langfristig entscheiden würde, nennt Riße keine der sieben prominenten Technologieaktien. Stattdessen hält der Anlage-Fachmann viel von ASML. Der niederländische Halbleiterspezialist hat nach seiner Einschätzung ein Monopol bei Lithographiemaschinen für Hochleistungschips. "Ohne die geht im Chip-Bereich gar nichts", sagt Riße.
Die Maschinen drucken winzige Schaltkreise und Transistoren auf die Chips: Kein anderes Unternehmen weltweit könne die für moderne Chips notwendigen Maschinen liefern. Für Riße ist ASML deshalb derzeit die "wertvollste und spannendste Firma, die wir in Europa haben" – und das in einer Welt, in der das KI-Wachstum bislang fast ausschließlich den USA zugutegekommen ist.
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Welche Qualitätsaktien jetzt interessant sind
Generell rät Riße Anlegerinnen und Anlegern, die Gewichtung der USA im Portfolio zu reduzieren. So betrage der US-Anteil bei dem für ETF-Anleger beliebten MSCI World-Index aktuell rund 72 Prozent. Riße hält das für zuviel. Stattdessen empfiehlt er, dorthin zu schauen, wo sich die Euphorie schon länger gelegt hat: auf klassische europäische Qualitätsunternehmen wie den Lebensmittelriesen Nestlé oder den Luxusgüterkonzern LVMH.
Zwar hätten beide in der Vergangenheit die Erwartungen der Anleger enttäuscht. Das hat die Kurse der Aktien gedrückt. Doch genau das macht sie für Riße interessant: "Als sie in Mode waren, waren sie sehr teuer. Jetzt sind sie günstig – und es sind trotzdem gute Unternehmen, die weiter Geld verdienen werden." Wer auf solche Firmen setze, dürfe aber nicht ungeduldig sein. Bei Qualitätstiteln sei vor allem eines nötig: der Wille, zu warten.
Hinweis: Dieser Artikel ist keine Anlageberatung, Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Kapitalanlagen sind mit Risiken verbunden. Der Wert kann steigen oder fallen, und Verluste sind möglich. Die Analyse unseres Interview-Partners kann Fehler enthalten.


