Auf einen Blick
  • Mit der Value-Strategie setzen Anleger auf Unternehmen, die an der Börse unterbewertet sind.

  • Solche Firmen zeichnen sich durch gute Vermögenswerte, stabile Gewinne und eine starke Marktstellung aus. Ihr Aktienkurs ist jedoch relativ niedrig.

  • Anleger, die auf Value-Unternehmen setzen wollen, können sich an professionellen Investoren orientieren oder Value-Fonds und -ETFs kaufen.
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Der Value-Ansatz ist neben dem Growth-Ansatz einer der bekanntesten Anlagestile am Aktienmarkt. „Value“ bedeutet Wert. Value-Anleger suchen demnach nach besonders werthaltigen Unternehmen und hoffen darauf, dass deren Aktienkurse langfristig steigen. Wir erklären Ihnen, wie die Value-Strategie funktioniert, welche Vor- und Nachteile sie hat und wie Sie als Anleger auf Value-Unternehmen setzen können.

 

Was ist eine Value-Strategie?

Begründer der Value-Strategie ist der US-amerikanische Investor und Aktienanalyst Benjamin Graham (1894-1976). In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts versuchte er, am Aktienmarkt Unternehmen zu identifizieren, deren Kurs nicht deren „wahren“ Wert widerspiegelt. Diese Suche nach solchen Firmen, die an der Börse unterbewertet sind, bildet noch heute den Kern der Value-Strategie: Value-Investoren halten guten Unternehmen Ausschau, die am Aktienmarkt günstig zu haben sind. Vereinfacht gesagt: Sie suchen nach einem „Schnäppchen“.

Was einfach klingt, kann jedoch in der Praxis ziemlich schwierig sein. Denn um herauszufinden, ob ein Unternehmen unterbewertet ist, zieht man bei der Value-Strategie eine Reihe von Unternehmens-Kennzahlen heran. Die wichtigste ist dabei das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV). Sie setzt den Aktienkurs des Unternehmens in Beziehung zum Eigenkapital, das auf eine Aktie entfällt. Je geringer dieses Verhältnis ist, desto eher ist die Aktie ein „Kauf“. Denn ein niedriges KBV zeigt an, dass die Aktie im Verhältnis zu den Vermögenswerten der Firma günstig ist. Anders gesagt: Der Wert, den das Unternehmen an der Börse hat, ist geringer als der tatsächliche Wert des Unternehmens.

Die niedrige Bewertung einer Aktienfirma ist das wichtigste Kriterium bei der Value-Strategie. Value-Investoren achten aber auch auf andere Faktoren. Sie suchen Firmen, die ein tragfähiges, solides Geschäftsmodell, langfristige Wachstumsaussichten und eine starke Markenstellung haben.

So setzt etwa der bekannteste Value-Investor Warren Buffett vor allem auf Firmen, deren Geschäftsmodelle vorhersehbar und dauerhaft gute Gewinne abwerfen. Das ist vor allem dann der Fall, wenn die Firmen Produkte anbieten, die langfristig nachgefragt werden und auf Märkten agieren, auf denen sie eine starke Stellung haben. Häufig sind diese Unternehmen daher Marktführer mit starken Markennamen wie das Softdrink-Unternehmen Coca Cola oder der Lebensmittelkonzern Kraft.

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Welche Vorteile bietet eine Value-Strategie?

Wer die Value-Strategie verfolgt, muss langfristig denken. Value-Investoren spekulieren nicht auf schnelle Gewinne, sondern auf eine solide Wertentwicklung der ausgesuchten Unternehmen. Die Investitionen laufen in der Regel über Jahre. Dahinter steht die Erwartung, dass die Qualität, die die Unternehmen besitzen sich langfristig auch in stetigen Kurssteigerungen niederschlägt.

Der Vorteil, den dieser Ansatz mit sich bringt: Hat man einmal ein Value-Unternehmen identifiziert, kann man sicher sein, eine werthaltige Aktie zu besitzen. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Papier langfristig auch Kursgewinne erzielt, ist dann relativ hoch. Gleichzeitig ist die niedrige Bewertung des Unternehmens an der Börse ein Sicherheitspuffer: Kursrückschläge fallen meist geringer aus als bei hoch bewerteten Aktien.

Allerdings hängt die Kursentwicklung nicht nur von den Unternehmenszahlen ab: Sie wird auch von Emotionen bestimmt oder von der allgemeinen Marktentwicklung. Eine gute Bewertung alleine ist daher keine Garantie für Kursgewinne. Anleger, die der Value-Strategie folgen, müssen daher unter Umständen viel Geduld mitbringen und Vertrauen, dass sich der Aktienkurs langfristig tatsächlich gut entwickelt. Und vor allem: Sie müssen die richtigen Unternehmen aussuchen.

 

Was sind mögliche Risiken der Value-Strategie?

In der Praxis ist es alles andere als einfach, unterbewertete Aktien zu finden. Professionelle Value-Investoren ziehen dazu zum Teil ausgefeilte Computer-Programme heran. Investor Warren Buffett etwa beschäftigt einen ganzen Stab von Mitarbeitern, um aussichtsreiche Aktien zu finden.

Value-Investoren brauchen daher viel Wissen, Erfahrung und Zeit für eine umfassende Analyse, um die „Perlen“ unter den Value-Aktien zu finden. Denn längst nicht jedes Unternehmen, das an der Börse günstig bewertet ist, ist auch ein attraktives Investment. Ein niedriger Aktienkurs kann durchaus gute Gründe haben – etwa, wenn ein Unternehmen hoch verschuldet ist, in Zukunft hohe Investitionen anstehen oder Gewinnrückgänge verzeichnet.

Für Privatanleger kann es daher schwierig sein, echte Value-Unternehmen zu erkennen. Immerhin müssen sie sich damit auch gegen den Markt stellen, der diese Firmen niedrig bewertet. Liegen Anleger mit ihrer Wahl falsch, besteht die Gefahr, in Aktien zu investieren, deren Kurs über Jahre hinweg auf der Stelle tritt oder gar sinkt. Sinnvoll ist es deshalb, sich an der Auswahl erfahrener Value-Investoren zu orientieren – oder sein Investment breit auf ein ganzes Value-Marktsegment zu streuen, etwa mit Fonds oder ETFs.

 

Welche Aktien und ETFs eignen sich für eine Value-Strategie?

Value-Investoren hatten es im vergangenen Jahrzehnt nicht leicht. Seit der Finanzkrise im Jahr 2008 bis ins Jahr 2020 hinkten Value-Aktien bei der Rendite dem Gesamtmarkt zum Teil deutlich hinterher. Seit der Corona-Krise erleben sie ein Comeback. Denn in wirtschaftlich schwierigen Zeiten setzen Investoren verstärkt auf solide Unternehmen.
Privatanleger, die auf einzelne Value-Aktien setzen möchten, sollten sich daher an professionellen Investoren orientieren. So kann das Portfolio von Berkshire Hathaway ein Anhaltspunkt sein. Darin finden sich neben den bereits erwähnten Aktien von Coca Cola und Kraft auch zahlreiche andere typische Value-Aktien. Enthalten sind aber auch die US-Technologiefirmen Apple und Amazon. Beide sind ein Beispiel dafür, wie ehemalige sogenannte Wachstums-Aktien sich mittlerweile zu Value-Titeln gewandelt haben.

Deutlich risikoärmer als einzelne Aktien sind Value-Fonds oder ein Value-ETF, der einen ganzen Index mit Value-Titeln abbildet. In den Tabellen unten finden Sie ausgewählte Fonds und ETFs. So enthält etwa der Uni Value Fonds Global unter anderem die Aktien des französischen Energiekonzerns Total, des US-Computerkonzerns IBM oder der Deutschen Telekom. Im Value-ETF von iShares finden sich Firmen wie der Chiphersteller Intel, der Pharmakonzern Pfizer oder der japanische Automobilhersteller Toyota.
Wer Value-Aktien kauft, sollte dabei langfristig investieren: Das sogenannte „Buy-and Hold“ – kaufen und liegen lassen – ist typisch für Value-Investoren. Das bedeutet: Der Anlagehorizont sollte mindestens bei zehn oder zwanzig Jahren liegen.

Ausgewählte Aktienfonds mit Value-Strategie

Fonds / ISIN
Performance in Prozent
1 Jahr / 2 Jahre / 3 Jahre
Laufende Kosten (in Prozent)
Uni Value Fonds: Global / LU0126315885 9,55 / 43,02 / 55,63 1,52
DWS Invest Croci World / LU1769941003 13,47 / 60,28 / 56,19 1,55
Acatis Gané Value Event Fonds A / DE000A0X7541 0,08 / 27,65 / 41,57 1,80

Quelle onvista.de, Stand 12.08.2022

Ausgewählte ETFs mit Value-Strategie

Fonds / ISIN Performance in Prozent
1 Jahr / 2 Jahre / 3 Jahre
Laufende Kosten (in Prozent)
Ossiam Shiller Barclays Cape US Sector Value¹ / LU1079841273 13,97 / 69,95 / 124,14 0,65
iShares Edge MSCI World Value Factor¹ / IE00BP3QZB59 4,09 / 28,94 / 35,49 0,30
Xtrackers MSCI World Value¹ / IE00BL25JM42 4,97 / 29,98 / 36,62 0,25

¹Performance in US-Dollar; Quelle onvista; Stand 11.08.2022

In einem weiteren Artikel auf biallo.de erklären wir Ihnen, was ein IPO/Börsengang genau ist und wie dieser ablaufen kann.

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Über den Autor Andreas Jalsovec

hat als Redakteur für mehrere (Wirtschafts-) Redaktionen gearbeitet – unter anderem für das Anlegermagazin Börse Online, die Münchner Abendzeitung, die Schwäbische Zeitung und die Nachrichtenagentur epd. Der promovierte Ökonom schreibt vor allem über Anleger- und Verbraucherthemen. Neben seiner Tätigkeit für Biallo.de arbeitet er für die Wirtschaftsredaktion der Süddeutschen Zeitung.

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