Aus 100 Euro werden schnell nur noch rund 85 Euro in Bitcoin: Die neuen Cryptonow-Gutscheinkarten bei MediaMarkt und Saturn machen den Einstieg zwar kinderleicht, doch Wechselgebühr, ungünstiger Kurs und eine Verkaufsfalle kosten Sie beim Kauf sofort einen zweistelligen Prozentbetrag. Als Geschenk taugen sie, für ernsthaften Vermögensaufbau nicht.

Haben Sie zwischen Smartphones und Waschmaschinen schon die neuen Krypto-Gutscheinkarten im Regal bei MediaMarkt und Saturn gesehen? Eine Krypto-Gutscheinkarte ist ein Prepaid-Guthaben, das Sie später online in Bitcoin oder andere Kryptowährungen umtauschen. Seit dem 1. Juli 2026 bieten MediaMarkt und Saturn die Karten des Schweizer Anbieters Cryptonow an, sowohl in den Filialen als auch in den Onlineshops.

So verlockend einfach das klingt, so teuer und riskant ist der Weg. Wir haben uns die Bedingungen und die Gebührentabelle angeschaut und zeigen Ihnen drei Fallstricke, die im bunten Marketing untergehen. Und wir sagen Ihnen, für wen sich die Karte trotzdem lohnt.

Was hinter den Cryptonow-Karten bei MediaMarkt steckt

Der Kauf funktioniert wie bei einer Geschenkkarte. Sie nehmen eine Cryptonow-Karte aus dem Regal und lassen sie an der Kasse mit einem Betrag – beispielsweise 50 Euro – aufladen. Erst durch das Scannen an der Kasse wird die Karte aktiviert und erhält ihren Wert. Zu Hause geben Sie den Code auf der Plattform ein, und das Guthaben wird zum aktuellen Kurs in Bitcoin umgetauscht. Die Kryptowährungen befinden sich nicht auf der Plastikkarte selbst, sondern existieren ausschließlich auf der Blockchain: einem digitalen, weltweit verteilten Register, in dem alle Transaktionen dauerhaft gespeichert werden.

Hinter Cryptonow steht ein regulierter Anbieter. Das Unternehmen erhielt im Oktober 2025 die Zulassung als regulierter Krypto-Dienstleister (Crypto Asset Service Provider) nach der europäischen MiCA-Verordnung (Markets in Crypto-Assets Regulation). Die österreichische Finanzmarktaufsicht (FMA) erteilte die Lizenz. Das ist ein solider Rahmen. Nur schützt eine Lizenz nicht vor hohen Kosten und nicht vor Kursverlusten.

Fallstrick 1: Aus 50 Euro werden schnell weniger

Der wichtigste Punkt zuerst: Beim Umtausch verlieren Sie sofort einen spürbaren Teil Ihres Einsatzes. Laut der Gebührenübersicht von Cryptonow fällt beim Bitcoin-Starterpaket und bei den Prepaid-Gutscheinkarten eine Handels- und Ausführungsgebühr von 4,90 Prozent an, beim Starterpaket zusätzlich eine einmalige Pauschale von 2,90 Euro für die physische Wallet-Karte.

Doch damit ist es nicht getan. Zur reinen Gebühr kommen ein häufig ungünstiger Wechselkurs der Anbieter und die Netzwerkkosten der Blockchain. Was das in der Summe bedeutet, hat t-online durchgerechnet: Nach Abzug aller Kosten sowie der Blockchain-Netzwerkgebühr entsprechen die gekauften Bitcoins oft nur noch einem Wert von rund 41 bis 44 Euro. Für Käuferinnen und Käufer bedeutet das einen unmittelbaren Wertverlust von etwa 12 bis 18 Prozent. Bezogen auf eine 50-Euro-Karte heißt das: Rund sechs bis neun Euro sind weg, bevor der Kurs sich überhaupt bewegt hat.

Zum Vergleich lohnt ein Blick auf den Online-Handel: Cryptonow selbst berechnet für Online-Handelsaufträge laut Gebührenübersicht nur gestaffelte Transaktionsgebühren, die bei kleinen Beträgen bei 1,49 Prozent beginnen und mit steigender Summe bis auf 0,75 Prozent sinken. Die Gutscheinkarte ist mit 4,90 Prozent also rund drei- bis sechsmal so teuer wie das eigene Online-Angebot des Anbieters.

Fallstrick 2: Die Verkaufs- und Rückgabe-Falle

Der zweite Haken betrifft den Ausstieg. Über den Gutschein selbst kommen Sie nicht wieder an Ihr Geld. In den Gutscheinbedingungen steht schwarz auf weiß: Eine Auszahlung des Gutscheinguthabens in Geld ist ausgeschlossen. Wollen Sie Ihre Bitcoin später zu Euro machen, müssen Sie den Umweg über eine Handelsplattform gehen, was erneut Gebühren kostet.

Ist die Karte einmal aktiviert, gibt es kein Zurück. Dieses Produkt kann nicht zurückgesandt und nicht erstattet werden. Auch ein Anlegerschutz, wie Sie ihn von Sparprodukten kennen, greift hier nicht. Cryptonow gehört keiner Anlegerschutzeinrichtung an. Und der Gutschein läuft ab: Der Gutschein ist drei Jahre gültig, beginnend mit dem Ende des Jahres, in dem der Gutschein gekauft wurde.

Fallstrick 3: Karte verloren, Geld weg

Der dritte Punkt ist der gefährlichste, weil er so leicht zu übersehen ist. Die Gutscheinkarte ist zugleich Ihr Zugangsschlüssel. Die Gutscheinkarte dient als digitale Brieftasche (Wallet) und gleichzeitig als Zugangsschlüssel zu Ihren Kryptowährungen. Verlieren Sie die Karte oder den Code, verlieren Sie Ihr Guthaben. Der Anbieter stellt das in seinen Bedingungen ausdrücklich klar: Cryptonow haftet nicht für Verlust, Diebstahl, Betrug, Beschädigung oder die unbefugte Nutzung des Gutscheins und der Wallet-Karte.

„Krypto-Gutscheinkarten sind bequem wie eine Geschenkkarte, aber unversöhnlich wie Bargeld: Wer den Code verliert, verliert sein Geld. Einen Anlegerschutz gibt es hier nicht.“
Franziska Baum, Redakteurin bei biallo.de

Dazu kommt das grundsätzliche Kursrisiko. Der Risikohinweis auf den MediaMarkt-Produktseiten ist deutlich: "Die Investition in Kryptowährungen ist mit erheblichen Risiken und Kosten verbunden und kann zum teilweisen oder vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals führen."

Für wen sich die Karte lohnt und welche Alternativen günstiger sind

Ganz ohne Nutzen ist die Karte nicht. Als Geschenk für einen neugierigen Menschen, der Bitcoin einmal ausprobieren will, ist sie ein charmanter Einstieg. Auch t-online kommt zu diesem Schluss: Als unkompliziertes Geschenk kann sich die Karte eignen. Für den regelmäßigen Vermögensaufbau sind die hohen Kosten dagegen eher ein Nachteil.

Kurz gesagt: Die Cryptonow-Karte verkauft Bequemlichkeit, und die lassen sich MediaMarkt/Saturn und Cryptonow teuer bezahlen.

Möchten Sie dagegen ernsthaft und regelmäßig in Bitcoin investieren, gibt es deutlich günstigere Wege. Über regulierte Handelsplätze wie die Börse Stuttgart Digital Exchange zahlen Sie einen Bruchteil der Gebühren, können jederzeit verkaufen und Ihre Coins bei Bedarf in ein eigenes Wallet übertragen. Worauf Sie bei der Wahl der Plattform achten sollten, lesen Sie in unserem Ratgeber zum Kryptowährungen kaufen. Und wenn Sie bei den vielen neuen Krypto-Angeboten den Überblick behalten möchten, hilft Ihnen unser kostenloser Newsletter mit den wichtigsten Finanznachrichten.

Ihre Meinung ist uns wichtig!

Haben Sie schon eine Krypto-Gutscheinkarte bei MediaMarkt oder Saturn in der Hand gehabt? Würden Sie den bequemen Einstieg an der Kasse wählen oder lieber gleich auf eine günstige Handelsplattform setzen? Schreiben Sie uns Ihre Erfahrungen und Fragen gerne per E-Mail an redaktion@biallo.de. Wir freuen uns auf Ihr Feedback. Registrieren Sie sich außerdem kostenlos im persönlichen Bereich auf biallo.de. Dort speichern Sie Artikel und nutzen unsere Vergleichsrechner.

Häufige Fragen zu den Cryptonow-Gutscheinkarten

Wie viel kostet der Umtausch einer Cryptonow-Gutscheinkarte in Bitcoin?

Cryptonow berechnet laut eigener Gebührenübersicht eine Handels- und Ausführungsgebühr von 4,90 Prozent, beim Bitcoin Starterpaket zusätzlich eine einmalige Pauschale von 2,90 Euro. Rechnet man den ungünstigeren Wechselkurs und die Blockchain-Netzwerkgebühr hinzu, kommen laut t-online insgesamt etwa 12 bis 18 Prozent Wertverlust zusammen.

Kann ich die Gutscheinkarte wieder in Euro zurücktauschen?

Nein. Eine Auszahlung des Gutscheinguthabens in Geld ist laut den Gutscheinbedingungen ausgeschlossen. Wollen Sie Ihre Bitcoin zu Euro machen, müssen Sie sie über eine separate Handelsplattform verkaufen, was erneut Gebühren verursachen könnte.

Was passiert, wenn ich die Karte oder den Code verliere?

Dann ist Ihr Guthaben in aller Regel verloren. Die Karte ist zugleich der Zugangsschlüssel, und Cryptonow haftet laut seinen Bedingungen nicht für Verlust, Diebstahl oder unbefugte Nutzung. Bewahren Sie Karte und Code möglichst sicher auf.

Ist Cryptonow ein sicherer Anbieter?

Cryptonow ist seit Oktober 2025 als Crypto-Asset-Service-Provider nach der EU-Verordnung MiCA reguliert, die Lizenz stammt von der österreichischen Finanzmarktaufsicht FMA. Diese Regulierung schafft einen rechtlichen Rahmen, schützt Sie aber weder vor den hohen Gebühren noch vor Kursverlusten. Einen Anlegerschutz gibt es nicht.

Hinweis zur Einordnung: Dieser Artikel ist eine redaktionelle Marktbeobachtung und keine Anlageberatung. Wir ordnen die Kosten und Risiken der Cryptonow-Gutscheinkarten ein und benennen Vor- und Nachteile, treffen aber keine Entscheidung für Sie. Bitcoin ist hochspekulativ und kann bis zum Totalverlust fallen. Ob eine Krypto-Investition zu Ihrer Risikotragfähigkeit, Ihrem Anlagehorizont und Ihrem Budget passt, prüfen Sie vor jedem Kauf am besten selbst, gegebenenfalls mit einer unabhängigen Beratung.

Über die Redakteurin Franziska Baum

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Bereits in ihrer Schulzeit war Franziska für die Jugendredaktion der Sächsischen Zeitung tätig. Nach ihrem Germanistik-Studium in Dresden sammelte sie weitere Erfahrungen als Online-Redakteurin bei führenden Technik-Magazinen und später im Verbraucherschutz. Seit 2016 war Franzi (so ihr Spitzname) als Redakteurin am Aufbau des Onlineportals verbraucherschutz.com (früher onlinewarnungen.de) beteiligt. Dort betreute sie unter anderem den Social Media Bereich, plante und verfasste eigene Tipps, News und Anleitungen zu aktuellen Themen. Durch diese Arbeit hat Franzi sich ein ausgeprägtes Wissen im Bereich Verbraucherschutz angeeignet. Bei biallo.de bringt sie genau dieses Wissen ein. Außerdem ist Franziska in der Leserbetreuung tätig. Ihr Ziel ist es, den Leserinnen und Lesern zu helfen und ein gutes Gefühl zu geben. 

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