Aktie der Woche 

Nike-Aktie: Der Sport-Gigant kämpft sich zurück

Luis Ropero
Social Media & Videocreator
Andreas Jalsovec
Redakteur
Veröffentlicht am: 06.07.2026

Nike ist der größte Sportartikelkonzern der Welt – aber die Aktie hat seit ihrem Allzeithoch rund 75 Prozent verloren. Drei selbst verschuldete Fehler haben den Konzern in die Krise geführt. Jetzt soll ein neuer CEO den Turnaround schaffen. Eine Chance für Anleger?

Sollte er tatsächlich Bundestrainer werden, dürfte Jürgen Klopp ab 2027 wohl im Nike-Trikot an der Seitenlinie stehen. Ab Januar übernimmt der US-Sportartikelhersteller den DFB als Ausrüster – nach mehr als sieben Jahrzehnten Adidas. Bis 2034 soll Nike rund 100 Millionen Euro pro Jahr an den DFB überweisen – mehr als doppelt so viel wie Adidas bisher zahlte.

Ein Statement. Und gleichzeitig ein Zeichen, wie wichtig Nike der Wiederaufbau seiner Marke ist. Denn der Weltmarktführer steckt in der Krise: Die Aktie notiert rund 75 Prozent unter ihrem Allzeithoch. Ein Absturz, der weitgehend hausgemacht ist.

In unserer Reihe "Aktie der Woche" fragen wir: Was hat Nike in die Krise gebracht – und vor allem: Schafft der Konzern den Turnaround?

Mit der "Aktie der Woche" geben wir Ihnen Hilfestellung: Unser Börsenexperte Luis Ropero bewertet wöchentlich die Aktien von Unternehmen, die die Börse bewegen. Das Ergebnis fasst er in einem Kurzvideo auf Instagram zusammen.

Nike: Drei Fehler, eine Krise

Nike hat sich seinen Absturz selbst zuzuschreiben. Drei Fehlentscheidungen haben den Konzern nach Auffassung von Experten in die Bredouille gebracht.

Der erste Fehler war China. In Nikes zweitgrößtem Markt brechen die Umsätze seit Jahren ein – zuletzt um 17 Prozent. Lokale Marken wie Anta Sports haben dem US-Konzern auf dessen eigenem Wachstumsmarkt Schritt für Schritt Anteile abgenommen. Im jüngsten Quartal lagen die Erlöse in China mit rund 1,3 Milliarden Dollar laut Handelsblatt zwar höher als von Analysten erwartet – von alten Glanzzeiten ist Nike dort aber weit entfernt.

Der zweite Fehler: der Rückzug aus dem stationären Handel. Nike setzte jahrelang voll auf den eigenen Online-Shop und reduzierte die Zusammenarbeit mit Händlern wie Foot Locker drastisch. Das klingt konsequent. Nike verlor damit jedoch nicht nur Umsatz, sondern auch Sichtbarkeit im Regal. Konkurrenten wie On Running oder Hoka füllten die Lücke – und schnappten Nike ausgerechnet im Performance-Bereich Marktanteile weg.

Der dritte Fehler war die Vernachlässigung des Kernsortiments. Unter dem früheren Management stieg der Lifestyle-Anteil am Sortiment immer weiter – auf Kosten des Performance-Sports, also genau der Domäne, für die Nike steht.

Nike im Vergleich: Solides Mittelfeld

In unserem Vergleich der fünf großen Sportartikelhersteller erreicht Nike 8,5 von 13 möglichen Punkten und belegt damit den dritten Platz – hinter Asics und Adidas, aber vor Puma und Under Armour. In den Vergleich fließen gut ein Dutzend Kennzahlen zu Gewinn, Umsatz und Aktienbewertung ein (siehe Fragen und Antworten am Ende des Artikels).

Gesamtergebnis der Vergleichsgruppe

UnternehmenGesamtpunktzahlPlatzierung
Asics11,01
Adidas9,52
Nike8,53
Puma6,04
Under Armour3,05
Quelle: biallo.de, eigene Berechnungen mit Daten von Yahoo Finance, Finanzen.net, Stand: 03.07.2026

Die Analyse: Starke Rendite, hohe Erwartungen

Nikes Zahlen zeigen das Dilemma des Konzerns. Die Eigenkapitalrendite von 17 Prozent und die Kapitalrendite von gut 16 Prozent sind solide – Nike wirtschaftet also grundsätzlich profitabel. Auch das erwartete durchschnittliche Gewinnwachstum von gut 20 Prozent pro Jahr klingt stark. Allerdings kommt dieses hohe Wachstum von einer sehr tiefen Basis – der Konzern hat in den vergangenen Jahren massiv Boden verloren (siehe Grafik).

Gewinn bei Nike: Erholung in Sicht

Gewinn in Mrd. US-Dollar, ab 2026 erwarteter Gewinn. Quellen: Yahoo Finance, Finanzen.net, Stand: 03.07.2026

Das schwächste Glied in der Kette ist das erwartete Umsatzwachstum: Mit 2,74 Prozent pro Jahr bis 2029 liegt Nike auf dem viertletzten Platz der Vergleichsgruppe. Das zeigt: Die Analysten erwarten, dass der Turnaround kommt – aber langsam.

Immerhin: Seit Oktober 2024 steht mit Elliott Hill ein neuer CEO an der Spitze – ein Nike-Urgestein, das extra aus dem Ruhestand zurückgeholt wurde. Seine Botschaft ist klar: zurück zu Sport, zurück zu Performance. Die Partnerschaft mit den großen Einzelhändlern wird schrittweise wieder aufgebaut.

Nike in Zahlen: Auf dem Weg zum Turnaround

Kennzahl
Was die Kennzahl zeigt
Wert
Platz im Vergleich
Erwartetes Umsatzwachstum¹Wächst der Umsatz künftig?2,74 % p.a.4/5
Erwartetes Gewinnwachstum²Steigen die Gewinne künftig?20,40 % p.a.3/5
Eigenkapitalrendite³Wie effizient arbeitet der Konzern?17,03 %3/5
Eigenkapitalquote⁴Wie solide ist die finanzielle Basis?36 %2/5
Forward-KGV⁴Ist die Aktie günstig oder teuer?23,644/5
¹,² Jährliche Wachstumsrate 2026–2029 (Analystenschätzungen); ³ Jahresüberschuss im Verhältnis zum Eigenkapital; ⁴ Kurs geteilt durch erwarteten Jahresgewinn; Quelle: Yahoo Finance, Finanzen.net; Stand: 03.07.2026.

Nike-Aktie: Günstig und dennoch hoch bewertet

Die Nike-Aktie notiert aktuell bei rund 44,09 US-Dollar (Stand: 2. Juli 2026) – und damit nahe an einem Zwölf-Jahres-Tief. Das durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt bei 51,86 US-Dollar, was einem Aufwärtspotenzial von rund 18 Prozent entspricht. Mehrere Analysten haben ihre Kursziele nach den jüngsten Quartalszahlen allerdings gesenkt.

Nike-Aktie: Nahe am Zwölf-Jahres-Tief

Kurs in US-Dollar. Quelle: onvista.de, Grafik biallo.de (KI-generiert), Stand Aktienkurs 02.07.2026

Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 23,64 ist Nike nicht billig bewertet – trotz des massiven Kursrückgangs. Das liegt daran, dass auch die Gewinne deutlich gefallen sind. Wer also auf ein günstiges Schnäppchen hofft, sollte aufpassen: Günstig im Kurs bedeutet bei Nike nicht zwangsläufig auch günstig in der Bewertung.

Das Fazit: Turnaround-Wette für Fans

Nike ist eine der stärksten Sportmarken der Welt – daran gibt es keinen Zweifel. Der DFB-Deal ab 2027, die Rückkehr zum Performance-Sport und der Wiederaufbau des Einzelhandelsnetzes zeigen, dass der neue CEO Elliott Hill einen guten Weg eingeschlagen hat. Doch der Konzern spricht selbst von einem zunehmend herausfordernden Geschäft. Soll heißen: Der Turnaround dürfte kommen – aber er braucht Zeit.

Die Nike-Aktie eignet sich für: Geduldige Anlegerinnen und Anleger, die an die Stärke der Marke glauben und bereit sind, auf bessere Zeiten zu warten. Sie kaufen dabei möglicherweise einen Weltkonzern zu einem historisch günstigen Kurs.

Die Nike-Aktie ist weniger geeignet für: Anleger, die schnelle Kursgewinne suchen oder auf günstige Bewertung nach klassischen Kennzahlen setzen. Nike ist trotz des Kursrückgangs nicht billig bewertet.

Nächste Woche analysieren wir Puma – den deutschen Herausforderer aus Herzogenaurach.

Nike: Fragen und Antworten

Wie ist Nike entstanden?

Nike wurde 1964 von Phil Knight und dem Leichtathletiktrainer Bill Bowerman in Eugene, Oregon, gegründet – zunächst unter dem Namen "Blue Ribbon Sports" als Importeur japanischer Laufschuhe. 1971 entstand der Name Nike (gesprochen: "Nai-ki") – nach der griechischen Göttin des Sieges. Das berühmte Swoosh-Logo entwarf eine Grafikstudentin für damals 35 Dollar. Heute ist Nike mit einem Jahresumsatz von rund 47 Milliarden US-Dollar der weltgrößte Sportartikelkonzern.

Was sind die bekanntesten Produkte und Marken von Nike?

Nike ist vor allem für Laufschuhe, Basketballschuhe und Sportbekleidung bekannt – darunter Kultmodelle wie der Air Jordan, der Air Max und der Air Force 1. Zum Konzern gehört auch die Laufschuhmarke Converse. Im Sport sponsert Nike weltweit Stars wie Kylian Mbappé, LeBron James und Serena Williams – und ab 2027 rüstet der Konzern die deutsche Fußball-Nationalmannschaft aus.

Warum ist die Nike-Aktie so stark gefallen? 

Der Kursrückgang von rund 75 Prozent seit dem Allzeithoch ist vor allem selbst verschuldet: Nike setzte jahrelang zu stark auf den eigenen Online-Shop und vernachlässigte den stationären Handel, verlor in China massiv Marktanteile an lokale Konkurrenten wie Anta Sports – und wurde im Performance-Segment von Newcomern wie On Running und Hoka überrascht. Seit Oktober 2024 versucht der neue CEO Elliott Hill mit einer klaren Rückbesinnung auf Sport und Performance den Turnaround einzuleiten.

So sehen die Kennzahlen für Nike im Detail aus:

Für die Aktie der Woche analysieren wir jedes Unternehmen anhand einer Reihe wichtiger Unternehmenskennzahlen (siehe auch die folgende Frage). Die Daten-Übersicht für Nike:

Kennzahl
Wert
Platz im Vergleich
Umsatzwachstum¹4,37 %4
Erwartetes Umsatzwachstum²2,74 %4
Gewinnwachstum¹4,86 %3
Erwartetes Gewinnwachstum²20,40 %3
EBIT-Marge³8,00 %3
EBIT-Margenwachstum³6,30 %3
EBIT-Drawdown³−21 %2
Eigenkapitalquote36,00 %2
Eigenkapitalrendite17,03 %3
Kapitalrendite16,54 %3
Forward-KGV⁴23,644
¹ Durchschnitt 2021–2025; ² Prognose 2026–2029; ³ EBIT-Marge = Verhältnis des Betriebsgewinns zum Umsatz; EBIT-Drawdown = größter Rückgang des Betriebsgewinns 2021–2025 in Prozent; ⁴ Forward-KGV = Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der erwarteten Gewinne; Quelle: Eigene Berechnungen mit Daten von Yahoo Finance, Finanzen.net; Stand: 03.07.2026. 

Wie bewerten wir die Aktie der Woche?

Bei der "Aktie der Woche" vergleicht Biallo regelmäßig große Unternehmen aus verschiedenen Branchen. Wir ziehen dafür rund ein Dutzend Kennzahlen heran. Dazu zählen Umsatz- und Gewinnwachstum, Rentabilität, Kapitalstruktur oder die Analystenbewertung. Für jede Kategorie gibt es einen Punkt, wenn das Unternehmen in der Kategorie unter den Top 3 in der Vergleichsgruppe liegt. Bei Wachstumswerten berechnen wir zusätzlich die Stabilität des Wachstums: Liegt sie über einem definierten Schwellenwert, gibt es einen halben Zusatzpunkt. Insgesamt werden in elf Kategorien je ein Punkt und zusätzlich je ein halber Punkt für vier Stabilitätskriterien vergeben – maximal also 13 Punkte.

Hinweis: Die "Aktie der Woche" ist keine Anlageberatung, Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Kapitalanlagen sind mit Risiken verbunden. Der Wert kann steigen oder fallen, und Verluste sind möglich. Die Analyse kann Fehler enthalten.

Über den Social Media & Videocreator Luis Ropero

Luis Ropero ist das Gesicht unserer Social-Media-Kanäle. Er ist verantwortlich für unseren Video-Content. Als erfahrener Videoproduzent steht er nicht nur vor der Kamera, sondern übernimmt auch die Recherche, den Schnitt und die Nachbearbeitung, damit unsere Videos ansprechend und professionell präsentiert werden. Seit vielen Jahren beschäftigt sich Luis intensiv mit der Börse und dem Aktienmarkt – eine Leidenschaft, die er in jede Analyse und jedes Video einfließen lässt. Mit seiner kreativen Herangehensweise und seinem Blick für Details bringt er komplexe Finanzthemen auf den Punkt und macht sie leicht zugänglich. 

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