Aktie der Woche 

Merck-Aktie: Traditionskonzern als KI-Profiteur

Luis Ropero
Social Media & Videocreator
Andreas Jalsovec
Redakteur
Veröffentlicht am: 24.08.2026

Merck KGaA ist der älteste Chemie- und Pharmakonzern der Welt – und  einer der unbekannteren DAX-Konzerne. Dabei stecken Merck-Materialien in fast jedem Smartphone und KI-Chip. Im zweiten Quartal lieferte der Chemie- und Pharma-Konzern starke Zahlen und hob die Prognose an. Lohnt sich die Aktie jetzt?

Das Unternehmen ist so alt wie die Barockmusik: 1668 eröffnete Friedrich Jacob Merck in Darmstadt eine Apotheke. Heute ist daraus ein Weltkonzern mit 63.000 Mitarbeitern in 66 Ländern geworden. Aus Pulvern und Tinkturen wurden Spezialchemikalien, ohne die moderne Technologie nicht funktioniert. Wer heute in sein Smartphone tippt, hält mit großer Wahrscheinlichkeit auch Merck-Materialien in der Hand – denn das Darmstädter Familienunternehmen liefert wichtige Chemikalien für die Herstellung von Halbleitern und Displays.

Viele überrascht das. Denn das Dax-Unternehmen wird meist als Pharmakonzern gesehen. Und das ist es auch – aber eben nicht nur. Das Unternehmen hat drei Standbeine: Gesundheit, Life Science und Electronics. Und die Electronics-Sparte wird gerade durch den KI-Boom zum Wachstumstreiber.

In unserer Reihe „Aktie der Woche" nehmen wir die Merck KGaA unter die Lupe: ein deutscher Traditionskonzern, der in drei unterschiedlichen Welten zu Hause ist.

Bei der "Aktie der Woche" bewertet Börsenexperte Luis Ropero wöchentlich die Aktien von Unternehmen, die die Märkte bewegen. Aktuell: die Pharma-Branche. Das Ergebnis fasst er in einem Kurzvideo auf Instagram zusammen.

Merck KGaA: Apotheke, Labor und KI-Chips

Merck ist aufgeteilt in drei Bereiche. Das Healthcare-Geschäft entwickelt und verkauft Medikamente – etwa gegen Krebs, Multiple Sklerose und Unfruchtbarkeit. Hier schwächelte Merck zuletzt, weil das wichtige MS-Medikament Mavenclad in den USA seinen Patentschutz verlor. Das drückt auf den Umsatz. Das Life-Science-Geschäft liefert Werkzeuge und Chemikalien für Labore und die Pharmaindustrie. Dieser Bereich erholt sich aktuell.

Das ungewöhnlichste Standbein von Merck ist jedoch die Electronics-Sparte. Merck produziert Spezialchemikalien für die Chip-Herstellung – Materialien, die für leistungsfähige Halbleiter gebraucht werden. Solche Chips sind das Fundament des KI-Booms. Das Halbleiter-Geschäft wuchs zuletzt rasant.

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Merck KGaA im Vergleich: Ein Platz im Mittelfeld

Nach einem schwachen ersten Vierteljahr lieferte Merck im zweiten Quartal 2026 ein überzeugendes Comeback: Der Umsatz stieg um 4,1 Prozent auf 5,4 Milliarden Euro, der Gewinn wuchs mehr als doppelt so schnell wie der Umsatz. Merck hob daraufhin die Jahresprognose an.

Dennoch landet die Merck KGaA in unserer Pharma-Vergleichsgruppe mit fünf von 13 möglichen  Punkten nur im hinteren Mittelfeld – hinter Eli Lilly und Novo Nordisk, aber vor Bayer. Für den Vergleich ziehen wir gut ein Dutzend wichtige Unternehmenskennzahlen heran und erstellen auf deren Grundlage ein Ranking der Vergleichsgruppe (siehe auch Fragen und Antworten am Ende des Artikels).

Der Pharma-Vergleich: Merck nur Vorletzter

Die Analyse: Viel Potenzial, aber auch Schwächen

Mercks größte Stärke ist die solide Bilanz: Mit einer Eigenkapitalquote von 56 Prozent – dem besten Wert der gesamten Gruppe – steht der Konzern finanziell bestens da. Das erwartete Gewinnwachstum von 26 Prozent im Schnitt pro Jahr bis 2029 ist beachtlich. Es bedeutet Platz zwei in der Gruppe.

Schwach ist Merck dagegen bei der Effizienz des Kapitaleinsatzes: Eigenkapitalrendite und Kapitalrendite liegen deutlich hinter Eli Lilly und Novo Nordisk. Merck macht also aus dem eingesetzten Kapital weniger als die Konkurrenz. Auch das erwartete Umsatzwachstum ist für einen Pharmakonzern eher bescheiden (siehe Grafik).

Merck in Zahlen: Finanziell sehr stabil

Merck KGaA-Aktie: Starkes Jahr 2026

Die Merck-KGaA-Aktie notiert aktuell bei 138,05 Euro (Stand 20. August 2026). Das durchschnittliche Kursziel von sieben Analysten liegt bei 145,43 Euro. Das ist ein Aufwärtspotenzial von gut 5 Prozent. Im laufenden Jahr hat die Aktie deutlich besser abgeschnitten als viele andere Titel im Deutschen Aktienindex – getragen von der Erholung im zweiten Quartal und dem Rückenwind aus dem KI-Boom (siehe Chart).

Merck KGaA-Aktie: Zuletzt wieder deutlich aufwärts

Kurs in Euro. Quelle: onvista.de, finanzen.net, Grafik biallo.de (KI-generiert), Stand Aktienkurs 20.08.2026

Merck-Aktionäre konnten sich in diesem Jahre außerdem über eine Dividende von 2,20 Euro pro Aktie freuen. Gemessen am aktuellen Kurs liegt die Dividendenrendite damit bei rund 1,60 Prozent.

Das Fazit: Unterschätzter Traditionskonzern

Die Merck KGaA ist kein glamouröser Wachstumskonzern wie Eli Lilly, aber auch kein Sanierungsfall wie Bayer. Der Konzern aus Darmstadt hat ein breites Portfolio: Pharma, Laborchemie und Materialien für KI-Chips unter einem Dach. Das macht ihn stabiler als mancher Wettbewerber. Der schwächelnde Gesundheits-Bereich ("Healthcare") bleibt ein Risiko. Das Electronics-Geschäft könnte das jedoch ausgleichen: Es dürfte auch künftig vom KI-Boom profitieren.

Die Merck-KGaA-Aktie eignet sich für: Anlegerinnen und Anleger, die auf einen solide finanzierten deutschen Traditionskonzern mit echter Wachstumsfantasie im KI-Bereich setzen wollen.

Die Merck-KGaA-Aktie ist weniger geeignet für: Anleger, die auf hohe laufende Renditen oder ein dynamisches Wachstum wie bei Eli Lilly setzen. Das bietet Merck derzeit nicht.

Nächste Woche analysieren wir Johnson & Johnson – den amerikanischen Gesundheitsriesen.

Merck KGaA: Fragen und Antworten

Wie ist Merck KGaA entstanden? 

Merck ist das älteste Chemie- und Pharmaunternehmen der Welt. Die Geschichte beginnt 1668, als Friedrich Jacob Merck in Darmstadt die Engel-Apotheke übernahm. Aus dieser Apotheke entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte ein globaler Konzern. Heute beschäftigt Merck KGaA rund 63.000 Menschen in 66 Ländern und erzielt einen Jahresumsatz von rund 22 Milliarden Euro. Die Gründerfamilie Merck hält noch immer rund 70 Prozent der Anteile.

Was ist der Unterschied zwischen Merck KGaA und Merck & Co.?

Die beiden werden häufig verwechselt. Merck KGaA aus Darmstadt und der US-Konzern Merck & Co. sind zwei verschiedene Unternehmen – obwohl beide denselben Namen tragen. Die amerikanische Merck & Co. entstand aus der US-Tochter des deutschen Merck-Konzerns, wurde aber im Ersten Weltkrieg von der US-Regierung enteignet und verselbstständigt. Seither darf Merck KGaA seinen Namen in den USA und Kanada nicht verwenden – dort firmiert der Darmstädter Konzern unter dem Namen „EMD".

Was hat Merck KGaA mit KI und Smartphones zu tun? 

Mercks Electronics-Sparte produziert Spezialchemikalien, die bei der Herstellung von Halbleitern gebraucht werden – also jenen winzigen Chips, die in Smartphones, Computern und KI-Systemen stecken. Ohne diese Materialien lassen sich die immer kleineren und leistungsfähigeren Chips nicht herstellen. Der weltweite KI-Boom treibt die Nachfrage nach solchen Hochleistungschips an und damit auch das Geschäft von Merck.

Wie sehen die Kennzahlen für Merck KGaA im Detail aus?

Für die Aktie der Woche analysieren wir jedes Unternehmen anhand einer Reihe wichtiger Unternehmenskennzahlen (siehe auch die folgende Frage). Die Daten-Übersicht für Merck:

KennzahlWertPlatz im Vergleich
Umsatzwachstum¹3,78 %3
Erwartetes Umsatzwachstum²5,41 %4
Gewinnwachstum¹5,57 %4
Erwartetes Gewinnwachstum²26,00 %2
EBIT-Marge³17,00 %4
EBIT-Margenwachstum³7,05 %4
EBIT-Drawdown³−27,9 %4
Eigenkapitalquote56,00 %1
Eigenkapitalrendite9,13 %4
Kapitalrendite9,28 %4
Kurs-Gewinn-Verhältnis (erwartet)⁴24,63
¹ Durchschnitt 2021–2025; ² Prognose 2026–2029; ³ EBIT-Marge = Verhältnis des Betriebsgewinns zum Umsatz; EBIT-Drawdown = größter Rückgang des Betriebsgewinns 2021–2025 in Prozent; ⁴ Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der erwarteten Gewinne; Quelle: Eigene Berechnungen mit Daten von Yahoo Finance, Finanzen.net; Stand: 20.08.2026. 

Wie bewerten wir die Aktie der Woche?

Bei der "Aktie der Woche" vergleicht biallo regelmäßig große Unternehmen aus verschiedenen Branchen. Wir ziehen dafür rund ein Dutzend Kennzahlen heran. Dazu zählen Umsatz- und Gewinnwachstum, Rentabilität, Kapitalstruktur oder die Analystenbewertung. Für jede Kategorie gibt es einen Punkt, wenn das Unternehmen in der Kategorie unter den Top 3 in der Vergleichsgruppe liegt. Bei Wachstumswerten berechnen wir zusätzlich die Stabilität des Wachstums: Liegt sie über einem definierten Schwellenwert, gibt es einen halben Zusatzpunkt. Insgesamt werden in elf Kategorien je ein Punkt und zusätzlich je ein halber Punkt für vier Stabilitätskriterien vergeben – maximal also 13 Punkte.

Hinweis: Die "Aktie der Woche" ist keine Anlageberatung, Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Kapitalanlagen sind mit Risiken verbunden. Der Wert kann steigen oder fallen, und Verluste sind möglich. Die Analyse kann Fehler enthalten.

Über den Social Media & Videocreator Luis Ropero

Luis Ropero ist das Gesicht unserer Social-Media-Kanäle. Er ist verantwortlich für unseren Video-Content. Als erfahrener Videoproduzent steht er nicht nur vor der Kamera, sondern übernimmt auch die Recherche, den Schnitt und die Nachbearbeitung, damit unsere Videos ansprechend und professionell präsentiert werden. Seit vielen Jahren beschäftigt sich Luis intensiv mit der Börse und dem Aktienmarkt – eine Leidenschaft, die er in jede Analyse und jedes Video einfließen lässt. Mit seiner kreativen Herangehensweise und seinem Blick für Details bringt er komplexe Finanzthemen auf den Punkt und macht sie leicht zugänglich. 

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