Aktie der Woche 

Under Armour: Kofferraum-Verkäufer sucht zweite Chance

Luis Ropero
Social Media & Videocreator
Andreas Jalsovec
Redakteur
Veröffentlicht am: 20.07.2026

Under Armour hat eine der bemerkenswertesten Firmengeschichten der Sportbranche. Gründer Kevin Plank hat einst Sportshirts aus dem Kofferraum verkauft. Jetzt ist er zurück – und krempelt die Firma um. Die Aktie legt seit Jahresbeginn 30 Prozent zu. Doch der Verlust ist hoch. Gibt es ein Comeback?

1996 verkaufte Kevin Plank schweißabsorbierende T-Shirts aus dem Kofferraum seines Autos – an alte Football-Kameraden. Die Idee des damals 24-Jährigen: Sportler sollten nicht mehr in schweren, durchnässten Baumwollshirts spielen müssen. Aus dieser Idee wurde einer der bekanntesten Sportartikelkonzerne der Welt – mit Markenbotschaftern wie NBA-Superstar Stephen Curry.

Aber    dann lief es jahrelang schlecht. Falsche Entscheidungen beim Sortiment, zu aggressive Rabattaktionen, der Rückzug aus wichtigen Handelsketten – Under Armour verlor den Anschluss. Plank trat 2019 als Unternehmenschef zurück. Doch seit 2024 ist er zurück und hat einen klaren Plan: Ein Viertel der Produktlinien werden gestrichen, der Fokus liegt wieder auf Training, Laufen und Teamsport – wie damals zu den Kofferraum-Zeiten.

In unserer Reihe „Aktie der Woche" fragen wir: Reicht das, um das Unternehmen wieder nach vorne zu bringen – und für wen könnte sich ein Einstieg lohnen?

Mit der "Aktie der Woche" geben wir Ihnen Hilfestellung: Unser Börsenexperte Luis Ropero bewertet wöchentlich die Aktien von Unternehmen, die die Börse bewegen. Das Ergebnis fasst er in einem Kurzvideo auf Instagram zusammen.

Under Armour: Umbau kostet Geld

Under Armour ist mit einem Jahresumsatz von rund fünf Milliarden US-Dollar deutlich kleiner als Nike oder Adidas – aber die Marke ist weltweit bekannt, vor allem im Wettkampfsport.

Die aktuellen Zahlen spiegeln den schwierigen Umbau wider: Der Verlust weitete sich auf fast 500 Millionen Dollar aus – weil das Unternehmen gerade viel Geld in den Neustart steckt. Besonders der Heimatmarkt Nordamerika schwächelt. Das Aufräumen soll Ende 2026 abgeschlossen sein. Danach will Under Armour ohne diese Zusatzkosten ins neue Geschäftsjahr starten.

Under Armour im Vergleich: Schlusslicht im Check

Under Armour ist das Schlusslicht in unserem Sportartikel-Vergleich – mit 4 von 13 möglichen Punkten. Das Ergebnis überrascht nicht: Wer mitten im Umbau steckt und Verluste schreibt, kann bei den Kennzahlen nicht glänzen. In die Bewertung fließen gut ein Dutzend Kriterien zu Gewinn, Umsatz und Aktienbewertung ein (siehe Fragen und Antworten am Ende des Artikels).

Gesamtergebnis der Vergleichsgruppe

Unternehmen
Gesamtpunktzahl
Asics11,0
Adidas9,5
Nike8,5
Puma6,0
Under Armour3,0
Quelle: biallo.de, eigene Berechnungen mit Daten von Yahoo Finance, Finanzen.net, Stand: 17.07.2026

Die Analyse: Hoffnung auf das Comeback

Under Armour macht derzeit hohe Verluste: Eigenkapitalrendite und Gewinnspanne sind tief im Minus, das Unternehmen verbrennt während des Umbaus Geld, Umsatz und Gewinn der vergangenen fünf Jahre enttäuschen.

Doch ähnlich wie bei Puma liegt die Hoffnung in der Zukunft: Das erwartete Gewinnwachstum der nächsten vier Jahre liegt bei über 108 Prozent – Platz zwei in der Vergleichsgruppe. Es kommt allerdings von einer sehr tiefen Basis.

Gewinn bei Under Armour: Talsohle in Sicht?

Gewinn in Mio. US-Dollar, ab 2026 erwarteter Gewinn. Quellen: Finanzen.net, Market Screener, Stand: 17.07.2026

Doch der Umbau nähert sich dem Abschluss – und das kommende Geschäftsjahr startet erstmals ohne zusätzliche finanzielle Belastungen. Das könnte den entscheidenden Unterschied machen. Die folgende Grafik zeigt wichtige Kennzahlen von Under Armour im Vergleich zur Konkurrenz:

Quelle: Yahoo Finance, Finanzen.net; Grafik biallo.de (KI generiert); Stand: 17.07.2026.

Under Armour-Aktie: Starker Jahresauftakt

Die Under-Armour-Aktie hat seit Jahresbeginn 30 Prozent zugelegt – einer der stärksten Anstiege in der Vergleichsgruppe. Allerdings war der Ausgangspunkt sehr tief. Seit Jahresbeginn bewegte sich der Kurs zwischen weniger als fünf Dollar und über acht Dollar je Anteilsschein. Der Aktienkurs zeigt denn auch: Das Papier kann stark schwanken (siehe Chart).

Under Armour-Aktie: Erholung vom Tief

Kurs in US-Dollar. Quelle: onvista.de, Grafik biallo.de (KI-generiert), Stand Aktienkurs 16.07.2026

Die Analystenschätzungen für die Aktie liegen im Schnitt bei 8 Euro. Derzeit notiert das Papier bei knapp 7 Euro. Das ist ein Aufwärtspotenzial von fast 15 Prozent. Allerdings sind nur drei Schätzungen verfügbar. Die Bewertung der Aktie liegt im mittleren Bereich der Gruppe – bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis des erwarteten Gewinns von 22,4.

Das Fazit: Zu früh für eine Entwarnung

Under Armour könnte eine der faszinierendsten Turnaround-Geschichten der Sportbranche werden. Noch ist es aber nicht soweit. Gründer Kevin Plank ist zwar zurück, sein Plan klingt vernünftig, und das Ende der Umbaukosten könnte 2027 tatsächlich einen Gewinnsprung bringen. Doch die Verluste bleiben hoch, der Heimatmarkt schwächelt, und an der Wall Street wächst die Einsicht, dass ein möglicher Turnaround lange dauern dürfte.

Die Under-Armour-Aktie eignet sich für: Sehr risikofreudige Anlegerinnen und Anleger, die an Kevin Planks Comeback-Plan glauben. Sie müssen bereit sein, hohe Schwankungen und weitere Verlustjahre auszusitzen.

Die Under-Armour-Aktie ist weniger geeignet für: Anleger, die Stabilität, positive Kennzahlen oder eine Dividende suchen – das alles bietet Under Armour derzeit nicht.

Nächste Woche analysieren wir Asics – den Spitzenreiter unseres Sportartikel-Vergleichs mit 11 von 13 Punkten.

Under Armour: Fragen und Antworten

Wie ist Under Armour entstanden? 

Under Armour wurde 1996 von Kevin Plank in Washington D.C. gegründet – im Keller seines Großmutterhauses. Plank, damals Footballspieler an der University of Maryland, wollte ein Shirt entwickeln, das Schweiß besser ableitet als Baumwolle. Er nähte die ersten Prototypen selbst und verkaufte sie aus dem Kofferraum seines Autos an frühere Mannschaftskameraden. Heute ist Under Armour einer der bekanntesten Sportartikelkonzerne der Welt.

Warum heißt das Unternehmen Under Armour? 

Der Name kommt aus dem American Football: „Armour" ist das englische Wort für Rüstung – „Under Armour" bedeutet also „unter der Rüstung". Gemeint ist das Shirt, das Spieler direkt unter ihrer Schutzausrüstung tragen. Gründer Kevin Plank wollte genau das verbessern – und der Name beschreibt bis heute den Kern der Marke: Sportkleidung, die direkt am Körper sitzt.

Was sind die bekanntesten Produkte von Under Armour? 

Under Armour ist vor allem für funktionale Sportkleidung bekannt – Kompressionsshirts, Laufschuhe und Trainingsausrüstung für Profisportler. Besonders erfolgreich ist die Marke im American Football und Basketball. Zu den bekanntesten Markenbotschaftern zählen NBA-Star Stephen Curry, für den Under Armour eine eigene Schuhserie entwickelt hat.

Warum ist die Under-Armour-Aktie trotz Verlusten gestiegen? 

Die Aktie hat seit Jahresbeginn rund 30 Prozent zugelegt – nicht wegen guter aktueller Zahlen, sondern wegen der Hoffnung auf einen Turnaround. Gründer Kevin Plank ist seit 2024 wieder Unternehmenschef und hat einen klaren Umbauplan vorgelegt. Die Restrukturierung soll Ende 2026 abgeschlossen sein – danach erwartet der Markt deutlich bessere Zahlen.

Wie sehen die Kennzahlen für Under Armour im Detail aus?

Für die Aktie der Woche analysieren wir jedes Unternehmen anhand einer Reihe wichtiger Unternehmenskennzahlen (siehe auch die folgende Frage). Die Daten-Übersicht für Under Armour:

KennzahlWertPlatz im Vergleich
Umsatzwachstum¹2,91 %5
Erwartetes Umsatzwachstum²2,23 %5
Gewinnwachstum¹n.a.n.a.
Erwartetes Gewinnwachstum²108,17 %2
EBIT-Marge³−3,00 %4
EBIT-Margenwachstum³n.a.n.a.
EBIT-Drawdown³−48,00 %3
Eigenkapitalquote28,00 %3
Eigenkapitalrendite−34,75 %5
Kapitalrendite−8,98 %4
Kurs-Gewinn-Verhältnis (erwartet)⁴22,43
¹ Durchschnitt 2021–2025; ² Prognose 2026–2029; ³ EBIT-Marge = Verhältnis des Betriebsgewinns zum Umsatz; EBIT-Drawdown = größter Rückgang des Betriebsgewinns 2021–2025 in Prozent; ⁴ Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der erwarteten Gewinne; Quelle: Eigene Berechnungen mit Daten von Yahoo Finance, Finanzen.net; Stand: 17.07.2026. 

Wie bewerten wir die Aktie der Woche?

Bei der "Aktie der Woche" vergleicht Biallo regelmäßig große Unternehmen aus verschiedenen Branchen. Wir ziehen dafür rund ein Dutzend Kennzahlen heran. Dazu zählen Umsatz- und Gewinnwachstum, Rentabilität, Kapitalstruktur oder die Analystenbewertung. Für jede Kategorie gibt es einen Punkt, wenn das Unternehmen in der Kategorie unter den Top 3 in der Vergleichsgruppe liegt. Bei Wachstumswerten berechnen wir zusätzlich die Stabilität des Wachstums: Liegt sie über einem definierten Schwellenwert, gibt es einen halben Zusatzpunkt. Insgesamt werden in elf Kategorien je ein Punkt und zusätzlich je ein halber Punkt für vier Stabilitätskriterien vergeben – maximal also 13 Punkte.

Hinweis: Die "Aktie der Woche" ist keine Anlageberatung, Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Kapitalanlagen sind mit Risiken verbunden. Der Wert kann steigen oder fallen, und Verluste sind möglich. Die Analyse kann Fehler enthalten.

Über den Social Media & Videocreator Luis Ropero

Luis Ropero ist das Gesicht unserer Social-Media-Kanäle. Er ist verantwortlich für unseren Video-Content. Als erfahrener Videoproduzent steht er nicht nur vor der Kamera, sondern übernimmt auch die Recherche, den Schnitt und die Nachbearbeitung, damit unsere Videos ansprechend und professionell präsentiert werden. Seit vielen Jahren beschäftigt sich Luis intensiv mit der Börse und dem Aktienmarkt – eine Leidenschaft, die er in jede Analyse und jedes Video einfließen lässt. Mit seiner kreativen Herangehensweise und seinem Blick für Details bringt er komplexe Finanzthemen auf den Punkt und macht sie leicht zugänglich. 

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Andreas Jalsovec
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