Aktie der Woche

Vom wertvollsten Dax-Konzern zum Sanierungsfall: Kommt jetzt der Turnaround bei der Bayer AG?

Luis Ropero
Social Media & Videocreator
Andreas Jalsovec
Redakteur
Veröffentlicht am: 08.09.2026
Das erwartet Sie in diesem Artikel

Bayer war einst das wertvollste Unternehmen im deutschen Leitindex Dax, heute reicht es nur noch für Platz zwölf. In den kommenden Tagen entscheidet ein US-Gericht über einen milliardenschweren Vergleich, der einen Großteil der jahrelangen Klagewelle beenden könnte. Steht der Konzern damit vor dem Turnaround? 

Wenn Original-Aspirin im heimischen Medizinschrank steht, stammt es von Bayer. Der Konzern aus Leverkusen gehört zu den traditionsreichsten Namen der deutschen Wirtschaft – bekannt vor allem für Medikamente und Pflanzenschutzmittel. Was viele nicht wissen: Bayer war zwischenzeitlich das wertvollste Unternehmen im gesamten Dax. Heute liegt der Konzern beim Börsenwert nur noch auf Platz zwölf, dicht hinter Rüstungskonzern Rheinmetall mit rund 48 Milliarden Euro Marktkapitalisierung.

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Der Grund dafür ist eine der teuersten Fehlentscheidungen der deutschen Wirtschaftsgeschichte: 2018 kaufte Bayer für 63 Milliarden Dollar den US-Agrarkonzern Monsanto – die teuerste deutsche Auslandsübernahme bisher überhaupt. Nur wenige Monate später verklagte ein US-Gericht Bayer und Monsanto: Das Unkrautvernichtungsmittel Roundup, dessen Wirkstoff Glyphosat, soll Krebs verursachen. Es folgten massive Klagewellen – Bayer zahlte dafür bereits mehr als 11 Milliarden US-Dollar an Vergleichen und Urteilen. Die Aktie stürzte ab bis auf ein Rekordtief von 18,99 Euro im Januar 2025. Seitdem hat sich die Aktie deutlich erholt: Aktuell notiert sie bei 48,78 Euro – ein Plus von rund 157 Prozent gegenüber ihrem Tiefpunkt. 

Rückenwind gab es zuletzt von höchster Stelle: Im Juni 2026 entschied der US Supreme Court mit 7:2 Stimmen zugunsten von Bayer – Bundesrecht habe Vorrang vor Klagen einzelner US-Bundesstaaten wegen angeblich fehlender Warnhinweise. Das entzog vielen tausend Klagen die rechtliche Grundlage. In den kommenden Tagen soll nun ein Gericht in Missouri einen bereits ausgehandelten Sammelvergleich über bis zu 7,25 Milliarden Dollar final absegnen – und damit einen Großteil der verbleibenden Klagewelle beenden. 

In unserer Reihe "Aktie der Woche" nehmen wir die Bayer AG unter die Lupe: einen Konzern, dessen Zukunft in den kommenden Tagen von einer wichtigen Gerichtsentscheidung geprägt werden könnte.

Bei der "Aktie der Woche" bewertet Börsenexperte Luis Ropero wöchentlich die Aktien von Unternehmen, die die Märkte bewegen. Aktuell: die Pharma-Branche. Das Ergebnis fasst er in einem Kurzvideo auf Instagram zusammen.

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Bayer: Drei Sparten unter einem Dach 

Bayer ist heute in drei Bereiche aufgeteilt: Pharma, Consumer Health und Crop Science (Agrar). Im Pharma-Geschäft treiben vor allem zwei vergleichsweise neue Medikamente das Wachstum: das Krebsmittel Nubeqa und das Nierenmedikament Kerendia legten zuletzt beide zweistellig zu. Gebremst wird der Bereich dagegen von älteren Medikamenten wie dem Blutverdünner Xarelto, dessen Patentschutz ausgelaufen ist – die Folge sind deutliche Umsatzrückgänge durch Nachahmerpräparate. 

Deutlich runder läuft es im Agrargeschäft: Die Sparte Crop Science, zu der auch das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Roundup gehört, wuchs zuletzt spürbar – getragen von starker Nachfrage nach Saatgut. Die dritte Sparte, Consumer Health mit bekannten Marken wie Aspirin, wächst dagegen nur leicht, hält sich aber stabil.

Bayer im Vergleich: Schlusslicht der Pharma-Gruppe 

Im zweiten Quartal 2026 stieg der Konzernumsatz um zwei Prozent auf 10,9 Milliarden Euro. Treiber war vor allem das Agrargeschäft: Die Sparte Crop Science steigerte ihr operatives Ergebnis (Ebitda) um mehr als 30 Prozent. Das Pharma-Geschäft dagegen schwächelte, das Ergebnis dort sank leicht. Unterm Strich schrieb Bayer im zweiten Quartal wieder einen Gewinn – nach einem Verlust im Vorjahreszeitraum. 

Trotz dieser Fortschritte landet Bayer in unserer Pharma-Vergleichsgruppe mit nur vier von 13 möglichen Punkten auf dem letzten Platz – hinter Eli Lilly, Novo Nordisk, Johnson & Johnson und Merck KGaA. Grund dafür sind vor allem die Nachwirkungen der vergangenen, schwierigen Jahre: hohe Schulden, Milliardenzahlungen durch Rechtsstreitigkeiten und ein eingebrochenes Gewinnwachstum der letzten fünf Jahre. Für den Vergleich ziehen wir gut ein Dutzend wichtige Unternehmenskennzahlen heran und erstellen auf deren Grundlage ein Ranking der Vergleichsgruppe (siehe auch Fragen und Antworten am Ende des Artikels). 

Der Pharma-Vergleich: Bayer auf dem letzten Platz

Die Analyse: Ein Lichtblick in einem schwachen Feld 

Bayers größte Stärke ist der Blick nach vorn: Beim erwarteten Gewinnwachstum von 38,38 Prozent pro Jahr bis 2029 liegt der Konzern auf Platz eins der gesamten Vergleichsgruppe – deutlich vor allen Konkurrenten. Auch beim Forward-KGV von 21 schneidet Bayer mit Platz zwei überdurchschnittlich ab, die Aktie ist also im Vergleich zu den erwarteten Gewinnen recht günstig bewertet. Positiv fällt zudem das Wachstum der EBIT-Marge aus, hier reicht es ebenfalls für Platz zwei. 

Bei fast allen anderen Kennzahlen liegt Bayer dagegen auf dem letzten Platz der Gruppe – Nachwirkung der schwierigen vergangenen Jahre mit Rechtsstreitigkeiten und hohen Schulden (siehe Grafik). 

Bayer in Zahlen: Ein Lichtblick, viel Nachholbedarf

Bayer-Aktie: Vom Rekordtief zurück auf über 48 Euro 

Die Bayer-Aktie notiert aktuell bei 48,78 Euro (Stand 28. August 2026). Das durchschnittliche Kursziel von 18 Analysten liegt bei 56,81 Euro. Das ist ein Aufwärtspotenzial von rund 15 Prozent – der höchste Wert in unserer gesamten Vergleichsgruppe. Im April 2026 zahlte Bayer für das Geschäftsjahr 2025 eine Dividende von gerade einmal 0,11 Euro pro Aktie – die niedrigste im gesamten Dax. Gemessen am aktuellen Kurs liegt die Dividendenrendite bei nur 0,23 Prozent.

In den kommenden Tagen könnte sich die weitere Kursentwicklung entscheiden: Ein Gericht in Missouri prüft, ob es den bereits ausgehandelten Vergleich über bis zu 7,25 Milliarden Dollar final absegnet. Fällt die Entscheidung positiv aus, könnte das dem Konzern nach Jahren der Rechtsunsicherheit weiteren Rückenwind geben. 

Das Fazit: Turnaround-Kandidat mit Restrisiko 

Bayer ist nach den Milliardenverlusten der vergangenen Jahre kein Unternehmen für schwache Nerven. Doch die Zeichen mehren sich, dass der Konzern die Talsohle durchschritten hat: Das Agrargeschäft läuft wieder rund, neue Medikamente wie Nubeqa und Kerendia wachsen kräftig, und die Aktie hat sich von ihrem Rekordtief bereits deutlich erholt. Die anstehende Gerichtsentscheidung zum Glyphosat-Vergleich könnte nun der entscheidende Katalysator sein, der einen Großteil der Rechtsunsicherheit endgültig beseitigt. 

Die Bayer-Aktie eignet sich für: Anlegerinnen und Anleger, die auf einen Turnaround-Kandidaten mit hohem Kurspotenzial setzen wollen und dabei auch das verbleibende Rechtsrisiko in Kauf nehmen. 

Die Bayer-Aktie ist weniger geeignet für: Anleger, die auf laufende Erträge in Form von Dividenden setzen. Mit einer Rendite von nur 0,23 Prozent zählt Bayer hier zu den schwächsten Werten im gesamten Dax. 

Welche Aktie sollen wir als Nächstes bewerten? Schreiben Sie uns unter redaktion@biallo.de.

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Bayer AG: Fragen und Antworten

Wie ist Bayer entstanden?

Bayer wurde 1863 von Friedrich Bayer und Johann Friedrich Weskott in Barmen (heute Teil von Wuppertal) als Farbenfabrik gegründet. Weltbekannt wurde das Unternehmen 1897 mit der Entwicklung von Acetylsalicylsäure – besser bekannt als Aspirin. Heute ist Bayer in die drei Sparten Pharmaceuticals, Consumer Health und Crop Science aufgeteilt.

Was hat es mit der Monsanto-Übernahme und dem Glyphosat-Rechtsstreit auf sich?

2018 kaufte Bayer für 63 Milliarden US-Dollar den amerikanischen Agrarkonzern Monsanto – die teuerste deutsche Auslandsübernahme aller Zeiten. Kurz darauf begannen in den USA Klagewellen: Kläger werfen dem Unkrautvernichtungsmittel Roundup vor, durch den Wirkstoff Glyphosat Krebs zu verursachen. Bayer zahlte bereits mehr als 11 Milliarden US-Dollar an Vergleichen und Urteilen. Im Juni 2026 entschied der US Supreme Court mit 7:2 Stimmen zugunsten von Bayer und entzog damit vielen tausend Klagen die rechtliche Grundlage. In den kommenden Tagen soll ein Gericht in Missouri zudem einen bereits ausgehandelten Sammelvergleich über bis zu 7,25 Milliarden US-Dollar final absegnen, der einen Großteil der verbleibenden Klagen beenden würde.

Wie sehen die Kennzahlen für Bayer im Detail aus?

Für die Aktie der Woche analysieren wir jedes Unternehmen anhand einer Reihe wichtiger Unternehmenskennzahlen (siehe auch die folgende Frage). Die Daten-Übersicht für Bayer im Vergleich mit Novo Nordisk, Eli Lilly, Merck KGaA und Johnson & Johnson:

Kennzahl 

Wert 

Platz im Vergleich 

Umsatzwachstum¹ 

1,94 % 

Erwartetes Umsatzwachstum² 

2,60 % 

Gewinnwachstum¹ 

−19,18 % 

Erwartetes Gewinnwachstum² 

38,38 % 

EBIT-Marge³ 

11,00 % 

EBIT-Margenwachstum³ 

12,38 % 

EBIT-Drawdown³ 

−28,3 % 

Eigenkapitalquote 

25,00 % 

Eigenkapitalrendite 

−13,95 % 

Kapitalrendite 

9,00 % 

Kurs-Gewinn-Verhältnis (erwartet)⁴ 

21,0 

¹ Durchschnitt der vergangenen 5 Jahre; ² Prognose für die kommenden 4 Jahre; ³ EBIT-Marge = Verhältnis des Betriebsgewinns zum Umsatz; EBIT-Drawdown = größter Rückgang des Betriebsgewinns im Betrachtungszeitraum in Prozent; ⁴ Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der erwarteten Gewinne; Quelle: Eigene Berechnungen, Stand: 28.08.2026.

Wie bewerten wir die Aktie der Woche?

Bei der "Aktie der Woche" vergleicht biallo regelmäßig große Unternehmen aus verschiedenen Branchen. Wir ziehen dafür rund ein Dutzend Kennzahlen heran. Dazu zählen Umsatz- und Gewinnwachstum, Rentabilität, Kapitalstruktur oder die Analystenbewertung. Für jede Kategorie gibt es einen Punkt, wenn das Unternehmen in der Kategorie unter den Top 3 in der Vergleichsgruppe liegt. Bei Wachstumswerten berechnen wir zusätzlich die Stabilität des Wachstums: Liegt sie über einem definierten Schwellenwert, gibt es einen halben Zusatzpunkt. Insgesamt werden in elf Kategorien je ein Punkt und zusätzlich je ein halber Punkt für vier Stabilitätskriterien vergeben – maximal also 13 Punkte.

Welche Quellen haben wir für die Analyse verwendet?

Eigene Berechnungen, Stand: 28.08.2026 

Bayer AG, Halbjahresfinanzbericht Q2 2026 (bayer.com) 

Bayer AG, Pressemitteilung: „Bayer erreicht angehobene Finanzziele für 2025 und erwartet ein solides Jahr 2026“, 4. März 2026 (bayer.com/media) 

Bayer AG, Quartalsmitteilung Q1 2026 (bayer.com) 

Earnings Call Transkript Bayer AG Q2 2026 (Investing.com) 

Bayer AG, Dividenden-Übersicht (bayer.com/de/investoren/dividenden)

Hinweis: Die "Aktie der Woche" ist keine Anlageberatung, Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Kapitalanlagen sind mit Risiken verbunden. Der Wert kann steigen oder fallen, und Verluste sind möglich. Die Analyse kann Fehler enthalten.

Über den Social Media & Videocreator Luis Ropero

Luis Ropero ist das Gesicht unserer Social-Media-Kanäle. Er ist verantwortlich für unseren Video-Content. Als erfahrener Videoproduzent steht er nicht nur vor der Kamera, sondern übernimmt auch die Recherche, den Schnitt und die Nachbearbeitung, damit unsere Videos ansprechend und professionell präsentiert werden. Seit vielen Jahren beschäftigt sich Luis intensiv mit der Börse und dem Aktienmarkt – eine Leidenschaft, die er in jede Analyse und jedes Video einfließen lässt. Mit seiner kreativen Herangehensweise und seinem Blick für Details bringt er komplexe Finanzthemen auf den Punkt und macht sie leicht zugänglich. 

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