Gold hat gerade seinen stärksten Preisrückgang in einem Quartal seit 13 Jahren hinter sich. Während nervöse Neuanleger verkaufen, greifen Chinas Zentralbank aber auch viele deutsche Privatanleger verstärkt zu. Experten sehen den langfristigen Aufwärtstrend intakt. Was Anleger bei einem Einstieg beachten sollten.
Goldpreis bricht ein: Kaufen oder abwarten?
Noch zum Jahresanfang sah es so aus, als würde Gold seine Rekordfahrt unaufhaltsam fortsetzen. Doch dann kam der Einbruch. Das Edelmetall, das üblicherweise als sicherer Hafen in Krisenzeiten gilt, verlor von April bis Juni so viel an Wert wie seit 13 Jahren nicht mehr. Doch für viele Anleger ist das kein Grund zur Panik. Im Gegenteil: Sie sehen im gefallenen Kurs eine Gelegenheit zum günstigen Einstieg. Sowohl Großinvestoren wie China als auch Privatanleger greifen jetzt zu. Andere dagegen verkaufen. Wir nennen die Hintergründe und sagen, wie Anleger am besten auf den fallenden Goldpreis reagieren.
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Stärkster Rückgang des Goldpreises seit 2013
Gold hat das schwächste Quartal seit 13 Jahren hinter sich. Nach dem Rekordhoch von gut 5.500 US-Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) Ende Januar fiel der Preis bis Ende Juni zeitweise unter 4.000 US-Dollar. Derzeit notiert das Edelmetall bei rund 4.100 US-Dollar (etwa 3.600 Euro). Besonders stark war der Preisrückgang im Juni. Da verlor Gold in Dollar gerechnet mehr als zehn Prozent an Wert. Dennoch liegt der Goldpreis auf Sicht von zwölf Monaten noch immer deutlich im Plus (siehe Chart).
Goldpreis: Auf Jahressicht noch deutlich im Plus
Ein Grund für den Rückgang ist der Krieg der USA mit dem Iran. Er hält die Energiepreise hoch. Anleger rechnen daher weiter damit, dass die Notenbanken die Leitzinsen anheben werden, um die Inflation zu dämpfen. Das belastet den Goldkurs, weil Gold keine Zinsen abwirft. Steigen die Renditen sicherer Anlagen, verliert das Edelmetall an Attraktivität.
China greift beim Gold kräftig zu
Dennoch setzen viele Anleger gerade jetzt auf Gold. Allen voran große Investoren und Staaten wie etwa China. Die chinesische Zentralbank stockte ihre Goldreserven im Juni um rund 14,9 Tonnen auf. Das geht aus Daten der chinesischen Devisenbehörde hervor. Es war der größte monatliche Zuwachs seit Oktober 2023.
Mehr private Goldkäufer
Aber auch Privatanleger kauften verstärkt Gold ein: Beim Goldhändler BullionVault etwa stieg die Zahl der Käufer in Deutschland im Juni um 17,9 Prozent gegenüber Mai. Die Zahl der Erstkäufer legte weltweit deutlich zu, teilt die Plattform mit.
Gleichzeitig gebe es aber auch mehr Verkäufer. Am ehesten stoßen dabei jene Gold ab, die erst 2025 oder 2026 eingestiegen waren. "Nach dem Einstieg in einen derart dramatischen Bullenmarkt ist es nur natürlich, dass neu hinzugekommene Anleger bei nachgebenden Preisen nervös werden", sagt Adrian Ash von BullionVault. Die Stimmung unter den Goldinvestoren bleibe jedoch "insgesamt positiv".
Biallo-Tipp: Gold aus Liechtenstein
Wer regelmäßig in physisches Gold investieren will, kann bei willbe aus Liechtenstein einen Goldsparplan starten, bereits ab einem Gramm und ohne Kauf- oder Verkaufsgebühren. Die Lagergebühr beträgt 0,5 Prozent pro Jahr, verwahrt wird das Gold im Tresor der Liechtensteinischen Landesbank.
Wie geht es mit dem Goldpreis weiter?
Das lässt sich schwer vorhersagen. Der World Gold Council – ein Branchenverband der Goldindustrie – rechnet in seinem Halbjahresausblick 2026 damit, dass sich der Preis bis zum Jahresende bei plus, minus fünf Prozent um den derzeitigen Kurs von 4.100 US-Dollar bewegen wird. Die Goldpreis-Rallye wäre damit erst einmal beendet.
Allerdings: Sollte die Inflationsgefahr zurückgehen und damit auch die Erwartung steigender Zinsen, könnte sich der Preis rasch wieder nach oben bewegen. „Ich glaube, der Goldpreis-Anstieg ist noch lange nicht vorbei!“, sagt etwa Thorsten Polleit, ehemaliger Chefökonom des Goldhändlers Degussa, im Interview mit biallo.de. Und auch der Ökonom und Finanzmarkt-Experte Folker Hellmeyer zeigt sich in unserem aktuellen Interview überzeugt: "Der Trend bei Edelmetallen bleibt aufwärts gerichtet" (siehe Link zum Video unten).
Sollten Anleger jetzt in Gold investieren?
Das hängt unter anderem davon ab, wie viel Gold sie bereits in ihrem Portfolio haben. Trotz des jüngsten Kursrutsches spricht einiges dafür, dass der Goldpreis in absehbarer Zeit wieder zulegen wird – etwa die anhaltende geopolitische Unsicherheit oder die verstärkten Goldkäufe einiger Zentralbanken.
Tatsächlich kann Gold ein Depot in Krisen stabilisieren. Es ersetzt aber keine breite Streuung. Anleger sollten daher den Anteil des Edelmetalls am Portfolio begrenzen. Fachleute raten häufig zu fünf bis zehn Prozent. Wer jedoch glaubt, dass politische und wirtschaftliche Unsicherheit weltweit länger andauern werden, kann höhere Anteile in Betracht ziehen. Bedenken sollten Anlegerinnen und Anleger aber: Der Goldpreis schwankt immer wieder stark – und kann eben auch einmal deutlich abrutschen. Ein gutes Mittel, um in Gold trotz der Kursschwankungen zu investieren, sind Goldsparpläne. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Ratgeber:


