Der Goldpreis hat seit seinem Januarhoch 25 Prozent verloren – Ökonom Thorsten Polleit sieht darin eine gesunde Korrektur im intakten Aufwärtstrend. Als Treiber nennt er Zentralbankkäufe, niedrige Zinsen und die strukturelle Inflationsanfälligkeit des Geldsystems. Für Anleger mit langem Zeithorizont sei das aktuelle Niveau eine Einstiegsgelegenheit.
Experte: "Der Goldpreisanstieg ist noch lange nicht vorbei"
Noch zu Jahresanfang sah es so aus, als könnte der Goldpreis seine Rekordjagd immer weiter fortsetzen. Doch dann kam der Krieg der USA mit dem Iran – und der Preis des Edelmetalls sackte nach unten. Seit dem Hoch Ende Januar bei gut 5.400 US-Dollar (etwa 4.750 Euro) hat Gold rund 25 Prozent verloren. Derzeit liegt der Preis bei knapp 4.080 US-Dollar. Für Anlegerinnen und Anleger stellt sich daher die Frage: Geht es noch weiter runter – oder steigt der Goldpreis langfristig wieder – und ist das jetzt ein guter Zeitpunkt zum Einstieg?
Für Thorsten Polleit, Volkswirt und ehemaliger Chefökonom des Goldhändlers Degussa, ist die Antwort klar: „Ich glaube, der Goldpreis-Anstieg ist noch lange nicht vorbei!“, sagt er im Interview mit biallo.de. Die derzeitige Schwächephase beim Gold sei kein Grund zur Sorge.
Keine geplatzte Blase, sondern gesunde Korrektur
Rücksetzer von zehn, 20 oder sogar 30 Prozent seien in einem intakten, langfristigen Aufwärtstrend völlig normal, sagt der Ökonom. Polleit verweist dabei auf die langfristige Entwicklung bei dem Edelmetall: In den vergangenen 25 Jahren sei der Goldpreis im Durchschnitt um etwa 11,5 Prozent pro Jahr gestiegen. Auch für die vergangenen zwölf Monate steht trotz des jüngsten Rückgangs noch immer ein deutliches Plus zu Buche (siehe Chart).
Goldpreis: Seit Jahresanfang abwärts
Treiber für den Goldpreis
Laut Polleit haben sich die entscheidenden Faktoren, die den Goldpreis antreiben, keineswegs abgeschwächt. Der Ökonom nennt im Wesentlichen drei fundamentale Entwicklungen, die auch in Zukunft für steigende Gold-Notierungen sorgen dürften:
- Zentralbankkäufe: Seit dem Einfrieren russischer Währungsreserven im Februar 2022 stocken viele nicht-westliche Zentralbanken ihre Bestände massiv auf – auch um von US-Dollar und Euro unabhängiger zu werden.
- Niedrige Zinsen: Derzeit steigen die Zinsen zwar wieder. Dennoch glaubt Polleit: Die Zentralbanken müssen langfristig die Zinsen wegen der globalen Verschuldung künstlich tief halten. Das macht Gold attraktiver gegenüber Zinsanlagen und kurbelt die Nachfrage an.
- Andauernde Krise: Die wachsende Sorge vor Kreditausfällen im Finanzsystem treibt Investoren in die Sicherheit des Edelmetalls.
Biallo Tipp
Warum Thorsten Polleit die Inflation deutlich höher einschätzt als die offizielle Inflationsrate, wie er darauf reagiert – und wie er konkret sein Geld derzeit anlegt, erfahren Sie im Interview auf unserem Youtube-Kanal:
Das Hauptproblem heißt Inflation
Hinzu kommt nach Polleits Auffassung: Das internationale Geldsystem sei "strukturell inflationär" angelegt. Währungen wie der US-Dollar oder der Euro könnten per Kreditvergabe praktisch unbegrenzt vermehrt werden. Langfristig verlieren sie so an Kaufkraft, glaubt der Ökonom. Physisches Gold bleibe daher für ihn das verlässlichste, "extrem liquide Medium" zur Wertaufbewahrung: "Gold ist eine Versicherung gegen die Kaufkraftentwertung."
Für Anleger mit einem Zeithorizont von fünf oder mehr Jahren sieht Polleit daher auf dem aktuellen Niveau eine gute Kaufgelegenheit bei Gold. Anlegern empfiehlt er einen relativ hohen Anteil von 35 Prozent im Portfolio: "Gold halte ich für unverzichtbar für jeden Anleger, der die Probleme erkennt, die mit dem internationalen Geldsystem zusammenhängen."



