Ökonom und Kapitalmarktstratege Folker Hellmeyer sieht Gold trotz des jüngsten Kurseinbruchs weiter im Aufwärtstrend. Treiber sind für ihn unter anderem die Goldkäufe Chinas und anderer BRICS-Staaten: Sie wollen sich vom US-Dollar unabhängiger machen. Privatanlegern rät er, sich mit Gold einen "eigenen Goldstandard" als Absicherung gegen Währungs- und Systemkrisen aufzubauen.
Experte: "Bauen Sie sich Ihren eigenen Goldstandard auf"
Bei Gold & Co bleibt Folker Hellmeyer optimistisch: "Der Trend bei Edelmetallen bleibt aufwärtsgerichtet", sagt der Volkswirt und Kapitalmarktstratege im Interview mit biallo. Und das, obwohl der Goldpreis seit Jahresanfang deutlich gefallen ist. Dennoch setze er nach oben beim Preis "kein Limit", so Hellmeyer.
Wir sagen Ihnen, was den erfahrenen Ökonomen bei Edelmetallen so zuversichtlich macht – und was das für Anlegerinnen und Anleger bedeutet.
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Goldkäufe: China greift im großen Stil zu
Nach Hellmeyers Einschätzung werden Gold und andere Edelmetalle künftig in der Weltwirtschaft eine noch wichtigere Rolle spielen. Ein Beispiel dafür sei China: Das Land stockt nach Daten des World Gold Council seine Goldreserven seit 2002 kontinuierlich auf. Nach den USA, Deutschland, Italien und Frankreich liegt die Volksrepublik mit mehr als 2.300 Tonnen Gold mittlerweile an fünfter Stelle bei den Länder-Goldreserven.
Auch in diesem Jahr gehört China zu den Staaten, die am meisten Gold zugekauft haben. Die Grafik zeigt die Zahlen bis Mai 2026. Im Juni sind nach jüngsten Daten aus China noch einmal 15 Tonnen Gold dazu gekommen.
Größte Goldkäufer 2026 (in Tonnen)¹

China kaufe in der derzeitigen Phase der Preiskorrektur "im großen Stil ein", sagt Hellmeyer. Gleichzeitig stocke das Land die Infrastruktur für die Lagerung von Gold massiv auf.
Gold: Abschied vom US-Dollar hat begonnen
Ein Grund dafür ist laut Hellmeyer das Bestreben Chinas, sich zusammen mit anderen sogenannten BRICS-Staaten unabhängiger von den USA und dem US-Dollar zu machen. Die Abkürzung BRICS steht für die fünf Länder Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika. Zu der Vereinigung gehören mittlerweile jedoch auch andere Staaten des "globalen Südens" wie Ägypten oder Indonesien.
Hellmeyer ist überzeugt, dass diese Länder zeitnah eine sogenannte Korb-Währung einführen werden – ähnlich dem ECU, dem Vorläufer des Euro. Eine solche Währung besteht aus einem Korb der Währungen einzelner Länder, gewichtet nach deren Stärke. Die künftige BRICS-Währung soll mit Edelmetallen hinterlegt werden, "um die Glaubwürdigkeit des Zahlungssystems zu erhöhen", meint Hellmeyer. Ziel dieser "großen Transition" sei eine "eigenständigere und fairere Welt als die, die wir derzeit erleben". Hellmeyer: "Der globale Süden hat von uns die Nase voll."
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Das gesamte Interview mit dem Ökonomen Folker Hellmeyer können Sie auf unserem Youtube-Kanal sehen:
Eigener Goldstandard: So sichern Anleger sich ab
Gleichzeitig sei das westliche Wirtschaftssystem wegen zunehmender Verschuldung der Staaten "extrem gestresst", sagt der Ökonom. Viele Anleger sichern sich mit Gold gegen solche Risiken ab. Damit steigt die Nachfrage nach dem Edelmetall und dessen Preis.
Hellmeyers Rat an Privatanlegerinnen und Privatanleger daher: "Bauen Sie sich Ihren eigenen Goldstandard auf." Gemeint ist damit, das eigene Portfolio mit Gold gegen Inflation und Systemkrisen abzusichern. Anleger sollen sich so eine eigene, private Gold-Deckung schaffen für den Fall, dass Papierwährungen massiv an Wert verlieren sollten. Er selbst habe sich seit 2001 einen solchen "Goldstandard" aufgebaut, berichtet Folker Hellmeyer: "Das isoliert mich von den Problemen, wenn alles schieflaufen sollte".
Gold im Depot: Absicherung mit Maß
Gold kann ein Depot in Krisen absichern. Sein Kurs bewegt sich in der Regel gegenläufig zum Aktienmarkt: Fällt die Börse, glänzt Gold daher oft. Anlegerinnen und Anleger sollten aber gut abwägen, wie stark sie auf Gold setzen. Das hängt unter anderem davon ab, wie groß sie das Risiko einschätzen, dass es eine anhaltende Krise der Weltwirtschaft geben könnte. In jedem Fall sollte eine Anlage in Gold stets nur einen begrenzten Anteil am eigenen Portfolio ausmachen.



