Ein Berliner Thinktank setzt aktuell auf eine ungewöhnliche Idee für den Klimaschutz: Große Algenfarmen im Meer sollen künftig helfen, CO₂ aus der Atmosphäre zu entfernen.
Algenfarmen im Meer: Neue Idee soll CO₂ massiv senken
Auf einen Blick
- Ein Berliner Thinktank will mit riesigen Algenfarmen im Ozean künftig große Mengen CO₂ aus der Atmosphäre holen.
- Das Konzept verspricht Klimaschutz und neue Rohstoffe zugleich.
- Fachleute sehen darin Chancen, aber auch offene Fragen für Umwelt und Umsetzung.
EWG schlägt riesige Algenfarmen zur CO₂-Entnahme vor
Schon jetzt bindet die Sargassum-Alge im Meer viel Kohlenstoff. Wenn es nach den Experten des Berliner Thinktanks „Energy Watch Group“ (EWG) geht, soll diese Pflanze noch deutlich mehr Aufgaben übernehmen. Sie soll nämlich in Zukunft mithelfen, den CO2-Gehalt in der Atmosphäre massiv zu senken. Dies soll mit Hilfe riesiger Algenfarmen geschehen, die im Ozean angelegt werden.
Nachhaltig investieren
Wer auf Klimaschutz setzt, kann auch beim Geld ansetzen: Welche nachhaltigen Geldanlagen wirklich wirken, lesen Sie in unserem Überblick zu nachhaltigen Geldanlagen.
Großes Potenzial: Algen sollen Milliarden Tonnen CO₂ binden
Die Forscher schlagen vor, ab 2040 Jahr für Jahr mit der rasch wachsenden Algenart 40 Gigatonnen CO2 zu binden. Und dies über Jahrzehnte hinweg. Bis Ende des Jahrhunderts sollen es insgesamt 450 Gigatonnen Kohlenstoff sein, die wieder entfernt werden, um die Erderwärmung einzudämmen. Die frei treibenden Algenplantagen sollen vor allem in fünf subtropischen Meereswirbeln wachsen, darunter im Sargasso-See im Nordatlantik. EWG-Präsident Hans-Josef Fell ist jedenfalls überzeugt, dass „die CO2-Entnahme aus der Atmosphäre neben der Emissionsfreiheit ins Zentrum der Klimapolitik rücken muss.“
Biomasse als Rohstoff und mögliche Auswirkungen auf das Ökosystem
Die Idee dahinter: Die Algen sollen nicht nur CO₂ binden, sondern auch wirtschaftlich nutzbar sein. Die riesigen Farmen könnten dabei zwei Zwecke erfüllen. Sie sollen die bestehenden Emissionen in der Luft herausnehmen. Und die Algen könnte man ernten und als nachhaltige Rohstoffquelle zum Beispiel als Baustoff nutzen.
Andere Experten sehen die Methode eher kritisch, weil damit tief in das Ökosystem eingegriffen würde. Andreas Oschlies vom Geomar Helmholtz-Zentrum in Kiel befürchtet „irreversible Folgen“ für Meeresströmungen, Nährstoffkreisläufe und das Klima insgesamt.
Meeresbiologe Victor Smetacek vom EWG hingegen verweist auf das große Potential, das in dem Projekt steckt: „Wer den Mars besiedeln will, gilt als Visionär, wer CO2 entnehmen will, als Fantast. Das sollten wir ändern.“
Wer auf Zukunftstechnologien setzt, kann auch bei der Geldanlage profitieren.


