Wärmewende Hannover

Hannover setzt auf Erdwärme: Geothermie soll 20.000 Haushalte versorgen

Horst Biallo
Redakteur & Gründer
Redaktion
Redakteur
Veröffentlicht am: 23.04.2026

Auf einen Blick

  • In Hannover-Lahe sind zwei Geothermie-Anlagen geplant, die zusammen bis zu 30 Megawatt Wärme liefern sollen.
  • Die Anlage könnte jährlich rund 250 Millionen Kilowattstunden erzeugen und bis zu 20.000 Haushalte versorgen.
  • Der Baustart ist für 2027 vorgesehen, die Inbetriebnahme soll 2028 und 2029 erfolgen.
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In Hannover-Lahe ist ein Tiefengeothermie-Projekt geplant, das künftig klimafreundliche Fernwärme für bis zu 20.000 Haushalte liefern soll.
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Hannover treibt den Umbau seiner Wärmeversorgung voran: In Lahe planen enercity, Eavor und die Landeshauptstadt ein Tiefengeothermie-Projekt, das einen Teil der Fernwärme künftig klimafreundlich liefern soll. Der aktuelle Zeitplan sieht den Baubeginn für 2027 und die Inbetriebnahme ab 2028 vor.

Projekt in Hannover-Lahe: Was geplant ist

In Hannover treiben der kommunale Energiedienstleister enercity, das kanadische Spezialunternehmen Eavor und die Landeshauptstadt Hannover ein Tiefengeothermie-Projekt für das Fernwärmenetz voran.

Hintergrund: Zunächst führten die Stadtwerke im Sommer 2025 zusammen mit Eavor seismologische Boden-Untersuchungen durch um herauszufinden, ob im Untergrund genug Energie steckt, für die sich eine Investition In Geothermie lohnt. Tatsächlich stieß man auf ein Vorkommen zum Beheizen von gut 20.000 Haushalten.

Geplant sind in Hannover-Lahe nun zwei Loops mit jeweils 15 Megawatt Leistung, die zusammen bis zu 30 Megawatt Wärme für das Fernwärmenetz liefern sollen.

So funktioniert die Technik unter der Erde

Das Projekt setzt auf ein geschlossenes Geothermie-System, bei dem ein wasserbasiertes Medium in tiefen Bohrungen zirkuliert und Wärme aus dem Gestein an die Oberfläche bringt.

Dazu werden zwei Bohrungen in die Tiefe geführt und unten waagerecht fortgesetzt. Mit magnetgestützter Bohrtechnik werden die Bohrverläufe so gesteuert, dass sich die unterirdischen Abschnitte präzise verbinden lassen. Das kilometerlange System arbeitet als geschlossener Kreislauf mit tiefen, unterirdischen Bohrabschnitten und Rohrleitungen, in denen ein wasserbasiertes Medium zirkuliert, das Wärme aus dem Gestein aufnehmen und es an die Oberfläche transportieren soll. In die erste Bohrung wird Wasser gepumpt und durch das heiße Gestein geführt. Ohne weitere Hilfsmittel steigt das warme Wasser durch die zweite Bohrung nach oben.

Welche Rolle Geothermie beim Kohleausstieg spielt

Für Hannover ist das Projekt nicht nur ein Techniktest, sondern Teil der Wärmewende und des Kohleausstiegs in Stöcken.

Ziel ist, das Kohlekraftwerk Stöcken, das jährlich eine Million Tonnen CO₂ ausstößt, komplett stillzulegen. Einen wichtigen Schritt hat Hannover hier schon geschafft: Block I des Kohlekraftwerks ist bereits stillgelegt. Nach Angaben von enercity sinken dadurch die jährlichen Emissionen um rund 500.000 Tonnen CO₂. Die Stilllegung von Block II soll nach dem Winter 2027/2028 folgen. Ein Teil dieser Energie soll durch die Tiefengeothermie ersetzt werden. Diese ist sogar grundlastfähig. Das heißt: Die Wärme kann rund um die Uhr erzeugt werden, weil deren Erzeugung nicht von Sonne oder Wind abhängig ist.

Geretsried als Vorbild für das Hannover-Projekt

Im oberbayerischen Geretsried speist Eavor seit Ende 2025 nach eigenen Angaben erstmals Strom aus seiner Anlage ins öffentliche Netz ein; die regionale Wärmeversorgung soll mittelfristig folgen. Dort wird in Tiefen von rund 4.500 Metern gearbeitet um auf 160 Grad heißes Gestein zu stoßen.

Zeitplan: Wann Hannover Wärme aus der Tiefe bekommen soll

Nach aktueller Planung beginnt der Bau im Frühjahr 2027. Die Inbetriebnahme ist für Sommer 2028 beim ersten Loop und für Winter 2029 beim zweiten Loop vorgesehen. Zusammen sollen beide Systeme bis zu 30 Megawatt Wärme beziehungsweise rund 250 Millionen Kilowattstunden pro Jahr für das hannoversche Fernwärmenetz liefern.

Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay bezeichnet das Vorhaben als Vorreiterprojekt für Großstädte. Nach Angaben der Landeshauptstadt handelt es sich um die erste Geothermieanlage dieser Größenordnung in einer deutschen Großstadt.

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Sämtliche Angaben ohne Gewähr. Datenstand 23.04.2026

Über den Redakteur & Gründer Horst Biallo

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Jahrgang 1954, studierte Wirtschaft und absolvierte eine Ausbildung zum Wirtschaftsjournalisten bei der Tageszeitung Die Welt. Später machte er sich selbstständig, schrieb für Wirtschaftswoche, Stern und zahlreiche Tageszeitungen. Er ist Autor mehrerer Fachbücher, u.a. "Die geheimen deutschen Weltmeister" und "Die Doktormacher". Im Jahr 1999 gründete er das Verbraucherportal www.biallo.de, vier Jahre später www.geldsparen.de und 2009 www.biallo.at. Horst Biallo ist verheiratet und hat drei Kinder.

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