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Die große Euphorie um Rüstungs-ETFs ist vorbei. „Friedens-ETFs“ ohne Waffen zeigen dagegen eine stabile Performance. Was ist besser? Anlegerinnen und Anleger, die auf Rüstung setzen, sollten in jedem Fall genau hinschauen. Und sie sollten Rüstungs-ETFs nur als Ergänzung zu einem breiten Welt-ETF sehen.

Sie waren der Renditebringer der vergangenen Jahre: Rüstungs-Aktien und Rüstungs-ETFs haben vielen Anlegerinnen und Anlegern hohe Gewinne beschert. Seit Jahresanfang jedoch schwächeln sie. Exemplarisch dafür: Die Aktie des deutschen Rüstungsproduzenten Rheinmetall. In den zwei Jahren seit Anfang 2024 versechsfachte sich der Kurs. Im ersten Halbjahr 2026 dagegen halbierte er sich – um zuletzt wieder steil anzusteigen.

Das Auf und Ab zeigt: Die Euphorie der Börse beim Thema Verteidigung ist verflogen. Rüstungswerte sind kein Selbstläufer mehr. Lohnt es sich also noch, auf die Branche zu setzen? Oder ist vielleicht sogar genau das Gegenteil eine bessere Wahl: ETFs, die konsequent auf Waffen und Rüstung verzichten?

Klar ist: Wer auf das eine setzt, wird das andere kaum als Alternative sehen. Dennoch haben wir die Probe aufs Exempel gemacht und gefragt: Was schneidet besser ab – Friedliche ETFs ganz ohne Waffen oder ETFs, die ausnahmslos auf Firmen aus der Rüstungsbranche setzen?

Hightech statt Panzer: Wandel bei Rüstungs-ETFs

Mit dem Hype um Rüstungsaktien wie Rheinmetall, BAE Systems oder Lockheed Martin hat auch die Zahl der Rüstungs-ETFs zugenommen. Das ETF-Portal justETF zählt rund 20 Indexfonds auf, die in Rüstungs-Unternehmen investieren. Die Tabelle zeigt eine Auswahl davon – ausgesucht nach Größe der ETFs und Performance.

So schneiden Rüstungs-ETFs ab

ETF (ISIN)

Performance 2026

Performance
1 Jahr

Performance
3 Jahre

Kosten

Invesco Defence Innovation (IE000BRM9046)

26,51%

44,00%

 

0,46%

iShares Global Aerospace & Defence (IE000U9ODG19)

14,84%

19,97%

 

0,40%

HANetf Future of Defence (IE000OJ5TQP4)

17,89%

18,27%

155,74%

0,50%

Wisdom Tree Europe Defence (IE0002Y8CX98)

11,40%

12,12%

 

0,41%

VanEck Defense (IE000YYE6WK5)

2,23%

6,33%

143,92%

0,58%

Quelle: fondsweb; Performance in Euro, NAV-Kurse vom 03./04.08.2026

Auffällig dabei: Der ETF mit der besten Performance über ein Jahr ist der mit dem geringsten Volumen – der Invesco Defence Innovation. Dagegen ist der ETF mit der geringsten Jahres-Performance der größte und älteste Rüstungs-ETF: der VanEck Defense.

In den beiden Indexfonds spiegelt sich der Wandel der Branche wider. Neben Panzern, Geschützen oder Raketen spielen Software, Künstliche Intelligenz, Überwachungssatelliten, Drohnen oder Cybersecurity eine immer größere Rolle. Der Sektor wird zur Hightech-Branche. So setzt der Invesco-ETF auf kleine, innovative Technologie-Firmen. Auch der HANetf bildet die zunehmende Digitalisierung der Verteidigungsbranche ab. Die ETFs von VanEck und Wisdom Tree legen den Schwerpunkt dagegen stärker auf klassische Rüstungsfirmen.

Eines jedoch haben sie alle gemeinsam: Sie enthalten Firmen, die von weltweit steigenden Verteidigungsausgaben profitieren. Die Anleger allerdings sind bei der Beurteilung dieser Rüstungsfirmen kritischer geworden. Denn nicht jede politische Ankündigung wird auch zu einem neuen Auftrag. Daher entwickeln sich auch die Kurse der Rüstungs-ETFs weniger dynamisch.

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Ohne Waffen investieren: Das bieten Friedens-ETFs

Das Portal für nachhaltige Geldanlage Ecoreporter hat ETFs ausfindig gemacht, die ganz oder größtenteils auf Waffen und Rüstung verzichten. Das ist nicht immer einfach. Denn die Geschäfte rund um Krieg und Verteidigung umfassen ein breites Spektrum „vom Atomsprengkopf über Munition bis hin zum Sensor für Raketen“, heißt es bei Ecoreporter.

Generell ausgeschlossen sind bei nachhaltigen ETFs geächtete Waffen wie Streubomben. Bei „normalen“ Waffen wie Pistolen oder Gewehren ist das nicht immer so. Der Ausschluss von „Rüstung“ ist darüber hinaus bei den meisten Fonds gleichbedeutend mit Produkten oder Dienstleistungen, die speziell für militärische Waffensysteme gedacht sind. Nicht ausgeschlossen sind dagegen oft „normale“ Produkte, die in Rüstungsgütern verwendet werden – etwa Halbleiter. Einige ETFs beschränken deshalb Unternehmen mit Militärverträgen. Die Tabelle zeigt eine Auswahl von ETFs, die auf Waffen und Rüstung verzichten.

So schneiden Friedens-ETFs ab

ETF (ISIN)

Performance
2026

Performance
1 Jahr

Performance
3 Jahre

Kosten

Deka Euro Prime ESG (DE000ETFL474)

16,78%

35,62%

100,86%

0,50%

Vanguard ESG Global All Cap (IE00BNG8L278)

14,21%

23,21%

60,74%

0,26%

Invesco MSCI Europe Catholic Principles (IE00BG0NY640)

13,27%

23,71%

49,84%

0,34%

Umweltbank Global SDG Focus (LU2679277744)

15,45%

22,03%

1,04%

Xtrackers MSCI World ESG (IE00BZ02LR44)

10,96%

18,61%

59,78%

0,22%

Zum Vergleich:
Vanguard FTSE All World (IE00BK5BQT80)

14,41%

23,37%

62,21%

0,17%

Quelle: Ecoreporter, fondsweb; Performance in Euro, NAV-Kurse vom 03./04.08.2026

Am konsequentesten beim Ausschluss sind der Umweltbank-ETF und der Invesco MSCI Europe Catholic Principles. Bei ihnen sind Waffen und Rüstung komplett tabu. Der ETF von Deka schließt Waffen komplett, Rüstung bis zu einem Anteil von maximal fünf Prozent aus. Beim Xtrackers-ETF gelten maximal fünf Prozent für Waffen und Rüstung. Ein Sonderfall ist der Fonds von Vanguard: Der nachhaltige ETF schließt Waffen vollständig aus, schränkt Rüstung im weiteren Sinne aber nicht ein. In dem sehr breit aufgestellten, nachhaltigen Welt-ETF sind allerdings auch mehr als 5.500 Unternehmen enthalten. 

 

Rüstungs- oder Friedens-ETF: Wer liegt vorne?

Eine eindeutige Antwort gibt es darauf nicht. Als Gruppe genommen stehen die Friedens-ETFs auf Sicht von zwölf Monaten besser da: Die Spannbreite ihrer Performance ist deutlich geringer. Bei den Rüstungs-ETFs gibt es dagegen klare Ausreißer nach oben und unten (siehe Grafik unten).

Das spiegelt auch die Unterschiede in der Zusammensetzung der ETFs wider: Wer beim Thema Rüstung auf kleine, innovative Firmen gesetzt hat, hat auf einen Zeitraum von einem Jahr ein Renditeplus eingefahren. Wer dagegen die „Rüstungs-Klassiker“ gewählt hat, hinkt bei der Performance deutlich hinterher.

Rüstungs- und Friedens-ETFs im Vergleich

Performance über ein Jahr in Prozent (rot - Rüstung, blau - Frieden)
Quelle: Ecoreporter, fondsweb; Performance in Euro, NAV-Kurse vom 03./04.08.2026

Auf drei Jahre gesehen ist das Bild eindeutig: Die Rüstungs-ETFs, die es schon so lange gibt, schlagen die Friedens-ETFs klar. Ein Grund dafür ist die Rüstungs-Euphorie, die viele Anlegerinnen und Anleger spätestens ab 2024 erfasst hat.

An die längerfristige Rendite der Rüstungs-ETFs reichen die Friedens-Fonds also nicht heran. Anlegerinnen und Anleger, die auf nachhaltige ETFs ohne Waffen und Rüstung setzen, haben damit zwar auf Performance verzichtet. Sie dürften aber in der Regel ohnehin keine Rüstungs-ETFs kaufen. UNd die Performance einiger Friedens-ETFs kann sich durchaus sehen lassen – insbesondere im Vergleich zu einem breit streuenden Welt-Index auf den FTSE All World (Tabelle oben).

Umgekehrt gilt für Rüstungs-ETFs: Sie haben keine eingebaute Renditegarantie mehr. Anlegerinnen und Anleger sollten genau hinschauen, welche Schwerpunkte der jeweilige Indexfonds setzt. Denn die Branche ist im Wandel. Hinzu kommt: Rüstung ist trotz steigender Verteidigungsausgaben ein Spezialthema. Ein Rüstungs-ETF kann nur eine Ergänzung sein zu einem breit streuenden Welt-ETF.

Über den Redakteur Andreas Jalsovec

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Hat als Redakteur in mehreren (Wirtschafts-) Redaktionen gearbeitet – unter anderem beim Anlegermagazin Börse Online, bei der Münchner Abendzeitung, der Schwäbischen Zeitung und der Nachrichtenagentur epd. Der promovierte Ökonom schreibt vor allem über Anleger- und Verbraucherthemen. Vor seinem Wechsel zu Biallo.de war er für die Wirtschaftsredaktion der Süddeutschen Zeitung tätig.

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