Banking

Commerzbank schlägt zurück – was die gestrige Hauptversammlung für Ihr Girokonto bedeutet

David Kotzmann
Redakteur
Veröffentlicht am: 21.05.2026
Commerzbank-HV 2026: Rekord-Dividende, 0,0059 % Annahmequote bei Unicredit. Was sich für Girokonto-Kunden jetzt ändert – und was nicht.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Lediglich 0,0059 Prozent der Commerzbank-Aktien wurden bisher im Rahmen des Unicredit-Übernahmeangebots angedient. Kaum ein Aktionär nimmt das Angebot an. Gestern (20. Mai), auf der Hauptversammlung in Wiesbaden, hat die Commerzbank dieses Signal noch einmal verstärkt – mit einer fast einstimmigen Abstimmung für eine Rekord-Dividende und einem klaren Bekenntnis zur Eigenständigkeit. Was das für über elf Millionen Girokonto-Kunden bedeutet, und wie es jetzt weitergeht. 

Was gestern auf der Hauptversammlung entschieden wurde

Die Stimmung in Wiesbaden war eindeutig. Vor dem RheinMain Congress Center demonstrierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit „Unicredit go away"-Transparenten – Unicredit-Chef Andrea Orcel glänzte durch Abwesenheit. Im Saal selbst stimmten die Aktionäre mit 99,88 Prozent für eine Dividende von 1,10 Euro je Aktie für das Geschäftsjahr 2025 – beinahe doppelt so viel wie im Vorjahr (0,65 Euro). Ein bewusstes Signal: Die Commerzbank zahlt, was sie kann, und zeigt, dass sie ohne die Unicredit erfolgreich sein kann.

Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp machte in ihrer Rede deutlich, worum es geht. Das Unicredit-Angebot sei „ein Restrukturierungsvorschlag, der massiv in unser bewährtes Geschäftsmodell eingreifen würde". Aufsichtsratschef Jens Weidmann warnte die Aktionäre vor konkreten Risiken einer Übernahme: erhöhtes Exposure gegenüber italienischen Staatsanleihen, eine höhere Quote notleidender Kredite und ein signifikantes Russlandgeschäft auf Unicredit-Seite. Im Falle einer Übernahme würden diese Risiken auch die Commerzbank-Aktionäre betreffen. Daneben bestätigten die Aktionäre die Strategie „Momentum 2030" – die Commerzbank peilt bis 2030 eine Nettoeigenkapitalrendite von 21 Prozent an und hat ihr Gewinnziel für 2026 auf mindestens 3,4 Milliarden Euro angehoben.

Der aktuelle Stand im Übernahme-Kampf

Unicredit hält direkt 29,99 Prozent der Commerzbank-Aktien. Über zusätzliche Derivate kommt die italienische Großbank auf einen wirtschaftlichen Anteil von knapp 40 Prozent – das bedeutet: Unicredit profitiert wirtschaftlich bereits von einer deutlichen Beteiligung, hat aber formal noch keine Stimmrechtsmehrheit. Trotzdem bleibt das eigentliche Übernahmeangebot ein Flop: Nur 0,0059 Prozent der Aktien wurden bisher angedient (Stand 12. Mai).

Der Grund ist offensichtlich. Das Angebot sieht 0,485 Unicredit-Aktien je Commerzbank-Aktie vor – das entspricht derzeit rund 31 Euro je Aktie. Die Commerzbank-Aktie notiert heute jedoch bei rund 36 Euro. Kein rational handelnder Aktionär gibt seine Aktien zu einem Preis ab, der deutlich unter dem aktuellen Börsenwert liegt. Unicredit hat bislang keine Nachbesserung angekündigt. 

Die entscheidenden Daten für die nächsten Wochen 

Am 3. Juli 2026 endet die erweiterte Annahmefrist – dann steht das Ergebnis fest. Drei Szenarien sind denkbar. 

Szenario A – Scheitern: Unicredit erhält nicht genug Aktien, das Angebot scheitert, die Commerzbank bleibt eigenständig. Angesichts der aktuellen Annahmequote ist das das wahrscheinlichste Szenario. 

Szenario B – Nachbesserung: Unicredit erhöht das Angebot, um mehr Aktionäre zu überzeugen. Das würde eine neue Annahmefrist auslösen und den Prozess verlängern. 

Szenario C – Schleichende Übernahme: Unicredit scheitert formal, bleibt aber mit knapp 30 Prozent größter Einzelaktionär und übt dauerhaft Druck auf die Commerzbank aus – ohne formale Mehrheit. Ein unbequemes Patt.

Was sich für Girokonto-Kunden ändert

Die kurze Antwort: nichts. Girokonto, Karte, Onlinebanking und alle laufenden Verträge laufen vollständig unverändert weiter. Auch Comdirect-Kundinnen und -Kunden sind nicht betroffen – die Tochtergesellschaft läuft normal weiter.

Wer jedoch sowohl bei der Commerzbank als auch bei der HVB – ebenfalls eine Unicredit-Tochter – Guthaben von insgesamt über 100.000 Euro hält, sollte die Verteilung seiner Einlagen im Blick behalten. Bei einer rechtlichen Fusion würde die gesetzliche Einlagensicherungsgrenze für beide Konten zusammen gelten. Wer betroffen ist, sollte rechtzeitig handeln. 

Fazit: Starkes Signal – aber die Entscheidung fällt erst am 3. Juli

Die gestrige Hauptversammlung war ein klares Bekenntnis zur Eigenständigkeit. Die Commerzbank kämpft mit Rückendeckung ihrer Aktionäre, starken Quartalszahlen und einer Rekord-Dividende. Unicredit dagegen steht mit einer Annahmequote von 0,0059 Prozent und einem Angebot, das deutlich unter dem Börsenwert liegt, unter erheblichem Druck. Die nächsten Wochen bis zum 3. Juli werden zeigen, ob Unicredit nachbessert – oder das Angebot still und leise scheitert. biallo.de berichtet weiter.

Für Girokonto-Kunden gilt bis dahin: Ruhe bewahren, Entwicklungen beobachten, nicht vorschnell handeln. Wer den Trubel zum Anlass nehmen möchte, sein Girokonto zu überdenken, findet im biallo.de-Girokonto-Vergleich kostenlose Alternativen – darunter ein Angebot der Comdirect mit bis zu 250 Euro Wechselprämie, noch bis zum 2. Juni 2026. 

FAQ – Häufig gestellte Fragen

Ist mein Geld bei der Commerzbank noch sicher?

Ja. Unabhängig vom Ausgang der Übernahme gilt die gesetzliche EU-Einlagensicherung von 100.000 Euro pro Kunde und Bank. Wer gleichzeitig Guthaben bei der HVB hält, sollte die Gesamtsumme im Blick behalten.

Was passiert, wenn Unicredit das Angebot nachbessert?

Dann beginnt eine neue Annahmefrist. Für Girokonto-Kunden ändert sich dadurch nichts – die Konten laufen in jedem Fall normal weiter.

Wann steht das endgültige Ergebnis fest?

Spätestens nach dem 3. Juli 2026, wenn die erweiterte Annahmefrist endet.

Sollte ich mein Commerzbank-Konto jetzt kündigen?

Nein. Es besteht aktuell kein Handlungsbedarf. Wer ohnehin über einen Wechsel nachdenkt, findet derzeit gute Prämienkonditionen bei mehreren Direktbanken.

Was passiert mit meinem Comdirect-Konto?

Comdirect läuft als Tochtergesellschaft der Commerzbank unverändert weiter – daran ändert das Übernahmeangebot nichts.

Über den Redakteur David Kotzmann

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David Kotzmann, Jahrgang 1994, kommt eigentlich aus dem Bereich Export Sales. Während eines mehrjährigen Auslandsaufenthalts war er unter anderen als freiberuflicher Blogautor in der Reisetouristikbranche tätig. Seit Anfang 2021 ist David im Team von biallo.de. Über die letzten Jahre konnte er sich ein umfangreiches Wissen in den Bereichen Wirtschaft und Finanzen aneignen. Er schreibt vor allem Artikel in den Ressorts Kreditkarten, Girokonten und Produkttests. Außerdem ist er für das Content editing verantwortlich.

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