Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Lediglich 0,0059 Prozent der Commerzbank-Aktien wurden bisher im Rahmen des Unicredit-Übernahmeangebots angedient. Kaum ein Aktionär nimmt das Angebot an. Gestern (20. Mai), auf der Hauptversammlung in Wiesbaden, hat die Commerzbank dieses Signal noch einmal verstärkt – mit einer fast einstimmigen Abstimmung für eine Rekord-Dividende und einem klaren Bekenntnis zur Eigenständigkeit. Was das für über elf Millionen Girokonto-Kunden bedeutet, und wie es jetzt weitergeht.
Was gestern auf der Hauptversammlung entschieden wurde
Die Stimmung in Wiesbaden war eindeutig. Vor dem RheinMain Congress Center demonstrierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit „Unicredit go away"-Transparenten – Unicredit-Chef Andrea Orcel glänzte durch Abwesenheit. Im Saal selbst stimmten die Aktionäre mit 99,88 Prozent für eine Dividende von 1,10 Euro je Aktie für das Geschäftsjahr 2025 – beinahe doppelt so viel wie im Vorjahr (0,65 Euro). Ein bewusstes Signal: Die Commerzbank zahlt, was sie kann, und zeigt, dass sie ohne die Unicredit erfolgreich sein kann.
Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp machte in ihrer Rede deutlich, worum es geht. Das Unicredit-Angebot sei „ein Restrukturierungsvorschlag, der massiv in unser bewährtes Geschäftsmodell eingreifen würde". Aufsichtsratschef Jens Weidmann warnte die Aktionäre vor konkreten Risiken einer Übernahme: erhöhtes Exposure gegenüber italienischen Staatsanleihen, eine höhere Quote notleidender Kredite und ein signifikantes Russlandgeschäft auf Unicredit-Seite. Im Falle einer Übernahme würden diese Risiken auch die Commerzbank-Aktionäre betreffen. Daneben bestätigten die Aktionäre die Strategie „Momentum 2030" – die Commerzbank peilt bis 2030 eine Nettoeigenkapitalrendite von 21 Prozent an und hat ihr Gewinnziel für 2026 auf mindestens 3,4 Milliarden Euro angehoben.


