Wie es zum Zinsrennen kam
Der Einlagensatz der EZB liegt seit Juni 2025 stabil bei 2,00 Prozent – eigentlich würde man erwarten, dass auch die Tagesgeldzinsen flach bleiben. Doch das Gegenteil ist der Fall: Die Zinsen der besten Anbieter haben ein 15-Monats-Hoch erreicht und liegen seit mehreren Monaten über 3,00 Prozent.
Dahinter stecken drei Mechanismen. Erstens: Mehrere internationale Banken sind in den vergangenen Monaten mit Tagesgeldangeboten in Deutschland gestartet – und traten mit aggressiven Konditionen an. Die etablierten Anbieter zogen nach, und innerhalb weniger Wochen entstand eine Zinsdynamik, die so kaum jemand erwartet hatte. Frisches Kapital ist für Banken attraktiv, und befristete Neukundenangebote sind zur wichtigsten Waffe im Kampf um Einlagen geworden.
Zweitens: Der "Zinskrieg" findet fast ausschließlich im Neukunden-Segment statt. Laut biallo-Index liegen die durchschnittlichen Tagesgeldzinsen in Deutschland weiterhin bei rund 1,53 Prozent – während Aktionsangebote für Neukunden bis zu 3,50 Prozent erreichen. Die Schere zwischen Aktions- und Standardzins war selten so groß wie heute.
Und drittens: Nach der EZB-Zinsentscheidung vom 30. April 2026 rechnen Experten vorerst nicht mit weiteren Senkungen. Das gibt den Banken Planungssicherheit – und den Spielraum, noch aggressiver um Neukunden zu werben.