biallo-Zinsbarometer

Banken sehen steigende Sparzinsen noch bis Jahresende

Rudolf Krux
Redakteur
Aktualisiert am: 15.07.2026

Auf einen Blick

  • biallo hat die wichtigsten deutschen Banken für Tages- und Festgeld nach der künftigen Zinsentwicklung gefragt.
  • Für dieses Jahr rechnen die Banken mit weiter steigenden Zinsen. Für 2027 sind die Aussichten deutlich schlechter.
  • Außergewöhnlich viel Einfluss auf die Sparzinsen scheinen derzeit der Wettbewerb und die Weltpolitik zu haben.
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Das biallo-Zinsbarometer deutet für dieses Jahr weiter steigende Sparzinsen an. Bereits für 2027 trübt sich der Ausblick aber deutlich ein.

Wie lange werden die Sparzinsen noch steigen? Um das besser einschätzen zu können, hat biallo diejenigen gefragt, die es am ehesten wissen dürften: die großen Banken für Tagesgeld und Festgeld in Deutschland. Ihre Antworten zeigen einen klaren Trend und liefern auch Gründe dafür. Wie sich die Sparzinsen nach Meinung der Banken bis Mitte 2027 entwickeln dürften und was sie derzeit bewegt, lesen Sie hier.

Steigende Zinsen (nur) bis Jahresende – das Zinsbarometer

Für dieses Jahr rechnen die großen Banken tendenziell noch mit steigenden Zinsen, danach aber geht die Einschätzung in den neutralen Bereich. Das zeigt das biallo-Zinsbarometer, das die Bank-Einschätzungen zusammenfasst:

Biallo-Zinsbarometer 2026

Das Stimmungsbild ergibt sich aus einer Bankenauswahl, die die Anbietervielfalt bei Tages- und Festgeld widerspiegelt. Enthalten sind Einschätzungen großer Sparkassen (Haspa, Kreissparkasse Köln), Genossenschaftsbanken (BBBank, Berliner Volksbank, Frankfurter Volksbank), Filialbanken (Deutsche Bank, Hypovereinsbank, Santander) und Direktbanken (ING, Volkswagen Bank, Consorsbank, Meine Bank, Chase).

Zinsgipfel scheint absehbar

Während die Banken für den weiteren Jahresverlauf eher mit weiter steigenden als mit gleichbleibenden oder sinkenden Zinsen rechnen, erscheint der Gipfel des aktuellen Anstiegs bereits absehbar. Für den Anfang 2027 rechnet keine einzige der an der Befragung beteiligten Banken mehr mit einer Fortsetzung. Eine geht sogar von wieder sinkenden Zinsen aus. Grund dafür dürfte sein, dass bei einer Entspannung in Nahost die Inflation in Europa schnell wieder abnehmen könnte. Die ING bringt das mit ihrer Einschätzung auf den Punkt:

„Sollte die Inflation im kommenden Jahr weiter zurückgehen, könnte die EZB die Zinserhöhungen zügig wieder zurücknehmen. Dies würde sich dann voraussichtlich auch in sinkenden Sparzinsen widerspiegeln.“
ING, Sebastian Göb (External Communication CoE Communication & Brand Experience)

 

Die unsichere Entwicklung macht Prognosen aber überaus schwierig. Das hat etwa die Volkswagen Bank dazu gebracht, sich einer Zinsprognose gänzlich zu enthalten:

„Diese Entwicklungen lassen sich nach unserer Einschätzung nicht seriös voraussagen, insbesondere nicht unter den aktuellen volatilen ökonomischen Gegebenheiten.“
Volkswagen Financial Services, Stefan Voges (Leiter Externe Kommunikation/Pressesprecher)

 

Wettbewerb und Weltpolitik bewegen die Zinsen

Die Sparzinsen reagieren vor allem auf die Leitzinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) und deren mutmaßliche Entwicklung. Daneben gibt es aber stets weitere Faktoren. Bei den von biallo befragten Banken tauchen derzeit vor allem zwei Themen immer wieder auf. Das erste davon ist die Weltpolitik. Dabei geht es längst nicht nur um die Lage in Nahost, wie wir bei der Hypovereinsbank erfahren:

„Geopolitische Unsicherheiten, etwa durch internationale Konflikte oder Handelsstreitigkeiten, erhöhen die Unsicherheit an den Finanzmärkten und wirken sich auf die Zinserwartungen aus.“
HypoVereinsbank, Christian Reitinger (Leiter Daily Banking, Privatkundengeschäft)

 

Der Iran-Konflikt und dessen Auswirkung auf die Energiepreise hierzulande dürften aber den größten Einfluss auf die Inflation und damit auch die Zinserwartungen haben. Hierzu die Hamburger Sparkasse (Haspa):

„Entscheidend für den weiteren Inflationsausblick werden zwei Dinge sein, erstens: Wie stabil ist das Abkommen zur Öffnung der Straße von Hormus? Zweitens: Wie sehr ist nach drei Monaten erhöhter Ölpreise mit Zweitrundeneffekten – also einer Übertragung des Energiepreisschocks auf andere Güter und Dienstleistungen sowie auf Löhne und Gehälter – zu rechnen?“
Haspa, André Grunert (Media Relations Pressesprecher)

 

Wie unsicher der Ausblick ist, zeigt sich an solchen Aussagen besonders. Schließlich hat sich die Lage in der Straße von Hormus schon in der kurzen Zeit nach der Befragung wieder verändert – und könnte das auch in den kommenden Wochen immer wieder tun.

Daneben scheint auch der veränderte Wettbewerb die Sparzinsen außergewöhnlich zu beeinflussen. Dazu dürfte dieses Jahr besonders der Markteintritt der zu J.P. Morgan gehörenden Marke Chase auf dem deutschen Markt beitragen. Jan Schildbach, Volkswirt bei Deutsche Bank Research, nennt es "steigender Wettbewerb durch Markteintritt ausländischer Banken". Auch die zur Volksbank Mittelhessen gehörende Meine Bank geht hierauf ein:

„Ein derzeit dynamischer Wettbewerb hat einen merklichen Einfluss auf die Entwicklung der Zinsen. Neue Mitbewerber wollen auf dem deutschen Markt Fuß fassen und bringen dabei zumindest kurzfristig Bewegung in den Markt.“
Meine Bank, Marina Fleischhauer (Bereichsleiterin)

 

So legen Sie jetzt richtig an

Das biallo-Zinsbarometer zeigt, dass es in den kommenden Monaten bei den Sparzinsen weiter aufwärts gehen kann. Wenn Banken mit steigenden Zinsen rechnen, werden sie sich darauf einstellen und womöglich weitere Zinserhöhungen vorbereiten. Der Blick auf Anfang 2027 zeigt allerdings, dass die aktuelle Entwicklung nicht lange anhalten muss. Das könnte mit erklären, warum es gerade bei langlaufenden Festgeldern aktuell vergleichsweise wenig Bewegung gibt. Der Zinsvorteil gegenüber kurzen Laufzeiten ist zuletzt gesunken, wie der biallo-Index zeigt.

Beim Tagesgeldvergleich sollten Sie in den kommenden Monaten also nicht nur auf die Höhe der Zinsen, sondern zunehmend auch auf die Dauer der Zinsgarantie achten. Beim Festgeld gilt: Wer sich länger bindet, kann sich gegen einen möglichen Rückgang der marktüblichen Zinsen im kommenden Jahr absichern. Eine Treppenstrategie hilft außerdem, sich generell unabhängiger von kurzfristigen Schwankungen und den Unwägbarkeiten der Weltlage aufzustellen.

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Sämtliche Angaben ohne Gewähr. Datenstand 15.07.2026
Schreibt seit etlichen Jahren schwerpunktmäßig über das Thema Geldanlage mit all seinen Facetten. In der Vergangenheit arbeitete er als (Finanz-) Redakteur für verschiedene Websites und Blogs (unter anderem für Check24 und Utopia.de). Seine Leser möchte er vor allem darin unterstützen, wichtige Anlageentscheidungen selbstständig zu treffen.

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