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Das biallo-Zinsbarometer deutet für dieses Jahr weiter steigende Sparzinsen an. Bereits für 2027 trübt sich der Ausblick aber deutlich ein.
Wie lange werden die Sparzinsen noch steigen? Um das besser einschätzen zu können, hat biallo diejenigen gefragt, die es am ehesten wissen dürften: die großen Banken für Tagesgeld und Festgeld in Deutschland. Ihre Antworten zeigen einen klaren Trend und liefern auch Gründe dafür. Wie sich die Sparzinsen nach Meinung der Banken bis Mitte 2027 entwickeln dürften und was sie derzeit bewegt, lesen Sie hier.
Für dieses Jahr rechnen die großen Banken tendenziell noch mit steigenden Zinsen, danach aber geht die Einschätzung in den neutralen Bereich. Das zeigt das biallo-Zinsbarometer, das die Bank-Einschätzungen zusammenfasst:

Das Stimmungsbild ergibt sich aus einer Bankenauswahl, die die Anbietervielfalt bei Tages- und Festgeld widerspiegelt. Enthalten sind Einschätzungen großer Sparkassen (Haspa, Kreissparkasse Köln), Genossenschaftsbanken (BBBank, Berliner Volksbank, Frankfurter Volksbank), Filialbanken (Deutsche Bank, Hypovereinsbank, Santander) und Direktbanken (ING, Volkswagen Bank, Consorsbank, Meine Bank, Chase).
Während die Banken für den weiteren Jahresverlauf eher mit weiter steigenden als mit gleichbleibenden oder sinkenden Zinsen rechnen, erscheint der Gipfel des aktuellen Anstiegs bereits absehbar. Für den Anfang 2027 rechnet keine einzige der an der Befragung beteiligten Banken mehr mit einer Fortsetzung. Eine geht sogar von wieder sinkenden Zinsen aus. Grund dafür dürfte sein, dass bei einer Entspannung in Nahost die Inflation in Europa schnell wieder abnehmen könnte. Die ING bringt das mit ihrer Einschätzung auf den Punkt:
Die unsichere Entwicklung macht Prognosen aber überaus schwierig. Das hat etwa die Volkswagen Bank dazu gebracht, sich einer Zinsprognose gänzlich zu enthalten:
Die Sparzinsen reagieren vor allem auf die Leitzinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) und deren mutmaßliche Entwicklung. Daneben gibt es aber stets weitere Faktoren. Bei den von biallo befragten Banken tauchen derzeit vor allem zwei Themen immer wieder auf. Das erste davon ist die Weltpolitik. Dabei geht es längst nicht nur um die Lage in Nahost, wie wir bei der Hypovereinsbank erfahren:
Der Iran-Konflikt und dessen Auswirkung auf die Energiepreise hierzulande dürften aber den größten Einfluss auf die Inflation und damit auch die Zinserwartungen haben. Hierzu die Hamburger Sparkasse (Haspa):
Wie unsicher der Ausblick ist, zeigt sich an solchen Aussagen besonders. Schließlich hat sich die Lage in der Straße von Hormus schon in der kurzen Zeit nach der Befragung wieder verändert – und könnte das auch in den kommenden Wochen immer wieder tun.
Daneben scheint auch der veränderte Wettbewerb die Sparzinsen außergewöhnlich zu beeinflussen. Dazu dürfte dieses Jahr besonders der Markteintritt der zu J.P. Morgan gehörenden Marke Chase auf dem deutschen Markt beitragen. Jan Schildbach, Volkswirt bei Deutsche Bank Research, nennt es "steigender Wettbewerb durch Markteintritt ausländischer Banken". Auch die zur Volksbank Mittelhessen gehörende Meine Bank geht hierauf ein:
Das biallo-Zinsbarometer zeigt, dass es in den kommenden Monaten bei den Sparzinsen weiter aufwärts gehen kann. Wenn Banken mit steigenden Zinsen rechnen, werden sie sich darauf einstellen und womöglich weitere Zinserhöhungen vorbereiten. Der Blick auf Anfang 2027 zeigt allerdings, dass die aktuelle Entwicklung nicht lange anhalten muss. Das könnte mit erklären, warum es gerade bei langlaufenden Festgeldern aktuell vergleichsweise wenig Bewegung gibt. Der Zinsvorteil gegenüber kurzen Laufzeiten ist zuletzt gesunken, wie der biallo-Index zeigt.
Beim Tagesgeldvergleich sollten Sie in den kommenden Monaten also nicht nur auf die Höhe der Zinsen, sondern zunehmend auch auf die Dauer der Zinsgarantie achten. Beim Festgeld gilt: Wer sich länger bindet, kann sich gegen einen möglichen Rückgang der marktüblichen Zinsen im kommenden Jahr absichern. Eine Treppenstrategie hilft außerdem, sich generell unabhängiger von kurzfristigen Schwankungen und den Unwägbarkeiten der Weltlage aufzustellen.
biallo hat zwischen 02. und 09. Juli rund 20 deutsche Banken nach ihrer Einschätzung zur Entwicklung der Sparzinsen und den derzeit wichtigsten außergewöhnlichen Einflussfaktoren dafür befragt. Ausgewählt wurden die Banken nach qualitativen (Marktbedeutung) und quantitativen Kriterien (Bilanzsumme). Die 13 uns zugestellten Einschätzungen zur Zinsentwicklung wurden für das Zinsbarometer quantitativ ausgewertet. Der Zeigerausschlag ergibt sich aus dem Anteil "steigend" minus dem Anteil "sinkend" ohne Enthaltungen.

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