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Deutschland- Basiszins: 2,00%
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Mehr als ein Dutzend Krankenkassen, Kassenärztliche Vereinigungen und Versorgungswerke haben mit Immobilieninvestments bereits viel Geld verloren. Jetzt ist es die fünftgrößte Sterbekasse Deutschlands, der Bochumer Versicherungsvereins auf Gegenseitigkeit, in eine finanzielle Schieflage geraten. Das trifft auch Versicherte.
Sie haben jahrzehntelang regelmäßig ihre Beiträge bezahlt, in der Regel ein paar Euro im Jahr, damit nach ihrem Tod Geld für eine Beerdigung da ist und ihre Angehörigen nicht für die Kosten aufkommen müssen. Doch jetzt haben die 120.000 Mitglieder des Bochumer Versicherungsvereins auf Gegenseitigkeit (BVaG) Angst um ihr Geld, das der Verein im Todesfall zahlen soll. Der Grund: Die Sterbekasse hat sich verspekuliert. Deshalb musste die deutsche Finanzaufsicht BaFin dem BVaG die Lizenz entziehen. Die Sterbekasse darf nun keine neuen Versicherungsverträge mehr abschließen. Bestehende Verträge werden laut BaFin zwar fortgeführt, es seien jedoch mit Genehmigung der Finanzaufsicht "Leistungskürzungen möglich", teilte die Behörde mit.
Der BVaG, gegründet von Mitgliedern der Montanindustrie (Bergbau, Kohle, Eisen, Stahl), hat etwa 120.000 Mitglieder. Diese haben bei dem traditionsreichen Verein eine Sterbegeldversicherung abgeschlossen. Stirbt ein Mitglied, wird den Verbliebenen eine festgelegte Summe ausbezahlt, mit der diese ihr Begräbnis bezahlen können.
Nun aber weist der BVaG nach Angaben der BaFin einen Fehlbetrag auf – "auf Grund von Abschreibungen auf immobilienbezogene Kapitalanlagen". Dieser Fehlbetrag sei "nicht durch Eigenkapital gedeckt". Es liege bislang auch kein "Finanzierungsplan zur Beseitigung dieser Unterdeckung" vor. Deshalb gehe das Unternehmen nun in die Abwicklung über.
Informationen des Wirtschaftsmagazins "Capital" zufolge soll es um Abschreibungen in Höhe von etwa 30 Millionen Euro gehen. Der Fehlbetrag soll durch Immobilieninvestments entstanden sein. Wie Capital weiter berichtet, soll die Sterbekasse unter anderem über Fonds Kundengeld in Pflegeheime gesteckt und in Immobilienfonds investiert haben. Diese Anlagen seien jedoch in "massive Schwierigkeiten" geraten.
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Der Niedergang der Sterbekasse ist damit der nächste Fall eines institutionellen Investors, der sich mit dem Geld der Versicherten beziehungsweise seiner Mitglieder verspekuliert hat. Recherchen von Süddeutscher Zeitung (SZ), NDR und WDR ergaben: Offenbar investierten allein 28 Krankenkassen und Kassenärztliche Vereinigung über ein spezielles Finanzprodukt in zwei Immobilienfonds mehr als 500 Millionen Euro an Beitragsgeld. "Weil die Fonds später in Schieflage gerieten, dürfte das investierte Beitragsgeld größtenteils verloren sein", berichtete die SZ. Laut dem Bericht wurden 17 Krankenkassen und Kassenärztliche Vereinigungen konkret identifiziert, die in die Fonds investiert hatten.
Zu den betroffenen Krankenkassen zählen den Recherchen zufolge die KKH, Pronova BKK und BKK Gildemeister Seidensticker sowie die Novitas BKK, die MKK Meine Krankenkasse und die IKK Südwest. Ebenfalls Geld verloren haben laut den Recherchen die AOK Bremen, die Bahn BKK, die BKK Pfalz, die Siemens BKK und die Viactiv Krankenkassen. Dabei hätte dies eigentlich gar nicht passieren dürfen. Krankenkassen unterliegen nämlich strengen Auflagen, wenn es um das Geld der Beitragszahler geht. So muss eine Krankenkasse ihr Geld möglichst risikoarm investieren, sodass ein Verlust ausgeschlossen erscheint, ein angemessener Ertrag erzielt wird und trotzdem ausreichend Liquidität gewährleistet ist, wie dies zum Beispiel für Privatanlegende mit Guthaben auf gut verzinsten Tagesgeldkonten möglich ist.
Zuvor war ans Licht gekommen, dass die Bayerische Versorgungskammer (BVK) mit Immobilien-Investments in den USA fast 700 Millionen verloren haben soll. Das Versorgungswerk der Berliner Zahnärzte hatte sogar mehr als eine Milliarde Euro bei hochriskanten Investments verloren – unter anderem mit Beteiligungen an Immobilien, aber auch an einer Garnelenfarm, an Luxushotels, einer Recyclinganlage in den USA und Start-ups.
Der Hintergrund: Viele institutionelle Investoren wie die verschiedenen Kassen hatten in der Niedrigzins- und Nullzinsphase in Immobilien investiert – in der Hoffnung, damit höhere Renditen zu erzielen als mit den damals gering verzinsten Staatsanleihen. Doch nach dem Anstieg der Bauzinsen und dem vorübergehenden Fall der Immobilienpreise entpuppten sich nicht wenige dieser Immobilien-Investments als Fehlinvestitionen.

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