Steigende EZB-Zinsen

Tagesgeld-Sparer profitieren kaum von der Zinswende

Rudolf Krux
Redakteur
Veröffentlicht am: 17.06.2026

Auf einen Blick

  • Die EZB hat ihre Einlagenzinsen heute auf 2,25 Prozent erhöht. Die Zinswende läuft aber eigentlich schon länger. Besonders beim Festgeld sind die Zinsen bereits deutlich gestiegen.
  • Beim Tagesgeld tut sich, abgesehen von immer höheren Schaufenster-Zinsen, aber bisher wenig.
  • Wie lange die Zinsen noch weiter steigen, ist unsicher. Anlegerinnen und Anleger tun gut daran, sich auch auf ein Ende des aktuellen Anstiegs vorzubereiten.
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Zinswende Tagesgeld

Bis zur heutigen Anpassung der EZB-Zinsen haben sich die Sparzinsen bereits deutlich nach oben bewegt. Tagesgeld-Sparer gehen aber meist noch leer aus.

Seit dem Beginn des Irankriegs Ende Februar und der davon ausgelösten Inflationswelle hat sich immer mehr die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Zinsen dieses Jahr noch steigen dürften. Heute hat die Europäische Zentralbank (EZB) ihre letzte Woche beschlossene Zinserhöhung umgesetzt. Wir zeigen, wer bisher von den steigenden Zinsen profitiert, wer nicht und warum Sie das Ende des Aufwärtstrends bereits einplanen sollten.

Bestandskunden profitieren bisher kaum

Besonders nach dem Markteintritt von Chase haben viele Banken ihre Neukundenangebote beim Tagesgeld aufgebessert. Mittlerweile werben bereits drei Anbieter mit vier Prozent Zinsen für ein paar Monate. Wer nicht wechselt, profitiert bisher oft nicht. Unter den überregionalen Banken haben bisher nur AKF Bank und Ford Money die heutige Zinserhöhung der EZB vollständig an ihre Kunden – in letzterem Fall vorab – durchgereicht (Stand: 17. Juni 2026, vormittags). Im Schnitt sind die Zinsen seit März nur 0,10 Prozentpunkte auf jetzt 1,34 Prozent gestiegen.   

Die Regionalbanken haben sich sogar noch weniger bewegt. Besonders geizig sind hier die Sparkassen, die ihren bestehenden Kunden nur durchschnittlich 0,42 Prozent aufs Tagesgeld zahlen. Bei den VR-Banken gab es immerhin einen geringen Zinsanstieg auf aktuell 0,48 Prozent.

Festgeldzinsen deutlich höher

Ganz anders sieht die Lage beim Festgeld aus. Hier haben die Banken ihre Zinsen längst mehrheitlich nach oben angepasst – vor allem bei den kurzen Laufzeiten. Beim einjährigen Festgeld werden drei Prozent und mehr Zinsen zunehmend zum Standard. Derart hohe Zinsen gab es vor einem Jahr selbst mit zehnjähriger Bindung kaum. Gegenüber März zahlen die überregionalen Banken im Durchschnitt jetzt 0,26 Prozentpunkte mehr.

Wie beim Tagesgeld fallen hier besonders Autobanken ins Auge: Stellantis Direktbank, Opel Direktbank und Volkswagen Bank haben zuletzt deutlich erhöht und allesamt die Drei-Prozent-Marke erreicht oder überschritten.

Das können Sie jetzt tun

Wenn in der Vergangenheit die Zinsen gestiegen sind, taten sie das oft über längere Zeiträume hinweg. Aber das ist nicht immer der Fall. Daher könnten die folgenden drei Tipps interessant für Sie sein.

Zinswende nicht überschätzen: Nach wie vor rechnen die meisten Marktbeobachter mit mindestens einer weiteren Zinserhöhung dieses Jahr. Die Prognosen der EZB deuten aber darauf hin, dass die Inflation schnell wieder sinkt. Dann wären auch sinkende Zinsen wieder möglich. Eine Stabilisierung der aktuellen Weltlage könnte außerdem dazu beitragen, dass die Prognosen nach unten korrigiert werden. Die Renditen für Staatsanleihen und Pfandbriefe bewegen sich derzeit am unteren Ende ihres Seitwärtstrends. Die Festgeldzinsen folgen diesen Kurven üblicherweise verzögert, weshalb es hier aktuell auch noch aufwärts geht. Dass sie noch lange steigen, ist aber nicht ausgemacht.

Festgeld vergleichen: In den kommenden Monaten könnten die Zinsen daher bereits einen vorläufigen Höhepunkt erreichen. Wann genau, ist nicht vorauszusagen. Das macht Festgeld – und hier vor allem die langfristigen Verträge – allmählich wieder interessanter. Wir raten dazu, diese immer mit kurzen Laufzeiten zu kombinieren, um sich Flexibilität zu wahren und Inflationsrisiken zu begrenzen. Auch hier gibt es jetzt wieder sehr ansehnliche Erträge.

Tagesgeld wechseln: Wenn Ihre Tagesgeldbank die EZB-Zinserhöhung auch in Zukunft nicht an Sie weitergibt, kann es sich lohnen, über einen Wechsel nachzudenken. Neukundenangebote mit drei Prozent und mehr sind längst keine Seltenheit mehr. Dazu gibt es einige Anbieter, die die EZB-Zinsen auch an bestehende Kunden weitgehend durchreichen. Die Ayvens Bank zum Beispiel oder die Renault Bank direkt haben zuletzt ihre Tagesgeldzinsen um knapp einen Viertel-Prozentpunkt angehoben und bezahlen ihre Bestandskunden mit 2,30 beziehungsweise 2,00 Prozent jetzt sehr ordentlich.

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Sämtliche Angaben ohne Gewähr. Datenstand 18.06.2026
Schreibt seit etlichen Jahren schwerpunktmäßig über das Thema Geldanlage mit all seinen Facetten. In der Vergangenheit arbeitete er als (Finanz-) Redakteur für verschiedene Websites und Blogs (unter anderem für Check24 und Utopia.de). Seine Leser möchte er vor allem darin unterstützen, wichtige Anlageentscheidungen selbstständig zu treffen.

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