Auf einen Blick
  • Die Bestseller-Autorin und Börsenmillionärin Beate Sander hat den Kampf gegen ihre schwere Krebskrankheit verloren. 

  • Der Nachwelt hinterlässt die 82-Jährige nicht nur mehr als 50 Börsen-Bücher und ihre eigens entwickelte „Hoch-Tief-Mut-Strategie“, sondern auch eine wichtige Botschaft.

Beate Sander erlag am 28. September im Alter von 82 Jahren ihrem Krebsleiden.
Foto: Nina Wellstein

„Nicht immer nur jammern, sondern einfach mal machen!“ – diesen Leitspruch verkörperte Beate Sander wie keine andere. Bis zuletzt ließ sich die Bestseller-Autorin ihre heftigen Schmerzen nicht anmerken, die sie wegen ihres schweren Krebsleidens heimsuchten. Tumore, die ihre Knochen zerfraßen, und solche, die auf die Nervenbahnen drückten. Trotz der unerträglichen Schmerzen, gegen die weder Morphin noch Opiate etwas ausrichten konnten, hatte Beate Sander stets ein Lächeln auf dem Gesicht – als würde sie ihre Schmerzen einfach weglächeln wollen.

Natürlich gab es auch viele qualvolle Nächte, als sie sich fragte: „Sollst du das noch irgendwie durchhalten?“ Doch all das war in den zahlreichen Interviews, die sie bis zuletzt gab, wie weggeblasen. „Möglichst noch jeden Tag ein Interview oder einen Auftritt, weil das die Stunden sind, wo du noch Freude hast“, sagte sich Sander, „weil ich dann auch so viel Adrenalin ausschütte, dass ich diese Stunden wenig Schmerzen habe und die regelrecht genieße!“

Mut, Ausdauer und viel Disziplin 

Ihr Mut, Ihre Zuversicht und Ihre Freude waren für viele Menschen, denen sie zu Wohlstand verhalf, ein Segen. Dabei hatte Sander alles andere als eine leichte Kindheit: Aufgewachsen im vom Krieg zerbombten Rostock und von der Mutter verschmäht, musste sie sich Anerkennung und Liebe immer wieder durch Leistungen „verdienen“: Sei es durch hervorragendes Klavierspielen oder indem sie als Kind den Haushalt schmiss. Als 13-Jährige blieb sie zunächst alleine in Rostock zurück, um die Hühner und Ziegen zu versorgen, damit niemand Verdacht schöpfte, weil die Eltern bereits nach West-Berlin geflohen waren. Sie machte sich dann ein paar Wochen später alleine mit dem Zug auf, um ihren Eltern zu folgen.

Dieser Mut, ihre Disziplin, Ausdauer und ihr Ehrgeiz sollten Beate Sander Jahrzehnte später schließlich zur Berühmtheit verhelfen. Dabei kaufte die „Börsen-Oma“ – wie Sander liebevoll genannt wurde – erst im Alter von 59 Jahren ihre erste Aktie. Aus einem Startkapital von damals umgerechnet 30.000 Euro sind in gut 20 Jahren fast drei Millionen Euro geworden. Ihrer sogenannten Hoch-Tief-Mut-Strategie sei Dank!

„Auf der Aktiva-Seite habe ich in den letzten drei Jahren Unglaubliches erreicht und auch unglaubliche Glücksgefühle gehabt“, sagte Sander vor zwei Wochen im großen Biallo-Interview. Dabei sah das Ganze vor zehn Jahren noch anders aus: Da war Beate Sander zwar bereits Bestseller-Autorin, ihre Fähigkeiten als Investorin wurden damals allerdings noch verkannt, wenn nicht sogar belächelt. Doch Beate Sander wäre nicht Beate Sander gewesen, wenn sie das nicht noch mehr angespornt hätte, ihre Hoch-Tief-Mut-Strategie zu verfeinern. 2012 schließlich schaffte sie die erste Börsenmillion, gut sechs Jahre später folgte die zweite – und die letzten Kritiker waren verstummt!

Beate Sander blieb stets bescheiden

All der Ruhm konnte nicht an Sanders Bescheidenheit rütteln. Ihre Wohnung blieb die gleiche, sogar ihre Möbel haben sich über die Jahrzehnte nicht verändert, obwohl sie sich längst eine teure Luxusvilla hätte kaufen können. Selbst als ihr Krebsleiden vor kurzem öffentlich wurde und sie täglich eine Flut von E-Mails dazu erhielt, antwortete die unermüdliche Sander: „Kommt, lasst mich meine Arbeit noch machen diese paar Tage oder noch Wochen!“

Ganz besonders hatte sich Sander neulich über ein kleines sechsjähriges Mädchen gefreut, das zu ihr meinte: „Ich möchte mal von Ihnen eingeladen werden, um einen Millionärshaushalt zu sehen.“ Da hatte sie der Kleinen mit einem Augenzwinkern zurückgeschrieben: „Lass das mal schön bleiben, wahrscheinlich lebst du in einer besseren Wohnung als ich, weil ich gar keinen Ehrgeiz hatte, mir meine Möbel neu zu gestalten.“

Ihre Bescheidenheit sticht umso mehr hervor, wenn man erkennt, wie sich Beate Sander für eine bessere Aktienkultur einsetzte, um anderen zu Wohlstand zu verhelfen. Im großen Biallo-Interview verabschiedete sich die „Börsen-Oma“ mit folgender Botschaft: „Ich möchte alle Anleger noch mal ganz herzlich bitten: Weg vom Sparbuch, hin zu Aktien! Spart vernünftig und baut euch ein schönes Vermögen auf!“





  Sebastian Schick

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