Mehr Rendite für Ihre Altersvorsorge – und das mit staatlicher Förderung? Genau das soll der neue Riester-Nachfolger möglich machen. Der Bundestag hat die Reform der privaten Altersvorsorge beschlossen und stellt das System grundlegend um. Für Millionen Sparer stellt sich jetzt die Frage: Lohnt sich der Wechsel?
Riester-Nachfolger beschlossen: Mehr Rendite für Ihre Altersvorsorge
Auf einen Blick
- Die Altersvorsorgereform bringt erstmals echte ETF-Investments in die staatlich geförderte Altersvorsorge.
- Sparer profitieren von höheren Zulagen und mehr Flexibilität bei der Auszahlung.
- Besonders für junge Anleger kann sich das neue Altersvorsorgedepot deutlich lohnen.
Biallo-Lesetipp:
Altersvorsorgedepot im Detail – So funktioniert der Riester-Nachfolger: Wie das neue Modell genau funktioniert, welche Regeln gelten und für wen es sich lohnt, lesen Sie im ausführlichen Ratgeber.
Was der Riester-Nachfolger jetzt konkret für Sie bedeutet
Ende März verabschiedete der Bundestag das Altersvorsorgereformgesetz. Die Reform betrifft Millionen Sparer in Deutschland und könnte die private Altersvorsorge grundlegend verändern.
Erst wenige Tage zuvor hatten sich die Koalitionäre auf entscheidende Änderungen verständigt. Kleinsparer erhalten höhere Zulagen, der Staat bietet künftig eine Fondslösung zur Altersvorsorge an, und der Kostendeckel für das geplante Standarddepot wurde auf ein Prozent gesenkt. Zudem sollen Selbstständige von der geförderten Altersvorsorge profitieren. Was sich ab 2027 ändert:
Altersvorsorgedepot: Warum ETFs jetzt für mehr Rendite sorgen
Ein neues Produkt soll mehr Rendite für die private Altersvorsorge (AV) bringen: das Altersvorsorgedepot. Beiträge und Zulagen können zu 100 Prozent in Aktien- und kostengünstige Indexfonds, Exchange Traded Funds (ETFs), fließen. Die im weltweiten Aktienindex MSCI World, der von vielen ETFs nachgebildet wird, enthaltenen Werte erwirtschafteten seit 1975 durchschnittlich acht Prozent Rendite pro Jahr – weit mehr als Riester-Policen, die Beiträge garantieren und Gelder konservativ anlegen müssen. Im Zeitverlauf kann der Wert im Depot aber schwanken. Auch Verluste sind möglich. Langfristig erzielten breit gestreute ETF-Investments aber immer positive Renditen. Verbraucherschützer empfehlen sie daher für die Altersvorsorge. Wie Exchange Traded Funds (ETFs) funktionieren, erklären wir in einem weiteren Ratgeber auf biallo.de.
Standarddepot und Staatsfonds: So will der Staat Ihre Rente verbessern
Für Börsenneulinge wird es ein Standarddepot mit zwei Fonds geben: einem, der Rendite bringt, und einem Sicherheitsbaustein. Auch der Staat plant ein Fondsangebot. Die Details will die Koalition in weiteren Beratungen klären. Den Kostendeckel für das Standarddepot hat sie gesenkt. Statt 1,5 Prozent darf die durchschnittliche Renditeminderung maximal ein Prozent pro Jahr kosten. Marten Larisch von der Verbraucherzentrale Bayern hofft, dass es für Sparer günstiger wird. Der schwedische Staatsfonds kommt mit nur 0,1 Prozent Kosten aus. Die Versicherer, bisher Platzhirsche der Altersvorsorge, bekommen jedenfalls Konkurrenz: Auch Direktbanken wie ING und Neobroker wie Scalable Capital und Smartbroker+, die mit kostenloser Depotführung und günstigen Sparplänen punkten, wollen Altersvorsorgedepots anbieten.
Versicherungen bleiben – aber warum sie jetzt unattraktiver werden
Garantieprodukte gibt es weiterhin: Wahlweise sind 80 oder 100 Prozent der eingezahlten Beiträge und Zulagen sicher. Dies erlaubt aber keine oder nur eine begrenzte Anlage in Wertpapiere. Auch gibt es keine Kostenobergrenze. Versicherer und Banken können weiter teure Verträge verkaufen. Verbraucherschützer Larisch rät daher von Garantiepolicen und fondsgebundenen Rentenversicherungen ab: „Die Kosten summieren sich schnell auf drei bis fünf Prozent. Dies geht direkt von der Rendite ab.“ Vorgaben gibt es nur für die Abschlusskosten: Versicherer dürfen diese nicht mehr in den ersten fünf Jahren abziehen, sondern müssen sie über die Laufzeit verteilen. Sparer können so leichter den Anbieter wechseln.
Wie viel Geld Sie jetzt vom Staat bekommen können
Künftig profitieren nicht nur Beschäftigte, sondern auch Selbstständige und Freiberufler von der geförderten Altersvorsorge. Die Höhe der Zulage hängt davon ab, wie viel Sie einzahlen. Die Förderung für Geringverdiener wurde noch einmal verbessert: Für Eigenbeiträge bis 360 Euro jährlich gibt es pro eingezahlten Euro 50 Cent, ab 361 bis 1.800 Euro 25 Cent dazu.
Wer ab 2027 monatlich 150 Euro in einen neuen privaten Altersvorsorgevertrag einzahlt, erhält bis zu 540 Euro staatliche Förderung pro Jahr. Das sind 60 Euro mehr als ursprünglich geplant und mehr als das Dreifache der bisherigen Riester-Zulage von 175 Euro. Auch bei der Kinderzulage besserte die Koalition nach. Für jeden eingezahlten Euro gibt es einen Euro dazu – zuvor waren 25 Cent vorgesehen. Maximal gibt es 300 Euro pro Kind und Jahr. Um die volle Kinderzulage zu erhalten, müssen Eltern denselben Betrag einzahlen, also monatlich 25 Euro. Junge Menschen unter 25 Jahren erhalten zudem einmalig 200 Euro.
Alle Details zu Förderung, Steuern und Auszahlung finden Sie im Ratgeber Altersvorsorgedepot: Förderung, Steuern und Auszahlung erklärt.
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Steuern sparen: Diese Vorteile bleiben Ihnen erhalten
Beiträge und Zulagen lassen sich von der Steuer absetzen. Der Fiskus prüft automatisch, ob Sparer über den Zulagenanspruch hinaus steuerlich profitieren. Zudem bleiben Erträge und Wertzuwächse in der Ansparphase steuerfrei. Dies gilt schon heute für Versicherungen. Ab 2027 profitiert auch das Altersvorsorgedepot von diesem Steuervorteil, was den Vermögensaufbau kräftig ankurbelt: Wer sein Portfolio umschichtet, muss – im Gegensatz zu einer Anlage im Privatdepot – Gewinne nicht versteuern. Bei gleicher Anlage lassen sich so höhere Renditen erzielen. Dafür fallen im Alter Steuern an.
Rente oder Auszahlung: Welche Option sich für Sie lohnt
Riester-Sparer erhalten eine lebenslange Rente. Nur zu Rentenbeginn ab 62 Jahren dürfen sie sich einmalig 30 Prozent des Guthabens auszahlen lassen. Diese Option bleibt bestehen. Statt der Rente können Senioren ab 65 aber auch einen Auszahlplan wählen, der mindestens bis zum 85. Lebensjahr läuft. Dies ermöglicht deutlich höhere monatliche Auszahlungen als bei der Rente, denn Versicherer kalkulieren mit einer hohen Lebenserwartung. Wer vor seinem 100. Geburtstag stirbt, verliert Geld. Beim Auszahlplan ist das Kapital jedoch nach rund 20 Jahren aufgebraucht. Wer länger lebt, braucht finanzielle Reserven.
Anbieterwechsel: Warum Sie künftig flexibler sind
Auch bei der Auswahl des Anbieters wird es künftig mehr Flexibilität geben.
In Zukunft soll es auch reine Auszahlungsprodukte geben. Beschäftigte könnten per Altersvorsorgedepot renditestark Kapital aufbauen und später den Anbieter wechseln. Assekuranzen wie Europa Versicherungen, Canada Life oder Debeka wandeln eingezahltes Vermögen in eine lebenslange Rente um. Banken, Fonds- und Depotanbieter werden Auszahlpläne anbieten.
Für wen sich das Altersvorsorgedepot jetzt besonders lohnt
Für Berufstätige, die noch einige Jahrzehnte bis zur Rente haben, lohnt sich der Abschluss. Sie können Riester-Guthaben förderunschädlich auf ein Altersvorsorgedepot übertragen. Wer 30 bis 150 Euro monatlich in breit gestreute ETF-Sparpläne einzahlt, profitiert von einer renditestarken Anlage mit hoher staatlicher hoher Förderung. Sparer müssen sich aber mit dem Kapitalmarkt beschäftigen, um gute Anlageentscheidungen treffen zu können. Für Börsenneulinge könnte das Standarddepot eine Alternative sein. Durch das staatliche Fondsangebot werden die Kosten für die geförderte Altersvorsorge sinken. Wie Sie grundsätzlich fürs Alter vorsorgen können, lesen Sie hier.
Für viele Sparer könnte die Reform einen echten Wendepunkt bei der Altersvorsorge bedeuten.

