Einstein soll‘s gewusst haben – und ETF-Anleger sollten es auch wissen: Der Zinseszins wirkt nicht nur beim Wachstum. Bei den Kosten frisst er still das Vermögen auf. Wer 30 Jahre lang monatlich 150 Euro spart und dafür einen ETF mit 1 Prozent Jahreskosten wählt, verliert knapp 30.000 Euro gegenüber einem ETF mit minimalen Gebühren. Was Experten Anlegerinnen und Anlegern empfehlen.
ETF-Kosten: Wie der Zinseszins-Effekt das Vermögen frisst
Vom Nobelpreisträger Albert Einstein soll der Satz stammen: "Der Zinseszins ist das achte Weltwunder. Wer ihn versteht, verdient daran, alle anderen bezahlen ihn." Ob der Physiker das wirklich so gesagt hat, ist umstritten. Sicher ist jedenfalls: Gerade für ETF-Anleger ist der Zinseszins einer der wichtigsten Mechanismen, wenn es darum geht, das eigene Geld zu vermehren.
Der Zinseszins-Effekt funktioniert allerdings nicht nur in eine Richtung. Er wirkt auch bei den Kosten. Darauf weist jetzt das Internetportal justETF hin. Dort sorgt der Effekt dafür, dass schon relativ kleine Unterschiede in den ETF-Gebühren langfristig zu großen Unterschieden beim Vermögen führen können. Wir sagen Ihnen, welche Auswirkungen dieser Kosteneffekt auf die ETF-Rendite hat – und was das für Anlegerinnen und Anleger bedeutet.
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Zinseszins beim ETF: So wirkt er bei den Kosten
Bei einem ETF-Sparplan verleiht der Zinseszins dem Wachstum des eigenen Vermögens einen zusätzlichen Schub. Der Grund: Werden die Erträge, die ein ETF abwirft, wieder angelegt, wird die Rendite des ETFs nicht nur auf die monatlichen Sparraten fällig. Auch die Erträge selbst werfen wieder Erträge ab.
Bei den Kosten ist es umgekehrt: Fallen für einen ETF-Sparplan Gebühren an, werden diese vom Vermögen abgezogen. Den Anlegerinnen und Anlegern gehen aber nicht nur diese Beträge verloren. Auch der Ertrag, den das abgezogene Geld über die Zeit gebracht hätte, fehlt am Laufzeitende.
Wie groß dieser Effekt ist, macht das Beispiel eines ETF-Sparplans deutlich, in den 30 Jahre lang monatlich 150 Euro fließen. Die jährliche Rendite des ETFs beträgt 7 Prozent. Die Sparplanausführung ist kostenlos (siehe Tabelle).
Das machen die Kosten beim ETF-Sparen aus¹
| ETF-Kosten im Jahr | Endvermögen nach 30 Jahren | Kosten nach 30 Jahren | Anteil der Kosten² |
| 0 % | 176.400 € | 0 € | - |
| 0,05 % | 174.786 € | −1.624 € | 0,9 % |
| 0,20 % | 170.013 € | −6.397 € | 3,6 % |
| 1,00 % | 146.888 € | −29.522 € | 16,7 % |
Die Tabelle zeigt: Ohne Kosten würde das Vermögen (theoretisch) über 30 Jahre auf 176.400 Euro anwachsen. Ist der ETF sehr günstig und es fallen nur 0,05 Prozent laufende Kosten pro Jahr an, beträgt das Endvermögen noch fast 175.000 Euro. Die Kosten über die gesamte Laufzeit liegen bei gut 1.600 Euro. Das entspricht einem Kostenanteil von 0,9 Prozent.
Werden für den ETF dagegen 1 Prozent jährliche Kosten fällig, steigen die Gesamtkosten auf gut 29.500 Euro. Der Anteil, den die Kosten dabei vom Gesamtvermögen auffressen, liegt bei fast 17 Prozent.
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Doppelter Verlust: Gebühren und entgangener Zins
Verantwortlich für den starken Anstieg der Gesamtkosten ist der Zinseszins-Effekt. Das wird deutlich, wenn man die Kosten in zwei Anteile aufsplittet: in die tatsächlich abgezogenen Gebühren (direkt gezahlte Kosten) und in die Erträge, die dieses abgezogene Geld bis zum Ende der Laufzeit noch gebracht hätte (entgangener Zinseszins):
So stark wirkt der Zinseszins bei den Kosten¹
| ETF-Kosten | Kosten gesamte Laufzeit | direkt gezahlte Kosten | entgangener Zinseszins |
| 0,05 % | 1.624 € | 843 € | 781 € |
| 0,20 % | 6.396 € | 3.309 € | 3.088 € |
| 1,00 % | 29.521 € | 15.011 € | 14.511 € |
Der entgangene Zinseszins verursacht dabei fast genau so hohe Kosten wie die direkt gezahlten Gebühren. Bei ETF-Gebühren von einem Prozent ist die Höhe des Zinseszins besonders drastisch: Der Anleger zahlt über 30 Jahre gut 15.000 Euro an Gebühren. Sein tatsächlicher Ertragsverlust ist aber doppelt so hoch.
Fazit: Günstige ETFs langfristig entscheidend
Das Beispiel macht deutlich, wie stark der Zinseszins auch bei den Kosten wirkt. Denn mit jedem Euro an Gebühren verlieren Anlegerinnen und Anleger nicht nur diesen Euro. Ihnen gehen auch die Erträge verloren, die der Euro bis zum Laufzeitende erwirtschaftet hätte.
Wer daher langfristig mit einem ETF spart – etwa fürs Alter –, sollte für sein Investment einen möglichst günstigen ETF wählen. Die Experten von JustETF etwa raten zu Welt-ETFs mit einem Kostenanteil von 0,05 bis höchstens 0,20 Prozent. Darüber hinaus sollte die Ausführung des Sparplans kostenlos sein. Denn auch diese Kosten nagen langfristig am Vermögen.
Einen kritischen Blick auf die Gebühren sollten dabei zudem alle werfen, die künftig mit dem neuen, staatlich geförderten Altervorsorgedepot für den Ruhestand sparen möchten. Dort liegt die Kostengrenze bei einem Prozent. Das klingt moderat. Das Beispiel hat aber gezeigt: Der Unterschied zwischen einem Sparplan mit einem sehr günstigen ETF und einem, bei dem Anleger Jahr für Jahr ein Prozent zahlen, ist riesig – genauso wie der Unterschied im Vermögen, das der Sparplan am Ende der Laufzeit für den Ruhestand liefert.

