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Mobiles Bezahlen

Europäische Konkurrenz für Apple und Google Pay

Björn König
Autor
Veröffentlicht am: 13.09.2019

Auf einen Blick

  • Eine neu gegründete Allianz aus europäischen Zahlungsdienstleistern tritt in direkten Wettbewerb zu den Bezahl-Apps von Apple und Google.
  • Die "European Mobile Payment Systems Association" (EMPSA) hat ihren Sitz in Zürich. Vom gemeinsamen Zahlungssystem sollen amerikanische Konzerne ausgeschlossen werden.
  • Im Gegensatz zu den marktführenden US-Konkurrenten setzt das europäische Projekt nicht auf den Funkstandard NFC (Near Field Communication), sondern auf weniger verbreitete Barcodes beziehungsweise QR-Codes und möchte ohne Visa oder Mastercard unabhängig bleiben.
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Im Gegensatz zu Konsumenten in skandinavischen Ländern lieben die Deutschen ihr Bargeld. Vor allem kleinere Summen gehen hierzulande häufig noch ganz klassisch in Form von Banknoten und Münzen über die Ladentheke. Der Trend bewegt sich jedoch langsam aber sicher in eine andere Richtung. Laut des Meinungsforschungsinstituts Kantar Emnid im Auftrag der Postbank nutzen bereits 48 Prozent der Verbraucher die Kontaktlosfunktion der Girokarte.

Doch auch wenn sich die kontaktlosen Girocards in Deutschland zunehmend durchsetzen, waren sie von Anfang an nur ein Zwischenschritt. Bargeldlose Transaktionen können nämlich ebenso mit dem Smartphone oder Wearables abgewickelt werden – und diese Bereiche dominieren mit Google und Apple Pay vor allem zwei Anbieter aus den Vereinigten Staaten.

Es ist kein Geheimnis, dass dieser Zustand den heimischen Banken und Sparkassen ein gehöriger Dorn im Auge ist. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) und die Deutsche Bundesbank drängen auf ein eigenes, nach europäischen Standards entwickeltes System für mobiles Bezahlen, welches den US-Platzhirschen nach Möglichkeit das Wasser abgraben soll.

Von der Öffentlichkeit nahezu unbemerkt wird dieses Wunschdenken seit Kurzem in die Tat umgesetzt. So haben sich sieben mobile Zahlungsanbieter aus Europa – Blue Code (Österreich, Deutschland), Twint (Schweiz), Swish (Schweden), Vipps (Norwegen), MobilePay (Finnland, Dänemark), Bancontact Payconiq (Belgien) und Sibs/MB Way (Portugal) – bereits im August zur "European Mobile Payment Systems Association" (EMPSA) vereinigt. Sozusagen "made in Europe" will diese Initiative mit Sitz in Zürich die Akzeptanz des Mobile Payments im europäischen Zahlungsraum vorantreiben.

Biallo News

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EMPSA in den Startlöchern

Zum Start besteht EMPSA aus einem Netzwerk von neun Ländern, 25 Millionen Mobile Payment-Nutzern sowie rund einer Million Akzeptanzstellen in Handel, Gastronomie sowie Hotellerie und 350 angeschlossenen Banken. Laut eigenen Aussagen wird erwartet, dass weitere Länder und mobile Zahlungssysteme der Vereinigung beitreten werden und das Netzwerk laufend wächst.

Ein großer Unterschied des Systems zu den bestehenden Bezahllösungen ist, dass das neue Angebot nicht mit dem bislang in Deutschland und global am stärksten verbreiteten NFC-Standard, sondern mit speziellen Barcodes sowie QR-Codes arbeiten will. "Unser Ansatz funktioniert anhand einer Direktanbindung an das Girokonto des Zahlers, ohne dazwischengeschaltete, US-basierte Debit- oder Kreditkartensysteme. Optische Verfahren laufen auch am iPhone, da der von Apple für Fremdsysteme blockierte NFC-Chip nicht benötigt wird. Zudem kann das mobile Bezahlen auch mit zahlreichen, für Händler und Endkunden attraktiven Mehrwertservices wie digitalen Kundenkarten und Bonusprogrammen verbunden werden, wie die weltweit erfolgreichsten Bezahl-Apps von Alipay, WeChat und Starbucks vorzeigen", sagt Christian Pirkner, CEO der Blue Code International AG.

Per Smartphone und QR-Code direkt über das Girokonto bezahlen hat prinzipiell Vor- und Nachteile: Einerseits wird kein NFC-Funkchip gebraucht, weshalb auch günstigere Geräte für das mobile Zahlen in Frage kommen. Auf der anderen Seite dürfte der Scanvorgang an der Kasse länger dauern, womit ein großer Pluspunkt des kontaktlosen Zahlens wiederum hinfällig wäre.

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Neuer Standard mit Hürden

Eine Kampfansage an Google, Apple und Paypal, aber auch an Kreditkartengrößen wie Visa und Mastercard ist EMPSA durchaus. Aber selbst wenn die Initiative mit seinem Konzept sowohl Handel als auch Verbraucher in Europa überzeugen kann, stehen noch weitere Hürden im Weg. Einerseits haben insbesondere die Sparkassen und Volksbanken eigene Bezahl-Apps auf den Weg gebracht, die dann vermutlich mit EMPSA in direkte Konkurrenz treten. Problematisch ist aber ebenso, dass in dem Konsortium kaum namhafte Finanzinstitute vertreten sind. Für Deutschland ist zum Beispiel lediglich Blue Code mit an Bord. Anders sieht es hingegen in Belgien aus: Dort beteiligt sich mit Bancontact Payconiq sogar der Marktführer in Sachen bargeldloses Zahlen. Bancontact ist in Belgien der Herausgeber aller regulären Bankkundenkarten und damit sozusagen die belgische Variante der deutschen Girocard.

Dennoch, selbst wenn die Ausgangssituation schwierig ist, verspricht sich das Konsortium deutlichen Rückenwind im Wettbewerb mit der starken US-Konkurrenz: "EMPSA ist die Schlüsselinitiative, um eigene Standards und einen wettbewerbsfähigen, interoperablen Rahmen für Europa zu schaffen und verlorengegangenes Terrain im europäischen Zahlungsraum zurückzugewinnen", sagt Pirkner. Damit es auch dauerhaft bei dieser Konkurrenz bleibt, sollen die großen US-Dienste beim neuen Anbieter keinen Fuß in die Tür kriegen – es bleibt nach allen bisherigen Plänen ein rein europäisches Projekt.

Biallo-Fazit

Ob sich das neue System gegen die Branchenriesen aus dem Silicon Valley behaupten kann, ist aus unserer Sicht fraglich. Apple und Google Pay sind im Gegensatz zu EMPSA nicht nur auf Europa fokussiert. Zudem binden sie ihre Lösungen perfekt in die Hard- und Software der Smartphones ein. Bis jetzt wurden außerdem fast alle Zahlungsterminals in Deutschland mit dem NFC-Standard für Kontaktloszahlungen ausgerüstet, diese wären für das neue System mehr oder weniger nutzlos. Zudem haben sich Handel und Verbraucher bereits an NFC gewöhnt und verfügen mit Google oder Apple Pay in der Regel über alle notwendigen Apps, womit es insbesondere auf Nutzerseite an Akzeptanz für das europäische Projekt mangeln dürfte.

Björn König ist bei biallo.de Experte für Kapitalmarktanlagen. Als Investmentanalyst schrieb er bislang unter anderem für die deutsche Ausgabe von "The Motley Fool", einem der bekanntesten US-amerikanischen Finanzanlageberater für Privatinvestoren. Seine Interessenschwerpunkte liegen insbesondere im Bereich Einzelaktien und Indizes mit Fokus auf dem US-amerikanischen und deutschen Kapitalmarkt. Auch privat ist er seit vielen Jahren erfolgreicher Investor und gibt seine vielfältigen Erfahrungen gerne an interessierte Anleger weiter. Björn König studierte Politikwissenschaften und Germanistik an der Ruhr-Universität Bochum sowie der Universität zu Köln.

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