Auf einen Blick
  • Die Zahl der digitalen Vermögensverwalter ist in den vergangenen Jahren massiv angestiegen. 

  • Dabei fällt auf, dass sich Kosten und Performance der einzelnen Anbieter teils deutlich unterscheiden.

  • Woran sich Anleger bei der Suche nach dem für sie passenden Geldroboter orientieren können, zeigen die Robo-Tests verschiedener Medien.
Welche Robo-Advisor haben im Test renommierter Finanzmagazine am besten abgeschnitten?

Der deutsche Markt für digitale Vermögensverwalter – auch Robo-Advisor genannt – wächst. Während hierzulande es vor wenigen Jahren lediglich eine Handvoll davon gab, sind es inzwischen mehr als 30 Anbieter. Das Funktionsprinzip: Die Software klopft beim Kunden wichtige Punkte wie Anlagehorizont und Risikobereitschaft ab. Anhand der Angaben der Nutzer empfiehlt das Programm einen Mix aus börsengehandelten Indexfonds (ETFs) auf Aktien und Anleihen. Als weitere Anlageklassen können zum Beispiel Rohstoffe und Immobilien das Portfolio ergänzen. 

ETFs sind bekannt für ihre günstigen Gebühren, da sie Indizes wie beispielsweise den Dax (Aktien Deutschland) oder den MSCI World (Aktien weltweit) einfach nachbilden. Diese Strategie war in der Vergangenheit häufig erfolgreicher als in klassische – aktiv verwaltete – Fonds zu investieren, für die Anleger zudem oft üppige Managementgebühren zahlen.

Die schlanke Kostenstruktur der Geldroboter

Die Anlagestrategien, die Robos über Algorithmen umsetzen, basieren auf etablierten finanzwissenschaftlichen Erkenntnissen. Die Investmentansätze der Geldroboter unterscheiden sich grundsätzlich nicht von denen aus der analogen Welt. Robo-Strategien wie zum Beispiel Volatilitätsmanagement, Value oder statische Musterportfolios nutzen auch herkömmliche Vermögensverwalter. Und für die Sicherheit des angelegten Geldes gilt bei den Geldrobotern generell: Die Anbieter des deutschen Markts arbeiten mit Partnerbanken zusammen. Das Depotvermögen bleibt im Insolvenzfall des Robo-Advisors unberührt. Selbst bei einer Pleite der Partnerbank haben Anleger nichts zu befürchten: Die Depots sind als Sondervermögen klassifiziert, auf das Gläubiger keinen Zugriff haben. 

Ein wesentlicher Vorteil der Robos ist ihre schlanke Kostenstruktur. Die jährliche Verwaltungsgebühr liegt etwa zwischen 0,4 und einem Prozent der Anlagesumme. Hinzu kommen Transaktionsgebühren und Kosten für Indexfonds, die in der Regel zwischen 0,1 und 0,4 Prozent betragen. Einige Anbieter wenden folgendes Prinzip an: Je höher die Anlagesumme, desto günstiger die Gebühr.

Wer bereit ist, sein Kapital ohne persönlichen Vermögensberater einem digitalen Vermögensverwalter anzuvertrauen, hat allerdings die Qual der Wahl: Welcher der vielen Geldroboter ist der beste? Die Antwort lautet wie so oft: Es kommt ganz darauf an. Vorab: Den besten Robo für alle Anleger gibt es nicht. Gleichwohl wäre es keine gute Idee, wahllos und „nach Gefühl“ sich für einen der Anbieter zu entscheiden. Im ersten Schritt können Interessierte sich ansehen, wie die Geldroboter von etablierten Finanzmedien bewertet wurden. Genau das haben wir getan.

Robo-Advisor: Erfahrungen während des Corona-Crashs

Ein für Anleger naheliegendes Bewertungskriterium ist die Wertentwicklung der von den Geldrobotern erstellten Portfolios. Dies gilt insbesondere für schwierige Marktphasen, in denen die Kurse in den Keller rauschen. Denn in haussierenden Aktienmärkten ist es eigentlich keine große Kunst, erfolgreich zu sein. Dann könnte man sein Geld auch selbst anlegen, indem man beispielsweise in Leitindizes wie den S&P500 (USA) oder den Euro Stoxx 50 (Eurozone) per ETF investiert. 

Das Online-Portal Brokervergleich untersuchte, wie sich die Depots der Anlageroboter in der Strategie mit mittlerem Risiko während des Corona-Crashs im Frühjahr 2020 entwickelten. Als Vergleichsindex (Benchmark) griff das Portal auf ein simples Portfolio aus jeweils 50 Prozent Aktien (Index: MSCI World) und Anleihen (Index: Barclays Aggregate Bonds) zurück. Im untersuchten Anlagezeitraum vom 20. Februar bis zum 27. April 2020 konnten zwei Roboter die Benchmark (-8,2 Prozent) schlagen: Kapilendo (-7,3 Prozent) und Solidvest (-8,1 Prozent). Die schlechteste Wertentwicklung erzielte der Robo-Marktführer Scalable Capital mit einem Minus von 22,8 Prozent.

Echtgeld-Test von Brokervergleich

Den "Echtgeld-Test" startete Brokervergleich im Mai 2015. Das Portal hat bei allen getesteten Anbietern ein Depot eröffnet und echtes Geld eingezahlt. Für Berechnungen zieht das Portal jeweils die Kurse vom letzten Handelstag des Vormonats heran. Dabei werden alle anfallenden Gebühren und Steuern berücksichtigt. Die Zusammensetzung der Portfolios besteht in etwa zu jeweils 50 Prozent aus den Anlageklassen Aktien und Anleihen. 

Im aktuellen Ranking (Beobachtungszeitraum: 1. Mai 2020 bis 28. Feburar 2021 landet der Liechtensteiner Anbieter Estably mit einem Plus von 28,0 Prozent auf Platz eins. Auf den weiteren Plätzen folgen Fidelity (22,0 Prozent), Laic (16,5 Prozent), Vividam (15,7 Prozent), Ginmon (13,5 Prozent) und Warburg Navigator (12,4 Prozent). Die letzten drei der insgesamt 25 Plätze belegen Kapilendo (6,0 Prozent), Solidvest (5,8 Prozent) und Comdirect (1,0 Prozent). Die Benchmark (50 Prozent MSCI World + 50 Prozent Barclays Global Aggregate Bonds) lieferte im gleichen Zeitraum eine Performance von 10,5 Prozent ab. Im Vergleich dazu schlugen sich 14 Anbieter besser.

Performance-Vergleich von biallo.de

Eine schnelle Orientierung für jeden Anlegertyp bietet der Performance-Vergleich auf biallo.de, den wir im Sommer 2018 gestartet haben. Dabei haben wir drei Muster-Anlegertypen – mit defensiver, ausgewogener und offensiver Risikoneigung – ins Rennen geschickt, für die uns die Robos jeweils einen Anlagevorschlag erstellt haben. Die Wertentwicklungen der jeweiligen Portfolios aktualisieren wir monatlich. Mittlerweile sind knapp 30 Anbieter in unserem Vergleich gelistet.

Wir haben uns bewusst dazu entschlossen, die Wertentwicklung vor Steuern und Vermögensverwaltungsgebühr auszuweisen. Dadurch erhält der Verbraucher eine optimale Vergleichbarkeit. Schließlich staffeln etliche Anbieter ihre Servicegebühr nach Anlagebetrag. Anbieter Fintego etwa berechnet seine Gebühren wie folgt: Bis 10.000 Euro werden 0,90 Prozent pro Jahr fällig, ab 10.000 Euro 0,70 Prozent, ab 50.000 Euro 0,40 Prozent und ab einer Million Euro sinkt die Vermögensverwaltungsgebühr auf 0,30 Prozent des Anlagevolumens. Somit kann es sein, dass Anleger mit ein und demselben Portfolio eine unterschiedliche Rendite erzielen, nur weil sie ihr Anlagevolumen ändern. Hinzu kommt, dass manche Anbieter für einen gewissen Zeitraum auf die Servicegebühr verzichten, wie etwa der Berliner Robo Quirion, bei dem die ersten 10.000 Euro für ein Jahr kostenfrei angelegt werden können.

Diese unterschiedlichen Herangehensweisen bei der Gebührengestaltung haben uns schließlich dazu veranlasst, diese Kosten gesondert auszuweisen. Dadurch erhält der Verbraucher einen objektiveren Vergleich, als wenn die zugrunde liegende Performance nur auf einer Momentaufnahme eines bestimmten Anlagevolumens beruhen würde. Wie viel Kosten einem die beste Performance schließlich wert ist, muss jeder Verbraucher bei seiner Renditeberechnung für sich selbst abwägen.

Die Top-Performer im Performance-Vergleich von biallo.de zum Stichtag 28. Feburar sind derzeit der grüne Robo-Advisor Vividam (+9,3 Prozent in der defensiven Strategie) und der Liechtensteiner Robo Estably (+22,0 Prozent in der ausgewogenen Strategie und +30,46 Prozent in der offensiven Strategie). 

Finanztest nimmt Robos unter die Lupe

Die Performance der Portfolios ist interessant. Zugleich sollte sie nicht das einzige Qualitätskriterium für eine Anlageentscheidung sein. So gilt wie bei allen Investments: Die historische Wertentwicklung bietet keine Gewähr für die künftige Performance. Die Fachzeitschrift "Finanztest" (Ausgabe 10/2018) verweist darauf, dass es wenig sinnvoll sei, nur die Renditen anzusehen. "Wichtig ist vor allem, dass das Verhältnis von Renditechancen und Risiko stimmt". So wäre etwa ein Portfolio, das nur Technologie-Werte enthält in den vergangenen Jahren gut gelaufen, doch zugleich sehr riskant gewesen. Schließlich gehe es um den langfristigen Erfolg. Deshalb legt Finanztest Wert darauf, dass das Portfolio der untersuchten Robos für den Musteranleger zumindest aus 30 Prozent aus sicheren Anlagen besteht.

In der Ausgabe 8/2018 nahm die Zeitschrift 14 Robos-Advisor unter die Lupe, die Vermögensverwaltung mit Fonds anbieten. Bei dem Test schnitten die Anbieter Quirion und Whitebox am besten ab. Quirion ist ein Ableger der Quirin Bank und war 2013 als einer der ersten Robos am Markt. Whitebox ist ein Fintech, also ein Start-up aus der Finanztechnologie-Branche. Beide wurden mit der Note "gut" bewertet. Sechs Geldroboter schafften die Note "befriedigend" (Robin, Vaamo, FintegoGinmonScalable Capital und Visualvest), bei zwei Anbietern lautete das Testurteil "ausreichend" (Investify, Werthstein und Baloise Monviso) und bei drei Robos "mangelhaft" (Prospery, Cominvest und Warburg Navigator). Wesentliche Bewertungskriterien waren "Jährliche Kosten", "Produkt- und Kosteninformation" sowie die "Ermittlung des Kundenstatus".


Die Robo-Bewertungskriterien bei Finanztest

Jährliche Kosten
Die Kosten setzen sich aus den Gebühren für Vermögensverwaltung des Robos und den Fonds zusammen. Bei Kosten von unter 0,6 Prozent pro Jahr gab es die Note "sehr gut“" bei Kosten über 1,27 Prozent "mangelhaft".

Produkt- und Kosteninformation
Die Robos sollten Anleger bei der Anmeldung über folgende Punkte informieren: 

Depotstruktur: Aufschlüsselung des Depotaufbaus, möglichst unter Angabe konkreter Produkte. Weiterhin eine Ertragsvorschau über die geplante Anlagedauer in realistischen Bandbreiten und Erläuterung mit Angabe der Summe der Einzahlungen, möglichem Endwert und der daraus resultierenden Rendite.

Risikokennzahlen: Angabe der jährlichen Volatilität (Schwankungsbreite) und des historisch abgeleiteten maximalen Verlusts.

Kosten: Aufschlüsselung nach Kosten für Vermögensverwaltung, Produktkosten und sonstigen Angaben. Es musste auch dargelegt werden, ob die Ertragsvorschau Kosten enthält.

Laufende Portfolioinformation: Während der Vermögensverwaltung muss der Anleger laufend Informationen zu seinem Depot abfragen können. Dazu zählen der Wert seiner Anlagen inklusive Kontostand, Strukturanalysen des Portfolios, historische Rendite und Risiko, prognostiziertes Risiko sowie Abweichungen von der Soll-Zusammensetzung.

Ermittlung Kundenstatus
Vor Vertragsabschluss musste der Robo den Kundenstatus ermitteln und Fragen stellen nach Anlageziel oder -zweck, Anlagesumme, Anlagedauer Höhe des frei verfügbaren Einkommens, der Einkommensquelle, nach Vermögen und Verbindlichkeiten sowie Erfahrungen und Kenntnissen über Geldanlagen. Entscheidend für die Struktur des Depots ist die Risikoeignung des Anlegers. Neben der einfachen Selbsteinschätzung des Anlegers sollten zudem Fragen zum Verhalten bei zwischenzeitlichen Verlusten und Präferenzen von Ertrags- und Verlustkombinationen gestellt werden.

Robo-Advisor beim Handelsblatt im Test

Ende 2020 untersuchte die FMH-Finanzberatung für das Handelsblatt 24 Robo-Advisor. Dabei wurden die Anbieter in aktive und passive Geldroboter unterteilt. Aktive schichten das Vermögen der Kunden je nach Börsenlage um. Passive halten hingegen die ursprüngliche Depotstruktur möglichst konstant. Beim Vergleich schauten sich die Experten die Wertentwicklung ausgewogener Anlagestrategien an, also mit ähnlich hohem Anteil von Aktien und Anleihen. Der Beobachtungszeitraum: September 2019 bis August 2020. Beim aktiven Investmentstil erhielt der Anbieter Smavesto als einziger das Prädikat "sehr gut". Das Depot erzielte eine Wertsteigerung (vor Kosten) von 10,22 Prozent. Der Konkurrent Investify schaffte hingegen nur 1,4 Prozent. Weitere Qualitätsmerkmale waren: die Zahl der Anlagestrategien, jährliche Management- und Produktkosten. Bei Smavesto zahlen Kunden eine jährliche Kostenpauschale von einem Prozent plus 0,25 Prozent laufende Produktkosten. Bei Investify werden dagegen je nach Anlagebetrag zwischen 0,8 und einem Prozent Servicepauschale fällig, hinzu kommen 1,15 Prozent laufender Produktkosten pro Jahr.

Bei passiven Investmentstil landeten GrowneyOskar und Peaks mit einem "sehr gut" an der Spitze. Die drei Robos schafften zwar nur eine mäßige Performance von plus 2,2, und 2,8 sowie 3,8 Prozent. Damit gehörten sie jedoch zu den besten der untersuchten passiven Robos. Ein deutlicher Pluspunkt der drei waren ihre günstigen Gebühren. So verlangt Growney für die Verwaltung pro Jahr zwischen 0,37 und 0,67 Prozent sowie für die laufenden Produktkosten rund 0,2 Prozent. Kosten und Performance sind laut FMH die wichtigsten Auswahlkriterien für Robo-Kunden. Darüber hinaus könnten für Anleger weitere Punkte wie Mindestkapitaleinzahlung oder die Zahl der angebotenen Anlagestrategien relevant sein.

Fazit zu den besten Robo-Advisor im unabhängigen Test

Wer einen ersten Überblick bekommen möchte, welcher Geldroboter am besten zu einem passt, kann prinzipiell so vorgehen, wie es die Fachmedien tun. Performance, Gebühren sowie Produkt- und Serviceangebot der Anbieter sind wichtige Entscheidungskriterien. Vorab sollte man zudem eine Vorstellung davon haben, welche Renditen man vor Augen hat und welche Risiken man bereit ist, einzugehen. Dementsprechend sollte auch das Portfolio aussehen. Je renditeträchtiger das Depot sein soll, desto größer der Aktienanteil. Der Job des Robo-Advisor ist es dann, ein Portfolio zu erstellen, das die Chancen und Risiken auf mehrere Regionen, Branchen und Anlageklassen verteilt. Und last but not least: Wer sein Vermögen mit Aktien aufbauen möchte, sollte Geduld mitbringen und sein Kapital mindestens fünf bis zehn Jahre lang anlegen. Erfahrungsgemäß entwickeln sich Aktienmärkte über lange Anlagezeiträume besser als über kurze. Dies zeigt zum Beispiel auch die langjährige Performance von großen Leitindizes wie MSCI Wolrd (weltweit), S&P 500 (USA), Euro Stoxx 50 (Eurozone) und DAX (Deutschland), die alle über viele Jahre hinweg nach oben gelaufen sind.




  Gian Hessami

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