Kleinkredit-Regelung

Ratenkauf bei Klarna oder PayPal: Ab November 2026 gelten völlig neue Regeln

Franziska Baum
Redakteurin
Veröffentlicht am: 11.05.2026
Ab 20. November 2026 gelten für Kleinkredite und BNPL-Anbieter neue Regeln.

Millionen Deutsche nutzen "Kauf jetzt, zahle später" ("Buy Now, Pay Later") – oft ohne zu wissen, wie wenig sie dabei rechtlich geschützt sind. Das ändert sich: Der Bundesrat hat am 8. Mai 2026 das neue Verbraucherkreditgesetz verabschiedet. Ab dem 20. November 2026 greifen erstmals gesetzliche Schutzregeln auch für BNPL-Dienste wie Klarna und PayPal.

Sie kennen das sicher: Schnell auf "Zahle in 3 Raten" geklickt und der neue Laptop ist auf dem Weg – zinsfrei, gebührenfrei, ohne großes Nachdenken. Was die meisten dabei nicht ahnen: Solche Bezahlmodelle waren rechtlich bislang eine Grauzone. 

Der Bundesrat hat am 8. Mai 2026 das neue Verbraucherkreditgesetz verabschiedet. Damit ist der Weg frei: Ab dem 20. November 2026 gelten erstmals gesetzliche Schutzregeln auch für "Buy Now, Pay Later"-Dienste (BNPL) wie Klarna und PayPal sowie Kleinkredite unter 200 Euro. Erfahren Sie hier, welche Rechte Sie ab November haben und was das für Ihren nächsten Ratenkauf bedeutet.

Was sich ändert: BNPL und Kleinkredite im neuen Schutzbereich

Das bisherige Verbraucherkreditrecht hatte eine klare Schwachstelle: Es galt für klassische Ratenkredite und Dispositionskredite, für "Buy Now, Pay Later"-Modelle und viele Kleinkredite nicht. Wer beim Checkout auf "Pay in 3" klickte, hatte faktisch einen Kredit aufgenommen – aber keinen gesetzlichen Schutzrahmen. Anbieter konnten auf Bonitätsprüfungen verzichten, Widerrufsrechte waren nicht vorgeschrieben, Informationspflichten fehlten.

Mit dem Gesetz zur Umsetzung der EU-Richtlinie 2023/2225 schließt der Gesetzgeber diese Lücke. Der Anwendungsbereich des Verbraucherdarlehensrechts im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) wird deutlich ausgeweitet. Laut Bundesrat fallen ab dem 20. November 2026 auch diese Kreditformen unter die Schutzvorschriften:

  • Kleinkredite bis 200 Euro (bisher regelmäßig ausgenommen)
  • Zins- und gebührenfreie Darlehen (der Kern der meisten BNPL-Modelle)
  • Kurzkredite mit Laufzeiten bis zu drei Monaten
  • BNPL-Modelle generell, sobald eine Zahlungsverpflichtung entsteht.

Wichtig: Nicht jedes Zahlungsmodell fällt unter das neue Recht. Der Kauf auf Rechnung sowie Zahlungen per Debitkarte bleiben vom Anwendungsbereich ausgenommen.

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Widerrufsrecht, Bonitätsprüfung, Transparenz – Ihre neuen Rechte konkret

Was bringt das für Sie in der Praxis? Ab dem 20. November 2026 haben Sie bei BNPL-Abschlüssen und Kleinkrediten folgende Rechte:

  • Widerrufsrecht: Sie können BNPL-Verträge innerhalb von 14 Tagen ohne Angabe von Gründen widerrufen – genauso wie bei einem klassischen Ratenkredit. Bisher war das bei zinsfreien Ratenzahlungsdiensten gesetzlich nicht vorgeschrieben. Erfüllt ein Anbieter seine Informationspflichten nicht vollständig, verlängert sich Ihre Widerrufsfrist auf 12 Monate und 14 Tage.
  • Bonitätsprüfungspflicht: Anbieter wie Klarna oder PayPal müssen vor dem Vertragsabschluss Ihre Kreditwürdigkeit prüfen. Eine Kreditvergabe ist künftig nur noch zulässig, wenn die Rückzahlung des Darlehens als wahrscheinlich gilt. Das soll verhindern, dass Sie sich unbewusst in eine Schuldenfalle manövrieren.
  • Vorvertragliche Informationen: Sie müssen vor dem Abschluss klare und vollständige Informationen über Laufzeit, Raten und alle anfallenden Kosten erhalten. Was früher manchmal im Kleingedruckten verschwand, wird zum gesetzlichen Standard.
  • Zinsgrenzen gesetzlich festgeschrieben: Die von der Rechtsprechung entwickelten Grenzen für sittenwidrig überhöhte Kreditzinsen werden nun ausdrücklich im Gesetz verankert. Das gibt Ihnen als Verbraucher mehr Klarheit, wann ein Zinssatz die gesetzliche Grenze überschreitet.
  • Digitaler Vertragsabschluss: Das bisherige Schriftformerfordernis für Kreditverträge entfällt. Sie müssen keinen Kreditvertrag mehr eigenhändig unterschreiben – der Abschluss per App oder Website wird zur vollwertigen Rechtsoption.

Für wen und ab wann gelten die neuen Regeln genau?

Das müssen Sie sich merken: Das Gesetz wurde am 8. Mai 2026 vom Bundesrat verabschiedet. Die neuen Verbraucherrechte gelten für Sie jedoch erst ab dem 20. November 2026. Bis dahin bleibt das bisherige Recht in Kraft.

Die Regeln gelten für alle Verbraucherkreditverträge, die Sie als Privatperson mit einem gewerblichen Anbieter abschließen. Der typische Anwendungsfall: der Ratenkauf beim Online-Shopping, ein "Pay Later"- oder "Pay in 30"-Dienst an der Kasse. Egal ob über Klarna, PayPal oder ähnliche Dienste – sobald eine Zahlungsverpflichtung entsteht, greift das neue Recht.

Weiterhin ausgenommen bleiben der Kauf auf Rechnung sowie Zahlungen per Debitkarte – dazu Kredite unter Privatpersonen und bestimmte staatliche Förderdarlehen.

Wenn Sie nicht bis November 2026 auf den gesetzlichen Schutz warten möchten, haben Sie übrigens eine naheliegende Alternative: Ein klassischer Ratenkredit unterliegt dem Verbraucherkreditrecht bereits heute vollständig – inklusive Widerrufsrecht und Bonitätsprüfung. Ob sich ein Ratenkredit für Ihre geplante Anschaffung rechnet, zeigt der Biallo-Ratenkredit-Vergleich mit tagesaktuellen Konditionen.

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Die nachfolgenden Anbieter wurden von Biallo als Empfehlung aus unserem Vergleich ausgewählt. Kreditbedarf: 10.000 €, Laufzeit: 24 Monate. Die angezeigten Anbieter stellen keinen vollständigen Marktüberblick dar.
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Sämtliche Angaben ohne Gewähr. Datenstand 11.05.2026

Was Klarna, PayPal & Co. jetzt vorbereiten müssen

Für die Anbieter ist der Anpassungsdruck real. Dienste, die bisher außerhalb des Verbraucherkreditrechts operierten, müssen ihre Prozesse, Vertragsunterlagen und technischen Systeme bis zum Stichtag grundlegend überarbeiten. Dazu gehören neue Bonitätsprüfungsverfahren, überarbeitete Informationsblätter und die technische Umsetzung des Widerrufsrechts.

Was bedeutet das für Sie als Verbraucher? Kurzfristig können sich die Checkout-Abläufe bei bekannten BNPL-Anbietern verändern: mehr Abfragen vor der Genehmigung, ausführlichere Zustimmungstexte, gelegentlich auch Ablehnungen bei unzureichender Bonität. Das mag anfangs unbequemer sein als das schnelle Klicken von heute. Den besseren Schutz kaufen Sie sich damit aber ein.

Damit Sie über weitere Änderungen im Verbraucherrecht und bei weiteren Finanzthemen nichts verpassen, empfehlen wir Ihnen unseren kostenlosen Biallo-Newsletter zu abonnieren.

Was sollten Sie als Verbraucher jetzt schon tun?

Bis zum 20. November 2026 gilt das alte Recht. Das heißt konkret: Wenn Sie heute einen Ratenkauf über Klarna oder PayPal abschließen, haben Sie gesetzlich noch kein Widerrufsrecht. Schauen Sie im Zweifelsfall in die AGB des jeweiligen Anbieters, ob dieser freiwillig bereits Widerrufsmöglichkeiten einräumt.

Drei Dinge, die Sie teils schon jetzt sinnvoll angehen können:

  • Überblick verschaffen: Wissen Sie, bei wie vielen BNPL-Diensten Sie aktuell offene Ratenzahlungen laufen haben? Viele Verbraucher verlieren dabei den Faden. Eine kurze Bestandsaufnahme in Ihren E-Mail-Bestätigungen oder App-Konten schafft Klarheit.
  • Für klassische Kredite vergleichen: Bei Ratenkrediten über Ihre Hausbank oder eine Direktbank gelten die Schutzrechte schon heute. Nutzen Sie den Biallo-Ratenkredit-Vergleich, um faire Konditionen zu finden und BNPL-Kosten gegenüberzustellen.
  • Ab November 2026 genau hinschauen: Lesen Sie die Informationsblätter, die BNPL-Anbieter Ihnen künftig aushändigen müssen, bevor Sie auf "Bestätigen" tippen. Sie haben dann außerdem das Recht, einen Kreditabschluss abzulehnen, wenn Ihnen die Konditionen nicht hinreichend transparent erscheinen.

Ihre Meinung ist uns wichtig!

Nutzen Sie selbst regelmäßig BNPL-Dienste wie Klarna oder PayPal? Haben Sie schon einmal erlebt, dass der fehlende rechtliche Schutz für Sie zum Problem wurde? Schreiben Sie uns Ihre Erfahrungen und Fragen gerne an redaktion@biallo.de – wir lesen jede Nachricht.

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FAQ: Häufige Fragen zu BNPL und dem neuen Verbraucherkreditgesetz

Ab wann gilt das neue Verbraucherkreditgesetz für BNPL-Dienste?

Die neuen Verbraucherrechte gelten erst ab dem 20. November 2026, obwohl das Gesetz bereits am 8. Mai 2026 vom Bundesrat verabschiedet wurde. Bis dahin bleibt das bisherige Recht in Kraft – ein Widerrufsrecht bei zinsfreien BNPL-Modellen ist vor diesem Datum gesetzlich nicht vorgeschrieben.

Habe ich beim Ratenkauf über Klarna schon heute ein Widerrufsrecht?

Generell nein. Aber: Das hängt vom Anbieter ab. Gesetzlich vorgeschrieben ist das Widerrufsrecht bei BNPL-Modellen erst ab dem 20. November 2026. Die reguläre Frist beträgt dann 14 Tage. Kommt ein Anbieter seinen Informationspflichten nicht nach, verlängert sie sich auf 12 Monate und 14 Tage. Einige Dienste räumen freiwillig bereits heute ein Widerrufsrecht ein – schauen Sie dafür in die AGB des jeweiligen Anbieters.

Was bedeutet die Bonitätsprüfungspflicht für meinen BNPL-Abschluss?

Ab November 2026 müssen Anbieter prüfen, ob Sie den Kredit auch tragen, das heißt zurückzahlen, können. Das kann dazu führen, dass Ratenzahlungen etwas länger dauern oder in Einzelfällen abgelehnt werden. Der Zweck dahinter ist, Sie vor einer unbeabsichtigten Überschuldung zu schützen.

Was den Schufa-Score direkt betrifft: Ob und wie die Abfrage selbst Ihren Score beeinflusst, hängt davon ab, wie der jeweilige Anbieter sie technisch gestaltet. Konditionsanfragen wirken sich nicht auf den Score aus, Kreditanfragen können ihn kurzfristig leicht senken. Wie BNPL-Anbieter das konkret umsetzen werden, ist derzeit noch nicht abschließend geklärt. Sicher ist hingegen: Versäumen Sie eine Rückzahlung, kann der Anbieter das als Zahlungsverzug an die Schufa melden – mit möglichen Folgen für künftige Verträge wie Mietwohnungen, Mobilfunk oder Kredite. Werden Sie abgelehnt, haben Sie außerdem ein neues Recht: Sie können eine kostenlose und detaillierte Auskunft über die Ablehnungsgründe beim Anbieter verlangen.

Gilt die neue Regelung auch für den PayPal-Ratenkauf?

Ja. Alle BNPL-Dienste, bei denen eine Zahlungsverpflichtung entsteht, also auch die von PayPal angebotenen "Pay in 3"- und "Pay Later"-Modelle, fallen ab dem 20. November 2026 unter das Verbraucherkreditrecht.

Welche Kreditformen bleiben weiterhin ausgenommen?

Ausdrücklich ausgenommen bleiben der Kauf auf Rechnung und Zahlungen per Debitkarte – dazu Kredite zwischen Privatpersonen und bestimmte staatliche Förderdarlehen.

Über die Redakteurin Franziska Baum

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Bereits in ihrer Schulzeit war Franziska für die Jugendredaktion der Sächsischen Zeitung tätig. Nach ihrem Germanistik-Studium in Dresden sammelte sie weitere Erfahrungen als Online-Redakteurin bei führenden Technik-Magazinen und später im Verbraucherschutz. Seit 2016 war Franzi (so ihr Spitzname) als Redakteurin am Aufbau des Onlineportals verbraucherschutz.com (früher onlinewarnungen.de) beteiligt. Dort betreute sie unter anderem den Social Media Bereich, plante und verfasste eigene Tipps, News und Anleitungen zu aktuellen Themen. Durch diese Arbeit hat Franzi sich ein ausgeprägtes Wissen im Bereich Verbraucherschutz angeeignet. Bei biallo.de bringt sie genau dieses Wissen ein. Außerdem ist Franziska in der Leserbetreuung tätig. Ihr Ziel ist es, den Leserinnen und Lesern zu helfen und ein gutes Gefühl zu geben. 

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