Interview

Tim Schäfer: Mit Aktien zum 3,6-Millionen-Depot

Luis Ropero
Social Media & Videocreator
Andreas Jalsovec
Redakteur
Veröffentlicht am: 27.03.2026

Konsequent sparen und langfristig investieren: So hat Tim Schäfer ein Depot von 3,6 Millionen US-Dollar aufgebaut. Seine Strategie: Buy and Hold, hohe Sparquote und Krisen nutzen. Für die meisten Anleger empfiehlt er aber einfache ETF-Sparpläne.

Tim Schäfer ist Millionär – aber einer, dem man das nicht unbedingt ansieht. Auf teure Kleidung oder Luxusgüter verzichtet der 53-Jährige. Seine Kleidung kauft er im Second-Hand-Laden, Handys nur gebraucht. Schäfers Millionen stecken in einem Aktien-Depot: 3,6 Millionen US-Dollar ist sein Portfolio derzeit wert. Aufgebaut hat er es über Jahrzehnte hinweg – mit Sparsamkeit und einem langen Atem. Beides hat er sich bis heute bewahrt. Schäfer ist Finanzjournalist. Seit 2006 wohnt er in New York, unweit der Wallstreet, von wo er unter anderem einen eigenen Finanzblog betreibt. Darin kann man auch die Entwicklung seines Depots verfolgen. Biallo.de hat Tim Schäfer interviewt

Sparen statt Luxus: Wie Tim Schäfer mit Aktien Vermögen aufgebaut hat

Herr Schäfer, Sie haben nicht groß geerbt, kein Unternehmen verkauft, ein durchschnittliches Gehalt verdient – und trotzdem ein Depot im Wert von 3,6 Millionen Dollar aufgebaut. Was machen Sie anders als andere Anleger?

Tim Schäfer: Das kann ich nicht sagen. Ich habe früher einfach Regionalzeitungen gelesen, Bücher angeschaut und mich so über Börse und Aktien informiert. Ein Vorteil war sicher meine Sparsamkeit – und die Nebenjobs während meiner Studienzeit.

Ist Sparsamkeit also entscheidend, um mit Aktien so viel Geld anzusparen?

Schäfer: Ja, total! Meine Sparquote lag am Anfang bei 50 Prozent und mehr – also mehr als die Hälfte meines Einkommens. Ich habe in WGs gewohnt. Meine Möbel habe ich zum Teil im Sperrmüll gefunden. Ich bin oft auf Tauschbörsen gewesen und nutze sie zum Teil heute noch. Und ich hatte als Student immer Nebenjobs, etwa in einer Buchhandlung und viele Jahre bei McDonald's. Da habe ich alle Stationen durchgemacht – von der Küche bis zum Grill.

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Buy and Hold: Warum Geduld an der Börse so wichtig ist

Und das Geld, das Sie dort verdient haben, haben Sie direkt in Aktien gesteckt?

Schäfer: Im Grunde schon. Ich kaufe von meinem Geld lieber gleich eine Aktie, als in Urlaub zu fahren oder mir neue Kleidung zu kaufen.

War das schon immer so – also auch schon, als Sie Ihr erstes Geld gespart haben?

Schäfer: Mit dem Sparen und der Geldanlage habe ich ganz klassisch angefangen. Nach der Konfirmation hatte ich mein erstes Sparbuch, dann irgendwann einen Bausparvertrag. Aktien habe ich erst später entdeckt, so mit Anfang, Mitte 20. Meine erste Aktie war das Papier des Nähmaschinenherstellers Pfaff. Der kam aus meiner Region und ging irgendwann pleite. Ich habe also auch einige Fehler gemacht beim Aktienkauf.

Ihre Strategie ist eine extreme Art des "Buy and Hold" – also eine Aktie kaufen und dann sehr lange liegen lassen. Was ist der Vorteil dieser Strategie?

Schäfer: Dass Sie vom Zinseszins profitieren – also die Gewinne immer wieder anlegen und darauf wieder Rendite bekommen. Viele Anlegerinnen und Anleger verkaufen ihre Gewinnbringer zu schnell. Dann stehen sie vor dem Problem: Wohin mit dem Geld? Dabei passieren unter Umständen Fehler. Wenn Sie also einen Dauerläufer haben – etwa eine Aktie von Alphabet, Meta oder Netflix –, dann sollten Sie den auch einfach laufen lassen.

„Aktien wie Alphabet, Meta oder Netflix sollten Sie einfach laufen lassen“
Tim Schäfer, Finanzjournalist und Blogger.

 

So, wie Sie es mit der Aktie des deutschen Veranstaltungskonzerns CTS Eventim gemacht haben?

Schäfer: Da habe ich damals 2.500 Euro investiert – und das Papier nie mehr verkauft. Heute habe ich 3.200 Aktien. Allein die Dividende, die ich jährlich bekomme, deckt meinen damaligen Einsatz. Daran sieht man, welche Kraft es hat, wenn man die richtige Aktie erwischt. Bei CTS Eventim hatte ich ein total gutes Gefühl. Manchmal ist beim Aktienkauf auch Intuition dabei.

Haben Sie auch in Sparpläne investiert – oder einfach am Ende des Monats mit dem Geld, das übrig blieb, Aktien erworben?

Schäfer: Ganz unterschiedlich. Während der Finanzkrise etwa habe ich nur Aktien der Bank of America gekauft, nur diese eine Aktie. Dann habe ich jeden Monat Geld nachgeschossen – mehr als zehn Jahre lang, immer in dieselbe Aktie. Heute nutze ich Sparpläne, die über Dividenden funktionieren. Dabei werden die Ausschüttungen in die Aktie reinvestiert. Diese sogenannten DRIPs ("Dividend Reinvestment Plans") sind in den USA kostenlos und sehr bequem.

Einzelaktien oder ETF: Was Anleger daraus lernen können

Ihr Depot besteht zum größten Teil aus Einzelaktien. Würden Sie das auch anderen Anlegern raten – oder fahren die besser mit einem ETF?

Schäfer: Ich glaube, die meisten Anleger fahren am besten mit einem Welt-ETF wie etwa den FTSE All World. Damit setzt man einen Sparplan auf – das reicht. Den darf man dann halt nicht verändern, sondern sollte ihn einfach laufen lassen. Das gilt in guten wie in schlechten Zeiten, also auch in Krisen.

Sind Krisen aus Ihrer Sicht eine gute Kaufgelegenheit?

Schäfer: Ja. In der Corona-Krise etwa habe ich in die US-Fluggesellschaft United Airlines investiert. Da standen die Flugzeuge still – und auch die Kreuzfahrtschiffe. Deswegen habe ich auch die Aktie der Kreuzfahrtreederei Carnival gekauft. Beide Papiere gab es damals fast geschenkt. Heute sind sie deutlich im Plus. Solche Krisen sollte man also nutzen – auch wenn das natürlich nicht ohne Risiko ist.

Was raten Sie Anlegern, die sich ein ähnliches Portfolio wie Sie aufbauen wollen?

Schäfer: Früh anfangen, am Ball bleiben – und sparsam sein. Nicht das Geld für alles Mögliche raushauen, sondern gelassen bleiben. Luxus macht einen ja nicht unbedingt zufriedener. Ein einfacher Urlaub, eine ganz einfache Wanderung kann mehr Spaß machen, als auf den Malediven zu liegen. Wie viel man ausgibt, ist nicht entscheidend, um ein zufriedenes Leben zu führen – ganz und gar nicht.

Über den Social Media & Videocreator Luis Ropero

Luis Ropero ist das Gesicht unserer Social-Media-Kanäle. Er ist verantwortlich für unseren Video-Content. Als erfahrener Videoproduzent steht er nicht nur vor der Kamera, sondern übernimmt auch die Recherche, den Schnitt und die Nachbearbeitung, damit unsere Videos ansprechend und professionell präsentiert werden. Seit vielen Jahren beschäftigt sich Luis intensiv mit der Börse und dem Aktienmarkt – eine Leidenschaft, die er in jede Analyse und jedes Video einfließen lässt. Mit seiner kreativen Herangehensweise und seinem Blick für Details bringt er komplexe Finanzthemen auf den Punkt und macht sie leicht zugänglich. 

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