BMW kommt bislang besser durch die Krise der Autoindustrie als seine deutschen Konkurrenten VW und Mercedes. Dennoch trüben schwächeres Wachstum, China-Risiken und hohe Konkurrenz durch Tesla und BYD die Perspektiven. Wie attraktiv ist die BMW-Aktie für Anlegerinnern und Anleger? Unsere Analyse gibt Antworten.
BMW schlägt VW und Mercedes – Chance für Anleger?
Ein Gewinnrückgang kann auch was Positives sein – zumindest wenn es der Konkurrenz noch schlechter geht. Um drei Prozent ist der Gewinn bei BMW im vergangenen Jahr geschrumpft. Das ist für sich genommen kein Grund zum Jubeln. Im Vergleich zu VW oder Mercedes jedoch steht der Münchner Autobauer gut da: Bei den beiden Wettbewerbern brachen die Gewinne jeweils um die Hälfte ein.
Anlegerinnen und Anleger dürften daher mit den Zahlen zufrieden sein, die BMW in dieser Woche (12. März 2026) vorlegte. Sie zeigen: Auch die Münchner spüren die Krise der Autoindustrie. Im Vergleich zur Konkurrenz kommt BMW aber gut weg.
Doch es gibt Herausforderungen. So nimmt der Wettbewerbsdruck spürbar zu – vor allem auf dem wichtigen chinesischen Markt. Im Vergleich zu Konkurrenten wie Tesla oder BYD wächst BMW weniger dynamisch. In unserer Analyse zur "Aktie der Woche" vergleichen wir den Münchner Konzern mit seinen Konkurrenten – und wir sagen Ihnen, wie attraktiv die BMW-Aktie für Anlegerinnen und Anleger derzeit ist.

Mit der "Aktie der Woche" geben wir Ihnen Hilfestellung: Unser Börsenexperte Luis Ropero bewertet wöchentlich die Aktien von Unternehmen, die die Börse bewegen. Das Ergebnis fasst er in einem Kurzvideo auf Instagram zusammen.
Das Geschäftsmodell: Hoffen auf die "Neue Klasse"
In einer Branche, die sich notorisch im Umbau befindet, konzentriert sich BMW auf das margenstarke Premium- und Luxussegment. Die Kernmarke BMW wird durch Mini und Rolls-Royce ergänzt. Der Autobauer deckt damit eine zahlungskräftige Kundschaft ab. Die Eckpfeiler des Geschäftsmodells:
- Technologieoffenheit: Durch die Produktion verschiedener Antriebsarten (Elektro, Hybrid, Verbrenner) auf denselben Fertigungslinien kann BMW schnell auf Verschiebungen in der Kundennachfrage reagieren.
- Wahlmöglichkeit: Durch die Technologieoffenheit können Kunden zwischen Verbrennern, Hybriden und vollelektrischen Modellen wählen. Diese Strategie des „Power of Choice“ sichert Marktanteile.
- Neue Klasse: Ab 2026 soll eine neue Fahrzeuggeneration den technologischen Sprung bei Software und Batterieeffizienz bringen. Mit der „Neuen Klasse“ will BMW Anschluss an die Marktführer im Elektrobereich halten.
Die neue Generation von Elektroautos soll Reichweiten bis 800 Kilometer haben. Der iX3 von BMW (siehe Foto oben) kommt demnächst in den Handel. Die neue Limousine i3 wird am 18. März in München erstmals der Weltöffentlichkeit präsentiert. Produktionsstart soll in der zweiten Hälfte 2026 sein.
Der Vergleich: Besser als die deutsche Konkurrenz
In unserer Analyse vergleichen wir BMW mit den deutschen Konkurrenten Mercedes und VW, dem US-Elektropionier Tesla und dem chinesischen Autobauer BYD. In den Vergleich gehen gut ein Dutzend Kennzahlen zu Gewinn, Umsatz oder Kapitalrendite ein (siehe Info am Ende des Artikels).
BMW erreicht insgesamt 9 Punkte (siehe Tabelle). Damit teilt sich der Konzern den zweiten Platz mit dem chinesischen Marktführer BYD. An die Bewertung von Tesla kommen die Münchner wegen der schwachen Wachstumsfantasie nicht heran. BMW lässt aber die heimischen Konkurrenten Mercedes und Volkswagen hinter sich.
Das Gesamtergebnis der Vergleichsgruppe
Quelle: biallo.de, eigene Berechnungen mit Daten von Yahoo Finance, Finanzen.net, Stand: 13.03.2026Die Analyse: Vorteil durchs US-Werk
BMW spürt den Absatzrückgang im chinesischen Markt. Und auch die US-Einfuhrzölle machen dem Premiumhersteller zu schaffen. In den USA hat der Konzern aber einen wichtigen Vorteil: sein großes Produktionswerk.
Mehr als 410.000 Fahrzeuge produzierte der Konzern dort 2025. Gut die Hälfte davon verblieb im Land. Das mildert den Zoll-Effekt. BMW erwartet außerdem, dass sich die Zoll-Problematik in der zweiten Jahreshälfte 2026 entspannt. Der Gesamtumsatz soll in diesem und in den nächsten Jahren steigen – wenn auch nur langsam (siehe Grafik).
Umsatz bei BMW: Wachstum voraus
Umsatz pro Jahr in Milliarden Euro
2026 dürfte ein Übergangsjahr für BMW werden. Die sogenannte "EBIT-Marge" soll bei vier bis sechs Prozent liegen – etwa auf dem Niveau des vergangenen Jahres. Die Marge zeigt, wie gut es BMW gelingt, die Umsätze in Gewinn umzuwandeln.
Punkten kann der Konzern beim Risikomanagement. Der sogenannte "EBIT-Drawdown" – der größte Gewinnrückgang in den vergangenen Jahren – liegt bei minus 38 Prozent. BMW steuert damit deutlich stabiler durch Krisen als etwa Volkswagen. Die wichtigsten Kennzahlen unserer Analyse zeigt die Tabelle:
Schwache Dynamik, gute Renditen: BMW in Zahlen
Kennzahl | Wert | Platz im Vergleich |
|---|---|---|
| Umsatzwachstum¹ | 6,17 % | 4 |
| Erwartetes Umsatzwachstum² | 3,04 % | 5 |
| Gewinnwachstum¹ | 11,59 % | 3 |
| Erwartetes Gewinnwachstum² | 10,32 % | 4 |
| EBIT-Drawdown³ | -38,35 % | 3 |
| Eigenkapitalquote | 55,00 % | 3 |
| Eigenkapitalrendite (ROE)⁴ | 5,26 % | 3 |
| Kapitalrendite (ROCE)⁴ | 4,93 % | 3 |
| Forward-KGV⁵ | 8,00 | 2 |
Die Aktie: Im Kurs steckt noch Potenzial
Die BMW-Aktie wird derzeit bei gut 81 Euro gehandelt (Stand 13. März 2026, siehe Chart unten). Seit Dezember des vergangenen Jahres ging es mit dem Kurs eher bergab. Das dürfte vor allem an der allgemeinen Skepsis gegenüber der europäischen Automobilindustrie liegen .
BMW-Aktie: Anhaltender Seitwärtstrend

Positiv für Anleger: Trotz des Gewinnrückgangs wird BMW in diesem Jahr die Dividende erhöhen. Aktionäre sollen 4,40 Euro pro Aktie bekommen. Analysten sehen Potenzial in dem Papier. Das durchschnittliche Kursziel auf der Basis von 23 Analystenschätzungen liegt bei gut 92 Euro. Das wäre ein Plus von etwa 13 Prozent.
Das Fazit: Stabiler Qualitätswert
Verglichen mit den heimischen Konkurrenten VW und Mercedes ist BMW bislang gut durch die Automobilkrise gekommen. Eine flexible Strategie, Fertigungswerke im Ausland und die Aussicht auf neue Modelle sprechen für den Münchner Autobauer. Unserer Analyse macht aber auch deutlich: Große Wachstumssprünge dürften vorerst ausbleiben. BMW verdient zwar sehr gut an seinen aktuellen Modellen, doch die Prognosen für die kommenden Jahre sind eher verhalten.
Die Aktie schwächelte zuletzt. Sie ist aber attraktiv bewertet. BMW ist kein klassischer Wachstumswert. Wichtig für den weiteren Kursverlauf wird sein, wie sich die „Neue Klasse“ schlägt. Erst wenn die neuen Modelle ab 2026 erfolgreich im Markt ankommen, dürfte die Aktie ihre aktuelle Seitwärtsphase verlassen. Bis dahin bleibt BMW eher eine Investition für Anleger, die einen Qualitätswert suchen, dabei aber mehr auf Stabilität denn auf große Kurssprünge setzen.
So bewerten wir die Aktie der Woche
Bei der "Aktie der Woche" vergleicht Biallo regelmäßig große Unternehmen aus verschiedenen Branchen. Wir ziehen dafür gut ein Dutzend Kennzahlen heran. Dazu zählen Umsatz- und Gewinnwachstum, Rentabilität oder die Analystenbewertung. Für jede Kategorie gibt es einen Punkt, wenn das Unternehmen in der Kategorie unter den Top 3 in der Vergleichsgruppe liegt. Beim Wachstum berechnen wir zusätzlich die Stabilität: Liegt sie über einem definierten Schwellenwert, gibt es einen halben Zusatzpunkt. Insgesamt werden in elf Kategorien je ein Punkt und zusätzlich je ein halber Punkt für vier Stabilitätskriterien vergeben – maximal also 13 Punkte.
Zuletzt sind in der Reihe "Aktie der Woche" erschienen:
- Rheinmetall: Ist die Aktie noch ein Kauf?
- Hensoldt: "Auge" und "Ohr" der Rüstungsindustrie
- Lockheed-Martin: Lebensversicherung der NATO
- Renk: Getriebe der globalen Aufrüstung
- BAE Systems: Chance nach dem Kursrutsch?
- Tesla vor dem Wandel: Roboter und KI statt Autos?
- VW-Aktie: Extrem günstig – aber lohnt sich der Kauf?
- Mercedes-Aktie: Zwischen Krise und Comeback



