ExxonMobil zählt zu den größten Profiteuren des hohen Ölpreises. Der US-Konzern überzeugt mit stabilen Gewinnen und einer außergewöhnlich langen Dividendenhistorie. Allerdings zeigt unsere Analyse zur Aktie der Woche: Die Aktie ist kein Schnäppchen mehr. Für langfristige Anleger bleibt sie dennoch ein solides Investment im Energiesektor.
Ölboom treibt Exxon: Chance – oder überbewertet?
Den Zeitpunkt für den Start hätte ExxonMobil kaum besser wählen können: Ende März hat der US-Ölkonzern in Texas die LNG-Produktion aufgenommen. Zusammen mit Partner Qatar-Energy stellt Exxon dort künftig Flüssiggas für den Weltmarkt her. Ein Glücksgriff: Denn wegen des Iran-Kriegs suchen westliche und asiatische Abnehmer händeringend nach Alternativen zu Flüssiggas und Öl aus dem Nahen Osten.
ExxonMobil ist der größte private Ölkonzern in den USA. Wie seine Konkurrenten profitiert das Unternehmen stark vom hohen Ölpreis. Gleichzeitig versucht der Konzern schon seit längerem, seine Abhängigkeit von den Lieferungen aus dem Nahen Osten zu verringern.
In unserer Analyse zur Aktie der Woche überprüfen wir, wie gut ExxonMobil das gelingt, wie der Konzern im Vergleich zu Konkurrenten wie TotalEnergies, Shell oder BP dasteht und wie attraktiv die Exxon-Aktie derzeit für Anlegerinnen und Anleger ist – ein Papier, bei dem Anleger seit 44 Jahren steigende Dividenden ausbezahlt bekommen.

Mit der "Aktie der Woche" geben wir Ihnen Hilfestellung: Unser Börsenexperte Luis Ropero bewertet wöchentlich die Aktien von Unternehmen, die die Börse bewegen. Das Ergebnis fasst er in einem Kurzvideo auf Instagram zusammen.
Das Geschäftsmodell: Teures Öl und gute Dividenden
In Deutschland ist ExxonMobil vor allem durch Tankstellen wie Esso oder Mobil bekannt. Der Konzern agiert jedoch weltweit: Exxon ist der größte westliche Ölkonzern. Sein Erfolg ruht vor allem auf drei Säulen:
Ölgeschäft: Mit einer Jahresproduktion von 4,7 Millionen Barrel (ein Barrel = 159 Liter) pro Tag ist ExxonMobil der mit Abstand größte Ölproduzent des Westens – vor Chevron, Shell und TotalEnergies. Exxon produziert dabei auch im sogenannten Permian-Becken, einem Ölfeld an der US-Grenze zu Mexiko.
Kostendisziplin: In den vergangenen sieben Jahren hat ExxonMobil 15,1 Milliarden Dollar an strukturellen Kosten eingespart – mehr als alle anderen Öl-Wettbewerber zusammen. Bis 2030 wird ein Gesamtziel von 20 Milliarden US-Dollar angepeilt.
Dividendenwachstum: ExxonMobil hat die Dividende 44 Jahre hintereinander erhöht – das schaffen weniger als fünf Prozent aller Unternehmen im US-Börsenindex S&P 500. Im Jahr 2025 schüttete der Konzern eine Rekordsumme von 37,2 Milliarden US-Dollar an seine Aktionäre aus.
Exxon versucht schon länger, seine Abhängigkeit vom Nahen Osten zu verringern. Das LNG-Terminal in Texas ist ein weiterer Schritt dorthin. Derzeit wird rund ein Fünftel des weltweiten LNG-Volumens durch die Straße von Hormus geliefert. Mit einer heimischen Produktion macht sich Exxon zumindest teilweise unabhängig davon.
Der Vergleich: Exxon im Mittelfeld
In unserer Analyse zur Aktie der Woche landet ExxonMobil in der Vergleichsgruppe mit 6,5 von 13 Punkten auf dem dritten Platz – knapp hinter Chevron mit 7 Punkten (siehe Tabelle). Der französische Konzern TotalEnergies dominiert mit 12 Punkten. In den Vergleich gehen gut ein Dutzend Kennzahlen zu Gewinn, Umsatz oder Kapitalrendite ein (siehe Info am Ende des Artikels). ExxonMobil überzeugt vor allem bei Profitabilität und Gewinnwachstum.
Das Gesamtergebnis der Vergleichsgruppe
| Unternehmen | Gesamtpunktzahl |
| TotalEnergies | 12 |
| Chevron | 7 |
| ExxonMobil | 6,5 |
| Shell | 6 |
| BP | 4,5 |
Die Analyse: Top bei Gewinn und Rendite
Wie seine direkten Konkurrenten profitiert ExxonMobil vom hohen Ölpreis als Folge des Iran-Kriegs. Auch in der jüngsten Vergangenheit hat Exxon jedoch bereits gute Gewinne eingefahren. Als einziges Unternehmen in der Vergleichsgruppe schafft der Konzern ein positives durchschnittliches Gewinnwachstum von 5,77 Prozent über die letzten fünf Jahre. In den kommenden Jahren sollen die Erträge kontinuierlich steigen (siehe Grafik).
Gewinn bei Exxon: Stetiger Anstieg in Sicht

Auch die Eigentkapitalrendite ist mit 11,07 Prozent stark. Sie zeigt: ExxonMobil arbeitet effizienter mit seinem eingesetzten Kapital als einige Konkurrenten. Weniger stark ist dagegen das erwartete Umsatzwachstum: minus 5,47 Prozent – das ist der schwächste Wert der Vergleichsgruppe. Die wichtigsten Kennzahlen der Analyse zeigt die Tabelle:
Gute Profite: ExxonMobil in Zahlen
| Kennzahl | Wert | Platz im Vergleich |
| Umsatzwachstum¹ | 12,65 % | 2 |
| Erwartetes Umsatzwachstum² | -5,47 % | 5 |
| Gewinnwachstum¹ | 5,77 % | 1 |
| Erwartetes Gewinnwachstum² | 9,63 % | 2 |
| EBIT-Marge³ | 10,00 % | 3 |
| EBIT-Margenwachstum³ | 9,86 % | 4 |
| EBIT-Drawdown³ | -69,61 | 5 |
| Eigenkapitalquote | 40,00 % | 5 |
| Eigenkapitalrendite (ROE)⁴ | 11,07 % | 2 |
| Kapitalrendite (ROCE)⁴ | 11,51 % | 2 |
| Forward-KGV⁵ | 20,96 | 4 |
Die Aktie: Im Aufwärtstrend
Die ExxonMobil-Aktie notiert aktuell bei gut 160 US-Dollar (knapp 144 Euro). Ende März erreichte der Kurs ein Rekordhoch bei gut 176 US-Dollar. Die Aktie befindet sich schon länger im Aufwärtstrend (siehe Chart). Das ist ein Zeichen dafür, dass Anleger die strategische Positionierung des Konzerns honorieren.
Exxon-Aktie: Nahe am Rekordhoch

Bei der künftigen Kursentwicklung sind Experten aber vorsichtig. Das durchschnittliche Analystenziel von 154,79 US-Dollar liegt vier Prozent unter dem aktuellen Kurs. Das deutet auf eine leichte Überbewertung hin. Tatsächlich ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis des erwarteten Gewinns mit knapp 21 eher hoch für eine Öl-Aktie. Wegen der jüngsten Kursrallye und der breiten strategischen Ausrichtung des Konzerns dürfte die Bewertung aber gerechtfertigt sein.
Hinzu kommt: Wer auf die Exxon-Aktie setzt, kann jedes Jahr mit einer steigenden Dividende rechnen. Der Öl-Riese hat seine Ausschüttungen an die Aktionäre 44 Jahre in Folge angehoben.
Das Fazit: Solides Langfristinvestment
ExxonMobil hat sich vom reinen Öl-Unternehmen zum global integrierten Energiekonzern mit weltweiten Ertragsquellen entwickelt. Unter den westlichen Mineralölkonzernen ist das Unternehmen in vielen Feldern führend: größte Produktion, stärkste Kostendisziplin, längste Dividendenhistorie. Exxon versucht bewusst, seine Abhängigkeit vom Nahen Osten zu verringern. Das zahlt sich in Krisenzeiten aus. Das neue LNG-Terminal in Texas ist weiterer Schritt dorthin.
Anleger haben in den vergangenen Monaten von deutlich steigenden Kursen der Exxon-Aktie profitiert. Das Papier ist daher auch kein Schnäppchen mehr. Das negative erwartete Umsatzwachstum und das von Analysten eingepreiste Kursrisiko bedeuten: Wer auf die Exxon-Aktie setzt, muss Geduld mitbringen. Für alle, die längerfristig denken, ist das Papier jedoch ein sehr solides Langfristinvestment im Energiesektor.
Nächste Woche analysieren wir Shell – den europäischen Riesen mit dem stärksten EBIT-Margenwachstum der gesamten Vergleichsgruppe.
So bewerten wir die Aktie der Woche
Bei der "Aktie der Woche" vergleicht Biallo regelmäßig große Unternehmen aus verschiedenen Branchen. Wir ziehen dafür rund ein Dutzend Kennzahlen heran. Dazu zählen Umsatz- und Gewinnwachstum, Rentabilität, Kapitalstruktur oder die Analystenbewertung. Für jede Kategorie gibt es einen Punkt, wenn das Unternehmen in der Kategorie unter den Top 3 in der Vergleichsgruppe liegt. Bei Wachstumswerten berechnen wir zusätzlich die Stabilität des Wachstums: Liegt sie über einem definierten Schwellenwert, gibt es einen halben Zusatzpunkt. Insgesamt werden in elf Kategorien je ein Punkt und zusätzlich je ein halber Punkt für vier Stabilitätskriterien vergeben – maximal also 13 Punkte.
Zuletzt sind in der Reihe "Aktie der Woche" erschienen:
- Rheinmetall: Ist die Aktie noch ein Kauf?
- Hensoldt: "Auge" und "Ohr" der Rüstungsindustrie
- Lockheed-Martin: Lebensversicherung der NATO
- Renk: Getriebe der globalen Aufrüstung
- BAE Systems: Chance nach dem Kursrutsch?
- Tesla vor dem Wandel: Roboter und KI statt Autos?
- VW-Aktie: Extrem günstig – aber lohnt sich der Kauf?
- Mercedes-Aktie: Zwischen Krise und Comeback
- BMW schlägt VW und Mercedes – Chance für Anleger?
- BYD-Aktie: Angriff auf die Weltspitze
- Chevron-Aktie: Ölboom treibt den Kurs – aber wie lange noch?


