Shell hat vom Ölpreisanstieg im Zuge des Iran-Kriegs stark profitiert – die Aktie legte seit Jahresanfang mehr als 20 Prozent zu. Jetzt macht der Konflikt dem Konzern im Gasgeschäft zu schaffen. Unsere Analyse zur „Aktie der Woche" zeigt: Shell überzeugt mit wachsenden Gewinnspannen, hat aber auch Schwächen. Was ist die Aktie wert?
Shell-Aktie: Vom Kriegsgewinner zum Sorgenkind?
Es war ein Angriff mit Folgen: Im März traf ein iranischer Luftschlag die Pearl-Gas-to-Liquids-Anlage in Katar. Die weltgrößte Flüssiggas-Anlage ist eine der profitabelsten Produktionsstätten im Shell-Portfolio. Die Folge: Der britisch-niederländische Energiekonzern musste seine Förderprognose für das erste Quartal nach unten korrigieren. Die Aktie sackte am Tag der angekündigten Waffenruhe Iran-Krieg um gut sechs Prozent nach unten.
Trotz dieses Dämpfers: Wer vor einem Jahr Shell-Aktien im Depot hatte, kann sich kaum beklagen. Das Papier hat in den vergangenen zwölf Monaten fast 40 Prozent zugelegt. Analysten sehen das Unternehmen trotz der Kriegsturbulenzen gut aufgestellt – das starke Geschäft mit Kraftstoffen und Energieprodukten gleiche vieles aus.
In unserer Reihe „Aktie der Woche" nehmen wir Shell unter die Lupe. Wir vergleichen den Konzern mit seinen wichtigsten Wettbewerbern TotalEnergies, Chevron, ExxonMobil und BP – und wir sagen Ihnen, für wen sich die Shell-Aktie lohnt.

Mit der "Aktie der Woche" geben wir Ihnen Hilfestellung: Unser Börsenexperte Luis Ropero bewertet wöchentlich die Aktien von Unternehmen, die die Börse bewegen. Das Ergebnis fasst er in einem Kurzvideo auf Instagram zusammen.
Das Geschäftsmodell: Öl, Gas und Energiewende
Shell ist einer der größten Energiekonzerne der Welt. Das Geschäft ruht auf drei Säulen:
Öl- und Gasförderung: Shell fördert täglich rund 1,8 Millionen Barrel Rohöl und Erdgas – das entspricht etwa zwei Prozent der weltweiten Tagesproduktion. Ein wichtiger Wachstumsbereich ist das Flüssiggas-Geschäft (LNG), in dem Shell weltweit einer der führenden Anbieter ist.
Kraftstoffe und Handel: Shell betreibt weltweit Raffinerien, die aus Rohöl fertige Kraftstoffe wie Benzin, Diesel oder Kerosin herstellen. Dazu handelt der Konzern mit Energieprodukten auf internationalen Märkten. Gerade in Krisenzeiten spielt dieser Bereich seine Stärken aus – der Profit im Kraftstoffgeschäft ist zuletzt gestiegen.
Energiewende: Anders als etwa Chevron oder ExxonMobil investiert Shell stärker in erneuerbare Energien und Wasserstoff. Das soll langfristig den Übergang in eine kohlenstoffärmere Welt absichern – kostet aber heute erst einmal viel Geld.
Der Vergleich: Shell im Mittelfeld
In unserem Vergleich der fünf großen Ölkonzerne erreicht Shell 6 von 13 möglichen Punkten und belegt damit den vierten Platz. In den Vergleich gehen gut ein Dutzend Kennzahlen zu Gewinn, Umsatz oder der Aktienbewertung ein (siehe Info am Ende des Artikels). Den ersten Platz hält das französische Unternehmen TotalEnergies mit deutlichem Vorsprung.
Das Gesamtergebnis der Vergleichsgruppe
| Unternehmen | Gesamtpunktzahl |
| TotalEnergies | 12,0 |
| Chevron | 7,0 |
| ExxonMobil | 6,5 |
| Shell | 6,0 |
| BP | 4,5 |
Die Analyse: Schwächeln beim Gewinn
Shell hat eine deutliche Stärke: Die sogenannte EBIT-Marge des Konzerns – also der Anteil des Umsatzes, der als Ertrag hängen bleibt – wächst stärker als bei allen anderen Wettbewerbern in unserer Vergleichsgruppe. Auch bei der Krisenresistenz kann Shell punkten: Der maximale Gewinnrückgang der vergangenen fünf Jahre fällt geringer aus als bei Chevron oder ExxonMobil.
Beim Gewinnwachstum schwächelt Shell aber. Mit einem erwarteten Zuwachs von durchschnittlich gut 2,5 Prozent pro Jahr bis 2029 landet der Konzern auf dem letzten Platz der Vergleichsgruppe (siehe Grafik).
Gewinn bei Shell: Nur langsam nach oben

Auch beim Umsatz bleibt Shell hinter den Konkurrenten zurück. Analysten rechnen in Zukunft im Schnitt sogar mit einem leichten Rückgang. Grund dafür sind die Produktionseinschränkungen durch den Iran-Krieg. Die folgende Tabelle zeigt alle wichtigen Kennzahlen im Überblick.
Shell in Zahlen: Gute Marge, wenig Wachstum
| Kennzahl | Wert | Platz im Vergleich |
| Umsatzwachstum¹ | 8,06 % | 3 |
| Erwartetes Umsatzwachstum² | −0,65 % | 4 |
| Gewinnwachstum¹ | −1,92 % | 3 |
| Erwartetes Gewinnwachstum² | 2,52 % | 5 |
| EBIT-Marge³ | 8,00 % | 4 |
| EBIT-Margenwachstum³ | 21,54 % | 1 |
| EBIT-Drawdown³ | −45,37 Mrd. GBP | 3 |
| Eigenkapitalquote | 70,00 % | 2 |
| Eigenkapitalrendite (ROE)⁴ | 10,38 % | 3 |
| Kapitalrendite (ROCE)⁴ | 6,15 % | 4 |
| Forward-KGV⁵ | 14,22 | 2 |
Die Aktie: Mehr als 20 Prozent im Plus
Die Shell-Aktie notiert aktuell bei rund 39,10 Euro (Schlusskurs am 08.04.2026). Seit Jahresbeginn hat das Papier gut 20 Prozent zugelegt – getrieben vom Iran-Krieg und dem damit verbundenen Ölpreisanstieg. Der jüngste Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran hat die Aktie unter Druck gebracht. Der Grund: Der Ölpreis gab deutlich nach – und mit ihm die Kurse aller großen Ölkonzerne.
Shell-Aktie: Seit Jahresanfang kräftig hoch

Bei der Bewertung der Aktie schneidet Shell im Vergleich gut ab: Das Verhältnis von Aktienkurs zum erwarteten Jahresgewinn (erwartetes Kurs-Gewinn-Verhältnis, Forward-KGV) liegt bei gut 14. Das ist günstiger als bei Chevron oder ExxonMobil. Analysten sind dennoch vorsichtig. Das durchschnittliche Kursziel von sechs Analysten liegt derzeit bei 40,11 US-Dollar – die Aktie hat damit eher geringes Kurzpotenzial.
Das Fazit: Stabil – aber kein Selbstläufer
Shell ist ein solider, gut aufgestellter Energiekonzern. Doch er steckt – wie auch die Konkurrenten – in einem Dilemma. Der Iran-Konflikt hat dem Unternehmen über hohe Ölpreise gute Gewinne beschert. Allerdings kann das auch zum Bumerang werden, wenn sich die Lage entspannt. Hinzu kommt: Die Angriffe des Iran auf die Energieinfrastruktur im Nahen Osten haben Anlagen der Ölmultis beschädigt. Das beeinträchtigt das Geschäft – auch bei Shell.
Unsere Analyse zeigt: Es spricht einiges für das Papier, etwa die stark wachsenden Gewinnspannen oder die günstige Bewertung der Aktie. Auch das Kraftstoff- und Handelsgeschäft erweist sich als stabiler Ertragsbringer. So rechnet Shell im ersten Quartal mit einem deutlichen Gewinnzuwachs bei den Tankstellen. Doch es gibt auch Schwächen: So ist das erwartete Gewinnwachstum das schwächste der gesamten Vergleichsgruppe.
Shell eignet sich damit vor allem für Anlegerinnen und Anleger, die einen günstiger bewerteten Energietitel mit verlässlicher Dividende suchen und bereit sind, geopolitische Krisen auszusitzen. Wer auf starkes Gewinnwachstum hofft, wird aber bei Shell nicht fündig. TotalEnergies, der klare Sieger unseres Vergleichs, bietet in dieser Hinsicht deutlich mehr.
Nächste Woche analysieren wir TotalEnergies – den Sieger unseres Energie-Vergleichs mit 12 von 13 Punkten.
So bewerten wir die Aktie der Woche
Bei der "Aktie der Woche" vergleicht Biallo regelmäßig große Unternehmen aus verschiedenen Branchen. Wir ziehen dafür rund ein Dutzend Kennzahlen heran. Dazu zählen Umsatz- und Gewinnwachstum, Rentabilität, Kapitalstruktur oder die Analystenbewertung. Für jede Kategorie gibt es einen Punkt, wenn das Unternehmen in der Kategorie unter den Top 3 in der Vergleichsgruppe liegt. Bei Wachstumswerten berechnen wir zusätzlich die Stabilität des Wachstums: Liegt sie über einem definierten Schwellenwert, gibt es einen halben Zusatzpunkt. Insgesamt werden in elf Kategorien je ein Punkt und zusätzlich je ein halber Punkt für vier Stabilitätskriterien vergeben – maximal also 13 Punkte.
Zuletzt sind in der Reihe "Aktie der Woche" erschienen:
- Rheinmetall: Ist die Aktie noch ein Kauf?
- Hensoldt: "Auge" und "Ohr" der Rüstungsindustrie
- Lockheed-Martin: Lebensversicherung der NATO
- Renk: Getriebe der globalen Aufrüstung
- BAE Systems: Chance nach dem Kursrutsch?
- Tesla vor dem Wandel: Roboter und KI statt Autos?
- VW-Aktie: Extrem günstig – aber lohnt sich der Kauf?
- Mercedes-Aktie: Zwischen Krise und Comeback
- BMW schlägt VW und Mercedes – Chance für Anleger?
- BYD-Aktie: Angriff auf die Weltspitze
- Chevron-Aktie: Ölboom treibt den Kurs – aber wie lange noch?
- Ölboom treibt Exxon: Chance – oder überbewertet?
Diese Analyse wurde mit KI-Unterstützung erstellt.


