MeinInvest und Bevestor: Robo-Advisor erobern Genossen und Sparkassen

Digitale Vermögensverwaltung MeinInvest und Bevestor: Robo-Advisor erobern Genossen und Sparkassen

Horst Biallo
von Horst Biallo Sebastian Schick
23.03.2018
Auf einen Blick
  • Immer mehr Genossenschaftsbanken und Sparkassen setzen auf die digitale Vermögensverwaltung, die sogenannten Robo-Advisor.

  • Mittlerweile haben 38 Genossenschaftsbanken den digitalen Anlage-Assistenten "MeinInvest" auf Ihrer Homepage integriert.

  • Die Sparkassen setzen auf den Robo-Advisor "Bevestor". Ab Mitte April bietet der Sparkassen-Robo auch eine Anlagelösung mit ETF an.

 

 

 

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Robo-Advisor sind im Trend. Die digitalen Vermögensverwalter erobern jetzt auch die Sparkassen und Genossenschaftsbanken. "Bevestor", der Sparkassen-Robo aus dem Hause Deka-Bank, ist bereits bei einigen Kooperationspartnern integriert, unter anderem bei der Berliner Sparkasse.

Wie viele Sparkassen bislang Bevestor eingebunden haben, dazu wollte sich die Deka-Bank noch nicht äußern. "Wir befinden uns noch in Gesprächen mit zahlreichen Sparkassen", sagt Deka-Sprecherin Sarah Steilen gegenüber biallo.de. "Darüber hinaus werden derzeit weitere Einsatzmodelle und Möglichkeiten, zum Beispiel Whitelabel-Lösungen, entwickelt und gemeinsam mit Sparkassen erprobt."

Biallo-Lesetipp

Der Markt für Robo-Advice wächst rasant. Experten zufolge soll das verwaltete Kundenvermögen bis 2021 von derzeit gut einer Milliarde Euro auf dann 34 Milliarden Euro steigen. Wie die digitalen Vermögensverwalter genau funktionieren, erfahren Sie in unserem Ratgeber Robo Advisor.

Die digitale Vermögensverwaltung der Sparkassen ist per Browser oder App ansteuerbar. Letztere steht bislang nur im App Store für iOS-Geräte zur Verfügung. Nach einer ausführlichen Online-Befragung – unter anderem zur Risikoneigung und Erfahrung mit Wertpapieren – erhalten Bevestor-Kunden einen von drei Deka-Relax-Dachfonds als Vorschlag: Deka-Relax 30, Deka-Relax 50 oder Deka-Relax 70.

Die Relax-Dachfonds investieren ausschließlich in aktiv gemanagte Fonds – je nach Risikoprofil des Anlegers mit unterschiedlicher Gewichtung in Mischfonds, Aktien-, Anleihen- und Geldmarktfonds. Das defensive Portfolio Deka-Relax 30 etwa besteht zu 30 Prozent aus Aktien und zu circa 70 Prozent aus festverzinslichen Wertpapieren. Das risikoreichste Portfolio Deka-Relax 70 beinhaltet 70 Prozent Aktien und knapp 30 Prozent Anleihen.

Die jährliche Servicegebühr beläuft sich auf 0,9 Prozent des Anlagevolumens. Darin enthalten sind die Depotkosten (depotführende Bank ist die Deka-Bank) und Transaktionskosten. Ausgabeaufschläge werden nicht berechnet. Die laufenden Kosten der Deka-Relax-Fonds bewegen sich zwischen 1,23 und 1,29 Prozent und sind bereits in den Fondskursen berücksichtigt.

Wissenschaftlich fundierter Ansatz

Ab Mitte April wird Bevestor auch die Anlagelösung "Select" zum Kauf anbieten. Die fünf Select-Portfolios bestehen überwiegend aus ETF, zum Teil auch aus aktiv gemanagten Fonds. Finanz-Experten der Deka Investment berechnen mit einer wissenschaftlichen Methode – dem sogenannten Resampling-Ansatz nach Michaud –, welches Portfolio am besten für den Anleger passt. Laut Deka ist diese Methode bei unsicherer zukünftiger Entwicklung der Finanzmärkte besser geeignet als zum Beispiel der Ansatz nach Markowitz, den die Mehrheit der Robo-Advisor verfolgt.

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Kunden der kooperierenden Sparkassen können die neue Anlagelösung Select bereits als Testportfolio speichern und auf die Watchlist setzen – zum Beispiel mit dem Promotion Code "berlin_bevestor" der Berliner Sparkasse. Die Gebühren für die Select-Portfolios liegen bei 0,8 Prozent pro Jahr, die Fondskosten sind günstiger als bei den Relax-Portfolios, da hauptsächlich ETF zum Einsatz kommen.

Aktives Risikomanagement

Gegen einen Aufpreis von 0,2 Prozent pro Jahr können Bevestor-Kunden bei den Select-Portfolios noch die Option Anlageschutz wählen. Dabei handelt es sich um eine aktive Risikomanagementstrategie, welche die Experten der Deka Investment überwachen. Bei den Relax-Portfolios ist der Service bereits in der Jahresgebühr von 0,9 Prozent enthalten.

"Der Anlageschutz schützt die Geldanlage in Zeiten starker Marktschwankungen. Dazu wird der Wert des Fonds-Portfolios täglich individuell beobachtet und im Falle einer negativen Entwicklung in einen sicherheitsorientierteren geldmarktnahen Fonds umgeschichtet", erklärt Steilen. "Der Service ist in allen Portfolios optional ein- und ausschaltbar."

Als weitere Zusatzfunktion können Anleger bei den Select-Portfolios noch bis zu drei Themenschwerpunkte setzen, unter anderem aus den Bereichen Infrastruktur, Industrie 4.0, Digital Lifestyle, Klimawandel und Nachhaltigkeit. Das Mindestanlagevolumen beträgt 1.000 Euro. Sparpläne sind ab 25 Euro monatlich möglich.

Lesen Sie auch: Hamburger Sparkasse setzt auf Robo-Advisor Investify

Wie sieht es bei den Genossenschaftsbanken aus?

Auch bei den Sparda-, PSD- und VR-Banken sind die Robos auf dem Vormarsch. Bereits im September vergangenen Jahres haben die ersten Genossenschaftsbanken den Robo-Advisor "MeinInvest" ihren Kunden angeboten – eine White-Label-Lösung von "Visulavest", der Online-Vermögensverwaltung von Union Investment. Mittlerweile haben 38 Genossenschaftsbanken den Robo auf ihrer Website eingebunden.

Im Gegensatz zu Visualvest kommen bei MeinInvest keine ETF zum Einsatz, sondern ausschließlich aktiv gemanagte Fonds. Im ersten Schritt wird der Anleger durch einen Online-Fragebogen geführt. Dabei werden unter anderem Alter, Finanzen, Vorkenntnisse und Risikoneigung abgefragt. Aus den Daten ermittelt der Robo dann die Anlagestrategie und schlägt ein Portfolio vor. Im dritten Schritt legt der Anleger sein Benutzerkonto an und eröffnet das Depot bei der angeschlossenen Partnerbank, der Union Investment Service Bank.

Renditen von bis zu vier Prozent

Insgesamt gibt es bei MeinInvest drei Anlagestrategien: defensiv, ausgewogen und chancenorientiert. Dabei wird das Portfiolio auf verschiedene Anlageklassen gestreut: Geldmarkt, Anleihen, Aktien und Rohstoffe. Je höher das Risiko, desto höher die Gewinnchance. Für das offensive Portfolio stellt der genossenschaftliche Robo Renditen von bis zu vier Prozent in Aussicht. Allerdings weist MeinInvest darauf hin, dass Prognosen kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung sind.

Je nach Genossenschaftsbank liegt die jährliche Service-Gebühr bei 0,7 bis 1,0 Prozent des Depotvolumens. Hinzu kommen Fondskosten von circa 1,1 bis 1,8 Prozent, die bereits in den Fonds-Kursen berücksichtigt sind. MeinInvest erstattet dem Anleger die Ausgabeaufschläge und Provisionen. Es fallen weder Transaktionskosten noch Depotgebühren an.

Die Geldanlage bei MeinInvest basiert – ebenso wie bei Bevestor – auf wissenschaftlich fundierten Methoden und wird von Finanzexperten der Union Investment gesteuert. Weicht das Depot infolge unterschiedlicher Wertentwicklung der jeweiligen Anlageklassen von der ursprünglichen Risikoausrichtung ab, wird das Portfolio automatisch auf die Anfangsgewichtung zurückgesetzt (sogenanntes Rebalancing).

Im Benutzerkonto haben Anleger ihr Investment stets im Blick und können flexibel Ein-und Auszahlungen vornehmen sowie Sparraten ändern oder aussetzen. Sparpläne sind ab 25 Euro monatlich möglich. Das Mindestanlagevolumen beträgt 500 Euro. 

Raiffeisenbank Oberursel als Vorreiter

Die erste Bank, die MeinInvest auf ihrer Online-Plattform intergriert hat, ist die Raiffeisenbank Oberursel. "Die Digitalisierung hat längst viele Bereiche der Wirtschaft erfasst und ist aus unserem Privatleben kaum mehr wegzudenken. Und sie macht auch vor der Bankberatung nicht halt", sagt Christian Zilch, Bereichsleiter Vertrieb bei der Raiffeisenbank Oberursel.

Zilch schildert eine Erfahrung, die wir auch aus den Gesprächen mit den anderen Bankern gewonnen haben:

"Nach wie vor schätzen zwar die meisten Menschen das persönliche Gespräch vor Ort mit ihrem Berater. Doch immer mehr erledigen ihre Bankgeschäfte zusätzlich oder hauptsächlich online. Diesen Kunden wollen wir neben unserem kostenfreien OnlineOnly-Konto mit MeinInvest Zugang zu einer zeitgemäßen Geldanlage bieten."

Offensichtlich macht diese feine technische Lösung nicht nur den Kunden Spaß, sondern auch den Verantwortlichen in den Banken. Carsten Graf, Vorstandssprecher der PSD Bank Braunschweig, schwärmt geradezu: "Von der Information, über die Selbstberatung, Legitimation und Depoteröffnung bis zum Kauf des Portfolios läuft alles sehr strukturiert und selbsterklärend ab", so Graf.

"Mit MeinInvest können wir digitalaffine Kunden erreichen, für die eine persönliche Beratung in der Geschäftsstelle oder per Videoberatung bisher nicht in Frage kam. Selbstverständlich bleibt unser Beratungsangebot hybride, das heißt, der Kunde, der bei der Eröffnung Hilfe braucht, dem stehen wir gerne unterstützend zur Seite."

Zu den Pilotbanken, die den Robo-Advisor von Union Investment schon eingeführt haben, gehört auch die PSD Bank Nord mit Sitz in Hamburg und Niederlassungen in Niedersachsen, Bremen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern.

"Im genossenschaftlichen Verbund sind wir seit jeher führend bei der Umsetzung digitaler Themen. Daher haben wir auch als eine der ersten Genossenschaftsbanken MeinInvest eingeführt und zwar Anfang August 2017", sagt Marco Pietsch, Vertriebsleiter der PSD Bank Nord.

"Wir verstehen MeinInvest als sinnvolle Ergänzung und wichtigen Baustein im Rahmen unseres digitalen Beratungsangebots. Zudem haben wir zahlreiche Kunden, die nicht in unmittelbarer Nähe zu einer Filiale wohnen oder sich telefonisch beraten lassen möchten. Auch diesen Kunden wollen wir ein Angebot machen."

Diese 38 Genossenschaftsbanken haben "MeinInvest" auf ihrer Homepage integriert (Stand 16. März 2018, Quelle: Deka-Bank):

1. RB Oberursel

2. Volksbank in der Ortenau

3. VB Schwarzwald Baar Hegau

4. VB Mittweida

5. VB Kur- und Rheinpfalz

6. VRB Rosenheim-Chiemsee

7. Föhr-Amrumer Bank

8. VRB Bayern-Mitte

9. VR-Mittelfranken West

10. VRB Main Kinzig Büdingen

11. PSD Nürnberg

12. VB RheinAhrEifel

13. VB Bielefeld-Gütersloh

14. VB Rhein-Lahn-Limburg

15. BBBank

16. Hannoversche VB

17. VB Lingen

18. VB Greven

19. VB Kassel Göttingen

20. Sparda Bank Augsburg

21. VR Westmünsterland

22. Sparda Bank Hamburg

23. VB Göppingen

24. VB Heinsberg

25. VRB Rottal-Inn

26. PSD Braunschweig

27. VRB Hessenland

28. VRB Niebüll

29. Sparda Hessen

30. PSD Bank Rhein-Ruhr

31. VB Lahr

32. VB Pinneberg-Elmshorn

33. VB Beckum-Lippstadt

34. PSD-Nord

35. RB Roth-Schwabach

36. Sparda Bank Nürnberg

37. VB Forchheim

38. Sparda Bank Hannover

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Herausgeber und Gründer biallo.de
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Jahrgang 1954, studierte Wirtschaft und absolvierte eine Ausbildung zum Wirtschaftsjournalisten bei der Tageszeitung Die Welt. Später machte er sich selbstständig, schrieb für Wirtschaftswoche, Stern und zahlreiche Tageszeitungen. Er ist Autor mehrerer Fachbücher, u.a. "Die geheimen deutschen Weltmeister" und "Die Doktormacher". Im Jahr 1999 gründete er das Verbraucherportal www.biallo.de, vier Jahre später www.geldsparen.de und 2009 www.biallo.at. Horst Biallo ist verheiratet und hat drei Kinder.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de