Zwei Ernten auf einem Feld: Immer mehr Landwirte setzen aktuell auf Agri-Photovoltaik (Agri-PV) – und profitieren dabei sogar von besseren Erträgen und zusätzlichem Einkommen. Ein Betrieb in Baden-Württemberg zeigt, wie sich Stromproduktion und Landwirtschaft erfolgreich kombinieren lassen.
Agri-PV boomt: Landwirte ernten Strom und Getreide gleichzeitig
Auf einen Blick
- Ein Landwirt aus Baden-Württemberg zeigt, wie Agri-PV gleichzeitig Strom und stabile Erträge ermöglicht.
- Photovoltaik-Module können Ernteerträge sogar verbessern, etwa durch Schutz vor Hitze und Trockenheit.
- Trotzdem bremsen hohe Kosten und Genehmigungen den Ausbau in Deutschland noch aus.
Agri-PV in der Praxis: Strom und Ernte auf derselben Fläche
Aktuell zeigt sich in der Praxis immer deutlicher, dass Agri-Photovoltaik funktioniert – erste Betriebe berichten von positiven Erfahrungen. Einer von ihnen ist Severin Batzill aus Schlier in Baden-Württemberg.
Severin Batzill aus Schlier in Baden-Württemberg war anfangs sehr skeptisch. Sollte es wirklich funktionieren, auf seinen Äckern Getreide anzubauen und gleichzeitig Strom zu ernten? Agri-Photovoltaik (Agri-PV), eine Technologie, die Landwirtschaft und Stromerzeugung (PV = Photovoltaik) kombiniert, hat ihn jedenfalls überzeugt. Und sie hat ihm sogar mehr Erträge eingebracht, als er erwartet hatte.
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Die über dem Boden aufgeständerten Photovoltaik-Module bedecken 14 Hektar mit einer Leistung von zehn Megawatt und lieferten im letzten Jahr 14 Mio. Kilowattstunden Strom. Und die Feldfrüchte? Wie viel mehr musste in Aussaat, Pflege und Ernte gesteckt werden? Rund sieben Tonnen Triticale, eine Kreuzung aus Weizen und Roggen hat Batzill pro Hektar geerntet. Dies sei, so der Landwirt, für einen nach Bio-Kriterien wirtschaftenden Betrieb, ein „sehr guter Ertrag“. Und der Ertrag war im Sommer des vergangenen Jahres sogar höher als die Erträge, die er außerhalb der PV-Anlage eingefahren hat. Das Plus führt er vor allem auf die Beschattung und den Windschutz zurück. Die Module hätten den Boden länger feucht gehalten. An anderer Stelle sei das Getreide zum Teil vertrocknet.
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Mehr Aufwand bei der Ernte – Technik als Herausforderung
Doch es gab auch negative Überraschungen. Die Ernte sei deutlich zeitintensiver ausgefallen. Zwar wäre es aufgrund des Abstands der PV-Modulreihen möglich gewesen, mit Mähdreschern zu arbeiten. Aber man entschied sich für den Einsatz von Sechs-Meter-Maschinen, um besser Rangieren zu können und eine Kollision mit den Modulen zu vermeiden. So musste man pro Feldabschnitt eineinhalb statt einmal entlangfahren.
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Großes Potenzial – aber Hürden bremsen den Ausbau
Batzill jedenfalls ist vom Agri-PV-Konzept überzeugt. Und das Potential für Agri-PV in Deutschland ist gewaltig. Experten des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) haben errechnet, dass auf geeigneten Flächen bis zu 500 Gigawatt Solarleistungen erzeugt werden könnten. Das ist mehr als die angepeilten Solar-Ausbauziele für 2040.
Hohe Kosten und Genehmigungen bremsen Agri-PV
Dass es bei uns nicht schneller vorangeht, liegt an mehreren Faktoren:
- hohe Investitionskosten
- komplexe und regional unterschiedliche Genehmigungsverfahren
Auch der Bauernverband macht sich mittlerweile für Agri-PV stark und begrüßt die Möglichkeit der „doppelten Ernte angesichts des Drucks auf die Agrarflächen.“
Für Sie als Verbraucher zeigt sich: Neue Technologien wie Agri-PV könnten künftig helfen, Strom nachhaltiger und stabiler zu erzeugen – und damit langfristig auch Ihre Energiekosten beeinflussen.
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