Das erwartet Sie in diesem Artikel

Zinsen steigen – und alle warnen vor Aktienverlusten. Doch eine Analyse von zehn Zinserhöhungsphasen zeigt: In neun der zehn Fälle erzielte der US-Markt ein Plus – im Schnitt sogar mehr als 18 Prozent. Besonders Technologie- und Industrieaktien profitieren, während Versorger in solchen Phasen typischerweise schwächeln. Was Anlegerinnen und Anleger daraus lernen können.

Aktien- und ETF-Anleger können trotz des anhaltenden Zinsanstiegs auf Kurszuwächse in ihrem Depot hoffen. Das zeigt jetzt eine Untersuchung des Family Offices HQ Trust. Demnach schaden steigende Zinsen den Aktienmärkten weit weniger, als Börsianer gemeinhin annehmen.

Allerdings sind die Ergebnisse je nach Branche unterschiedlich. Wir sagen Ihnen, wie sich steigende Zinsen auf die Aktienmärkte auswirken, welche Branchen darunter am meisten leiden – und wo die Kurse oft steigen, wenn die Zinsen hochgehen.

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Zinsen steigen – schadet das Ihrem ETF?

Steigende Zinsen sind Gift für die Aktienmärkte: Diese Regel gilt an der Börse als ausgemacht. Denn zum einen erhöhen steigende Zinsen die Kreditkosten für die Unternehmen. Das drückt die Aktienkurse. Zum anderen werden Anleihen bei steigenden Zinsen attraktiver im Vergleich zu Aktien. Auch das lässt die Kurse schwächeln.

Doch was theoretisch plausibel klingt, muss in der Praxis nicht zwangsläufig zutreffen. Das zeigt jetzt eine Analyse des Family Offices HQ Trust. Darin untersucht Sebastian Dörr, Kapitalmarktstratege der Vermögensverwaltung, die Aktienperformance in Phasen steigender zehnjähriger US-Zinsen.

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Müssen Anleger sich jetzt warm anziehen?

Hintergrund der Analyse: Wegen der teuren Energie und der Angst vor Inflation befindet sich die Weltwirtschaft derzeit in einer Phase steigender Zinsen. So haben die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen mit gut 5,20 Prozent den höchsten Stand seit 2007 erreicht. Deutsche Bundesanleihen rentieren mit gut 3,60 Prozent so hoch wie seit 15 Jahren nicht mehr. Und der Anstieg der Zinsen und Renditen könnte noch eine Weile andauern.

Müssen Aktien- und ETF-Anleger sich also warm anziehen? Nein, sagt Analyst Dörr: "Steigende Zinsen bedeuten nicht automatisch Gegenwind für Aktien", stellt der Kapitalmarktexperte fest. Oft sei sogar das Gegenteil der Fall: "In neun von zehn untersuchten Zinsanstiegsphasen erzielte der US-Markt positive Renditen".

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Technologie gewinnt, Versorger verlieren

Für seine Analyse hat Dörr zehn Zinserhöhungs-Phasen von 1978 bis heute untersucht. Im Durchschnitt erreichten die US-Aktienmärkte dabei trotz des Zinsanstiegs ein Plus von mehr als 18 Prozent – das ist deutlich mehr als das langfristige Mittel von gut 12 Prozent.

Zwischen den Branchen gibt es allerdings große Unterschiede. Der Technologie-Sektor etwa sei "der klare Gewinner steigender Zinsen", sagt Dörr. Im Vergleich zum Gesamtmarkt erreichte die Branche in acht von zehn Fällen eine bessere Performance. Auch Industrieaktien legten überdurchschnittlich zu.

Versorger hingegen traf ein Zinsanstieg besonders hart: Der Sektor entwickelte sich in den meisten Fällen deutlich schlechter als der gesamte Aktienmarkt (siehe Grafik).

Wer vom Zinsanstieg profitiert – und wer nicht

Durchschnittliche Performance einzelner US-Sektoren im Vergleich zum US-Gesamtmarkt (Outperformance) in Phasen steigender zehnjähriger US-Zinsen.

Quelle: HQ Trust, Grafik biallo.de (KI-unterstützt)

Nach dem Zinsanstieg schließlich kehrt sich die Entwicklung um. So gehörten in den drei Monaten nach dem Ende der Zinserhöhungen Versorger zu den Gewinnern.

Trotz Zinsanstieg: Aktien bleiben attraktiv

Für Aktien- und ETF-Anleger bedeutet das: Sie können auch bei ansteigenden Zinsen auf ein Kursplus hoffen. "Steigende Zinsen sind kein Grund, sich pauschal aus Aktien zurückzuziehen", sagt Sebastian Dörr.

Das gilt insbesondere für Anlegerinnen und Anleger, die mit einem weltweit investierenden ETF auf den gesamten Markt setzen. Denn die Analyse zeigt: Auch bei Zinsanstiegen ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Kurse im Marktdurchschnitt zulegen. Wer dagegen auf einzelne Aktien oder Sektoren setzt, muss je nach Branche auch einmal mit einem Rückschlag rechnen.

Über den Redakteur Andreas Jalsovec

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Hat als Redakteur in mehreren (Wirtschafts-) Redaktionen gearbeitet – unter anderem beim Anlegermagazin Börse Online, bei der Münchner Abendzeitung, der Schwäbischen Zeitung und der Nachrichtenagentur epd. Der promovierte Ökonom schreibt vor allem über Anleger- und Verbraucherthemen. Vor seinem Wechsel zu Biallo.de war er für die Wirtschaftsredaktion der Süddeutschen Zeitung tätig.

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