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Sie widersprechen eigentlich der ETF-Idee – und boomen trotzdem. Die Zahl aktiver ETFs in Deutschland hat sich laut der Rating-Agentur Scope binnen eines Jahres fast verdoppelt. Zwei aktive Welt-ETFs übertrafen über ein, drei und fünf Jahre ihre Referenzindizes. Es gibt aber einiges, was Anleger dabei bedenken sollten.

Sie sind noch immer ein Nischenprodukt. Doch die Nische wächst rasant: Das Angebot an sogenannten aktiven ETFs hat in Deutschland deutlich zugenommen. Das zeigt eine Studie der Fondsrating-Agentur Scope. Demnach hat sich die Anzahl aktiver ETFs in einem Jahr fast verdoppelt. Besonders häufig sind dabei aktive ETFs, die weltweit in Aktien investieren.

Doch wie gut sind die aktiven Anlagestrategien: Schlagen sie herkömmliche ETFs auf den MSCI World oder den MSCI All Country World? Wir haben aktive und passive Welt-ETFs verglichen – und erklären, wann sich aktive ETFs für Anlegerinnen und Anleger lohnen können.

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Aktive ETFs: Was sie anders machen

Aktive ETFs widersprechen eigentlich der Idee eines ETFs. Denn sie folgen nicht einfach einem Index. Stattdessen versucht ein Fondsmanagement, durch gezielte Aktienauswahl eine bessere Rendite zu erzielen als ein Referenzindex. Weil das Management etwas kostet, sind aktive ETFs in der Regel teurer als herkömmliche ETFs, die nur den Index nachbilden. Aktive ETFs kosten aber immer noch deutlich weniger als aktiv gemanagte Aktienfonds – und sie werden an der Börse gehandelt.

Der Markt für aktive ETFs ist im Vergleich zum Vorjahr kräftig gewachsen: "Das Angebot in Deutschland ist so groß wie nie zuvor", heißt es in der Scope-Studie. Derzeit seien knapp 119 Milliarden Euro in aktiven ETFs angelegt, fast doppelt so viel wie 2025. Auch die Anzahl hat sich nahezu verdoppelt – auf 345 aktive ETFs.

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Boom bei aktiven ETFs: Zahl fast verdoppelt

Aktive ETFs versuchen zwar, mehr Rendite rauszuholen, indem sie gezielt vom Index abweichen. Dennoch orientieren sich viele aktive ETFs stark am Index. Beliebt seien "benchmarktnahe Ansätze", heißt es bei Scope – also Anlagestrategien, die sich eng an den Index halten.

Die meisten aktiven ETFs legen das Geld dabei weltweit in Aktien an. Einige von ihnen schneiden bei der Rendite sehr gut ab, wie ein Vergleich mit herkömmlichen ETFs zeigt. 

Zwei aktive Welt-ETFs mit Top-Rating

Für den Vergleich betrachten wir zwei aktive ETFs aus der Scope-Studie, die weltweit in Aktien investieren. Beide haben das Top-Rating A. Sie bilden keinen Index nach, haben aber als Referenzindex den MSCI World und den MSCI All Country World (ACWI), der neben Industrieländern auch Emerging Markets enthält. Der Referenzindex ist der Gradmesser für den Erfolg eines aktiven ETFs: Mit ihm wird die Performance verglichen.

Die beiden ETFs schneiden bei der Rendite sehr gut ab. Sie stehen damit aber nicht unbedingt für die Gesamtheit der aktiven ETFs:

Invesco Global Active ESG Equity (IE00BJQRDN15): Für den ETF werden gezielt Aktien aus Industrieländern ausgewählt. Dabei kommen aus jeder Branche die nachhaltigsten Firmen ins Portfolio. Dann sucht ein Computermodell jene aus, die günstig bewertet, solide finanziert und im Aufwärtstrend sind. Das Portfolio wird monatlich angepasst. Der ETF enthält gut 200 Aktien. Referenzindex ist der MSCI World.

HSBC Multi Factor Worldwide Equity (IE00BKZGB098): Bei dem ETF bewertet ein Computermodell Aktien aus aller Welt inklusive Schwellenländern nach fünf Faktoren: Wie günstig, solide, kursstark und schwankungsarm sind sie – und sind es eher kleinere Firmen? Die besten Titel kommen ins Portfolio, insgesamt gut 400 Aktien. Referenzindex ist der MSCI ACWI.

Beide ETFs verfolgen damit einen "Multifaktor-Ansatz". Dabei werden die Aktien danach ausgesucht, ob sie bei Faktoren wie Preis, Qualität, Kursdynamik oder Risiko gut abschneiden. So will das Management "langfristig bessere Renditen als ein globales Aktienmarkt-Investment" erzielen, heißt es in der Beschreibung des Invesco-ETF.

Aktiv schlägt passiv: 100 Prozent plus in 5 Jahren

Doch wie gut gelingt das? Die folgende Tabelle vergleicht die Performance der beiden aktiven Welt-ETFs mit den beliebtesten ETFs auf den MSCI World und den MSCI ACWI.

So gut sind aktive Welt-ETFs

ETF (ISIN)

Performance

1 Jahr

Performance

3 Jahre

Performance

5 Jahre

Laufende Kosten

Aktive Welt-ETFs 
Invesco Global Active ESG Equity (IE00BJQRDN15)

23,11 %

91,06 %

99,10 %

0,37 %

HSBC Multi Factor Worldwide Equity (IE00BKZGB098)¹

22,66 %

79,01 %

76,66 %

0,46 %

Passive Welt-ETFs

 

iShares Core MSCI World (IE00B4L5Y983)

17,83 %

75,56 %

73,30 %

0,20 %

iShares MSCI ACWI (IE00B6R52259)

18,05 %

75,20 %

69,69 %

0,21 %

¹ausschüttend, sonst alle thesaurierend; Performance in Euro; NAV-Kurse vom 27.10.2026; Quellen: Scope, Fondsweb, JustETF

Der Vergleich zeigt: Beide aktiven ETFs schneiden über alle Laufzeiten besser ab als ihr Referenzindex. Besonders deutlich ist der Vorsprung beim Invesco-ETF. Über fünf Jahre etwa erreicht der aktive ETF ein Plus von fast 100 Prozent. Das ist eine um gut 25 Prozentpunkte höhere Performance als der MSCI World-ETF, bei drei Jahren sind es gut 15 Prozentpunkte.

Sind aktive Welt-ETFs wirklich besser?

Das lässt sich so allgemein nicht sagen. Ein Renditevergleich ist immer nur eine Momentaufnahme. Zu einem anderen Zeitpunkt kann das Ergebnis anders aussehen. Der klare Performance-Vorsprung der aktiven ETFs zeigt aber zumindest, dass es möglich ist, mit ihnen eine deutliche "Überrendite" zu erzielen. Anlegerinnen und Anleger sollten dabei aber bedenken:

  • Aktive ETFs sind oft deutlich teurer als passive. Das zeigt auch die Tabelle. Das kann langfristig ein Renditenachteil sein – auch wenn das im Beispiel nicht der Fall war.
  • Wegen der gezielten Auswahl bestimmter Aktien enthalten aktive ETFs oft deutlich weniger Unternehmen als der Referenzindex. Dadurch steigt das Anlagerisiko. So enthalten die beiden aktiven ETFs in unserem Vergleich nur einen Bruchteil der Firmen im Referenzindex.
  • Wer auf aktive ETFs setzt, muss dem Management zutrauen, langfristig mit dem Fonds besser zu sein als der Referenzindex. Studien zeigen allerdings regelmäßig, dass das nur die wenigsten schaffen. Das gilt vor allem langfristig.

Wer daher über eine Investition in einen aktiven ETF nachdenkt, sollte sich die jeweilige Anlagestrategie genau anschauen. Aktive Strategien – das zeigt auch die Scope-Studie – unterscheiden sich sehr stark voneinander. Und: Sie sind längst nicht alle gleich erfolgreich.

Anlegerinnen und Anleger, die vom Anlagekonzept eines aktiven ETF überzeugt sind, können ihn sich erst einmal nur als Beimischung zu einem herkömmlichen Welt-ETF ins Depot legen. So bleibt das Risiko einer möglichen "Unterrendite" gering – und die Chance auf Überrendite erhalten.

Über den Redakteur Andreas Jalsovec

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Hat als Redakteur in mehreren (Wirtschafts-) Redaktionen gearbeitet – unter anderem beim Anlegermagazin Börse Online, bei der Münchner Abendzeitung, der Schwäbischen Zeitung und der Nachrichtenagentur epd. Der promovierte Ökonom schreibt vor allem über Anleger- und Verbraucherthemen. Vor seinem Wechsel zu Biallo.de war er für die Wirtschaftsredaktion der Süddeutschen Zeitung tätig.

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