Die Preisunterschiede bei Girokonten wachsen weiter. Während viele Sparkassen und Volksbanken ihre Kontomodelle verteuern, halten zahlreiche Onlinebanken an kostenlosen Angeboten fest. Was bedeutet das jetzt für Verbraucherinnen und Verbraucher?
Girokonto-Gebühren steigen – diese Banken bleiben kostenlos
Hohe Preisunterschiede beim Onlinebanking
Vor zehn Jahren boten noch mehr als 70 Geldhäuser gebührenfreie Girokonten an, aber deren Zahl wurde ständig kleiner. Und so prophezeite der damalige Deutsche Bank-Chef John Cryan, dass kostenlose Konten keine Zukunft hätten. Und die Manager der Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken dürften die Daumen gedrückt haben, dass Cryan Recht behält.
Doch es kam anders. Niemand konnte damals ahnen, wie hartnäckig die Direktbanken an ihrem Geschäftsmodell festhielten. Aktuell verzichten weiterhin mehr als 30 Geldhäuser auf die monatliche Grundgebühr. Meist geben sie sogar noch eine Girocard gratis dazu. Und es gibt bislang keine Anzeichen, dass sie der übermächtigen Konkurrenz klein beigeben werden. Das zeigt: Die Prognose vom Ende kostenloser Girokonten ist bislang nicht eingetreten.
Regionalbanken erhöhen Gebühren
Diese verbraucherfreundliche Geschäftspolitik beschert Anbietern wie ING, DKB, Meine Bank, Comdirect oder Sparda-Bank Hessen stetig steigende Kundenzahlen. Anders die Situation bei den meisten Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken (VR). Deren Kundenzahl stagniert bestenfalls; kein Wunder bei Monatspreisen zwischen 2,95 Euro und deutlich über 20 Euro je nach Geldhaus und Kontomodell.
Filialkunden zahlen deutlich mehr
Alle Banken müssen heute bei ihren Kunden die für sie lästige und teure Zustimmung einholen, wenn sie die Preise anheben wollen. Geschickt haben sie andere Möglichkeiten ersonnen, um zu höheren Einnahmen zu kommen. Einige wie die regionalen Geldhäuser in Ingolstadt schafften einfach die relativ günstigen Filialkonten ab. Die Folge: Leute, die kein Onlinebanking machen wollen oder können, zahlen nun monatlich 8,90 Euro bei der Volksbank oder 11,00 Euro bei der Sparkasse für das teurere Kontomodell.
Girocard wird zunehmend kostenpflichtig
Viele andere Geldhäuser erheben nun auch Gebühren für die Girocard beim Online-Kontomodell, was früher unüblich war. Kunden der VR-Banken beziehungsweise Sparkassen in Mainz und München zahlen dafür jetzt bis zu 18,00 Euro im Jahr.
Für Verbraucher heißt das: Wer weiterhin ein Filialkonto nutzt oder keine App verwenden möchte, muss oft deutlich tiefer in die Tasche greifen als noch vor wenigen Jahren.
Onlinekonten auf dem Vormarsch
Gratiskonten sind meist reine Onlineangebote. Das mag früher für manche ein Hinderungsgrund gewesen sein. Seit der Corona-Pandemie hat sich das deutlich verändert. Der Anteil digital geführter Onlinekonten steigt – auch bei Kundinnen und Kunden regionaler Banken.
Sparkassen forcieren diesen Trend: zum einen durch den Preisvorteil ihrer Internetkonten im Vergleich zu den anderen Kontomodellen, zum anderen durch die Schließung immer weiterer Filialen vor Ort.
Große Preisunterschiede
Einige Regionalbanken können preislich mit ihren Onlinekonten einigermaßen mit den Angeboten von Direktbanken mithalten, viele andere aber nicht. Nur 2,95 Euro im Monat verlangt beispielsweise die Stadtsparkasse München dafür und ist damit bundesweit eine der günstigsten regionalen Anbieter. Die Mehrzahl der Banken vor Ort verlangt jedoch rund fünf Euro für die Internetkonten. Darüber hinaus gibt es auch Ausreißer nach oben wie die Aachener Sparkasse, die acht Euro im Monat kassiert.
Keine Grundgebühr als Wettbewerbsvorteil
Bei weiter steigenden Preisen dürften Onlinebanken mit Konten ohne monatliche Grundgebühr für viele Verbraucher noch attraktiver werden. Erst recht, wenn Bankgeschäfte ohnehin digital erledigt werden. Dann ist ein Wechsel von einem Internetkonto zum nächsten nur noch ein kleiner Schritt.
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Geldeingang erforderlich
Davon profitieren dann vor allem etablierte Direktbank-Anbieter mit ihrem guten Namen wie ING, DKB, Meine Bank, Consorsbank, Comdirect und Co. Sie locken zunächst mit dem Verzicht auf eine monatliche Grundgebühr. Diese Gebührenfreiheit ist zwar mittlerweile bei vielen Internetbanken wie DKB oder ING an einen monatlichen Geldeingang von mindestens 700 Euro beziehungsweise 1.000 Euro geknüpft, während die Norisbank nur 500 Euro Geldeingang im Monat erwartet. Doch diese Hürde ist offensichtlich für die meisten Kunden kein unüberwindliches Problem. Der Trend könnte sich 2026 weiter verstärken, denn viele Banken haben weitere Gebührenanpassungen angekündigt.
Weitere Vorteile der Onlinebanken
Kostenlos oder sehr preisgünstig sind bei vielen Anbietern zudem Girocard und Kreditkarten. Mit diesen Karten können Direktbank-Kunden bei allen Geldautomaten in Deutschland, der Eurozone oder teils sogar weltweit (DKB) Bargeld abheben. Zudem punkten diese Geldhäuser auch noch mit relativ niedrigen Dispozinsen und Ratenkreditzinsen. Für preisbewusste Verbraucher entsteht damit ein spürbarer Wettbewerbsvorteil.
Kontowechsel wird einfacher
Wer bereits länger Onlinebanking nutzt, kann bei vielen Banken den Bankenwechsel online selbst durchführen. Das ist ganz einfach und dauert meist nur wenige Minuten.
Man loggt sich ins Onlinebanking der neuen Bank ein und wählt dort den Menüpunkt „Kontowechsel“. Von dort geht es ins Onlinebanking des bisherigen Geldhauses. Automatisch ermittelt die Software die Kontobewegungen der vergangenen zwölf Monate, erkennt Daueraufträge, Lastschriften und regelmäßige Zahlungen. Anschließend kann man Schritt für Schritt entscheiden, was übernommen und auf die neue Bankverbindung umgestellt werden soll.
Ist alles erledigt, kündigt man das Konto bei der bisherigen Bank und überträgt das Restguthaben auf das neue Konto. Selbst wenn das Konto im Dispo ist, steht das einem Wechsel meist nicht im Weg.
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