Konten und Karten

So klappt es mit dem Kontowechsel

Update: 13.05.2020
Auf einen Blick
  • Mit nur wenig Arbeit können Sie schnell Ihr Konto wechseln, denn Banken sind zur Unterstützung verpflichtet.

  • Viele Geldhäuser bieten mittlerweile auch einen digitalen Kontowechsel-Service an.

  • Ein Kontowechsel ist bei immer mehr Banken auch mit überzogenem Konto möglich. Sie bieten einen Sofortdispo an.
Mit einem Girokonto-Wechsel lassen sich im günstigsten Fall mehrere hundert Euro pro Jahr sparen.
turgaygundogdu / Shutterstock.com

Steigende Gebühren, Filialsterben, fehlende Geldautomaten. Es gibt viele Gründe, das Girokonto zu wechseln. Doch die Deutschen gelten als Wechselmuffel und bleiben ihrer Hausbank meist ein leben lang treu. Laut einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstitut Yougov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur vom Herbst 2017 haben lediglich neun Prozent der Befragten in den vergangenen zwölf Monaten das Girokonto gewechselt.

Bemerkenswert, hat doch das Zahlungskontengesetz von 2016 den Girokonto-Wechsel erheblich vereinfacht. Denn seitdem sind Banken und Sparkassen gesetzlich verpflichtet, Kunden beim Kontowechsel zu unterstützen.

Kontowechsel mit Hilfe der Bank

  1. Sie suchen sich ein preiswertes, am besten kostenloses Girokonto in unserem Girokonto-Vergleich aus. Fündig werden Sie vor allem im Bereich Online-Girokonto.

  2. Sobald das Konto eröffnet ist, teilen Sie der neuen Bank im Onlinebanking oder per Telefon mit, dass diese für Sie den Kontowechsel durchführen soll.

  3. Die neue Bank sendet Ihnen per Post ein sogenanntes Ermächtigungsformular. Das füllen Sie aus und senden es an das Geldhaus zurück. Alles Weitere erledigen die Banken untereinander. Die neue Bank sendet das Formular zum bisherigen Kreditinstitut. Diese filtert sämtliche Lastschriften, Daueraufträge und Terminüberweisungen heraus und vermerkt sie im Formular. Anschließend sendet sie das Papier an die neue Bank zurück.

  4. Sie entscheiden nun, welche Zahlungsaufträge für das neue Konto übernommen werden und wann das neue Konto starten soll.

  5. Abschließend richtet die Bank Ihr neues Konto ein und informiert alle Zahlungsadressaten über die geänderte Bankverbindung. Insgesamt räumt der Gesetzgeber zwölf Tage für die Kontoumstellung ein.

Kontowechsel selbst durchführen

Neben dem gesetzlichen, papierbasierten Wechselservice bieten viele Geldhäuser bereits seit geraumer Zeit eigene elektronische Wechselhilfen an. Im neuen Onlinebanking werden alle relevanten Daten erfasst und aufs neue Konto übertragen. So gehen Sie vor:

  1. Sie eröffnen ein neues Girokonto und melden sich dort im Online-Banking an.

  2. Anschließend öffnen Sie den Menüpunkt "Kontowechsel" und geben in die Eingabemaske Ihre bisherigen Zugangsdaten der alten Bank oder Sparkasse samt PIN ein.

  3. Nun öffnet das Programm Ihr bisheriges Konto und erfasst automatisch alle regelmäßigen Zahlungspartner.

  4. Übernehmen Sie alle gewünschten Zahlungspartner per Mausklick und bestätigen Sie abschließend den Vorgang mit einer TAN-Nummer.

  5. Ihre neue Bank informiert Ihre Zahlungspartner über die geänderte Bankverbindung und richtet das Konto ein – fertig.

Das Video zeigt, am Beispiel der DKB, wie Sie den Kontowechsel mithilfe des Kontowechselservices durchführen können.

Kontowechsel trotz offenem Dispo

Die Redaktion von biallo.de erhielt in den vergangenen Monaten zahlreiche Zuschriften von Lesern, die den Kontowechsel immer noch scheuen. Nicht zuletzt deshalb, weil sie bei ihrer alten Bank noch einen Dispokredit offen haben. Die Frage, die sich Wechselwillige häufig stellen: Räumt mir die neue Bank sofort einen Dispo ein?

Eines vorweg: Dazu sind die Geldinstitute nicht verpflichtet. Die Praxis liefert allerdings genügend Beispiele, dass viele Banken und Sparkassen sich hier kulant zeigen – vorausgesetzt, die Bonität stimmt.

Der Bundesverband deutscher Banken rät grundsätzlich dazu, den Dispositionskredit vor dem Kontowechsel zurückzuzahlen. "Alternativ kann die neue kontoführende Bank den Kredit ablösen, so dass der Kunde diesen bei der neuen Bank in Anspruch nimmt, wenn das Kreditinstitut dazu bereit ist", sagt Bankenverband-Sprecherin Tanja Beller gegenüber biallo.de. "Dies sollte man am besten im Vorfeld – beim Antrag auf Kontoeröffnung – mit der neuen Bank abklären." Als dritte Möglichkeit könne der Kunde das alte Konto zunächst bestehen lassen, bis er den Kredit zurückgezahlt habe, so Beller weiter.

Direktbanken kommen Kunden entgegen

Laut Biallo-Recherche zeigt sich die ING besonders kundenfreundlich, wenn Wechselwillige trotz offenem Dispo ein kostenloses Girokonto bei der Direktbank eröffnen wollen. "Das ist in der Regel kein Problem", sagt Konzernsprecher Alexander Baumgart gegenüber biallo.de.

"Wenn der Kunde einen höheren Dispokredit als 500 Euro erhalten möchte, muss er bei Kontoeröffnung seinen Dispowunsch eintragen – maximal das Dreifache des Nettoeinkommens – und Kopien seiner Gehaltsnachweise einreichen. Dann wird der Rahmen entsprechend geprüft und der Dispo wird auch sofort mit Eröffnung herausgelegt."

Auch die DKB hat eine Antwort für zögernde potenzielle Neukunden parat: "DKB-Kunden können in ihrem Internet-Banking jederzeit einen beliebigen Dispo beantragen, sofern sie gern einen höheren oder niedrigeren Dispo festlegen möchten", heißt es von Seiten der DKB. "Bei der Eröffnung eines kostenlosen DKB-Cash-Kontos bekommt jeder Kunde automatisch einen Sofortdispo in Höhe von mindestens 100 Euro, meistens höher." Nach den ersten regelmäßigen Gehaltseingängen erhöhe sich der Dispo automatisch auf bis zu zwei Nettogehälter.

Die PSD Bank Nürnberg räumt Kunden ebenfalls einen Sofortdispo ein – in Höhe von 500 Euro.

Wir haben viele Banken gefragt, die attraktive Konten bieten und fast 20 haben bestätigt, dass sie wie ING oder DKB einen Sofortdispo anbieten. "Bei der Eröffnung eines Gehaltskontos bei der Deutschen Bank räumen wir Kunden auf Wunsch einen Sofortdispo ein", heißt es bei Deutschlands größtem Geldhaus. Bei einem Online-Abschluss seien dies bis zu 500 Euro und bei einer Beantragung über die Filiale bis zu 1.000 Euro. Die eingeräumte Kontoüberziehungsmöglichkeit setzt einen regelmäßigen Gehaltseingang voraus und dient zur Überbrückung eines kurzfristigen Liquiditätsbedarfs. Das Einreichen von Gehaltsnachweisen sei für die Vergabe des Sofortdispos nicht erforderlich.

Noch ein bisschen großzügiger ist die Sparda-Bank Hamburg, bei der ein Neukunde sein Konto sofort bis zu 1.500 Euro überziehen kann. Aber natürlich nur, wenn die Schufa-Auskunft stimmt.

Knapp zehn Banken geben als Limit einen festen Betrag vor – meist 500, 1.000 oder eben 1.500 Euro. Die anderen orientieren sich am individuellen Gehalt. Für diese Gruppe typisch ist das Statement von Stefan Voges, Pressesprecher der Volkswagen Bank: "Wir warten nicht auf zwei oder drei Gehaltseingänge unserer Neukunden, sondern lassen uns die letzte Gehaltsbescheinigung geben. Die Neukunden erhalten dann – in Abhängigkeit von Kennziffern – ein persönliches Limit."

  • Biallo Tipp: Damit Sie nicht lange suchen müssen, haben wir die Banken, die einen Sofortdispo bieten, in unserem Vergleich entsprechend gekennzeichnet:

Rechner giroonline
3
 
Anbieter
Monatspreis
Dispozinsen
Jahrespreis
Girocard
 
1.
0,00
Sofortdispo 6,74%
0,00
2.
  0,00
Sofortdispo 6,99%
0,00
ING
3.
0,00
Sofortdispo 7,25%
0,00

Abrufkredit günstiger als Dispo

Generell sollte ein Dispo aus Kostensicht nur zur kurzfristigen Überbrückung von finanziellen Engpässen genutzt werden. Bei Inanspruchnahme über einen längeren Zeitraum ist es meistens kostengünstiger, auf eine Kreditalternative zurückzugreifen.

Doch welches Kreditprodukt eignet sich hier am besten? Gerade der Dispo wird vor allem wegen seiner Flexibilität geschätzt, die bei einem Ratenkredit mit festen Monatsraten eingeschränkt ist. Abhilfe schafft hier ein sogenannter Rahmen- oder Abrufkredit. Dieser funktioniert ähnlich wie ein Dispokredit, die Zinsen sind in der Regel aber deutlich niedriger.

Ein Abrufkredit ist eine zusätzliche Kreditlinie einer anderen Bank, meist einer Direktbank. Wer das Darlehen in Anspruch nimmt, kann das Geld in jeder Höhe und zu jeder Zeit zurückzahlen. Man hat also keine festen monatlichen Raten wie bei einem Konsumenten- beziehungsweise Autokredit.

Biallo-Tipp

Auch wenn in den vergangenen Monaten viele Banken die Gebühren für Kontoführung und Serviceleistungen erhöht haben, zeigt unser Girokonto-Test, dass es immer noch kostenlose Girokonten gibt. Die bundesweite Studie von biallo.de umfasst die Daten von mehr als 1.300 Banken und Sparkassen. Damit ist die Biallo-Studie der mit Abstand umfangreichste Test in Deutschland.



  Sebastian Schick


 
 
 
 
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