Deutschland produziert immer mehr Strom aus Wind- und Solaranlagen – doch ein Teil davon wird zeitweise zu negativen Preisen exportiert. Der Grund: Es fehlen ausreichend Speicher, um die Energie zwischenzuspeichern. Große Batteriespeicher gelten deshalb als Schlüsseltechnologie, um Strom effizienter zu nutzen und das Netz zu stabilisieren. In einzelnen Stunden muss Deutschland sogar dafür zahlen, Strom ins Ausland abzugeben.
Batteriespeicher statt Gaskraftwerke: Kritik wächst
Auf einen Blick
- Großbatterien sollen überschüssigen Strom speichern und Strompreise stabilisieren
- Unternehmer kritisiert ineffiziente Stromexporte bei negativen Preisen
- Milliardeninvestitionen zeigen steigende Bedeutung von Energiespeichern
Batteriespeicher gewinnen an Bedeutung
Batteriespeicher gelten zunehmend als Schlüssel für die Energiewende in Deutschland. Denn immer häufiger entsteht mehr Strom aus Wind- und Solaranlagen, als aktuell genutzt werden kann. Große Speicherlösungen sollen diese Überschüsse künftig aufnehmen und das Stromsystem stabilisieren.
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Mit Batterien kennt Christoph Ostermann sich wirklich aus. Denn er gilt als einer der Pioniere der hiesigen Energiewende. Schon von gut 20 Jahren gründete der Wuppertaler die Sonnen GmbH. Die vertreibt bis heute erfolgreich Batteriespeicher für Kleinbetriebe und Privathaushalte, eines der wenigen deutschen Unternehmen, die sich der chinesischen Übermacht entgegenstellen. Nach dem Verkauf dieses Unternehmens 2019 an den Shell-Konzern gründete Ostermann zusammen mit drei Kollegen das Start-up Green Flexibility Development GmbH in Kempten. Damit will man von Nordrhein-Westfalen (NRW) aus die Energiewende voranbringen.
Problem überschüssiger Strom wird größer
Deutschland produziert immer häufiger mehr Strom, als tatsächlich verbraucht werden kann. Vor allem bei viel Wind und Sonne entsteht ein Überangebot, das die Stromnetze belastet. Ohne ausreichende Speichermöglichkeiten geht ein Teil dieser Energie wirtschaftlich verloren.
Was Ostermann mit den kleinen Speichern für den Hausgebrauch begonnen hat, wollen er und seine 75 Mitarbeiter nun in großem Maßstab fortsetzen. In den Großbatterien soll überschüssiger Strom zwischengespeichert werden. Strom, der an Tagen und Nächten mit viel Sonne und Wind erzeugt wurde, aber nicht verarbeitet werden konnte.
„Wenn zu viel Sonnen- und Windstrom in den Netzen vorhanden ist, verschenkt Deutschland bislang den überschüssigen Strom ins Ausland und legt auf das Geschenk sogar noch Geld obendrauf. Das ist wirtschaftlich völlig unsinnig und macht die Energiewende auch unnötig teuer“, sagt Ostermann.
Nachhaltig investieren
Wer auf Nachhaltigkeit setzt, kann auch beim Geld ansetzen: Welche Banken und Geldanlagen wirklich grün sind, erfahren Sie in unserem Überblick zu nachhaltigen Geldanlagen.
Warum große Batteriespeicher als Lösung gelten
Seine Energiespeicher, 40 Batteriemodule, werden in marktüblichen Standard-Containern untergebracht. Diese haben eine Kapazität von vier Megawattstunden, was rund 80 Elektroautos entspricht. Damit gleicht er die ständigen Schwankungen in den Stromnetzen aus.
Für Ostermanns Modell spricht, dass die Kosten für Batteriezellen seit der Jahrtausendwende von rund 2.000 auf nunmehr teilweise unter 100 Euro pro Kilowattstunde gesunken sind. So lassen sich seine Energiespeicher wirtschaftlich betreiben und stellen eine attraktive und kostengünstige Alternative zu den geplanten neuen Gaskraftwerken im Rahmen der Kraftwerksstrategie der Bundesregierung dar.
Milliardeninvestitionen zeigen Vertrauen
Seine Speicher seien jedenfalls flexibel einsetzbar. Man könne sie einfach neben Umspannwerke platzieren, die freie Netzanschlusspunkte haben. Die Grundstücke pachte man von den Landwirten. Nach Bayern sei das bevölkerungsreichste Bundesland NRW sein Kerngebiet.
Dass auch andere an seine Technologie glauben, zeigt die Summe von mehr als eine Milliarde Euro, die ihm Kapitalgeber für Investitionen in Energiespeicher-Projekte zur Verfügung gestellt haben. Davon stammen 400 Millionen Euro vom schweizerischen Infrastrukturfonds „Partners Group“, der Mitgesellschafter ist.


