Prof. Polleit: "Gold ist eine Währung"

Interview Prof. Polleit: "Gold ist eine Währung"

Sebastian Schick
von Sebastian Schick
08.02.2017
Auf einen Blick
  • Für Prof. Dr. Thorsten Polleit ist Gold eine Versicherung - nicht nur gegen Inflation, sondern auch gegen Zahlungsausfälle von Staaten.
  • Den sogenannten "gleichgewichtigen Goldpreis" taxiert Polleit derzeit auf 1.400 US-Dollar.
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Biallo.de: Herr Professor Polleit, Gold gilt allgemein als Inflationsschutz. Auf der anderen Seite sprechen steigende Zinsen nicht unbedingt für ein Goldinvestment. Welcher Faktor wiegt im Moment stärker?

Polleit: Richtig, steigende Preise und die Zinsen spielen für den Goldpreis prinzipiell eine Rolle. Beispielsweise verteuert sich die Goldhaltung, wenn die Zinsen steigen. Denn dem Goldhalter entgehen Zinserträge, die er alternativ mit verzinslichen Papieren erzielen könnte. Allerdings gibt es keine mechanische Regel, die den Einfluss der beiden genannten Faktoren auf den Goldpreis exakt beziffern könnte. Der leichte Anstieg der US-Zinsen hat, so meine Beobachtung, den Goldpreis seit dem Frühjahr 2013 merklich gedrückt. Ich möchte noch hinzufügen: Der Trendverlauf des Goldpreises wird letztlich in entscheidendem Maße von der Geldmenge bestimmt – und die zeigt, so meine ich, weltweit weiterhin nach oben.

Biallo.de: In Ihrem jüngsten Marktbericht sprechen Sie vom sogenannten "gleichgewichtigen Goldpreis“, den Sie auf 1.400 US-Dollar taxieren. Was genau hat es damit auf sich?

Polleit: Aktien und Anleihen haben einen Einkommensstrom, der es prinzipiell möglich macht, anhand von Bewertungsmodellen einen "fairen" Preis zu ermitteln. Beim Gold – und übrigens auch bei anderen Rohstoffen oder Kunstgegenständen – ist das nicht der Fall. Gold hat keinen laufenden Einkommensstrom. Um der Frage nach der "richtigen" Bewertung des Goldes näherzukommen, schätze ich daher anhand einiger volkswirtschaftlicher Variablen einen theoretischen Goldpreis. Er zeigt, wo der Goldpreis eigentlich stehen müsste, wenn die Langfristbeziehung stabil ist. Wie gesagt, es ist ein Versuch, eine Antwort auf das Bewertungsproblem zu finden.

Biallo.de: Sie sehen Gold als Krisen- und Inflationsschutz, also als eine Art Versicherung gegen die fortschreitende Geldentwertung. Wie viel Prozent seines Vermögens sollte der Anleger in physisches Gold investieren?

Polleit: Gold ist eine Währung und steht in direkter Konkurrenz zu den ungedeckten Papierwährungen wie US-Dollar, Euro, japanischer Yen oder Schweizer Franken. Anleger, die liquide Mittel halten, sollten entscheiden, wieviel sie davon in der Währung Gold halten. Gold ist zudem auch eine Versicherung - nicht nur gegen Inflation, sondern auch gegen Zahlungsausfälle. Einen konkreten Prozentsatz für das Gold im Portfolio kann ich Ihnen nicht nennen. Es kommt hier vielmehr auf die individuelle Situation des Anlegers an. Wer die Währung Gold langfristig halten will, für den bietet es sich an, Gold in physischer Form zu erwerben. Neben Gold als Teil der liquiden Mittel zu halten, empfehle ich Anlegern, in Aktien von Unternehmen, die inflationsresistente Geschäftsmodelle haben, zu investieren. Allerdings nur dann, wenn man diese Unternehmen auch zu günstigen Preisen kaufen kann.

Zur Person

Thorsten Polleit ist Chefvolkswirt der Degussa Goldhandel GmbH und Präsident des Ludwig von Mises Instituts Deutschland. Von 1998 bis 2012 arbeitete er als Ökonom für ABN Amro und Barclays Capital.

Nach seinem Studium der Wirtschaftswissenschaften promovierte Polleit 1996 an der Universität Münster. 2014 wurde er von der Universität Bayreuth zum Honorarprofessor berufen. Seine Lehr- und Forschungsschwerpunkte sind die monetäre Ökonomie, Kapitalmarkttheorie und insbesondere die Österreichische Schule der Nationalökonomie.

Zusammen mit Matthias Riechert gründete Polleit 2012 die Polleit & Riechert Investment Management. Ihr P&R Value Fonds verfolgt einen Value-Ansatz im Stile von Warren Buffett und investiert in Qualitätsaktien. Einen Teil seiner Cashreserven hält der Fonds in Gold.

Biallo-Lesetipp

Steigende Zinsen sind Gift für den Goldpreis, ist von Anlageexperten immer wieder zu hören. Dennoch könnte Gold 2017 ein großes Comeback feiern. Mehr dazu lesen Sie in unserem Artikel: "Gold vor Mega-Comeback?"

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nach seinem Studium für das Lehramt an Gymnasien mit der Fächerkombination Deutsch/Latein/Geschichte in Würzburg und Berlin entschied sich Sebastian Schick für den Journalismus. 2005 absolvierte er die Ausbildung zum Rundfunkjournalisten an der Akademie für Neue Medien in Kulmbach.

Direkt im Anschluss volontierte er beim Deutschen Anleger Fernsehen (DAF), wo er sich in seiner zehnjährigen Laufbahn ein umfangreiches Fachwissen zum Thema Geldanlage und Börse aneignete. Zuletzt baute er als Chefredakteur in Kooperation mit dem Kurier Medienhaus den österreichischen TV-Sender DAF Austria mit auf. Bei biallo.de schreibt er als Redakteur über das Thema Kredit und Geldanlage. 

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Direkt im Anschluss volontierte er beim Deutschen Anleger Fernsehen (DAF), wo er sich in seiner zehnjährigen Laufbahn ein umfangreiches Fachwissen zum Thema Geldanlage und Börse aneignete. Zuletzt baute er als Chefredakteur in Kooperation mit dem Kurier Medienhaus den österreichischen TV-Sender DAF Austria mit auf. Bei biallo.de schreibt er als Redakteur über das Thema Kredit und Geldanlage. 

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de