Tesla ist mehr als ein Autobauer – Elon Musk setzt alles auf KI, Robotik und Robo-Taxis. Doch die Tesla-Aktie ist extrem hoch bewertet. Ist das Papier noch ein Kauf?
Tesla vor dem Wandel: Roboter und KI statt Autos?
Ein Machtkampf mit der IG-Metall im Tesla-Werk in Brandenburg, schrumpfende Umsätze 2025, die politischen Aktivitäten von Gründer Elon Musk: Tesla ist mit einem Börsenwert von 1,5 Billionen US-Dollar (1,2 Billionen Euro) die teuerste Autofirma der Welt – doch das Unternehmen hat derzeit eine Menge Probleme.
Gleichzeitig dürfte der US-Konzern in Deutschland von der neu aufgelegten Förderung für Elektroautos profitieren. Dasselbe gilt für Konkurrenten wie BMW, Mercedes oder Volkswagen. Sie können es brauchen: Die etablierten Hersteller kämpfen mit dem Übergang zur Elektromobilität, mit sinkenden Absatzzahlen und Entlassungen.
Das alles ist Grund genug, in unserer Serie "Aktie der Woche" die Autofirmen unter die Lupe zu nehmen. Neben Tesla und den drei deutschen Autobauern analysieren wir den chinesischen Hersteller BYD. Den Anfang macht Elon Musks Konzern, der derzeit vor einem Umbruch steht. Wir sagen Ihnen, was Musk mit Tesla vorhat, wie der Elektroauto-Pionier im Vergleich zur Konkurrenz abschneidet und was das für die Tesla-Aktie bedeutet.

Mit der "Aktie der Woche" geben wir Ihnen Hilfestellung: Unser Börsenexperte Luis Ropero bewertet wöchentlich die Aktien von Unternehmen, die die Börse bewegen. Das Ergebnis fasst er in einem Kurzvideo auf Instagram zusammen.
Das Geschäftsmodell: Vom Auto zum KI-Konzern
Tesla ist schon lange kein reiner Fahrzeughersteller mehr. Der Schwerpunkt des Konzerns verlagert sich: weg vom Autogeschäft, hin zu "physischer KI". Gemeint sind damit vor allem die Robotik und das autonome Fahren – insbesondere Teslas Robo-Taxis. Hinzu kommt der Bereich Energie. Das sind die Hauptgeschäftsfelder:
- Automobil: Das Kernsegment mit den Modellen 3, Y, S, X und dem Cybertruck ist noch immer der Hauptumsatzbringer.
- Energie: Die Sparte für Solarenergie und Batteriespeicher gewinnt rasant an Bedeutung.
- Software und KI: Mit Projekten wie dem autonomen Fahren und dem Roboter "Optimus" will Tesla künftig hohe und wiederkehrende Einnahmen erzielen.
Elon Musks Vision: Tesla soll sich vom klassischen Automobilanbieter zum globalen KI- und Robotik-Konzern entwickeln. Einige Analysten vergleichen Tesla daher auch nicht mehr mit den klassischen Autobauern.
Die Analyse: Klar vor der Konkurrenz
Bei unserer Analyse zur Aktie der Woche stellen wir die Unternehmen unserer Vergleichsgruppe den wichtigsten Konkurrenten gegenüber. Im Vergleich mit BMW, BYD, Mercedes-Benz und Volkswagen erreicht Tesla dabei 10,5 von 13 möglichen Punkten. Damit landet der Konzern auf dem ersten Platz (siehe Tabelle).
Das Gesamtergebnis der Vergleichsgruppe
Unternehmen | Gesamtpunktzahl |
| Tesla | 10,5 |
| BMW | 9,0 |
| BYD | 9,0 |
| Mercedes | 6,0 |
| VW | 5,5 |
Die gute Bewertung in der Vergleichsgruppe erreicht Tesla, obwohl das Kerngeschäft mit Elektroautos schwächelt. 2025 ging der Umsatz erstmals zurück, wenn auch nicht dramatisch. In den kommenden Jahren allerdings soll das Geschäft wieder deutlich zulegen. Das durchschnittliche erwartete Gewinnwachstum soll in den kommenden Jahren im Schnitt bei fast 70 Prozent liegen (siehe Grafik).
Gewinnentwicklung bei Tesla: Hoffen auf die Zukunft
Gewinn pro Jahr in Milliarden US-Dollar
Neben Umsatz- und Gewinnwachstum schneidet Tesla auch bei der Kapitalrendite stark ab. Das Unternehmen setzt sein Kapital demnach sehr produktiv ein. Die wichtigsten Kennzahlen unserer Analyse zeigt die Tabelle:
Starkes Wachstum: Tesla in Zahlen
Kennzahl | Wert | Platz im Vergleich |
|---|---|---|
| Umsatzwachstum¹ | 24,63 % | 2 |
| Erwartetes Umsatzwachstum² | 27,76 % | 1 |
| Gewinnwachstum¹ | 40,59 % | 2 |
| Erwartetes Gewinnwachstum² | 69,09 % | 1 |
| EBIT-Marge³ | 6,00 % | 2 |
| EBIT-Margenwachstum³ | 48,31 % | 1 |
| EBIT-Drawdown³ | -37,50 % | 2 |
| Eigenkapitalquote | 68,00 % | 1 |
| Eigenkapitalrendite (ROE)⁴ | 5,14 % | 4 |
| Kapitalrendite (ROCE)⁴ | 24,63 % | 1 |
| Forward-KGV⁵ | 204 | 5 |
| Gesamtpunktzahl | 10,5 von 13 | 1 |
Die Aktie: Kaum Luft nach oben
Die Tesla-Aktie hat in den vergangenen Jahren einen rasanten Aufstieg hingelegt. Anfang 2019 lag der Kurs bei 20 US-Dollar – heute sind es mehr als 400. Elon Musks Ausflug in die Politik allerdings ließ die Aktie Anfang des vergangenen Jahres abstürzen. Davon konnte sie sich zwar wieder erholen. Zuletzt schwächelte der Kurs aber erneut (siehe Chart).
Tesla-Aktie: Seit Jahresanfang bergab

Aktuell kostet die Tesla-Aktie gut 411 US-Dollar (351 Euro, Stand 19. Februar 2026). Das Papier ist damit extrem hoch bewertet. Mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis ("Forward-KGV") von 204 wird die Aktie teuer bezahlt. Experten sind daher auch vorsichtig: Auf Basis von 45 Analysteneinschätzungen liegt das durchschnittliche Kursziel derzeit bei knapp 422 US-Dollar. Das entspricht einem Aufwärtspotenzial von kaum drei Prozent.
Das Fazit: Spitzenreiter mit Fragezeichen
Tesla konnte bislang seinen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz verteidigen. Das rechtfertigt die Spitzenplatzierung in unserem Check. Der Elektroauto-Spezialist gerät in seinem Stammgeschäft jedoch immer mehr unter Druck – nicht zuletzt durch chinesische Hersteller. Nicht nur das hat sich in sinkenden Absatzzahlen bemerkbar gemacht. Der Ausflug Elon Musks in die US-Politik hat dem Image des Konzerns geschadet – und damit auch dem Umsatz.
Musk will den Konzern vom reinen Autobauer in einen globalen KI-Konzern verwandeln, der sein Geld vermehrt mit intelligenten, humanoiden Robotern oder autonomen Fahrsystemen wie Robo-Taxis verdient. Es bleibt abzuwarten, ob der Umbruch gelingt, und ob die darauf basierenden Gewinnprognosen eintreffen.
Bei der Tesla-Aktie ist daher Vorsicht angebracht. Mit einem Forward-KGV von über 200 ist sie alles andere als ein Schnäppchen. Wer in Tesla investiert, muss fest daran glauben, dass der Konzern den Durchbruch bei der künstlichen Intelligenz schafft.
So bewerten wir die Aktie der Woche
Bei der "Aktie der Woche" vergleicht Biallo regelmäßig große Unternehmen aus verschiedenen Branchen. Wir ziehen dafür rund ein Dutzend Kennzahlen heran. Dazu zählen Umsatz- und Gewinnwachstum, Rentabilität, Kapitalstruktur oder die Analystenbewertung. Für jede Kategorie gibt es einen Punkt, wenn das Unternehmen in der Kategorie unter den Top 3 in der Vergleichsgruppe liegt. Bei Wachstumswerten berechnen wir zusätzlich die Stabilität des Wachstums: Liegt sie über einem definierten Schwellenwert, gibt es einen halben Zusatzpunkt. Insgesamt werden in elf Kategorien je ein Punkt und zusätzlich je ein halber Punkt für vier Stabilitätskriterien vergeben – maximal also 13 Punkte.
Bislang sind in der Reihe "Aktie der Woche" erschienen:
- Nvidia: Warum die Chip-Aktie trotz Rekord-Kurs überzeugt
- AMD sichert Xbox- und Playstation-Deal - Aber es gibt ein Problem!
- Intel: Comeback mit Fragezeichen
- Broadcom im Check: Gute Gewinne, hohe Bewertung
- Qualcomm: Schnäppchen mit Wachstumsschwäche
- Microsoft: Software-Riese zündet KI-Turbo
- Alphabet: Darum könnte Google im KI-Boom unschlagbar sein
- Meta: 30 Prozent Kurspotenzial dank Milliarden-Deal mit Google
- Palantir: Wachstumswert mit Risiken
- Amazon: KI-Gewinner mit Risiken
- Rheinmetall: Ist die Aktie noch ein Kauf?
- Hensoldt: "Auge" und "Ohr" der Rüstungsindustrie
- Lockheed-Martin: Lebensversicherung der NATO
- Renk: Getriebe der globalen Aufrüstung
- BAE Systems: Chance nach dem Kursrutsch?



