Rund fünf Millionen Postbank-Kundinnen und -Kunden haben in den vergangenen Monaten Post von ihrer Bank erhalten – und wer das Schreiben nur überflogen hat, könnte eine folgenreiche Entscheidung übersehen haben. Die Postbank strukturiert ihr Kontenangebot grundlegend um: Das langjährige Basismodell „Giro direkt" wird abgeschafft, neue Kontomodelle treten an seine Stelle. Für viele Bestandskunden bedeutet das: deutlich höhere monatliche Gebühren.

Die Kernfrage, die sich Kundinnen und Kunden jetzt stellen sollten, lautet nicht nur, welches Modell künftig am günstigsten ist – sondern auch, womit sie im Zweifel bezahlen. Denn eines der neuen Kontomodelle ist zwar auf den ersten Blick kostenlos, verlangt aber eine Gegenleistung, die weit über den gewohnten Rahmen einer Bankbeziehung hinausgeht.

Was sich bei der Postbank ändert – und wann

Das bisherige „Giro direkt" mit einem monatlichen Pauschalbeitrag von 1,90 Euro ist seit Februar 2025 für Neuabschlüsse nicht mehr erhältlich. Die Postbank informierte rund fünf Millionen Bestandskunden in zwei Phasen über die Umstellungen: Die erste große Welle lief bis zum 30. September 2025, eine zweite Runde folgte Mitte Januar 2026 – diesmal mit Fokus auf Giro-direkt-Kunden, die bis zum 31. März 2026 einem Wechsel ins „Giro plus" zustimmen sollen. Wer das tut, zahlt künftig für die Kontoführung 5,90 Euro pro Monat – vorausgesetzt, monatlich gehen mindestens 1.000 Euro auf dem Konto ein. Liegt der Geldeingang darunter, beträgt der Grundpreis sogar 6,90 Euro im Monat. Aus 1,90 Euro werden damit im ungünstigsten Fall 6,90 Euro – mehr als eine Verdreifachung der monatlichen Kontokosten.

Wer dem Wechsel nicht zustimmt, bleibt zunächst im alten Vertrag. Die Verbraucherzentrale Hamburg rät ausdrücklich dazu, nicht vorschnell zuzustimmen und zunächst abzuwarten. Denn Altverträge können wirtschaftlich sinnvoller sein – zumindest solange die Postbank das bestehende Modell nicht aktiv kündigt. Was genau mit dem Giro direkt langfristig passiert, kommuniziert die Bank bislang nicht.

Weitere Änderungen gelten bereits seit Oktober 2025: Barein- und Barauszahlungen am Schalter kosten seitdem 2,00 Euro je Vorgang – bisher waren sie kostenlos. Kontoauszüge sind weiterhin digital kostenfrei, per Post hingegen werden 2,50 Euro je Auszug fällig. Der Kontoauszugsdrucker in den Filialen entfällt. Und wer ein Gemeinschaftskonto führt, zahlt für die zweite Debitkarte künftig 6,00 Euro im Jahr. 

Drei neue Modelle – sehr unterschiedliche Konditionen 

Das „Giro plus" ist das neue Standardkonto der Postbank. Es richtet sich an Kundinnen und Kunden, die sowohl Online-Banking als auch den Filialservice nutzen möchten. Der Grundpreis liegt bei 5,90 Euro pro Monat bei einem monatlichen Geldeingang von mindestens 1.000 Euro – wer diesen Schwellenwert nicht erreicht, zahlt 6,90 Euro. Inklusive ist eine Postbank-Debitkarte; eine Mastercard gibt es im ersten Jahr kostenfrei, danach werden 29 Euro pro Jahr fällig, für die Gold-Variante 59 Euro.

Wer bereit ist, mehr zu zahlen oder regelmäßig mindestens 3.000 Euro Geldeingang vorweisen kann, für den könnte das „Giro extra plus" die bessere Wahl sein. Ab diesem Schwellenwert entfällt der Grundpreis vollständig – andernfalls beträgt er ab dem 1. April 2026 monatlich 11,90 Euro, eine Erhöhung gegenüber den bisherigen 10,90 Euro. Das Modell bietet dafür den umfangreichsten Leistungsumfang: Eine Mastercard ist inklusive, und als einziges der drei Kontomodelle erlaubt es weiterhin kostenfreie Barein- und -auszahlungen am Schalter – ein Vorteil, der besonders für Kundinnen und Kunden relevant ist, die regelmäßig Bargeld in der Filiale einzahlen oder abheben.

Das „Giro pur" wiederum ist das neue Digitalmodell – und das umstrittenste der drei Varianten.

Das Giro pur: Wenn Datenschutz der Preis für das kostenlose Konto ist 

Das „Giro pur" ist auf dem Papier kostenlos – zumindest für Kundinnen und Kunden mit einem monatlichen Geldeingang von mindestens 900 Euro. Schülerinnen und Schüler, Studierende, Auszubildende sowie Freiwilligendienstleistende erhalten es bis zum Alter von 30 Jahren sogar ohne diese Bedingung kostenfrei. Wer den Schwellenwert nicht erreicht, zahlt 5,90 Euro pro Monat.

Zu beachten ist allerdings: Das Wort „kostenlos" trifft hier nur sehr eingeschränkt zu. Denn wer das Giro pur nutzt, stimmt automatisch zu, dass die Postbank seine Transaktionsdaten der vergangenen 36 Monate auswertet und für gezielte Werbeansprachen nutzt – durch die Bank selbst und durch Partnerunternehmen, die auch branchenfremd sein können. Ausgewertet werden dabei nicht nur Kontoumsätze, sondern auch Verwendungszwecke und Angaben zu Zahlungsempfängern. Ergibt die Analyse etwa, dass Kindergeld eingeht, empfiehlt die Bank passende Produkte. Die AGB sehen vor, dass Kundinnen und Kunden Werbeanrufe, E-Mails und Postsendungen erhalten – bis zu dreimal täglich per Nachricht und mit bis zu 20 Anrufversuchen pro Anlass.

Was das konkret bedeutet: Diese Datennutzung ist kein optionales Zusatzangebot, sondern ausdrücklicher Vertragsbestandteil. Wer sie nicht möchte, hat innerhalb des Giro-pur-Modells keine Möglichkeit, sich davon abzumelden. Der einzige Ausweg ist ein Wechsel zu einem anderen – dann kostenpflichtigen – Kontomodell oder zu einer anderen Bank.

Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg hat dieses Konstrukt bereits kritisch bewertet. Verbraucherschützer Niels Nauhauser stellt die grundsätzliche Frage, ob das Modell mit den geltenden gesetzlichen Rahmenbedingungen vereinbar ist – insbesondere, ob für eine so weitreichende Datennutzung nicht eine gesonderte, ausdrückliche Einwilligung erforderlich wäre. Auch die Frage, ob ein Konto, bei dem Kundendaten die eigentliche Gegenleistung darstellen, überhaupt als „kostenlos" beworben werden darf, ist laut Verbraucherzentrale rechtlich ungeklärt.

Filialabbau und Wegfall des Bürgergeld-Schecks 

Die Kontoumstellungen sind Teil eines umfassenderen Rückzugs der Postbank aus dem stationären Bankgeschäft. So reduziert die Bank ihr Filialnetz bis Mitte 2026 von rund 550 auf nur noch 320 Standorte. Von diesen verbleibenden Filialen werden 120 zu reinen Beratungszentren ohne Schalterservice umgewandelt – Postdienstleistungen, spontane Bargeldeinzahlungen oder persönliche Abwicklungen sind dort nicht mehr möglich.

Besonders davon betroffen sind Menschen, die bisher Bürgergeld per Postbank-Verrechnungsscheck – dem sogenannten ZzV-Verfahren – erhalten haben. Dieses Verfahren ist seit dem 1. Januar 2026 bundesweit eingestellt. Wer noch kein Girokonto besitzt, muss eines eröffnen, um weiterhin Sozialleistungen zu empfangen. Jobcenter haben bereits mit Rundschreiben auf diese Änderung hingewiesen. Jede Bank in Deutschland ist gesetzlich verpflichtet, auf Antrag ein Basiskonto zu eröffnen – auch bei negativer Schufa oder ohne festen Wohnsitz. 

Lohnt sich ein Wechsel?

Für Kundinnen und Kunden, die ihr Konto bisher günstig geführt haben und nun mit spürbar höheren Gebühren konfrontiert werden, lohnt ein Blick auf die Konkurrenz. Direktbanken wie die ING oder die DKB bieten Girokonten ohne monatliche Grundgebühr an – bei der ING entfällt die Gebühr ab einem Geldeingang von 1.000 Euro, bei der DKB bereits ab 700 Euro monatlichem Geldeingang. Wer gänzlich auf einen Mindestgeldeingang verzichten möchte, findet etwa bei Meine Bank ein bedingungslos kostenloses Girokonto inklusive Girocard Debit Mastercard – ohne monatliche Grundgebühr und ohne Einkommensnachweise.

Wer wechseln möchte, muss sich keinen bürokratischen Aufwand fürchten: Der gesetzlich geregelte Kontowechselservice verpflichtet die neue Bank, alle Daueraufträge und Lastschriften zu übernehmen – kostenfrei und in der Regel innerhalb weniger Wochen. Wer dagegen einen günstigen Altvertrag bei der Postbank hält und keiner Vertragsänderung zugestimmt hat, sollte diesen Vorteil sorgfältig abwägen, bevor er voreilig wechselt oder einer neuen Kondition zustimmt.

Einen aktuellen Vergleich kostenloser Girokonten finden Sie auf biallo.de – dort sehen Sie auf einen Blick, welches Modell zu Ihrem Nutzungsverhalten passt und wo Sie dauerhaft am günstigsten fahren. 

Über den Redakteur David Kotzmann

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David Kotzmann, Jahrgang 1994, kommt eigentlich aus dem Bereich Export Sales. Während eines mehrjährigen Auslandsaufenthalts war er unter anderen als freiberuflicher Blogautor in der Reisetouristikbranche tätig. Seit Anfang 2021 ist David im Team von biallo.de. Über die letzten Jahre konnte er sich ein umfangreiches Wissen in den Bereichen Wirtschaft und Finanzen aneignen. Er schreibt vor allem Artikel in den Ressorts Kreditkarten, Girokonten und Produkttests. Außerdem ist er für das Content editing verantwortlich.

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