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Gute Nachricht für Menschen mit einer Lebensversicherung oder privaten Rentenversicherung: Mehrere Anbieter haben im neuen Jahr die laufende Verzinsung für die Policen, also die Summe aus Garantiezins und laufender Überschussbeteiligung erhöht. Dies zeigen die Ankündigungen der Versicherer, über die die auf Versicherungen spezialisierte Ratingagentur Assekurata auf ihrer Homepage berichtet.
Die Ratingagentur erwartet, dass die laufende Verzinsung im Jahr 2026 auf 2,6 bis 2,7 Prozent im Durchschnitt steigen wird. Im vergangenen Jahr lag sie demnach bei 2,53 Prozent. Der Tiefpunkt von 2,13 Prozent im Jahr 2021, nach jahrelanger Niedrigzinsphase, dürfte damit endgültig überwunden sein. Insgesamt haben Sparer und Sparerinnen hierzulande mehr als 80 Millionen Policen für ihre private Altersvorsorge abgeschlossen. Wer jetzt von den Zinserhöhungen profitiert – ein Überblick.
Bei den noch mehr als 35 Millionen klassischen Lebensversicherungen und privaten Rentenversicherungen, die nicht wie die fondsgebundenen Policen auf Investmentfonds basieren, erhalten Kunden eine garantierte Verzinsung auf den Sparbeitrag für die gesamte Laufzeit des Vertrags. Dieser Garantiezins, den jedes Versicherungsunternehmen selbst festlegt, darf nicht höher sein als der Höchstrechnungszins. Das ist die vom Bundesfinanzministerium vorgegebene Obergrenze für Zinssätze, die von den Versicherern nicht überschritten werden dürfen. Er soll helfen, dass die Unternehmen nur so hohe Zinsen versprechen, wie sie tatsächlich auch zahlen können. In der Praxis werden Garantiezins und Höchstrechnungszins fälschlicherweise oft synonym verwendet. Tatsächlich sind sie oft gleich hoch. Der Garantiezins darf aber niedriger ausfallen als der Höchstrechnungszins.
Zum Garantiezins kommt noch die Überschussbeteiligung dazu. Sie wird jedoch jedes Jahr neu berechnet. Damit werden die Versicherten an den Erträgen beteiligt, die der die der Versicherer am Kapitalmarkt mit Anleihen, Aktien, Immobilien oder Infrastrukturprojekten erwirtschaftet hat und über das hinausgehen, was den Kunden als Garantie zugesagt wurde. Diese Überschüsse sind zu mindestens 90 Prozent an die Versicherungsnehmer weiterzugeben. Dabei dürfen die Versicherer allerdings Kunden und Kundinnen mit einem jüngeren Vertrag besser an Überschüssen beteiligen als Versicherte mit älteren Verträgen. Dies hatte der Bundesgerichtshof 2024 entschieden.
Einige Anbieter haben nun ihre laufende Verzinsung für 2026 erneut erhöht. Mit an der Spitze liegt hier die Athora Lebensversicherung mit 3,50 Prozent, gefolgt von der Inter Lebensversicherung und der Entis Lebensversicherung mit jeweils 3,40 Prozent. Einige große Versicherer halten hingegen ihre Überschussbeteiligung stabil, wie der Marktführer Allianz, die Axa oder Nürnberger Leben. Bei der Auswahl eines Versicherers sollten potentielle Kunden jedoch nicht nur auf die aktuellen Überschussbeteiligungen achten, sondern auch die langfristige Finanzstärke des Anbieters berücksichtigen. Auch sagt die Überschussbeteiligung wenig darüber aus, ob sich eine Lebensversicherung für die private Altersvorsorge lohnt.
Wie die laufenden Verzinsungen der Versicherer aussehen, können Sie der Tabelle entnehmen. Noch hat Assekurata allerdings nicht alle Werte berücksichtigt.
Laufende Verzinsung privater Rentenversicherungen in Prozent | |||
| Unternehmen | 2026 | 2025 | 2024 |
| Allianz Lebensversicherungs AG | 2,70 | 2,70 | 2,70 |
| Alte Leipziger Lebensversicherung a.G. | 2,40 | 2,25 | 2,25 |
| Athora Lebensversicherung AG | 3,50 | 3,00 | 3,00 |
| Axa Lebensversicherung AG | 3,00 | 3,00 | 2,60 |
| Bayern-Versicherung Lebensversicherung Aktiengesellschaft |
|
| 2,25 |
| BL die Bayerische Lebensversicherung AG | 2,60 | 3,00 | 3,00 |
| BY die Bayerische Vorsorge Lebensversicherung a.G. |
| 3,00 |
|
| Condor Lebensversicherungs-AG* |
| 2,10 | 2,00 |
| Continentale Lebensversicherung AG |
| 2,60 | 2,60 |
| DBV Deutsche Beamtenversicherung Lebensversicherung |
| 3,00 |
|
| Deutsche Ärzteversicherung AG |
| 3,00 | 2,60 |
| DEVK Allgemeine Lebensversicherungs-Aktiengesellschaft |
| 2,40 | 2,40 |
| DEVK Deutsche Eisenbahn Versicherung Lebensversicherungsverein a.G. |
| 3,00 | 3,00 |
| Entis Lebensversicherung AG | 3,40 | 3,35 | 3,25 |
| Ergo Lebensversicherung AG |
| 2,70 | 2,25 |
| Ergo Vorsorge Lebensversicherung AG |
| 2,80 |
|
| Europa Lebensversicherung AG |
| 2,90 | 2,90 |
| Gothaer Lebensversicherung AG | 2,45 | 2,45 |
|
| Hannoversche Lebensversicherung AG | 2,70 | 2,70 | 2,40 |
| HUK-Coburg-Lebensversicherung AG |
|
| 1,80 |
| Ideal Lebensversicherung a.G. | 3,00 | 3,00 | 3,00 |
| Inter Lebensversicherung AG | 3,40 | 3,25 | 3,00 |
| InterRisk Lebensversicherungs-AG | 2,70 | 2,70 | 2,70 |
| Lebensversicherung von 1871 a.G. München |
|
| 2,70 |
| Nürnberger Lebensversicherung AG | 2,95 | 2,95 | 2,75 |
| Öffentliche Lebensversicherung Braunschweig | 3,00 | 3,00 | 2,75 |
| Öffentliche Versicherungen Oldenburg | 2,00 | 2,00 | 2,00 |
| Proxalto Lebensversicherung AG | 2,70 | 2,60 | 2,35 |
| R+V Lebensversicherung a. G. |
|
| 1,95 |
| R+V Lebensversicherung AG |
|
| 2,05 |
| Signal Iduna Lebensversicherung a. G. |
| 2,05 | 1,65 |
| Sparkassen-Versicherung Sachsen Lebensversicherung AG | 2,30 | 2,30 | 2,30 |
| Stuttgarter Lebensversicherung a.G. | 2,40 | 2,00 | 2,00 |
| SV Sparkassen-Versicherung Lebensversicherung AG | 2,25 | 2,25 | 2,00 |
| Swiss Life Lebensversicherung SE |
| 2,50 | 2,50 |
| Targo Lebensversicherung AG |
|
| 2,85 |
| Versicherer im Raum der Kirchen Lebensversicherung AG |
|
| 1,80 |
| VGH Provinzial Lebensversicherung Hannover | 2,50 | 2,50 | 2,50 |
| Victoria Lebensversicherung AG |
| 2,70 | 2,25 |
| Volkswohl Bund Lebensversicherung a. G. |
| 2,80 | 2,80 |
| VPV Lebensversicherungs-AG | 3,00 | 3,00 |
|
| WGV-Lebensversicherung AG | 2,75 | 2,60 | 2,60 |
| Württembergische Lebensversicherung AG | 2,55 | 2,55 | 2,55 |
Die in der Tabelle gezeigte laufende Verzinsung ist nicht mit der Gesamtverzinsung zu verwechseln. Wird die Lebensversicherung zum Vertragsende ausgezahlt, kommt der Schlussüberschuss obendrauf. Dieser beinhaltet eine Beteiligung an den sogenannten Bewertungsreserven des Versicherers, also Gewinnen des Versicherers, die zum Beispiel dadurch entstehen, dass der Kurs eines Wertpapiers höher ist als zum Kaufzeitpunkt. Diese Gesamtverzinsung ist in der Regel deutlich höher als die laufende Verzinsung des Vertrags.
Da der Höchstrechnungszins für Neuverträge jahrelang gesunken ist und nach seinem ersten Anstieg seit 30 Jahren von 0,25 Prozent auf 1,0 Prozent auf diesem Niveau 2026 bleiben wird, werben die Versicherer verstärkt mit der sogenannten Überschussbeteiligung. Von dem Zinsanstieg seit dem Frühjahr 2022 können die Kunden aber erst langsam profitieren, da jedes Jahr nur ein Teil der milliardenschweren Kapitalanlagen der Versicherer zusammen mit neuem Kundengeld neu angelegt werden kann.
Wenn Sie ein Altkunde oder eine Altkundin sind, können Sie noch von den damals höheren Garantiezinsen profitieren. Bei Verträgen, die zwischen Juli 1994 und Ende Juni 2000 abgeschlossen wurden, waren zum Beispiel bis zu 4,0 Prozent möglich. Diese Garantie müssen die Versicherer bis heute erfüllen, notfalls mit Rücklagen, der sogenannten Zinszusatzreserve. Aus diesem Topf werden die alten Verträge sozusagen bezuschusst. Doch Vorsicht: Sind Sie ein Kunde mit einem alten Vertrag und relativ hohen Garantiezinsen, die über der derzeit laufenden Verzinsung ihres Versicherers liegen, haben Sie von den zuletzt gestiegenen Zinsen nichts. Dann bekommen Sie nichts obendrauf.
Klassische private Rentenversicherungen und Kapitallebensversicherungen werden seit Jahren von Verbraucherschützern kritisiert – nicht nur weil sie unflexibel sind und jahrelang magere Renditen brachten. Sie sind auch teuer. Sie sollten sich deshalb nicht blenden lassen, wenn Versicherer mit den laufenden Überschüssen und der Gesamtverzinsung werben. Das entspricht nicht der Rendite nach Kosten – die Kosten sind noch abzuziehen. Und dann können zum Beispiel von einer Gesamtverzinsung von 3,5 Prozent nur 2,5 Prozent übrigbleiben.
Was ebenfalls oft übersehen wird: Die Garantiezinsen gibt’s nur für den Sparanteil. Das ist der Betrag, der nach Abzug von Abschlussprovision, Verwaltungskosten und Kosten für den Schutz der Hinterbliebenen übrigbleibt. Ein vereinfachtes fiktives Beispiel: Sie zahlen 200 Euro im Monat ein, alle Kosten zusammengerechnet belaufen sich im Durchschnitt auf 20 Euro. Dann werden Ihnen nur 180 Euro verzinst.
Das Problem dabei: In der Realität bleibt für Sie völlig unklar, wie viel von Ihren Beiträgen für die diversen Kosten tatsächlich draufgehen. Auch deshalb ist es ungewiss, wie viel für Sie am Ende wirklich herauskommt. Hinzu kommt: Sie sollten langfristige Prognosen von Lebensversicherern nicht allzu wörtlich nehmen. Die Leistungen, die viele Kunden bei Ablauf ihrer Kapital-Lebensversicherung oder privaten Rentenversicherung erhielten, waren zumindest in der Vergangenheit oft erheblich geringer als bei Vertragsbeginn vom Versicherer mitgeteilt.
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