Solidvest

Dieser Robo-Advisor schützt vor Insider-Geschäften

Update: 12.10.2020
Auf einen Blick
  • Bei Solidvest gibt es jetzt eine sogenannte No-Buy-List. Anleger können damit einzelne Wertpapiere von ihrem Portfolio ausschließen.

  • Der kostenlose Service richtet sich vor allem an Finanzprofis, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater oder Rechtsanwälte. Sie dürfen wegen interner Vorschriften bestimmte Titel oft nicht halten oder handeln.

  • Aber auch normale Anleger können mit Hilfe der Liste Wertpapiere ausschließen, die sie nicht in ihrem Depot haben möchten.

Viele Berufsgruppen verfügen über internes Wissen zu Unternehmen. Wer das ausnutzt, um damit an der Börse Geld zu machen, muss mit Strafen rechnen - bis hin zum Gefängnis.
Hajrudin Hodzic / Shutterstock.com

Er soll seine internen Kenntnisse ausgenutzt und sich so über Monate hinweg privat bereichert haben: Der Schock bei einer der größten deutschen Fondsgesellschaften war groß, als Anfang September bekannt wurde, dass ein leitender Fondsmanager des Hauses sein Insiderwissen für die eigenen Geschäfte nutzte.

Der Mann soll sogenanntes „Frontrunning“ betrieben haben. Insider nutzen dabei ihr Wissen über bevorstehende Käufe oder Verkäufe von Wertpapieren, um auf kommende Kursbewegungen zu setzen. Die Strafen für solche Insidergeschäfte reichen von hohen Geldbußen bis zu fünf Jahren Haft. In dem Fall ermittelt nun die Staatsanwaltschaft:

Biallo Tipp

Eine interessante Alternative zu Wertpapier-Dividenden sind die Ausschüttungen von Genossenschaftsbanken.  Es winken Dividenden von bis zu zehn Prozent – ganz ohne Kursrisiko.

Einige Berufsgruppen verfügen über Insiderwissen

Fondsmanager sind oft im Besitz von Informationen über Aktien oder Unternehmen, die normale Anleger nicht haben. Gesetze und strenge interne Vorschriften verbieten ihnen jedoch, diese Informationen zum eigenen Vorteil zu nutzen. Ähnliches gilt auch für andere Berufsgruppen, die Zugang zu sensiblen Unternehmensdaten haben.

Dazu zählen etwa Rechtsanwälte, Wirtschaftsprüfer oder Steuerberater. Wegen gesetzlicher Auflagen und der Vorgaben zur sogenannten Compliance – also der Einhaltung von Regeln und Eigenverpflichtungen im Unternehmen – dürfen sie die Wertpapiere bestimmter Unternehmen nicht handeln oder halten. Tun sie es doch, gilt das als Insidergeschäft – egal, ob es absichtlich oder unabsichtlich geschieht.

Angehörige dieser Berufsgruppen konnten daher bisher eine automatisierte Vermögensverwaltung über Robo-Advisor, die auf Einzeltitel setzt, nicht nutzen. Denn dabei besteht die Gefahr, dass Titel im Portfolio des Anlegers landen, die er gar nicht besitzen darf – etwa die Aktie eines Unternehmens, das ein Wirtschaftsprüfer bilanziert.

Die No-Buy-List ist auch etwas für normale Anleger

Compliance und gesetzliche Vorgaben würden daher „in Sachen Geldanlage regelmäßig zum Frustfaktor für diverse Berufsgruppen“, sagt Sebastian Hasenack, Leiter des digitalen Vermögensverwalters Solidvest der Münchner DJE Kapital AG. Der Robo-Advisor hat deshalb nun eine „No-Buy-List“ eingeführt. 

Damit lassen sich ausgewählte Aktien oder Anleihen aus dem Portfolio ausschließen. Sie landen auf der individuellen „Nicht-kaufen-Liste“. Das Depot lässt sich auf diese Weise mit einzelnen Titeln bestücken, ohne dass das Risiko besteht, verbotene Wertpapiere zu erwerben.

Mit dem Service richte man sich vor allem an Berufsgruppen, bei denen gesetzliche Vorgaben und Compliance bei der Geldanlage eine Rolle spielen. Aber auch Privatanleger können die No-Buy-List nutzen, sagt Hasenack: „Tatsächlich bieten wir auch die Möglichkeit, aufgrund privater Motive die Titel bestimmter Unternehmen auszuschließen.“

Die Gründe, warum Anleger bestimmte Titel nicht im Depot haben möchten, können dabei vielfältig sein. So sind manchen Anlegern bestimmte Papiere einfach zu riskant, andere wollen keine Aktien von Unternehmen im Portfolio haben, die etwa Waffen oder Tabak herstellen.  

Einrichtung der Liste ist kostenlos

Wer mit Hilfe der No-Buy-List einen oder mehrere Titel aus seinem Depot ausschließen möchte, kann dies über die Homepage des Robo-Advisors tun. Dort sucht man zunächst die sogenannte LEI des betreffenden Unternehmens heraus. 

Dieser „Legal Entity Identifyer-Code“ ist eine 20-stellige Kennnummer, über den sich juristische Personen und deren Wertpapiere identifizieren lassen. Die Nummer teilt man Solidvest mit. Der Vermögensverwalter blockiert dann alle zur LEI gehörenden Aktien und Anleihen für den Handel im Portfolio.

Die No-Buy-List gibt es seit September. Solidvest ist eigenen Angaben zufolge bislang der einzige Robo-Advisor, der einen solchen Service anbietet. Er werde bereits von einigen Kunden genutzt, sagt Sebastian Hasenack. Das bisherige Feedback falle positiv aus:  „Tenor: Endlich bietet auch ein Online-Vermögensverwalter diese Möglichkeit an.“





  Andreas Jalsovec


 
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