Die Ölpreise explodieren – und Chevron kassiert kräftig ab. Der US-Energieriese zählt zu den großen Gewinnern der Nahost-Krise. Der Konzern überzeugt mit stabilen Kennzahlen und hoher Dividende. Allerdings ist die Aktie hoch bewertet. Kurzfristig bleibt das Papier interessant, langfristig steigen die Risiken.
Chevron-Aktie: Ölboom treibt den Kurs – aber wie lange noch?
Der Iran-Krieg hat den großen, weltweit agierenden Ölkonzernen kräftige Gewinne beschert. Das macht sich auch in den Aktienkursen bemerkbar: Seit Kriegsbeginn vor einem Monat legten die Aktien von BP, Chevron, Exxon, Shell und TotalEnergies zwischen zehn und knapp 20 Prozent zu. Zum Vergleich: Der Deutsche Aktienindex verlor im selben Zeitraum zwölf Prozent, die Weltindex MSCI World sieben Prozent.
Grund für die klingelnden Kassen der Energie-Multis sind die stark gestiegenen Ölpreise. Doch sind die Aktien der Öl-Profiteure auch langfristig attraktiv? In unserer Reihe zur „Aktie der Woche“ vergleichen wir in den kommenden Wochen die fünf großen Energiekonzerne. Den Anfang macht Chevron: Bei dem US-Konzern hat Star-Investor Warren Buffet kurz vor der Iran-Krise seine Aktienposition aufgestockt – ein Zufall? Wir sagen Ihnen, wie Chevron im Vergleich zur Konkurrenz dasteht und ob sich die Aktie für Anlegerinnen und Anleger jetzt noch lohnt.

Mit der "Aktie der Woche" geben wir Ihnen Hilfestellung: Unser Börsenexperte Luis Ropero bewertet wöchentlich die Aktien von Unternehmen, die die Börse bewegen. Das Ergebnis fasst er in einem Kurzvideo auf Instagram zusammen.
Das Geschäftsmodell: Gute Dividende dank Öl und Gas
Chevron ist eines der größten Energieunternehmen der Welt mit Aktivitäten in über 180 Ländern. Das Geschäftsmodell des Konzerns mit Sitz in Kalifornien ruht auf drei Säulen:
Rohstoffsicherheit: Chevron produziert Rohöl und Erdgas in einigen der ertragreichsten Regionen der Welt – darunter das Permian Basin in Texas, Guyana und Kasachstan. Mit der Übernahme des Explorations-Unternehmens Hess Corporation hat der Konzern seine Reservenbasis ausgebaut und die Produktion auf Rekordhöhen getrieben.
Kostendisziplin: Chevron hat in den vergangenen Jahren Kostensenkungen von 1,5 Milliarden Dollar erzielt und strebt 2026 weitere Milliarden-Einsparungen an. So kann das Unternehmen, auch bei niedrigen Ölpreisen profitabel bleiben.
Dividendenstärke: Mit 38 aufeinanderfolgenden Jahren an Dividendenerhöhungen gehört Chevron zu den verlässlichsten Dividendenzahlern im US-Börsenindex S&P 500. Im Jahr 2025 schüttete der Konzern den Rekordwert von 27,1 Milliarden Dollar an seine Aktionäre aus – durch Dividenden und Aktienrückkäufe.
Obwohl die Geschäfte derzeit exzellent laufen, sollen die Milliardengewinne aus dem gestiegenen Ölpreis vorerst nicht in neue Förderkapazitäten fließen. Neue Bohrprojekte hält der Konzern erst dann für wirtschaftlich gerechtfertigt, wenn der Ölpreis über mehrere Monate stabil über 100 Dollar bleibt.
Der Vergleich: Chevron auf dem zweiten Platz
In unserem Vergleich der fünf Wettbewerber erreicht Chevron eine Gesamtpunktzahl von 7 Punkten. Der Konzern belegt damit den zweiten Platz. Sieger ist das französische Unternehmen TotalEnergies mit beeindruckenden 12 von 13 möglichen Punkten. In den Vergleich gehen gut ein Dutzend Kennzahlen zu Gewinn, Umsatz oder Kapitalrendite ein (siehe Info am Ende des Artikels).
Das Gesamtergebnis der Vergleichsgruppe
Unternehmen | Gesamtpunktzahl | Platzierung |
| TotalEnergies | 12,0 | 1 |
| Chevron | 7,0 | 2 |
| ExxonMobil | 6,5 | 3 |
| Shell | 6,0 | 4 |
| BP | 4,5 | 5 |
Die Analyse: Schöne Aussichten beim Ertrag
Chevron schafft es bei einigen Kennzahlen, die Konkurrenz hinter sich zu lassen. Das gilt vor allem für das erwartete Gewinnwachstum von durchschnittlich gut 16 Prozent im Jahr bis 2029 (siehe Grafik). Grund ist vor allem die Hess-Integration.
Gewinn bei Chevron: Stetiger Anstieg bis 2029 (in Mrd. US-Dollar)

Auch bei der Eigenkapitalquote überzeugt Chevron: 82 Prozent ist der höchste Wert in der Vergleichsgruppe. Er signalisiert finanzielle Stabilität. Das sogenannte Forward-KGV – also das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis des erwarteten Gewinns – ist allerdings mit mehr als 25,2 sehr hoch. Verglichen mit TotalEnergies (13,4) oder Shell (14,9) zahlen Anleger damit für die Chevron-Aktie einen spürbaren Aufpreis. Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten Kennzahlen unserer Analyse.
Stark bei Umsatz und Gewinn: Chevron in Zahlen
| Kennzahl | Wert | Platz im Vergleich |
| Umsatzwachstum¹ | 14,26 % | 1 |
| Erwartetes Umsatzwachstum² | 3,71 % | 2 |
| Gewinnwachstum¹ | -5,81 % | 4 |
| Erwartetes Gewinnwachstum² | 16,19 % | 1 |
| EBIT-Marge³ | 11,00 % | 2 |
| EBIT-Margenwachstum³ | 6,68 % | 4 |
| EBIT-Drawdown³ | -57,64 % | 4 |
| Eigenkapitalquote | 82,00 % | 1 |
| Eigenkapitalrendite (ROE)⁴ | 6,60 % | 4 |
| Kapitalrendite (ROCE)⁴ | 9,15 % | 3 |
| Forward-KGV⁵ | 25,19 | 5 |
Die Aktie: Kurs auf Allzeithoch
Der Verlauf des Chevron-Kurses macht die Abhängigkeit der Aktie vom Ölpreis deutlich: Die Erdölnotierungen steigen seit Jahresanfang. Seitdem klettert auch der Chevron-Kurs (siehe Chart unten). Der Iran-Krieg hat den Anstieg noch beschleunigt. Am 27. März erreichte die Aktie ein Drei-Jahres-Hoch bei 211 Euro – ein Plus von 35 Prozent seit Jahresbeginn.
Chevron-Aktie: Steiler Anstieg seit Jahresbeginn

Experten trauen dem Papier allerdings derzeit nicht mehr sehr viel zu. Das durchschnittliche Kursziel von 26 Analysten liegt bei gut 196 Dollar. Der aktuelle Kurs übertrifft das bereits deutlich. Dennoch halte einige Analysten die Aktie wegen der vergleichsweise geringen Nahost-Abhängigkeit für attraktiver als etwa ExxonMobil.
Das Fazit: Stabiler Ölriese mit guter Dividende
Chevron ist einer der hochwertigsten Ölkonzerne der Welt. Die hohe Eigenkapitalquote, eine starke Dividendenhistorie und die erwarteten Produktions- und Gewinnsteigerungen aus der Hess-Integration machen den Konzern zu einem stabilen Investment.
Der Irankrieg hat den Kurs zuletzt beflügelt. Davon haben Anleger stark profitiert. Wie lange das so bleibt, ist aber unklar. Die Aktie ist mit einem Forward-KGV von 25 und einem Kurs oberhalb des Analystenziels nicht gerade günstig bewertet. Wer langfristig denkt, sollte zudem die Risiken durch die globale Energiewende im Blick behalten – ein dauerhaft niedrigerer Ölpreis würde Chevrons Ertragskraft empfindlich treffen.
Kurz- bis mittelfristig ist Chevron jedoch ein attraktiver Wert für Anleger, die vom anhaltend hohen Ölpreis profitieren möchten. Ihnen sollte aber klar sein, dass dieser Bonus nicht ewig anhält. Warren Buffet übrigens glaubt schon länger an die Aktie: Sie liegt unter den Top-5-Positionen in seinem Portfolio. Rund 130 Millionen Anteile besitzt Buffet an dem Konzern. Das dürfte ihm in diesem Jahr eine Dividende von rund 900 Millionen US-Dollar einbringen.
Nächste Woche analysieren wir ExxonMobil – den direkten US-Konkurrenten von Chevron und den größten westlichen Ölkonzern der Welt.
So bewerten wir die Aktie der Woche
Bei der "Aktie der Woche" vergleicht Biallo regelmäßig große Unternehmen aus verschiedenen Branchen. Wir ziehen dafür rund ein Dutzend Kennzahlen heran. Dazu zählen Umsatz- und Gewinnwachstum, Rentabilität, Kapitalstruktur oder die Analystenbewertung. Für jede Kategorie gibt es einen Punkt, wenn das Unternehmen in der Kategorie unter den Top 3 in der Vergleichsgruppe liegt. Bei Wachstumswerten berechnen wir zusätzlich die Stabilität des Wachstums: Liegt sie über einem definierten Schwellenwert, gibt es einen halben Zusatzpunkt. Insgesamt werden in elf Kategorien je ein Punkt und zusätzlich je ein halber Punkt für vier Stabilitätskriterien vergeben – maximal also 13 Punkte.
Zuletzt sind in der Reihe "Aktie der Woche" erschienen:
- Rheinmetall: Ist die Aktie noch ein Kauf?
- Hensoldt: "Auge" und "Ohr" der Rüstungsindustrie
- Lockheed-Martin: Lebensversicherung der NATO
- Renk: Getriebe der globalen Aufrüstung
- BAE Systems: Chance nach dem Kursrutsch?
- Tesla vor dem Wandel: Roboter und KI statt Autos?
- VW-Aktie: Extrem günstig – aber lohnt sich der Kauf?
- Mercedes-Aktie: Zwischen Krise und Comeback
- BMW schlägt VW und Mercedes – Chance für Anleger?
- BYD-Aktie: Angriff auf die Weltspitze


